31. Oktober 2006

Neue Öko-Studien Pseudobegründungen für staatliches Handeln

Wie der Staat das ökologisch-ökonomische Gleichgewicht zerstört

Es ist derzeit eine tektonische Verschiebung in der Argumentationsrichtung staatlicher und nichtstaatlicher Umweltschützer zu beobachten. Bislang hielten sie nicht viel vom Wirtschaftlichkeits- und Effizienzdenken, da sie behaupteten, die Natur habe einen “intrinsischen” Wert, der sich nicht in Euro oder Dollar berechnen lässt. In kurzer Folge sind in letzter Zeit jedoch Studien veröffentlicht worden, die eine Abkehr von diesem Argument signalisieren. Zunächst meldete sich der WWF mit seiner “Fußabdruck”-Studie zu Wort.

Demnach beansprucht die Menschheit den Planeten Erde zu 25 Prozent über seiner Regenerationsfähigkeit. Unabhängig davon, ob diese Berechnung stimmt oder nicht, ist dieses Argument allein schon eine Anerkennung des Denkens in Kategorien der Wirtschaftlichkeit. Wir verbrauchen angeblich mehr als die Natur für uns produzieren kann, ein klassischer Fall von “Entsparen” also. Allerdings ist Skepsis geboten. Der Ressourcenbedarf der Menschheit werde “im Jahr 2050 doppelt so hoch sein wie die Fähigkeit der Erde, diese Ressourcen zur Verfügung zu stellen”, heißt es im Bericht. “Wir bräuchten dann die Ressourcen von zwei Planeten, um unseren Bedarf zu decken.”

Vor fast vier Jahrzehnten hatte der Club of Rome ähnlich gewarnt, dass bei damals bekanntem Vorkommen das letzte Öl im Jahr 1992 aufgebraucht sei. Der Grund, weshalb der Professorenclub damals danebenlag, ist auch genau der gleiche Grund dafür, dass heute der WWF völlig falsch liegt. Beide Szenarien ignorieren den Faktor der Preisbildung am Markt. Und die funktioniert so: Wenn etwas knapper wird, wird es bei gleichbleibender Nachfrage automatisch teurer, bei steigender Nachfrage erst recht. Allein die Erwartung höherer Preise in der Zukunft erzeugt höhere Preise in der Gegenwart. (Es sei denn, die Regierungen verzerren mit ihren Gesetzen, Steuern, Subventionen die Preise.) Bei solchen Entwicklungen setzt immer eine oft und gerne übersehene Dynamik ein: weil bei Teuerungen der Umsatz pro Einheit steigt, lohnen sich nun auch Produktionsprozesse, Ausbeutung von Rohstoff-Lagern, oder die Herstellung von Ersatzprodukten, die sich bisher nicht gelohnt hatten. Das paradoxe Ergebnis einer befürchteten Verknappung ist daher eine Ausweitung des Angebots.

Doch solche Gedanken sucht man beim WWF natürlich vergeblich. Auch bei den Vorschlägen, was denn gegen diesen angeblichen Überverbrauch zu tun sei, verfällt der WWF in alte Denkschablonen. “Nachhaltiger und fairer Konsum” wird gefordert, der “zu gestalten” sei. (Wer soll “gestalten”?) “Die Ressourcen, mit denen Produkte und Dienstleistungen hergestellt werden, sind effizienter zu nutzen.” (Wer entscheidet, was “effizient” ist?) “Wir müssen für einen konsequenten Klimaschutz erneuerbaren Energien den Vorrang geben, den Schwerpunkt auf Energiesparen und höhere Effizienz legen, sowie unser Mobiltätsverhalten ändern.” (Wer ist “wir”? Und wie soll das geschehen? Und wieder: wer sagt, was “effizient” ist?) “Wir müssen natürliche Lebensräume schützen beziehungsweise zerstörte Lebensräume wieder aufbauen. Damit bewahren und fördern wir die Kapazität der Erde.” (Schon wieder “wir”? Und wer entscheidet welche Lebensräume wiederaufgebaut werden? Mit wessen Mitteln? Die Kapazität wofür genau?)

Kurz nach der Veröffentlichung des WWF kam diese Meldung aus Großbritannien: Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und enger Freund des derzeitigen Finanzministers, hat in einer 700-Seitigen Studie für die Regierung ihrer Majestät berechnent, was die befürchtete Klimaveränderung der Weltwirtschaft kosten wird: Zwischen 5 und 20 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Empfehlung lautet, statt dessen so bald wie möglich 1 Prozent des Weltinlandprodukts für den Klimaschutz aufzubringen. Die dressierten Medien stellen als große Sensation dar, dass ein Ökonom diese Studie erarbeitet hat und dass es damit nun auch ein “ökonomisches” Argument für den politisch erzwungenen Klimaschutz gebe. Hier sieht man zwar auch wieder die – vielleicht unwillkürliche – Anerkennung des ökonomischen Prinzips. Leider (und erwartungsgemäß) aber nur auf der Oberfläche. Denn was ist hier wirklich gesagt worden? Auf der Basis der vermuteten, extrapolierten Schäden durch den ebenfalls lediglich vermuteten menschlich verursachten Klimawandel hat sich jemand hingesetzt und dieses spekulative Unheil monetär berechnet, sowie die auf dieser Basis angeblich notwendigen Maßnahmen. Das allein ist zwar eine große Leistung in sich, aber ansonsten genauso wenig Wert wie die vielen unterschiedlichen Vorhersagen, wie das Wetter weltweit in 100 Jahren aussehen wird. Trotz dieser durchsichtigen Masche hat sich der britische Premierminister Tony Blair zu der Behauptung hinreißen lassen, jetzt sei das letzte Argument gegen ein schnelles (gemeint ist: politisches) Handeln weggefallen.

In Wirklichkeit ist etwas anderes geschehen. Die Politik vermutet, dass die Verunsicherung in der Bevölkerung jetzt groß genug ist, um ihr ungestraft Opfer abverlangen zu dürfen. Die Studie Sterns lieferte lediglich die gewünschte akademisch klingende Begründung. Im übrigen stimmt es nicht, dass diese Studie die erste ökonomische Berechnung der antizipierten Klimaschäden ist. Vor fünf Jahren schon veröffentlichte der Statistiker Björn Lomborg seine Studie, wonach der Klimawandel zwar Schäden und Kosten verursachen werde, die aber beherrschbar seien und keineswegs weitere Opfer notwendig machen. Nach seiner Berechnung würden die Kosten der durch Klimawandel verursachten Schäden weitaus kleiner sein als die für ihre Verhinderung notwendigen Ausgaben. Ob die Stern-Studie auf Lomborg und seinen Berechnungen eingeht, ist aus den Berichten darüber nicht ersichtlich. Es darf bezweifelt werden. Es darf auch angenommen werden, dass die ernstzunehmende Vermutung, eine aus welchen Gründen auch immer stattfindende Klimaerwärmung könnte das Entstehen einer neuen Eiszeit um ein Jahrtausend verschieben, in der Stern’schen Studie keinen Niederschlag findet. Außerdem wird auch durch diese neue Studie keineswegs das stärkste ökonomische Argument gegen politisch erzwungenen Klimaschutz entkräftet.

Dieses hat vor Jahren Professor George Reisman von der kalifornischen Pepperdine-Universität vorgebracht: “Falls Klimaerwärmung, Ozonabbau oder was auch immer tatsächlich Folgen von Handlungen der Menschen als Kollektiv sind, jedoch nicht von Handlungen irgendeines gegebenen Individuums, auch nicht eines gegebenen individuellen Unternehmens, dann ist es nur richtig, diese entsprechend als Phänomene der Natur zu betrachten. Da sie nicht durch Handlungen individueller Menschen erzeugt werden, entsprechen sie Handlungen, die moralisch überhaupt nicht von Menschen verursacht werden. Wenn wir die Angelegenheit erstmal in diesem Licht betrachten, wird ersichtlich, was die angemessene Antwort auf derartige Umweltveränderungen ist. Es ist die selbe angemessene Antwort wie die des Menschen auf die Natur allgemein. Individuelle Menschen müssen die Freiheit haben, mit der Natur auf eine Weise umzugehen, die ihnen den maximalen individuellen Vorteil erbringt, bedingt allein durch das Verbot, physische Gewalt gegen die Person oder das Eigentum eines anderen individuellen Menschen auszuüben. Indem diesem Prinzip gefolgt wird, wird der Mensch mit jeder negativen Naturgewalt, die als Nebenprodukt aus seinen eigenen, summierten Handlungen resultiert, auf genau die gleiche erfolgreiche Art umgehen wie er auch sonst mit den elementaren Gewalten der Natur umgeht.” Reismans Schlußfolgerung: “Die angemessene Antwort auf Veränderungen in der Umwelt, ob globale Erwärmung oder eine neue Eiszeit, ist die ökonomische Freiheit einer kapitalistischen Gesellschaft.” Die britische Regierung und der WWF ignorieren solche Ratschläge natürlich, und es ist davon auszugehen, dass ihre Studien auch von anderen Regierungen genutzt werden, um ihre Bevölkerungen weiterhin und in gestiegenem Maße zu gängeln und auszubeuten. Damit werden sie aber genau das erzeugen, was sie angeblich zu verhindern trachten: eine geschwächte Wirtschaft, deren Kraft und Infrastruktur nicht ausreichen wird, den Herausforderungen extremer Wetterlagen zu begegnen.


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