Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Weihrauch und CO2: Die Schöpfung bewahren

von Edgar L. Gärtner

Barack Obama, Papst Benedikt XVI. und die Klimapolitik

28. Juli 2008

Barack Obama hat zumindest in Deutschland Papst Benedikt XVI. die Show gestohlen. Doch während vom berauschenden Wortschwall an der Berliner Siegessäule vermutlich nicht viel hängen bleiben wird, haben die Massenmedien rund um die Welt in seltener Eintracht Benedikts Ansprache auf dem Weltjugendtag in Sydney als Ausdruck des Ergrünens des Vatikans gewertet. Unwidersprochen wurde behauptet, Benedikt reihe sich nun ein in den Kampf gegen den Klimawandel. Die deutsche Bischofkonferenz, die sich schon vor fast zwei Jahren unter dem Motto "Die Schöpfung bewahren!" vorbehaltlos den Katastrophenwarnungen des "Weltklimarates" IPCC angeschlossen hatte, wird sicher nichts tun, um diesem Missverständnis entgegen zu treten. Doch wer sich Benedikts Redetext genauer anschaut, stellt fest, dass darin von "Klimaschutz" nirgends die Rede ist. Nur an einer Stelle spielt der Papst überhaupt auf das Klima-Thema an: Als er darauf hinweist, einige Inselstaaten seien von steigenden Fluten bedroht, während andere Nationen unter verheerender Trockenheit litten. Kein Wort über "Treibhausgase".

Dagegen warnt der Oberhirte der Katholiken vor Erosion, Entwaldung sowie vor der Verschwendung mineralischer Rohstoffe und der Reichtümer des Meeres. Das sei Ausdruck eines unstillbaren Konsumhungers. Damit drückte er aus, dass er die gesellschaftlichen Lebensbedingungen seiner Schäflein für mindestens ebenso wichtig erachtet wie die physischen. Ökologie habe auch eine moralische Dimension, betont der Papst. Wunden und Narben an der sozialen Umwelt müssten als Signale für unhaltbare Zustände ernst genommen werden. Benedikt XVI. unterstützt zwar die Idee einer nachhaltigen Entwicklung, warnt aber davor, in konstruktivistischer Hybris bei deren Umsetzung die Menschenwürde hintan zu stellen. Einmal mehr geißelte Benedikt XVI. die "Diktatur des säkularen Werterelativismus". Diese sei verantwortlich für Fehlentwicklungen wie Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, sexuelle Verwahrlosung und Gewaltverherrlichung. Josef Ratzinger alias Benedikt XVI. hätte noch deutlicher werden können. In seinem Bestseller "Jesus von Nazareth" (2007) legte Josef Ratzinger als Kardinal, nicht als Papst, seinen Lesern auf Seite 71 zwischen den Zeilen sogar nahe, in der auf der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten "Agenda 21" die Bibel des Antichristen zu sehen. Ratzinger hatte sich schon 1968 in seiner "Einführung in das Christentum" gegen eine Politische Theologie gewandt, die dazu verleiten könnte, im Namen des Primats des Machbaren gegenüber dem Gemachten Gott zu spielen. Die Menschen könnten ihre Lebensressourcen "Liebe" und "Sinn" nicht selbst kreieren, sondern nur empfangen, mahnte Ratzinger. Nach meinem Verständnis impliziert das die Ablehnung einer globalen "Klimapolitik" nach dem Muster des Kyoto-Protokolls. Denn diese Politik läuft auf den größenwahnsinnigen Versuch hinaus, mithilfe einer künstlichen Verteuerung von Energie und Nahrung eine im Detail chaotische und daher nicht vorhersehbare zyklische Entwicklung in den Griff zu bekommen.

Die Losung "Schöpfung bewahren!" liegt eindeutig auf der Linie des christlichen Primats des Gemachten vor dem Machbaren. Aber eine Politik nach dem Muster des Kyoto-Protokolls kann sie nicht rechtfertigen. Gehören das CO2, ohne das kein pflanzliches Leben auf der Erde möglich ist, und die Menschen, die es umso stärker ausstoßen, je freier und intensiver sie leben, etwa nicht zur Schöpfung?

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