05. März 2007

Umweltschutz Warum der kalte Markt besser ist als glühende Politik

Ein illuminierendes Beispiel aus dem realen Leben

Das Klimaschutz-Karussell dreht sich immer schneller und gebiert immer verrücktere Ideen. Jüngst verkündete die australische Regierung, dass sie konventionelle Glühbirnen zu verbieten gedenkt, womit jeder, der die nächtliche Dunkelheit ein wenig vertreiben möchte, gezwungen wäre, die beim Kauf die deutlich teureren Energiesparlampen zu erwerben. Nun kann man über die Motivation dieses Planes rätseln, und zum Schluss kommen, dass die Regierung von Down Under, neben den USA wohl am stärksten gegen „Kyoto“ eingestellt, irgendetwas brauchte, um bei der Klimaschutzlobby Pfadfinderabzeichen zu erwerben. Was ja auch pompt gelang. Die Grünen in Deutschland zum Beispiel, die ja bekanntlich seit dem Reichsnaturschutzgesetz von 1935 bei jedem (zumindest jedem umweltpolitischen) Verbot Hurra schreien, begrüßten sofort diese Maßnahme und forderten gleiches hierzulande.

Es ist also mal wieder Zeit, an Frédéric Bastiat und seiner Mahnung zu erinnern, dass jeder Zwang, der vordergründig Begrüßenswertes erzeugt, immer auch Nebenwirkungen hervorruft, die man nicht sieht (und die meist nicht so begrüßenswert sind). Um zu verdeutlichen, was ich hier meine, brauche ich gar kein fiktives Beispiel zu konstruieren, sondern kann aus dem realen Leben (nämlich aus meinem) erzählen. Wie es nämlich der Zufall so wollte, kaufte ich mir just am Tag der obigen Meldung zehn Energiesparlampen (11 Watt, entsprechend 60 Watt bei herkömmlichen Glühbirnen). Eigentlich wollte ich nur zwei kaufen. Aber dann ergriff mich die kalte, gefühllose und unsichtbare Hand des Marktes und machte mich – zufriedener als zuvor gedacht. Und zugleich wusste ich, dass bei einem Verbot der herkömmlichen Lampen ich nicht so zufrieden gewesen wäre, und war dankbar für das Bisschen Markt, das in meiner Gegend noch existieren darf. Doch der Reihe nach:

In unserer Küche brennt fast ständig Licht, weil unser Haus leider so gebaut ist, dass kaum natürliches Licht in den Küchenraum einfällt. Sechs Glühlampen à 60 Watt sind es dort, plus einige Neonröhren über der Anrichte. Die in der Küche zum Einsatz kommenden Lampen funktionieren vielleicht ein halbes bis ein Jahr lang, danach muß ich sie auswechseln. Eine nach der anderen, denn gleichzeitig segnen sie glücklicherweise nie das Zeitliche. Solche Glühbirnen kosten im Sechser-Pack bei Homebase, dem örtlichen Baumarkt, £1,49. Energiesparlampen der selben entsprechenden Lichtleistung kosten im gleichen Laden £3,99 das Stück. Vor einigen Jahren hätte ich deren Kauf sowieso nicht in Erwägung gezogen, da sie ziemlich hässlich aussahen. Sie waren viel länger als herkömmliche Birnen und würden somit aus der Lampenverkleidung hervorlugen, so dass sie eher blenden als erhellen würden. Inzwischen hat sich die Röhrenlänge aber verkleinert. Schonmal ein Pluspunkt.

Um aber ganz genau herauszufinden, ob sich ein Kauf und Einsatz dieser kostenträchtigeren Lampen wirklich lohnt, hätte ich folgendes machen müssen: 1) Schätzen, oder besser noch messen, wie lange die Küchenglühbirnen pro Tag Jahresdurchschnittlich brennen, und das Ergebnis mit 365,25 Tagen multiplizieren. 2) Ergebnis von 1) mit 360 (6 x 60) Watt multiplizieren. 3) Die Quartalsstromrechnungen zu einer Jahresstromrechnung zusammenaddieren. 4) Mittles Prozentrechnung kalkulieren, wieviel Stromkosten die herkömmlichen Glühbirnen verursachen (dabei die unterschiedlichen Kosten des Stufentarifes außer acht lassend). 5) Nochmals Schritt 4), diesmal jedoch auf Basis von 66 (6 x 11) Watt durchführen. 6) Kostenunterschied zwischen 4) und 5) ermitteln. 7) Ermitteln, wie lange es dauert, bis die Mehrkosten des Kaufs von Energiesparlampen aufgrund des geringeren Verbrauchs wieder „eingefahren“ sind (idealerweise müssten die Kosten auch noch „abdiskontiert“ werden). Ich bin zwar Diplom-Ökonom, habe aber vermutlich gerade deswegen bisher keine solche Kalkulation vorgenommen. Denn es gibt auch den ökonomischen Begriff der „Suchkosten“. Mir ist meine Zeit einfach zu schade, bei den geschätzten Kostenbeträgen, solch eine Berechnung durchzuführen. Da schreibe ich lieber Artikel.

Aber ich kann ja, wie der vorletzte Satz andeutet, die Kosten schätzen. Und da sagte mir mein Pi-mal-Daumen-Rechner (PmDR) lange, dass sich bei £3,99 ein Kauf dieser Birnen nicht lohnt. Im Laufe der Zeit jedoch machte sich ein weiterer, nichtmonetärer Kostenfaktor bemerkbar. Immer wieder, etwa alle sechs Wochen einmal, habe ich etwa sechs Jahre lang klaglos Glühbirnen in der Küche ausgewechselt (wenn ich mir auch manchmal etwas Zeit gelassen habe mit dem Wechsel – spätestens aber nach der dritten kaputten Birne musste ich ran, denn dann wurd’s beim Zubereiten echt zu funzelig). Aber irgendwann in diesem Winter wurde es mir zu blöd, meine Sättigungsgrenze in Bezug auf neue Birne rausholen, Trittleiter ranholen, hinaufsteigen, alte Birne rausdrehen, neue Birne reindrehen, runtersteigen, Trittleiter wegstellen, alte Birne in den Mülleimer schmeißen, war erreicht.

Nun wollte ich doch die haltbareren Energiesparlampen. Aber nicht bedingungslos. So anstrengend ist ein Glühbirnenwechsel auch wieder nicht. Und £3,99 sind für ein bißchen Licht immer noch ziemlich happig. Also machte ich mich nun auf eine andere „Suche“ (die dank Internet viiiiel billiger ist als früher): Gibt’s die nirgends billiger? Bei Amazon.co.uk gibt es sie für £2,99. Aber ich wollte ja erstmal nur zwei (in der Küche brannten noch 4), und bei Amazon muss man immer £2,75 Porto zahlen, wenn man unter £15 ausgibt. Wo gibt es sie noch? Bei lightbulbs.com waren sie teurer als bei Homebase. Beim Baumarktkonkurrenten B&Q gab’s die Sorte, die ich brauchte, überhaupt nicht. Da flatterte ein Prospekt der Firma „Home Hardware“ ins Haus. Eine Ladenkette, in meinem Wohnort jedoch nur ein unscheinbarer kleiner Laden am anderen Ende der Stadt. Und siehe da: £1.79 pro Energiesparlampe einer Markenfirma. Mein PmDR sagte: Kaufen!

Am Eingang von Home Hardware begrüßt mich eine freundliche Dame, die gleich fragt, was ich wünsche. Und mich auch sofort zum begehrten Produkt hinführt und kompetent berät. Bei der Konkurrenz, bei den großen Baumärkten, muß man Mitarbeiter fast mit dem Lasso einfangen und selbst dann kann man keinesfalls sicher sein, dass sie bescheid wissen. (Warum in jenen Läden praktisch der Sozialismus herrscht, ist eine andere Geschichte, die ich bei anderer Gelegenheit vielleicht mal erzählen werde.) Dann kam die nächste angenehme Überraschung: derzeit werden diese Lampen in diesem Laden noch kostengünstiger, nämlich für nur 95 Pence angeboten, dank einer Promotion-Kampagne der Energiefirma Powergen. In England hat man schon lange Wahlfreiheit zwischen mehreren Energieanbietern, die sich folglich schon etwas einfallen lassen müssen, um Kunden anzulocken. Ich bin kein Kunde von Powergen und habe zunächst auch nicht vor, einer zu werden, aber immerhin bin ich jetzt auf diese Firma aufmerksam geworden. Laut der Bedienung im Laden findet dieses Angebot nur in jeweils einem Laden dieser Kette pro County statt, und ich befand mich in diesem einen Laden des County „Bath and North East Somerset“. Ob das stimmt oder nicht, war mir egal. Der Preis überzeugte mich auch so. Ich hätte bereitwillig bei £1,79 gekauft, nun erhielt ich eine sogenannte „Konsumentenrente“ von 84 Pence pro Stück. Was mich veranlasste, mein Kaufvolumen von 2 auf 10 glatt zu verfünffachen (und mein Ausgabevolumen im Vergleich zum geplanten mehr als zu verdoppeln).

Die neuen Birnen sind jetzt in der Küche im Einsatz (die vier übrigen werden demächst in anderen Räumen zum Einsatz kommen), und ihre jeweils 11 Watt erzeugen sogar etwas mehr Helligkeit als die bisherigen Edison-Lampen mit jeweils 60 Watt. Um jedoch auf die anfängliche Überlegung, Bastiat und so weiter, zurückzukommen: was wäre gewesen, wären herkömmliche Glühbirnen schon verboten? Hätte es einen Wettbewerb um Kunden gegeben? Hätte es eine Verbesserung der äußeren Ästhetik der Energiesparlampen gegeben? Einen Preiskampf? Eine Promotion-Kampagne? Ganz gewiß nicht, jedenfalls nicht im jetzigen Umfang. Uns bliebe ja keine Wahl, als diese Lampen zu kaufen (oder auf Kerzlenlicht o.ä. zurückzugreifen). Zwar gäbe es noch Konkurrenz mehrer Produzenten untereinander, nicht aber mehr den Vergleich mit herkömmlichen Birnen. Der Energiesparfortschritt würde an diesem Punkt zum Stillstand kommen, der Preisabbau wäre verlangsamt. Weder der Umwelt, noch unserem Geldbeutel, wären damit langfristig geholfen.

Bis 2020, sagte Bundeskanzlerin Merkel letzte Woche, müsse der Beweis angetreten werden, „dass Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnt werden können“. Der Markt hat diesen Beweis erbracht, Frau Merkel, ganz ohne Ihre Hilfe, oder die des Mega-Energiefressers Al Gore. Der Beweis ist ganz einfach. Die einzige Voraussetzung ist, dass sich die Politik aus dem „Versuchsfeld“ heraushält.

Internet:

Bastiat: Was man sieht und was man nicht sieht

Über die Konsumentenrente (PDF)


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