21. Mai 2007

Ökologie Den Teufel an die Wand gemalt

Wozu dient die Inszenierung des Klimaschutzes?

Ziel des „Klimaschutzes“ ist, den „Erneuerbaren Energien“ zum weltweiten Siegeszug zu verhelfen. Da diese Technologien unwirtschaftlich sind, können sie der Konkurrenz freier Märkte nicht standhalten. Dem soll der Klimaschutz abhelfen. In seinem Namen sollen die wettbewerbsfähigen Technologien derartig mit Auflagen und Kosten belastet werden, dass die sogenannten erneuerbaren Energiegewinnungsformen in relativ besserem Lichte dastehen – so jedenfalls haben sich ein paar Leute das große Klima-Spielchen gedacht.


An der Inszenierung wird schon viele Jahre gearbeitet. Mit den Kyoto-Vereinbarungen war ein Etappenziel erreicht. Ohne eine weltweite Kyoto-Nachfolgeregelung allerdings wäre das Erreichte ein Muster ohne Wert. Damit dieses Geschäft nicht vermasselt wird, wird ein großes Tamtam aufgezogen, angefangen mit der ansteigenden Dramatisierung der IPPC-Berichte, über das Al Gore-Getrommele bis hin zum organisierten G8-Radau von Demonstranten in Heiligendamm. Es soll moralischen Druck erzeugen und die politischen Führer der Welt beeinflussen.


Wir dürfen gespannt sein, ob sie sich von diesem Spektakel soweit beeindrucken lassen, daß sie sich einer willkürlich inszenierten Moral unterwerfen, so wie es deutsche Politiker aller Parteien bereits in peinlicher Rückgratlosigkeit vorexerziert haben. Und sicher werden wir nie erfahren, welche materiellen Zugeständnisse (zu unseren Lasten als Steuerzahler) diesem moralischen Druck noch den richtigen Vortrieb geben sollen.


Was ist in unsere politische Klasse gefahren, daß sie auf derartig abwegige Pfade geraten konnte?


Als populistische Volksbelauscher hecheln Politiker ängstlich dem Zeitgeist hinterher, immer in Sorge, zu spät zu kommen und die Zustimmung der Mehrheit zu verlieren – und damit Macht und Pfründe.


Schon Sokrates sagte: „Die öffentliche Meinung ist ein Gespenst, mit dem man Kindern Angst macht“. Was aber ist die „öffentliche Meinung“?


Sie ist tatsächlich ein Gespenst, ein Geist, der beliebig aus der Flasche gelassen werden kann. Es ist der Zeitgeist. Er bestimmt, was Wert und Unwert ist, was Gut und Böse ist. Er gibt vor, was moralisch ist und „Moral“ hat es schon mehrmals geschafft, die Bühne der Geschichte zu drehen. Gängiges Rudelverhalten wird geändert, plötzlich sind neue Leittiere da, alte Strukturen werden aufgebrochen, neue Maßstäbe gesetzt, vor „Bildersturm“ wird nicht Halt gemacht - schon läuft eine Art Kulturrevolution, meistens nicht zum Wohle der Menschen.


Das Rezept ist denkbar einfach: Teufel an die Wand malen, Angst erzeugen, Zusammenrottung fördern, Erlöser präsentieren, Heil versprechen und dieses Versprechen ins Jenseits verlagern, damit es sich jeder Erfolgskontrolle entzieht.


Die Rolle des Teufels, die wird diesmal dem unschuldigen Kohlendioxid (CO2) in die Schuhe geschoben, es soll verantwortlich sein für das Schreckensbild eines nahen Weltunterganges durch Klimaveränderung. Mitschuldig werden wir alle gemacht, weil es nur das durch menschliches Tun verursachte CO2 sein soll, personifiziert in der Stromerzeugung, ungeachtet der Tatsache, daß dieser Anteil marginal, d.h. faktisch wirkungslos ist.


Als Erlöser werden die erneuerbare Energien präsentiert, die die Schöpfung retten können, obendrein Frieden und Gerechtigkeit verheißen.


Geradezu prickelnd antreibend wirkt bei dieser Inszenierung der vorprogrammierte Streit um die Hauptrolle. Die CO2-Diva Kernkraft meint, die Hauptrolle gebühre ihr, die CO2-Trampel Wind, Solar und Biomasse setzen auf die Sympathie der Masse.


Und wie treibt man den Beifall der Masse am wirkungsvollsten an? Indem man die Masse dahin bringt, die „Klasse“ mit Dreck zu bewerfen. Das wirkte schon, als das Volk Barrabas vom Kreuze holte statt Jesus. Wenn dafür noch materielle Belohnung in Aussicht steht und obendrein der Segen des „Gutseins“, dann gibt es kein Halten mehr.


Und mit Dreck werfen, darin liegt das größte „Talent“ der erneuerten nachhaltigen Weltrettungs-Profiteure. Sie nennen es selber „name and blame“. Bei Lichte besehen ist es nicht anderes als der mittelalterliche Pranger, gepaart mit Hexenjagd.


Nicht zum ersten Mal schafften es 5 % passionierte Moralverdreher, 25 % weitere durch Teilung der Beute mitzuziehen. Die restliche Mehrheit bleibt gewöhnlich indifferent, muss auch gar nicht aktiv mitziehen. Es reicht, daß sie die neue Aufführung beklatscht, in der, wie beim Kasperle-Theater ein neues Spiel von „Gut und Böse“ vorgeführt wird. Man zahlt gern den Eintritt, lacht über den unterlegenen „Bösen“, fühlt sich dabei selber als „Guter“ – und merkt gar nicht, daß man in Wirklichkeit selber an der Nase herumgeführt wird und den nächsten, noch raffinierteren Ausbeutern auf den Leim geht.


Was die Weltbühne antreibt ist Macht, Vorteil und Geld. Dieses Naturgesetz vom Eigennutz hat die kleine Minderheit von Klimarettungs-Schlauköpfen für ihre eigenen Ziele virtuos genutzt. Sie haben ihre eingängigen Parolen: „Geld regiert die Welt – regieren sie mit“ und „Jeder kann am Klimaschutz verdienen“ daraus abgeleitet.


Wer kann schon dagegen sein, es klingt ja so schön demokratisch. Dass dabei der größte Fortschritt unserer Nachkriegspolitik, die soziale Marktwirtschaft, leichtfertig auf den Müll geworfen wird, das vernebeln die strippenziehenden Schlauköpfe. Das geleimte Volk wird es erst merken, wenn es zu spät ist.


Demokratisch klingt auch die Absicht, die Strukturen der alten Großakteure aufzubrechen. Exemplarisch hängt man die Systemveränderung an den Energieversorgungsunternehmen (EVU) auf. Sie werden wie Tyrannen als abkassierende Ausbeuter und Umweltzerstörer an den Pranger gestellt. Es wird eine „Demokratisierung der Stromversorgung“ gefordert, bei der jeder einzelne hobbyartig ein paar Kilowattstunden aus Photovoltaik und Windrädern zusammenträgt, für die ihn die alten „Stromtyrannen“ fürstlich belohnen sollen. Wenn sie sich weigern, schaffen die Mehrheiten von Hobbystromerzeuger Gesetze, die die „erwachsenen“ Stromerzeuger zwingen, diesen überflüssigen Spiel-Strom zu einem vielfachen des Marktpreises vorrangig abzukaufen, siehe EEG, Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Freizeit-Stromerzeuger sind sogar mächtig stolz darauf, die EVUs zu zwingen, mit Milliarden-Aufwand extra das Netz für ihren Spielstrom ausbauen zu müssen. Daß ihnen selber auch dafür die Rechnung präsentiert wird, wie all den andern Verbrauchern auch, das werden sie erst später merken, denn diese Kosten einer vermeintlichen Gewinnschmälerung legen die Stromversorger voll auf die Abnehmer um.


Der kleine Häuslebesitzer, der meint, mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG nun als gesetzlich geschützter Freibeuter mit seiner Photovoltaik-Anlage auf dem Dach den EVUs den Garaus zu machen, greift in Wirklichkeit seinem Nachbarn in die Tasche und gleichzeitig wird ihm selber ein noch größer Brocken aus der anderen Tasche gezogen. Es ist eine Art „Kreislaufwirtschaft“, bei der die Werte gekonnt aus der Kreisbahn in größere, unsichtbare Taschen fliegen.


Abkassier-Gesetze wie des EEG bringen natürlich andere auf den Geschmack, nicht zuletzt die Stromversorger selber. Sie bedienen sich dieser Einnahmequelle mit noch größerer Virtuosität und noch größerem Kapitaleinsatz, so daß die Hobbystromer letztendlich dazu beitragen, die Gewinne der EVUs noch zu steigern, statt sie zu beschneiden.


All die „Guten“ und „Gerechten“ wollen die EVUs schädigen bis zerschlagen, erwarten aber gleichzeitig, daß sie die Chose Stromversorgung am Laufen halten, wenn sie selber mal keinen Strom abzuliefern haben, weil weder Wind weht, noch die Sonne scheint. Der Fernseher darf natürlich nicht ausgehen, vor dem man gerade mit Gruseln genießt, wie die Welt untergehen würde, würden wir alle nicht edelmütig mit vereinten Kräften den CO2-Teufel aus der Stromversorgung austreiben.


Erinnern einige Leute daran, daß die großen Energieversorger die Last des Funktionierens des Verbundnetzes unseres hochindustrialisierten Landes tragen und garantieren, dass der ganze Hobbystrom nur ein Alibistrom für das gute Gewissen ist, der in Wirklichkeit die notwendige Aufrechterhaltung einer stabilen Stromversorgung nur verteuert und erschwert, dann stört das die pubertären Träume, denen man sich so gern hingibt.


Deutsche Träume stört man nicht ungestraft! Ruhestörer sind hier ziemlich unbeliebt, sie werden als Querulanten, Volksfeinde, gar als Volksschädlinge angesehen.


Zuviel Träumen zieht zwangsläufig Realitätsverlust nach sich. Der macht nicht Halt vor der Ministerebene. Was anderes ist es als Realitätsverlust, wenn Umweltminister Gabriel meint, andere Nationen zwingen zu können, zugunsten einer Hobby-Stromerzeugung „Made in Germany“ die Kompetenz über die eigene Energiepolitik abzugeben?


Angesichts des Gegenwindes auf der Klimakonferenz in New York vor allem von China, hätte ein Kaiser Wilhelm vielleicht gerufen „Wir marschieren ein in China“, ein Hitler gefragt „Wollt ihr den totalen Krieg?“. Deutsche Politiker machen es anders, sie lassen ihre instrumentalisierten Umweltverbände aufmarschieren und die große Schar der aufgehetzten Jugendlichen – zu besichtigen in Heiligendamm und davor.


Wie wird es weitergehen?

Man darf gespannt sein.


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Hanna Thiele

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