05. November 2007

Ron Paul Revolution IV Weckruf mit Geldbomben

Ein spontan organisiertes, massives Spendenfeuerwerk für den libertären Konservativen

„Irgendetwas läuft ganz gewaltig schief in unserem Land, nicht war?“ bemerkt der mysteriöse Mann mit der Maske, der plötzlich unangemeldet auf dem Fernsehschirm erschienen war und seine Zuschauer zu einem „kleinen Gespräch“ einlädt. „Es gibt jene, die mehr Schuld auf sich geladen haben als andere – und sie werden zur Rechenschaft gezogen werden“, prophezeit er in aller Ruhe in leicht antiquiertem Englisch. „Doch in Wahrheit, wenn Ihr einen Schuldigen sucht, braucht Ihr nur in den Spiegel zu blicken.“ So spricht „V“ im Film „V for Vendetta“, ein düsterer Zukunftsstreifen, der 2005/06 nach Vorlage eines gleichnamigen dystopischen Bildromans aus dem Jahr 1982 gedreht wurde. Die Geschichte findet in einer Zeit und einem Land statt, wo nach Terror, Krieg und Seuchen nun eine korrupte und totalitäre Regierung die Macht übernommen hat und mit schrankenloser Überwachung und sonstigen polizeistaatlichen Mitteln eine tyrannische Friedhofsruhe schafft.

„V“, der sich gewaltsam den Zugang zum Fernsehstudio verschafft hat, ist der Wiedergänger von Guy Fawkes, jenem Mitglied der damals verfolgten katholischen Minderheit, das am 5. November 1605 einen Sprengstoffanschlag auf das vollbesetzte englische Parlament verüben wollte. Aus Sicht des Staates ein Terrorist. Weil sein Vorhaben noch rechtzeitig aufgedeckt und Fawkes zum Tode verurteilt wurde, feiern die Engländer seitdem jedes Jahr am 5. November mit Lagerfeuern, brennenden Strohpuppen und Feuerwerk die Tatsache, dass das Parlament verschont blieb. Im Film jedoch kehrt der Geist Guy Fawkes in Form des martialischen Maskenmannes zurück, der für das von ihm erlittene Unrecht furchtbare Rache auszuüben geschworen hat.

Die – gänzlich friedliche – Beschwörung des Geists Guy Fawkes in der Realität ist das aktuell Phänomenale am Wahlkampf für den libertären Konservativen Ron Paul. Inspiriert vom erwähnten Film hatte irgendein „Paulite“ seinen Einfall in einem Forum gepostet, dass an diesem, heutigen 5. November 2007 100.000 Menschen je 100 Dollar spenden sollten und der Kampagne somit an einem einzigen Tag 10 Millionen Dollar zu geben. Ein wahres „Spendenfeuerwerk“ gigantischen Ausmaßes also. Zum Vergleich: Im ganzen letzten Quartal hat Paul etwas über 5 Millionen Dollar einsammeln können und allein damit schon erhebliches, medienwirksames Erstaunen ausgelöst. Bis zum Abend des 4. November haben sich knapp 17.500 zur Zahlung von 100 Dollar verpflichtet. Das allein wären theoretisch 1,75 Millionen. Doch etliche haben sich nicht angemeldet, entweder weil sie gerade keine 100 Dollar zur Verfügung haben, sondern vielleicht nur 50 oder 70, oder weil sie ihre Email nicht hinterlegen wollen. Andere haben angekündigt, weit mehr als 100 zu spenden. Ob das ehrgeizige Ziel erreicht wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Der endgültige Betrag dürfte dennoch ausreichen, um all jene zu beschämen, die Paul bis jetzt für eine Randerscheinung hielten oder halten wollten. Am heutigen 5. November kann man im unten angegebenen Link den Verlauf des Spendenfeuerwerks beobachten.

Wo wir gerade bei Phänomenen sind, hier die Einschätzung von „Spiegel-Online“ Redakteur Gregor Peter Schmitz, der am vergangenen Freitag allen Ernstes schrieb: „Fred Thompson ist das Phänomen des republikanischen Vorwahlkampfs.“ Falsch, Herr Schmitz, es gibt genau zwei „Phänomene“ im republikanischen Vorwahlkampf, und Schlafmütze Thompson ist nicht dabei: Das eine ist Ron Paul und sein rasanter Aufstieg. Das andere ist der krampfhafte Versuch Ihrerseits und seitens Ihrer Kollegen, das erste Phänomen monatelang zu ignorieren oder kleinzureden.

Zum ersten Phänomen hat Walter Block kürzlich auf lewrockwell.com die passenden Worte gefunden: „[Ron Paul] hat fast $6 Millionen auf der Bank. Bald wird er eine Werbekampagne starten. Deren Wirkung wird ein massives Vorantreiben der Idee der Freiheit sein, mehr sogar als bisher. Tatsächlich würde ich sagen, dass Ron schon jetzt mehr Durchschnittsmenschen die Idee der Freiheit nahegebracht hat als irgendjemand in der Geschichte. Ayn Rand kommt meiner Meinung nach nur an zweiter Stelle.“ Es scheint, dass 60 Jahre nach dem Tiefpunkt der Freiheitsbewegung in Amerika kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, nach vielen beschwerlichen und frustrierenden Jahren vieler Einzelner als Rufer in der Wüste nun endlich wieder eine kritische Masse vorhanden ist, die mit Hilfe der modernen Informationstechnologie in der Lage sein kann, den ausufernden Staat in die notwendigen Schranken zu verweisen.

Zum zweiten Phänomen : Entweder die Journalisten sind vom ihnen eingeimpften Etatismus zu sehr verseucht, um zu verstehen, was Paul überhaupt will und sagt. Oder kann es sein, dass ihnen von den Eigentümern der Medienkonzerne regelrecht verboten wird, Paul mit der gebotenen Fairness zu behandeln? Über die Gründe kann man im Augenblick nur spekulieren. Ein Grund aber wird sicherlich die spontane, anarchische, selbst von der offiziellen Kampagnenführung nicht kontrollierbare Form des Wahlkampfes der Unterstützer sein, der die (Be-)Deutungshoheit der alten Medien massiv untergräbt. Gegen Paul können sie nichts ausrichten. Massiv gestärkt von der fulminanten Unterstützung wächst sein Selbstbewusstsein täglich. Als er jüngst in einem „CNN“-Interview mit Zitaten aus der Presse konfrontiert wurde, die ihn als „Spinner“ („Flake“) darstellen, drehte Paul den Spieß einfach um. Die wahren Spinner seien jene, die glaubten, man könne ein Weltreich dauerhaft mit Schulden finanzieren. Oder wer meint, man könne Geld in Form von Papiernoten aus dem Nichts zaubern und damit die Wirtschaft sanieren.

In seiner Fernsehansprache deutet „V“ zu Recht an, dass es Leute gibt, die sein „Gespäch“ mit den Zuschauern zu verhindern trachten. Dann, kurz bevor er wieder verschwindet, ruft er seine Zuschauer dazu auf, mit ihm zusammen in genau einem Jahr der herrschenden Klasse einen so gewaltigen „5. November“ zu verpassen, dass der Tag niemals vergessen werde. So bekommt der nach 1605 entstandene englische Reim eine neue, gespenstische Bedeutung:

Remember, remember
The 5th of November
The gunpowder, treason and plot.
I see no reason
Why the gunpowder treason
Should ever be forgot.

Zu deutsch etwa:

Denkt immer an den 5. November
Schießpulver, Verrat und Verschwörung
Ich sehe keinen Grund
Weshalb der Schießpulververrat
Jemals in Vergessenheit geraten sollte.

Am heutigen 5. November 2007 sind es genau 365 Tage bis zum Wahltag in den USA, dem 4. November 2008 (ein Schaltjahr). Wird das heutige Spendenfeuerwerk nur eine erste Ankündigung einer im nächsten Jahr stattfindenden Umwälzung sein? Wird jener Tag in einem Jahr in die Geschichte eingehen als Beginn der weltweiten Zurückdrängung des Staates? In einem der wenigen fairen Interviews, mit dem populären Talkshow-Moderator Jay Leno, scherzte Paul vor einigen Tagen: „Es gibt ein Risiko, dass ich gewinne.“ Das fürchten inzwischen insgeheim viele. Noch mehr hoffen es.

Internet:

Die Fernsehansprache in „V for Vendetta“

Über den Film „V wie Vendetta“ (deutsch)

Gregor Peter Schmitz in Spiegel Online über Fred Thompson

Walter Block über den Einfluss Ron Pauls

„CNN“-Interview mit Ron Paul vom 2.11.2007

Ron Paul in der Tonight Show mit Jay Leno am 30.10.2007

Realzeit-Spendenzugang für Ron Paul im Drei-Tage-Vergleich

Weitere Daten und Graphen über den Spendenzugang

Website der Ron Paul Kampagne


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