20. November 2007

Erderwärmung Im Dunkeln für das Klima frieren

Unser Wettergott verlangt immer größere Opfer

Die zwei größten und bekanntesten Umwelt- und Klimaprofiteure weltweit sind Greenpeace und der WWF (World Wildlife Fund, nicht zu verwechseln mit der nicht minder berühmten World Wrestling Federation). In Deutschland gesellt sich noch der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) zur Triade der mächtigsten Natur- und Wetterschutzorganisationen dazu, die sich als unabhängig begreifen, jedoch als gemeinnützige Organisationen und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) gegenüber herkömmlichen Interessenverbänden fiskalische Vorteile genießen, zum Beispiel umsatzsteuerbefreit sind. Dafür dürfen die NGOs keine Gewinne anstreben, was zur Folge hat, dass überschüssige Spendeneinnahmen umgehend in zusätzliches Personal, höhere Gehälter und in Marketing fließen. So heißt es bei Greenpeace: „Der weitaus größte Teil der jährlichen Einnahmen fließt in die Themen- und Kampagnenarbeit und wird für Recherchen, Aktionen, Fachstudien sowie die Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit verwendet.“

Auf diese Weise entsteht ein kontinuierlicher Druck, einen stetig anschwellenden Fluss an werbeträchtigen Informationen am Laufen halten zu müssen. Im Zuge der Shock-and-Awe-Berichte der UN zum sich menschenbedingt wandelnden Erdklima erleben diese Organisationen ein nie dagewesenes Spendenaufkommen, nicht nur von Privatpersonen, sondern vor allem auch von staatlichen und staatsnahen Institutionen, aber auch von immer mehr Großunternehmen, die es sich aus Image-Gründen nicht leisten können, dem Ökodruck der NGOs zu widerstehen und sich keinen grünen Anstrich zu geben. Mit den so erzielten Einnahmen können die NGOs zusätzliche Posten schaffen und immer neue phantasievolle Marketing-Gags kreieren.

Zu den Klimagewinnlern gehören auch die Massenmedien, die naturgemäß nicht genug kriegen können von Meldevorlagen über ein drohendes Insel-, Gletscher- und Eisbärsterben, über bevorstehende Super-Hurricanes in Ostfriesland und Killer-Tornados in der Lüneburger Heide oder über die Rolle Rügens als zukünftigem Teutonengrill. Da verwundert es nicht, dass sich das zentrale Klimaschutzorgan Deutschlands, die Bildzeitung, zusammen mit den drei NGOs BUND, Greenpeace und WWF eine spektakuläre Maßnahme zur Rettung des Klimas ausgedacht hat. Die Aktion heißt „Licht aus! Für unser Klima.“ Am 8. Dezember 2007 sollen von 20 Uhr bis 20:05 alle Lichter ausgeschaltet werden. Auch Google und ProSieben spielen mit und werben für die Erdfinsternis zur besten Tagesschauzeit. Die Aktion soll auch ein Signal an den zeitgleich stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali sein, „sich konsequent für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen“. Wohlweislich wird hinzugefügt, dass für die Sicherheit notwendige Lichter wie etwa Straßenlaternen eingeschaltet bleiben sollen. Es gibt bereits Zusagen vom Kölner Dom und vom Schloss Neuschwanstein, die ihre Außenbeleuchtung zur besagten Zeit ausschalten werden. Bleibt zu hoffen, dass solche Gebäude nicht als Orientierungspunkte für Sportflieger oder Polizeihubschrauber fungieren. Auch wurde vergessen, auf der extra dafür eingerichteten Domain www.lichtaus.info darauf hinzuweisen, dass auch klimaübereifrige Autofahrer in diesen fünf Minuten lieber nicht ihre Scheinwerfer ausschalten sollten.

Ansonsten verspricht die Aktion einen hohen Fun-Faktor und soll auch niemandem weh tun, weder dem Klima, noch den Stromkonzernen, noch den mündigen Ökobürgern, die sich durch ihre Beteiligung an der Lichter-Aus-Kette endlich mal ihres sündigen Umweltgewissens erleichtern können. Nur wenige unverbesserliche Spaßverderber rechnen vor, dass durch das Ablass-Knipsen die Haltbarkeit der Glühbirnen reduziert werde, so dass die Energiebilanz am Ende sogar negativ ausfallen könnte. Aber es geht ja um die Symbolik, und die hat unser Klima bitter nötig. Denn das Klima ist bekanntlich sehr rachsüchtig, wenn man es nicht respektvoll behandelt. Das haben auch Promis wie Til Schweiger öffentlichkeitswirksam erkannt, der da meinte: „Eine symbolische Geste, aber man kann nie genug gegen den Klimawandel tun! Schließlich werden unsere Kinder ernten, was wir gesät haben.“

Es ist schon abzusehen, dass der finstere Fünfminuten-Quickie ein voller Erfolg sein wird. Bald werden sich unsere obersten Klimaschützer ermutigt sehen, immer größere dunkle Löcher in unser Leben zu reißen. Wie wäre es mit einer Aktion wie „Heizung aus! Für unser Wetter“? Ist doch nicht zu viel verlangt, mal fünf Stunden im Winter zu frieren, damit es global nicht zu warm wird. Auch Vater Staat wird da nicht abseits stehen wollen und lichtfreie Sonntage, ein Verbot von Nicht-Energiesparlampen und natürlich eine saftige Energiesteuer, einen Lichterpfennig oder einen Heizungsaufschlag einführen. Da kann man sich schon ausmalen, was unseren Kindern dereinst noch zu ernten bleibt. Man kann nur hoffen, dass der Klimagott dann doch mit der Erderwärmung ernst macht, so dass unsere Nachkommen nicht nur das unbezahlbare Licht, sondern auch den teuren Ofen aus machen können.


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