Michael Klonovsky

Jg. 1962, Schriftsteller und Journalist, Kolumnist der Zeitschrift "eigentümlich frei".

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Achtundsechziger-Aphorismen: Pflastersteine für den Strand

von Michael Klonovsky

Über Unkraut und ihren Humus

Die sexuelle Befreiung hat unter anderem dazu geführt, dass der westliche Mensch nun vollends zum Sklaven seiner sexuellen Gelüste geworden ist.

Das Eindringen der Grünen in die hiesige Politik hätte auch ein des Deutschen unkundiger Beobachter im Anschwellen des Empörungspegels mühelos nachvollziehen können. Achtundsechziger sein bedeutet nicht, Angehöriger einer Generation, sondern Träger eines Zeitgeists zu sein, der sich kritisch-antiautoritär-emanzipatorisch gibt und dessen Vertreter sich bei aller karrierebedingten Anpassungsbereitschaft nie ganz von der Idee verabschiedet haben, dass der Kapitalismus das falsche Wirtschaftssystem sei, die Bundesrepublik der falsche Staat und die Deutschen darin das falsche Volk.

Das grüne Unkraut wächst gut auf dem braunen Humus. Unter Alt-Achtundsechzigern ist der selbstironische Blick auf die eigene Existenz ungefähr so verbreitet wie unter afghanischen Clan-Chefs.

Gesinnungen sind biographisch bedingt und fast immer tolerierbar. Unverzeihlich bleibt allein die Denunziation. Für den Achtundsechziger-Mythos, dass friedliche Studenten auf eine martialische Staatsmacht trafen, muss in der Regel der inzwischen kanonische Name Benno Ohnesorg herhalten. Dagegen sind die Namen Rüdiger Schreck und Klaus Frings – der Student und der Fotograf wurden am 15. April 1968 vor dem Münchner Buchgewerbehaus durch Steinwürfe aus den Reihen der Demonstranten getötet – naturgemäß nicht kanonisiert worden.

Man sieht auch am demokratischen Verhalten, wer zum Nazi getaugt hätte.

Die Sozialingenieursprosa des Jürgen Habermas ist die zeitgenössische Form der „Sprache des Unmenschen“.

Spätere Historiker werden sich streiten, ob Deutschland 1918, 1933, 1945 oder 1968 untergegangen ist, aber sie werden sich darüber einig sein, dass es seine Blütezeit im Kaiserreich der Hohenzollern erreicht hatte.

Auf den Zügen der kinderlos gebliebenen Endvierzigerin liegt eine Melancholie, die auch durch den ausschließlichen Konsum launiger Gender-Studies nicht zu tilgen ist. Es gehört zum Habitus vieler nachträglichen Hitler-Bekämpfer, jene zu schmähen, die es tatsächlich gewagt haben. Gab es jemals eine Kriegs- oder Krisensituation, in welcher Frauen gefordert haben, den Männern gleichgestellt zu werden?

Das Phänomen „1968“, die Revolution der Wohlstandskinder samt anhebender Destabilisierung ihres Soziotops, ist marxistisch nicht erklärbar.

Was für ein Genuss, inmitten des allgemeinen Toleranz-Blablas einen gebildeten Rassisten zu treffen!

Der Rechte mag genauso einseitig und vernagelt sein wie der Linke – da ihm das Vortragen seiner Ansichten keinerlei Sozialprestige einträgt, ist er weniger verlogen.

Information

Vorstehende Aphorismen sind Teil des soeben erschienenen Buches von Michael Klonovsky: Jede Seite ist die falsche.

01. Mai 2008

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