03. Mai 2008

Ohne Humor, ohne Skrupel Das letzte Zucken der Neosozialisten

Medien und Politik gleiten ab ins Groteske

Monopole neigen zu Qualitätsverlust. Und Macht korrumpiert. Die in Medien und Politik durchregierende Linke pfeift unmelodisch auf ihrem allerletzten Loch. Schon ein kurzer Blick auf drei wahllos herausgegriffene Ereignisse der letzten Tage ist erhellend.

Da war zunächst der Prozess des Good Boy Friedman gegen Bad Boy Mahler. Budy Friedman hatte Hofnarr Mahler fürs Magazin „Vanity Fair“ interviewt. Darin begrüßte der Narr den Buddy ganz crazy mit „Heil Hitler, Herr Friedman“. Der Buddy interviewte ihn seelenruhig ein paar Stunden lang weiter. Beide kassierten womöglich eine schöne Gage.

Dann veröffentlichte Buddy das Interview und zeigte den Narren wegen dessen Vier-falsche-Worte-Gruß-mit-Komma auf dem Interviewaufnahmegerät rechtswirksam an – wegen pöser „Volksverhetzung“. Das zuständige deutsche Gericht urteilt geschichtsbewusst den Delinquenten (natürlich den Narren, nicht den Buddy) wegen falschem Gruß zu zehn Monaten Zuchthaushaft ab. Ohne Bewährung. Die Presse jubelt, wie sie immer gejubelt hat, wenn jemand verpetzt und abgeurteilt wird.

Soweit, so gewöhnlich. Wären da nicht die beiden Fotos von Buddy und dem Hofnarr in der „FAZ“. Die sagen mehr als tausend Worte über zwei Menschen, die weiter gehen als der Verstand reicht (siehe „FAZ“-Link unten).

Dann war da diese Kampagne gegen den designierten Kultusminister Thüringens, Peter Krause, die den rituellen Antifaschismus von Politik und Medien bis zur Kenntlichkeit auf die Spitze trieb. Krause hatte vor zehn Jahren ein paar Artikel für die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ geschrieben. Ein Minister, der schreiben kann, ist heute so außergewöhnlich, dass Politiker gegnerischer Parteien Mikrofone suchen und – nein, nicht effektheischend, sondern – ganz ernsthaft höchst besorgt hineinhyperventilieren. Noch schlimmer finden es diese Denunzianten von SPD, Linken, Grünen und Medien jedoch, dass Krause 2002 auch in einer Ausgabe der Zeitschrift „Etappe“ zwei Texte veröffentlicht haben soll. Im selben Heft wurde nämlich, hört, hört, das Horst-Wessel-Lied in lateinischer Übersetzung abgedruckt.

Nun ist diese Zeitschrift ein sehr schwer erhältliches Insiderblatt und man staunt, was hauptberufliche Gutmenschen alles lesen. Aber es stellt selbst Vanity Unfair in den Schatten, wenn eine Avantgarde-Zeitschrift wie „Etappe“ als Beleg für einen nötigen Amtsverzicht herangeführt wird – ein Magazin, das für abgründige Schoten (lateinische Übersetzung des Nazi-Ungeists), für anarchische Überraschungen (der Herausgeber Heinz-Theo Homann ist vermutlich neben Karl Nagel der letzte wirkliche Punk in Deutschland, seine Zeitschrift wird unter anderem nicht zu unrecht auch in der Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus DadA geführt) ebenso bekannt ist wir für anspruchsvolle Literatur (Büchnerpreisträger Martin Mosebach steht auf der illustren Autorenliste).

Die Thüringische Landeszeitung überspringt die hohe Messlatte der witzigsten Empörungen noch mit Anlauf, indem sie spitzenkommentiert: „Wenn einer im Umfeld eines lateinischen Horst-Wessel-Liedes veröffentlicht und das bis heute allenfalls als ironischen Hinweis auf die Unbildung derer versteht, die das nicht übersetzen können, kann er weder in Thüringen noch in einem anderen Bundesland Minister für was auch immer werden. Es gilt noch immer die Anforderung an eine ernsthafte Haltung.“

Apropos Mahler, apropos ernsthafte Haltung: Da haben wir drittens noch die konservativ-subversive Aktion auf einem neokommunistischen 68er-Kongress. Ausgerechnet in einem Online-Blog der „Zeit“ über „Nazis“ wird von der gelungenen Aktion berichtet, bei der junge Freidenker auf die Massenmorde und die Millionen Opfer der 68er-Vorbilder hinwiesen und den überraschten Linken „Freiheit!“ und „Sozialismus tötet!“ entgegenriefen.

Aufschlussreich ist auch die Veranstalter-Liste dieses Kongresses der Ewiggestrigen. Mit dabei sind nämlich als „Unterstützer“ die ex-„alternative“ „taz“ gemeinsam mit dem linkssozialistischen „Neuen Deutschland“ und der nationalbolschewistischen Fidel-Castro-Jubelpostille „Junge Welt“. Fehlen eigentlich nur „Unsere Zeit“ und die „Süddeutsche“.

Nun hatten Sozialisten nie die Abgrenzungsprobleme, die gegen Andersdenkende längst ins Groteske abgleiten. Dass sie in Ämtern und Redaktionen jedoch jeglichen Rest von Esprit verloren haben, und dass ausgerechnet der sich immer treu gebliebene Apo-Opa Horst Mahler der letzte subversive Sozialist mit Humor zu sein scheint, das stimmt doch vor ihrem Abtritt beängstigend bis mitleiderregend.

Internet:

Subversiv-konservative Aktion

Zwei Fotos von Buddy und Hofnarr


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Kaspar Rosenbaum

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