07. Juni 2008

Thüringen Wie Peter Krause der Prozess gemacht wurde

Über die Jagd der Neosozialisten auf das „falsche Bewusstsein“

„Zum Glück hat sich gerade noch rechtzeitig die Einsicht durchgesetzt“, hieß es am 5. Mai in einem Artikel der Berliner „tageszeitung“, „dass es nicht nur für das Bundesland Thüringen absurd wäre, wenn jemand wie Peter Krause künftig qua Amt auch als Stiftungsvorsitzender für die KZ-Gedenkstätte Buchenwald zuständig gewesen wäre: jemand, der sich in Büchern über Fragen auslässt wie ‚Hätte ein Redner wie Hitler heute Erfolg?’. So einer kann nicht als Kultusminister für die politische Bildung von Schülern verantwortlich sein.“

Beim Lesen dieses Artikels blieb ich hängen. Jegliche Begründung dafür, warum es ein Makel sein sollte, wenn sich jemand mit der erwähnten Frage beschäftigte, fehlte. Der „taz“-Journalist schien eine solche Begründung auch in keiner Weise für nötig zu halten. Ist die Frage, ob ein Massenverführer wie Hitler auch heute wieder Erfolg haben könnte, nicht ausgesprochen interessant und wichtig? Nicht weniger von Bedeutung aber scheint mir die selbstverständliche Annahme, dass jemand, der sich mit solchen Dingen beschäftigt, als Kultusminister unzumutbar sein soll.

Ich las mir diesen Kommentar noch mehrere Male durch, aber selbst die Andeutung jeder Begründung fehlte. Das Urteil schwebte aus dem Nichts heraus auf den Leser hinab.

Und dann wurde mir klar, woran mich der „Fall Krause“ schon all die Tage zuvor unbewusst erinnert hatte. Gar nicht mal so sehr an meine Bücher zu vergangenen Hexenjagden wie zuletzt auf Eva Herman, wie ich zuerst gedacht hatte. Der Fall Krause ging in seiner offensichtlichen Absurdität noch dar- über hinaus. Er erinnerte mich an mein Germanistikstudium und dabei insbesondere an meine Beschäftigung mit Franz Kafkas Roman „Der Prozess“. Darin geht es um einen Mann, der eines Tages angeklagt wird, nicht erfährt warum, dem aus jedem seiner Versuche, sich zu verteidigen, nur immer wieder ein neuer Strick gedreht wird, und der ein ums andere Mal mit immer wieder neuen, zuvor unbekannten Gesetzen konfrontiert wird, die seine Verfehlungen belegen sollen, aber so klingen, als seien sie gerade eben erst ausgedacht worden. Dass der Betreffende schuldig ist, steht für seine Verfolger von vorneherein fest. Es geht nur noch darum, zu ersinnen weshalb. Manchen Interpretationen zufolge nahm Kafka mit diesem 1914 entstandenen Werk die Kritik an totalitären Systemen wie dem Stalinismus und dem Nationalsozialismus vorweg.

Was hier mit Peter Krause geschah, war für einen liberalen Journalisten wie mich also Grund genug, Näheres über diesen Fall in Erfahrung zu bringen. Zunächst einmal zu Krause selbst: Zeitungsberichten zufolge war er schon in seiner Jugend in der DDR verschiedenen Schikanen ausgesetzt. So warf ihm seine Schule in der Abiturbewertung „übersteigerten Individualismus“ und einen „fehlenden Klassenstandpunkt“ vor. Im Fach Deutsch wurde er von „sehr gut“ auf „mangelhaft“ heruntergeprüft. Später wurde er Redakteur des „Thüringer Tageblatt“, aber als er bewusst an einem 17. Juni einen Ausreiseantrag stellte, wurde er aus der Redaktion entlassen und sollte zukünftig in einem Schlachthof arbeiten. Seine Zulassung zum Fernstudium der Journalistik in Leipzig wurde annulliert. Krause musste als Hilfsarbeiter und Altenpfleger über die Runden kommen. Im Herbst 1989 gehörte er zu den Begründern des Neuen Forums. Als die DDR zugrundeging, musste er geglaubt haben, endlich in einer freien Gesellschaft angekommen zu sein. Es würde 20 Jahre dauern, bis er feststellte, dass er sich da gründlich geirrt hatte.

1998 arbeitete Krause kurzzeitig als Redakteur der „Jungen Freiheit“. Zehn Jahre später erläuterte er in einem Interview mit der „Welt“ die Hintergründe dieser Entscheidung: „Ich bin ein typischer 89er. Ich habe aus dem Erlebnis einer Diktatur die Erfahrung gemacht, dass Freiheit erstritten werden kann – und auch die Erfahrung, dass die Nation so etwas wie ein Schutzraum für Freiheit sein kann. Ich kam aus der Opposition zum SED-Staat und spürte bei meinen ersten Besuchen an Universitäten im Westen, dass es dort durchaus subtile Formen von Unfreiheit gab. Ich war und bin überzeugt, dass die Linke 1989 historisch gescheitert ist – merkte aber zu meiner Verblüffung, dass sie im Westen nach wie vor sehr lebendig war. Nach dem Studium, wir sind jetzt im Jahr 1998, wollte ich – nachdem ich in der DDR aus meinem journalistischen Job entlassen worden war – wieder publizieren. Damals ging es um Rot-Grün im Bund, das wollte ich verhindern. Gerade auch deswegen, weil ich gegen Gerhard Schröder war und seine Gegnerschaft zur deutschen Einheit nicht vergessen hatte. Damals wurde mir die ‚Junge Freiheit’ empfohlen. Ich wollte, dass die Zeitung ein freies, radikal unideologisches Debattenblatt wird: lagerübergreifend, von einem konservativen Fundament aus weit nach links ausgreifend. Das funktionierte nicht, aus verschiedenen Gründen. Und so haben die ‚Junge Freiheit’ und ich nach vier Monaten beschlossen, die redaktionelle Zusammenarbeit zu beenden.“ Schon 2004 hatte Krause zu seiner Rolle bei der „JF“ erklärt: „Ich wollte für eine Art ‚Die Zeit’ schreiben, aber eben eher von rechts und grundsätzlich den verkrusteten Diskurs in Deutschland öffnen“. Die „Frankfurter Rundschau“ warf Krause nach seinem aktuellen Interview eine „erstaunliche Flexibilität“ vor und überschrieb diesen Artikel polemisch mit „Krause distanziert sich von sich“. Dass man durch Erfahrung klüger wird und seine Meinung ändert, scheint im linken Weltbild ausgeschlossen. Man schien geradezu verbissen auf dem „verkrusteten Diskurs“ zu beharren. Schließlich versorgte er einen mit einem stabilen und einfachen Weltbild: links gut, rechts böse.

Der Artikel der „Rundschau“ war Teil einer medialen Hetzjagd auf Krause, die von Carsten Schneider, Bundestagsabgeordneter der SPD, und Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender in der SED-Nachfolgepartei „Die Linke“, initiiert worden war, um Krauses Berufung zum thüringischen Kultusminister zu verhindern. Ramelow warf Krause vor, „bisher keine klare Grenze zwischen Ultra-Konservativen und Neo-Faschisten gezogen“ zu haben. Jochen Staschewski, Landesgeschäftsführer der SPD Thüringen, sah Krause in „der Grauzone der extremen Rechten“. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, nannte Krause „untragbar“: „Wenn jemand ministrabel ist, der für eine ganz eindeutig rechte Zeitung Artikel verfasst hat und dann auch noch den Bildungsbereich verantworten soll, dann gibt es nur eins: Sag nein.“

Nun werden Minister in einer Demokratie normalerweise von einer Regierungs- und nicht der Oppositionspartei gestellt, weshalb es eigentlich keine Rolle spielen sollte, ob Frau Rothe-Beinlich zu Krause ja oder nein sagte. Dass die „Junge Freiheit“ keineswegs rechtsradikal ist, stellte vor kurzem dezidiert das Bundesverfassungsgericht fest. Anerkannte Publizisten von „Focus“-Chef Helmuth Markwort bis zum ehemaligen „Stern“-Chefredakteur Peter Scholl-Latour hatten zuvor seit Jahren erklärt, dass es sich hierbei schlicht um eine konservative Zeitung handelte. Dementsprechend bezeichnete auch Krause sie als „anerkanntes Medium in der Presselandschaft“. Das allerdings ist in unserer gleichgeschalteten Mediokratie für eine wirklich konservative Zeitung unmöglich. Als Skandal gilt derzeit alles, was nicht links ist. Und Journalisten freuen sich über jeden Skandal und versuchen ihn so lange wie möglich am Leben zu erhalten.

Dementsprechend kafkaesk waren die Verrenkungen, mit denen sie versuchten, Krause eine rechtsradikale Gesinnung nachzuweisen. Die Methoden, derer sie sich bedienten, glichen denen, die sie schon in der Vergangenheit bei Hohmann, Herman und Co. erfolgreich angewandt hatten: zum Beispiel sämtliche verfügbaren Texte nach Sätzen zu durchkämmen, die aus dem Kontext gerissen missverständlich klingen konnten – selbst wenn man dabei zur Zitatfälschung greifen musste. So hatte Krause den früheren Vorsitzenden der Jungen Union Thüringen, Georg von Witzleben, Enkel des nach dem 20. Juli 1944 hingerichteten Widerstandskämpfers Erwin von Witzleben, danach befragt, wie die Erinnerung an die Hitler-Attentäter wachzuhalten sei. Dabei hatte Krause von einer „historischen Schuldmetaphysik“ gesprochen, die „auch jüngere Deutsche einbezieht und vor der Nation warnt.“ Die Grünen ersetzten in diesem Zitat das Wort „Schuldmetaphysik“ durch „Schuldmetaphorik“ und folgerten, wenn Krause nach diesem Satz Minister würde, käme „dies einem Schlag ins Gesicht aller Opfer der Nationalsozialisten gleich“.

Andere Journalisten bedienten sich ohne Quellennennung der Recherchen der NPD, die verbreitet hatte, dass in derselben Ausgabe der Zeitschrift „Etappe“, in der sich ein Text von Krause fand, auch eine lateinische Fassung des Horst-Wessel-Liedes abgedruckt worden war. Nun war dies zum einen offenbar als satirische Anspielung auf die Bildungsferne rechtsradikaler Dumpfbacken gemeint gewesen, zum anderen erfährt man als freier Mitarbeiter von Zeitschriften nicht, welche Artikel sonst noch in der fraglichen Ausgabe enthalten sein werden, so dass man unmöglich dafür in die Gesamthaftung treten kann. Das wussten natürlich auch die Journalisten, die Krause niederschreiben wollten. Krause erklärte dies auch eigens noch mal in einem Interview. Es half ihm wenig. Ramelow verwies fröhlich darauf, dass bereits ein hoher Beamter aus dem Bundesverkehrsministerium versetzt worden sei, weil er für die „Etappe“ geschrieben habe. Und legte nach: Es werde „immer undurchsichtiger, in welchem braunen Sumpf sich Herr Krause geistig bewegt“. Auch sei bedenklich, dass ihm „keine klare Distanzierung von den Verbrechen des Holocaust über die Lippen geht“. Ein Sprecher der CDU-Fraktion entgegnete, dieser Vorwurf sei so infam als wenn man von Ramelow eine Distanzierung von Pädophilie fordern würde.

Noch immer suchte man in den Krümeln, um Krause wenigstens irgendetwas anhängen zu können. So fand man heraus, dass dieser in einem MDR-Interview einen Widerstandskämpfer aus der Gruppe um Stauffenberg als „Mittäter des 20. Juli“ bezeichnet habe. Der Begriff „Mittäter“, beckmessten Krauses Kritiker, bezeichne aber jemanden, der sich einer Straftat schuldig gemacht habe. In einem Interview mit Krause habe Horst Mahler gefordert, „diese Päpste, die den Holocaust zum Götzen machen, aus ihren Positionen“ herauszubringen. Offenbar darf man heutzutage Rechtsradikale nur interviewen, wenn man danach gegen sie Strafanzeige erstattet. In einem anderen Interview habe Krause die Frage gestellt: „Ist Rechtsextremismus heute ein wirklich bedrohliches Thema in Weimar?“ Auch diese Frage unterliegt anscheinend bereits einem Redetabu. Des weiteren bemängelte die grüne Frauenpolitikerin Rothe-Beinlich, Krause habe in einem Artikel die Wahl der DVU in den Landtag von Sachsen-Anhalt als „Willensbekundung junger Deutscher“ kommentiert. Dass Krause in demselben Satz die DVU als „dumpf, destruktiv und unappetitlich“ bezeichnet hatte, ließ sie unter den Tisch fallen. In jedem dieser Fälle, die dazu dienen sollten, den Stab über Krause zu brechen, war in keiner Weise ersichtlich, worin überhaupt der konkrete Vorwurf bestand.

Schließlich grub man einen Aufsatz Krauses aus, den er 2003 in einem Sammelband mit dem Titel „Hitler der Redner“ veröffentlicht hatte. Darin fand man Passagen wie: „Die argumentative Kraft der nationalsozialistischen Reden muss zur Kenntnis genommen werden, will man das Phänomen verstehen. Es gab Gründe, die NSDAP zu wählen.“ Hitler bezeichnete Krause als „als historisches Individuum exzeptionell“ und seine Analyse der gesellschaftlichen Situation als „scharf“. Ähnliches tat zwar schon lange vor Krause der angesehene Journalist Sebastian Haffner, der schon in den dreißiger Jahren ein überzeugter Kritiker Hitlers war, dafür ins Exil ging und sich in der Bundesrepublik zu einem der bedeutendsten Publizisten der Nachkriegszeit entwickelte. Vor Jahrzehnten noch konnte Haffner dessen unbenommen von den „Leistungen“ und „Erfolgen“ Adolf Hitlers sprechen, die „es ja unleugbar gegeben“ habe. Hitler habe sich Haffner zufolge sogar „als eine Leistungskanone größten Kalibers erwiesen“, und „man darf nicht außer acht lassen, dass sein Weg in den Abgrund über hohe Gipfel führte“. So zu sprechen ist im Jahr 2008 undenkbar. Die Frage, warum Hitler von so großen Teilen der Bevölkerung getragen wurde, ist im Land der Tretminen jeder Untersuchung entzogen. Offenbar gilt als legitimer Erklärungsansatz nur noch eine dämonische Macht.

Inzwischen protestierten nicht mehr nur SPD, Linke und Grüne heftig gegen Krause, sondern auch der Thüringer Lehrerverband sowie der Zentralrat der Juden. Letzterer verlangte von Krause, sich „von seinen früheren Äußerungen zu distanzieren“. Von welchen genau und weshalb blieb für Krause so unklar wie für den Angeklagten in Kafkas Prozess. „Gegen eine Vorverurteilung, die sich nicht einmal der Mühe der Beweisführung unterzieht, ist Verteidigung unmöglich“, kommentierte dazu Stefan Dietrich in der „FAZ“. Der Druck auf die CDU-Parteizentrale in Berlin, „ein Machtwort zu sprechen“, wurde immer stärker. Die gab diesen Druck nach Thüringen weiter. In der Nacht zum 1. Mai zerstörten Unbekannte das Auto von Krauses Lebensgefährtin. Aus dem Medienterror war realer Terror geworden. Der linken Presse war das genausowenig eine Erwähnung wert wie in den neunziger Jahren die Brandanschläge auf Autos und eine Druckerei der „Jungen Freiheit“.

Krause konnte dem Terror nicht länger standhalten. Er erklärte seinen Verzicht auf das Amt des Kultusministers – nicht ohne noch einmal klarzumachen, was hier gerade geschehen war: „Meine Texte waren zugänglich. Meine Publikationen in der Zeitschrift ‚Etappe’ sind auf meiner Homepage seit Jahren verzeichnet. Obwohl seit mehr als einer Woche intensiv nach ‚umstrittenen’ Zitaten von mir gefahndet wird, haben meine Kritiker nichts gefunden: Deshalb werden Verdrehungen und Entstellungen skandalisiert.“ Mittlerweile habe „die Art der Auseinandersetzung ein Niveau erreicht, das keine angemessene, sachliche Verteidigung zulässt.“ Und schließlich: „Dass wir von einer freien, demokratisch-gefestigten Gesellschaft und einer offenen, fairen Diskurskultur noch entfernt sind, daran dürfte nach dem, was sich in Thüringen nun ereignet hat, wenig Zweifel bestehen. Ich werde nun die politische und auch wieder publizistische Auseinandersetzung aus der Mitte meiner Fraktion und Partei noch intensiver fortsetzen, um zu verhindern, dass 2009 Thüringen von einem westdeutschen Sozialisten regiert wird, und um zu verhindern, dass die freie politische Kultur, die wir 1989 erstritten haben, begraben wird.“

Insbesondere die Grünen und Die Linke machten aus ihrem Triumph keinen Hehl. Krauses Verzichtserklärung verdeutliche, „warum die Kritik an ihm mehr als berechtigt war“, befand etwa Claudia Roth auf ihrer Website. Sie und Astrid Rothe-Beinlich begrüßten diese Entwicklung. Trotz seiner Publikationen „im rechtsradikalen Dunstkreis“ habe sich Krause „ungebrochen stur und frei jeder besseren Einsicht“ gezeigt. Warum ein Terror dadurch seine Berechtigung erfährt, dass der Terrorisierte ihm schließlich erliegt, mag das Geheimnis dieser beiden Damen bleiben – wiewohl man sich daran erinnert fühlt, dass auch der Siegeszug der heute gepriesenen feministischen Ideologie ohne terroristische Gewaltakte von radikalen Frauen in den siebziger Jahren undenkbar gewesen wäre. So legitimiert sich in der politischen Linken der Terror, solange er nur siegreich ist. Den Heiligenschein verleiht man sich schlussendlich selbst. Es geht schließlich gegen das, was man zuvor eigens als „rechtsextrem“ definiert hatte, und das rechtfertigte alles.

Auch einige Journalisten traten noch mal kräftig nach. Als etwa Andreas Baum für das „Deutschlandradio“ das Buch „Neonazis in Nadelstreifen“ rezensierte, kam das nicht ohne einen Verweis auf Krauses Tätigkeit bei der „Jungen Freiheit“ aus. Zwar hatte sich der Gründer und Herausgeber dieser Zeitschrift, Dieter Stein, schon vor geraumer Zeit in einem offenen Brief scharf von der NPD distanziert. Stein bezeichnete es darin als „katastrophale Fehleinschätzung“, NPD und DVU für ein „rechtsdemokratisches Projekt für diskutabel zu halten“, insbesondere die NPD sehe sich nämlich „ausweislich ihrer eigenen Verlautbarungen in der Tradition des Nationalsozialismus und des Dritten Reiches“, kooperiere mit neo-nationalsozialistischen Kameradschaften und hole deren Führungsfiguren sogar in deren Vorstände. Aber um diesen Text zu entdecken, hätte man schon bei Google „Dieter Stein“ und „NPD“ eingeben müssen, und das ist offenbar mehr, als man heute von einem Journalisten erwarten kann. Nicht umsonst gibt es in der Medienbranche ein beliebtes Motto: Nachrecherchieren macht einem die schönste Geschichte kaputt. Es sei denn natürlich, es bestätigt das zuvor gefertigte Urteil.

Ein besorgniserregender Aspekt im Fall Krause ist nicht nur der Furor der Linken gegen abweichende Meinungen, sondern auch die Unfähigkeit der Konservativen zu begreifen, dass Freiheit immer wieder neu erkämpft werden muss. Eine demonstrative Solidarität gegenüber Peter Krause war so minimal wie gegenüber Martin Hohmann und Eva Herman zuvor. Thüringens christdemokratischer Ministerpräsident Dieter Althaus war nicht etwa für Krauses Freiheit eingetreten, auch für eine stramm konservative Zeitung zu schreiben, sondern hatte Krause damit verteidigt, dass dieser sich von der „JF“ distanziert habe. Wer sich so leicht einschüchtern lässt, bietet sich dem politischen Gegner für weitere Hetzjagden geradezu an. Die „FAZ“, außer der „JF“ die einzige konservative Zeitung, die Krause nicht in den Rücken fiel, berichtet: „Ein weiter Teil der Thüringer Öffentlichkeit, der allerdings in der veröffentlichten Meinung nicht durchdringt, ist unabhängig von der jeweiligen parteipolitischen Bindung des Einzelnen entsetzt ob der Macht des Kesseltreibens gegen Krause.“ Namentlich zitieren lie- ßen sich aus Angst vor „Krauses Kritikern“ indes nur wenige Fürsprecher. „Durch das, was jetzt passiert, sind wir extrem eingeschüchtert. Ich schlage jeden Tag die Zeitung auf, und das Thema wird immer größer“, zitiert die FAZ einen Kulturvertreter Weimars, der nicht genannt werden wolle. Er wolle schließlich nicht „in den Graben geschossen werden“. Und der „taz“ zufolge erklärte Bodo Ramelow inzwischen, jetzt auch die Vergangenheit etlicher weiterer Unionspolitiker genauer unter die Lupe nehmen zu wollen: „Wir fragen jetzt: Wo hat Krause seine Unterstützer? Wir werden uns um die Krauses kümmern.“

Bei Unionsmitgliedern, die sich in ihrer Angst selbst Zielscheiben auf die Stirn gemalt haben, dürfte Ramelow leichtes Spiel haben. Es hat nur zwanzig Jahre gedauert, und schon können die Sozialisten in Deutschland wieder Jagd auf alle machen, die ein „falsches Bewusstsein“ haben. Und unsere Medien haben den Weg dazu bereitet.

Internet

Lesen Sie zum Fall Krause auch zwei exklusive Artikel auf ef-online.de:

Literatur

Arne Hoffmann: Der Fall Eva Herman, Grevenbroich 2007.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Arne Hoffmann

Über Arne Hoffmann

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige