18. Dezember 2006

Holocaust-Konferenz Deutschland ist das Letzte!

Ein deutscher Harlekin auf der umstrittenen Konferenz von Teheran.

Interview von Kaspar Rosenbaum

Vor mehr als fünf Jahren sorgte Peter Töpfer in einem Interview mit eigentümlich frei für Aufsehen: „Ein Nazi als Freiheitsfreund?“ – fragten damals viele entsetzt. Töpfer, der schonmal auf Demonstrationen von Nazis mitgeht und dort die Anarchiefahne schwenkt oder auf Demos der „Antifa“ gegen seine Person selbst auftaucht und zur freundschaftlichen Rede ansetzt, ist wohl in erster Linie Dadaist, Querkopf und Gefahrensucher. Als solcher hat er unter Lebensgefahr als damals 16-jähriger die maoistische „KPD-ML Sektion DDR“ mitgegründet und später noch vor der Maueröffnung bei den Montagsdemos in Leipzig und Dresden heimlich gefilmt und Aufnahmen in den Westen geschleust. Nach der Wende gründete er 1995 zusammen mit Andreas Röhler die Zeitschrift „Sleipnir“, die auch Geschichtsrevisionisten ein Forum bot und in der Folge extremen staatlichen Repressionen ausgesetzt war. Seit 1999 bezeichnet sich Töpfer als „Nationalanarchist“ und betreibt eine entsprechende Internetseite mit umfangreichen, meist eigenen Texten, in denen individualistische Perlen ebenso wie bräunlich-kollektivistische Ausfälle zu finden sind. Vielleicht ist es bezeichnend, dass ausgerechnet ein Harlekin wie Peter Töpfer als Ein-Mann-„Nationalanarchistisches Kommunikaze-Kommando Germar Rudolf / Internationale Brigade“ nach Teherean fuhr, um dort an der umstrittenen Holocaust-Konferenz teilzunehmen. Seine eigene Rede dort sowie weitere Ton, Film und Foto-Aufnahmen sowie Artikel von der und über die Konferenz sind auf seiner Internetseite zu finden. Für ef-online stellte sich Peter Töpfer noch in Teheran befindlich einigen Nachfragen. Wir denken, dass in diesem Falle ein Interview auch mit einer umstrittenen Person wie Peter Töpfer gerechtfertigt ist, schon weil in den Mainstreammedien die Holocaust-Konferenz bewusst falsch dargestellt wurde. Denn auch den islamistische Propaganda betreibenden staatlichen Veranstaltern aus dem Iran ging es in erster Linie nur darum, die mangelnde Meinungsfreiheit im Westen bloßzustellen.

ef: Herr Töpfer, Sie wurden, auch in eigentümlich frei schonmal, als „Nazi“ bezeichnet. Stört Sie das?

Töpfer: Es würde mich nicht besonders stören, obwohl ich keiner bin, wenn da nicht die Gefahr bestünde, dass ich nach einer solche Bezeichnung in Deutschland in den Knast gehen müsste. Meine Gegner werden schon sehr bald einsehen, dass ihre Masche bei mir kein bisschen zieht. Wer mich auch nur ein klein wenig kennt, lacht diese Leute nur noch kurz aus.

ef: In der deutschen Presse wurde die Holocaust-Konferenz so dargestellt, als ob es um die Leugnung oder Relativierung des Holocaust gegangen sei. Waren das auch nach Ihrer Einschätzung – als von der iranischen Regierung offiziell eingeladenem deutschen Teilnehmer – die Themen?

Töpfer: Natürlich nicht. Mir persönlich ging es überhaupt nicht um dieses Thema, ich interessiere mich nicht dafür. Mein Thema ist ausschließlich die skandalöse und traurige Abwesenheit von Meinungsfreiheit in vielen westlichen Ländern. Darüber hinaus sind viele Juden anwesend, keiner von ihnen ist Revisionist.

ef: Ging es auch anderen Teilnehmern der Konferenz um Meinungsfreiheit im Westen?

Töpfer: Ich maße mir an zu sagen: allen. Natürlich ging es den Teilnehmern um die Freiheit! Viele von ihnen haben massigst Repressionen über sich ergehen lassen müssen. Wenn ein Historiker – Revisionist oder nicht – sich nicht ausdrücken kann, was soll dann das ganze? Er muss für Meinungsfreiheit sein. Eine malaysische Forscherin, die ich hier kennengelernt habe, fiel aus allen Wolken, als sie erfuhr, was im Westen los ist und dass die ganze westliche Propaganda bezüglich Meinungsfreiheit verlogen und hohl ist.

ef: Sie meinen die Menschen, die für ihre Meinung in Deutschland im Gefängnis sitzen? Für eine sehr unappetitliche Meinung allerdings!

Töpfer: Ich habe es schon in meiner Rede hier so ausgedrückt: Was immer die Gründe für die kriminelle Kriminalisierung von geäußerten Ansichten sind – diese Gründe sind sekundär. Primär ist allein die Tatsache, dass etwa ein Germar Rudolf im Knast sitzt, welches Thema er auch immer zur öffentlichen Sache gemacht hat. Generell darf es Kriminalisierung von Ansichten und Anschauungen nicht geben, wie umstritten und emotional beladen die berührten Themen auch sein mögen.

ef: Aber es war doch zum Beispiel schon eine besondere Mischung von Teilnehmern in Teheran.

Töpfer: Wissen Sie, wir haben es hier mit einer dermaßen bösartigen Hetze gegen die Konferenzteilnehmer zu tun, dass es die reinste Absurdität ist! Wenn Sie hier wären und diese wunderschöne, ja liebevolle Atmosphäre erleben würden, die zwischen den Teilnehmern aus fast allen Ländern der Welt besteht – darunter sehr viele Juden –, dann würden Sie wissen, was ich mit „reinste Absurdität“ meine. Ein Teilnehmer, der junge Lehrer Jan Bernhoff aus Schweden, hat soeben aus der Zeitung erfahren, dass sein Arbeitgeber ihn entlassen hat. Der Junge ist fix und fertig und heult die ganze Zeit!

ef: Müssen Sie bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland mit staatlichen Repressionen rechnen?

Töpfer: Nein. Alles wird genau so normal verlaufen wie die Ausreise. Ich wüsste nicht, warum ich Repressionen zu befürchten hätte.

ef: Naja, anderen, die nach Teheran wollten, wurde vorher der Pass entzogen. Und wieder anderen, wie der Nazi Horst Mahler, wurden wegen böser Meinung vor Beginn der Konferenz noch ins Gefängnis gesteckt. Wie sind denn Ihre bisherigen Erfahrungen mit der deutschen Polizei und Justiz?

Töpfer: Nicht besonders schön. So gesehen könnte also durchaus noch etwas bei meiner Rückkehr passieren. Polizei und Justiz haben oft genug das Recht gebrochen. Ich will nur ein kleines Detail unter Hunderten herausheben: Einmal präsentierte sich ein ganzes Kommando von Polizisten vor meiner Wohnung und erheischte Einlass, um festzustellen, ob ich Peter Töpfer sei, derjenige, der für eine bestimmte Internetseite zur Verantwortung gezogen werden kann. Ich sagte: „Genau der bin ich!“ Trotzdem drang die Truppe mit Gewalt ein, durchsuchte meine ganze Wohnung und beschlagnahmte meinen Rechner, obwohl doch die Frage nach der Identität und der Verantwortung geklärt war. Im übrigen wurde die Zensur-Staatsaktion von der Privatwirtschaft ergänzend begleitet: Die Strato AG sperrte zur gleichen Zeit die betreffende Seite.

ef: Hat die deutsche Justiz Ihnen nur einmal den Computer weggenommen?

Töpfer: Nein, unzählige Male, ich weiß es nicht mehr. Ich glaube, Andreas Röhler und mir – wir saßen immer gemeinsam auf der Anklagebank – wurden insgesamt zwölf Rechner geraubt. In der Rede, die ich hier in Teheran gehalten habe, gehe ich auch noch auf andere Korken ein. Es weiß einfach keiner, was in Deutschland abgeht. Und wenn, dann glaubt er es nicht oder dreht sich desinteressiert oder feige weg.

ef: Auf der Konferenz stellte sich der Iran in den Dienst der Meinungsfreiheit. Gleichzeit sind Karikaturen über Mohammed im Iran verboten. Haben denn die „Kämpfer für Meinungsfreiheit“ auf der Konferenz vor Ort der iranischen Führung entgegengehalten, dass auch sie die Meinunsgfreiheit in anderen Fragen verwehren?

Töpfer: Lesen Sie nur meine Rede! Darin mache ich doch die Angela.

ef: Sie spielen auf die Besuche der Bundeskanzlerin bei Präsident Putin an?

Töpfer: Richtig! Nur besteht zu meiner Rede in Teheran der Unterschied, dass Frau Merkel den Balken in ihrem eigenen Auge nicht bemerkt. Die Menschenrechtslage ist in Russland oder im Iran viel besser als in Deutschland. Deutschland ist das letzte! Es tut mir weh, das sagen zu müssen, aber ich bin schwer enttäuscht von diesem Land und seinen Menschen. Generell meine ich: Erst sollten wir uns um unser eigenes Land kümmern, bevor wir anderen Lektionen erteilen.

ef: Dann sollte auch der Iran erst vor der eigenen Haustüre kehren, anstatt auf einer solchen Konferenz mit den eigenen schmutzigen Fingern andere zu ermahnen?

Töpfer: Das ist das Problem des Irans, nicht meins. In unserer großen Not, die die deutschen Versager zu verantworten haben und vor der sie die Augen verschließen, sind wir sehr froh und dankbar, dass wir die Iraner auf unserer Seite haben.

Internet:
www.peter-toepfer.org
www.nationalanarchismus.org
www.eigner-verlag.org


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Kaspar Rosenbaum

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