Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Energiemix: Kernkraft hilft nur kurzfristig

von Edgar L. Gärtner

Oder: Worüber die sich Gasprom-Konzern freut

Glaubt man einer im Auftrag der Atomlobby durchgeführten Blitzumfrage, dann sind die Deutschen dabei, sich wieder mit der Kernenergie anzufreunden. Danach sprachen sich 60 Prozent der befragten Männer und immerhin 35 Prozent der (vermutlich mit weniger gesundem Menschenverstand ausgestatteten) Frauen für eine Verlängerung der unter Bundeskanzler Gerhard Schröder im "Atomkonsens" mit der Energiewirtschaft vereinbarten Restlaufzeiten alter Kernkraftwerke aus. Dieser Wandel im Meinungsbild ist gut nachvollziehbar. Denn die längst abgeschriebenen Atommeiler liefern für etwa 2,5 Eurocent je Kilowattstunde konkurrenzlos billigen Strom.

Ob es dadurch wirklich zu einer "Renaissance" der Kernenergie kommt, ist eine andere Frage. Deren Beantwortung hängt davon ab, ob sich private Investoren für den aufwändigen und langwierigen Neubau von Kernkraftwerken finden werden. Dafür gibt es bislang keine Anzeichen. Als vor Monaten die britische Labour-Regierung die Kernenergie wieder offiziell für politisch korrekt erklärte, ließen die eingeladenen Investoren sofort verlauten, sie würden hier nur einsteigen, wenn sich auch der Staat massiv beteilige.

Immerhin könnte eine Verlängerung der Laufzeit bereits existierender KKW für zwei Jahrzehnte die Grundlastversorgung sichern. Um das auch längerfristig zu erreichen, käme es aber darauf an, mit dem CO2-Treibhaus-Dogma und der damit verbundenen Verteufelung des Kohlenstoffdioxids wie der Kohle Schluss zu machen und in Deutschland zig moderne Braun- und Steinkohlekraftwerke zu errichten - und zwar ohne die geforderte Abscheidung und Endlagerung des Verbrennungsabgases CO2 (bekannt unter dem Kürzel CCS), die wegen der damit verbundenen erheblichen Wirkungsgrad-Einbuße die zurzeit preisgünstige Kohleverfeuerung unnötig verteuern würde.

Fährt Deutschland jedoch fort, die Erschließung der unsteten Windenergie durch die geplante Anlage von 30 riesigen Windrad-Parks in Nord- und Ostsee voranzutreiben, dann müssten die Investitionen zur Sicherung der Grundlastversorgung durch ebenso massive Investitionen in rasch an- und abschaltbare Gasturbinen für windarme Zeiten ergänzt werden, was die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas enorm vergrößern würde. Alexej Miller, der Chef des mächtigen russischen Gasprom-Konzerns, freut sich bereits auf das infolge des Ausbaus der Windkraft in Deutschland winkende zusätzliche Geschäft. Das auf Preisvergleiche spezialisierte Verivox-Internet-Portal rechnet wegen der Bindung des Gaspreises an den Rohölpreis bereits für den kommenden Winter mit einer Verdoppelung der Heizkosten für Privathaushalte. Andere Experten rechnen sogar damit, dass der Gaspreis wegen des wachsenden Bedarfs an Regelenergie für die unregelmäßige Einspeisung von Windstrom ins deutsche Netz den Ölpreis schon bald weit hinter sich lassen wird. Da erscheint die Forderung von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, die Pläne für die Errichtung von Offshore-Windparks müssten schleunigst umgesetzt werden, um Deutschlands Abhängigkeit von Energieimporten zu vermindern, als blanker Hohn, wenn nicht als bewusste Irreführung der Deutschen im Dienste der Kreml-AG. Solange am CO2-Treibhaus-Dogma nicht gerüttelt wird, wird es für die wachsenden Probleme der Energieversorgung nur unmenschliche Lösungen geben.

Internet

Verivox-Internet-Portal

07. Juli 2008

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