Gernot Kieseritzky

Jahrgang 1980, Diplom-Biochemiker.

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VCD Auto-Umweltliste: Ein Ranking von Äpfeln und Birnen

von Gernot Kieseritzky

Warum ein Hummer H3 im Vergleich zu Hybrid-Autos umweltfreundlich ist.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist ein Umweltlobbyverband, der sich nach seinem Selbstverständnis als ökologische Alternative zum ADAC sieht und für eine ökologische und sozialverträgliche Verkehrspolitik eintritt. Seit 1989 veröffentlicht der Verein jedes Jahr eine aktuelle Auto-Umweltliste, in der aktuelle Automobile aller am deutschen Markt vertretenen Hersteller nach ihrer Umweltverträglichkeit sortiert aufgeführt werden.

Wie in den vergangenen Jahren schneiden auch in diesem Jahr dabei deutsche Autos ziemlich schlecht ab: Unter den ersten zehn Automobilen auf der Umweltliste befindet sich mit dem Smart Fortwo Coupé lediglich ein einziges von einem deutschen Hersteller. Angeführt wird die Liste von den beiden japanischen Hybridfahrzeugen Toyota Prius und Honda Civic, die zusätzlich zum Benzinmotor über ein batteriebetriebenes Elektroaggregat verfügen, das sie bei geringen Geschwindigkeiten anstelle des Benziners verwenden. Hybridfahrzeuge sind sehr effizient im Kraftstoffverbrauch und emittieren beim abgeschalteten Benzinmotor nichts als Kohlendioxid und Wasser. Ein Schlag ins Gesicht für die deutsche Automobilwirtschaft, mag man jetzt denken, die scheinbar technologisch mit den Japanern nicht mithalten kann.

Aber wie aussagekräftig ist die Umweltliste des VCD wirklich?

Der Umweltindex, nach dem die Autos sortiert werden, berechnet sich aus drei Kriterien: Dem Benzinverbrauch, gemessen in der Menge an emittiertem Kohlendioxid, das pro gefahrenen Kilometer ausgestoßen wird, dem sonstigen Schadstoffausstoß, beispielsweise Schwefel- und Stickoxide, und der Lärmbelastung. Der erste Denkfehler der verantwortlichen Umweltlobbyisten ist die Versteifung auf den einfachen Kraftstoffverbrauch pro gefahrenen Kilometer ungeachtet der Größe des Fahrzeug: Natürlich verbrauchen Kleinwagen weniger als Vans, müssen letztere doch ein erheblich größeres Gewicht transportieren.

So kommt es nicht sehr überraschend, dass auf der Umweltliste des VCDs unter den ersten zehn umweltverträglichsten Autos mit Ausnahme der Hybriden ausschließlich Klein- und Kleinstwagen rangieren. Für einen fairen Vergleich hätte der Kraftstoffverbrauch zumindest auf das Fahrzeuggewicht normiert werden müssen oder besser auf die Motorleistung des Modells. Denn was nützt es der Umwelt, wenn eine vierköpfige Familie zwei Autos halten muss, um gemeinsam in den Urlaub fahren zu können?

Aber selbst wenn man die Kohlendioxidemissionen auf die Fahrzeugklasse bezogen hätte, die erhaltene Größe wäre nur bedingt relevant für die Umweltverträglichkeit eines Fahrzeugs. Ein spritfressendes Sportcabriolet mag einen hohen relativen CO2-Ausstoß haben, aber wenn es die meiste Zeit des Jahres über in der Garage steht, dann kann sein Gesamtausstoß im Laufe seines Automobillebens immer noch kleiner sein als derjenige eines unsportlichen Kleinwagens, der regelmäßig benutzt wird.

Ein gesetzlicher CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer, wie ihn der VCD in seiner begleitenden Presseerklärung fordert, machte die auf dem Markt befindlichen Autos demzufolge nicht umweltfreundlicher, sondern lediglich kleiner. Außerdem würden unter einem solchen CO2-Regime Vielfahrer relativ belohnt, weil sie viele Kilometer fahren könnten, ohne dass sie sich an den externen Kosten ihrer CO2-Emissionen angemessen beteiligten.

Bei all den Betrachtungen blieben die Anschaffungskosten eines Fahrzeugs bisher völlig außer Acht. In Analogie zur Betriebswirtschaft, in der sich die Gesamtkosten einer Investition aus der Summe aller Kosten berechnet, die im Laufe seines Lebenszyklus anfallen, muss man aber für die Umweltbilanz der gleichen Investition, in diesem Falle ein Privatfahrzeug, alle Umweltschäden, die durch Produktion und Unterhalt eines Automobils entstehen, berücksichtigen. Als Maß für die Umweltverträglichkeit eines Produktionsverfahrens eignen sich die Energiekosten, weil sie zum einen seine Energieintensität widerspiegeln und zum anderen direkt proportional zu den Kohlendioxidemissionen sind.

So verursacht der Bau eines Toyota Prius oder Honda Civics einen im Vergleich zu Autos mit klassischer Antriebstechnik einen erheblichen Energieaufwand, nicht zuletzt wegen des Elektromotors, des Akkus und der komplexen Elektronik, die das Zusammenspiel von Benzin- und Elektromotor steuert. Es sind dabei die zum Einsatz kommenden Hightechmaterialien und viele Spezialbauteile, die eine hocheffiziente Massenproduktion von Hybridfahrzeugen erschweren und daher die niedrigen Verbrauchskosten beim Endverbraucher relativieren.

Im Rahmen einer umfassenden Studie mit dem Titel „Dust To Dust“ vergleicht das US-amerikanische Marktforschungsinstitut CNW Marketing/Research Inc. jährlich die Gesamtenergiebilanz der meisten am Markt befindlichen Fahrzeuge und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Der Studie zur Folge kostete im Jahr 2007 ein neues Hybridfahrzeug pro gefahrenen Kilometer im Mittel 3.41 Dollar pro gefahrener Meile, während ein berühmt-berüchtigtes „Sports Utility Vehicle“ (SUV) gehobener Mittelklasse, wie der Hummer H3 eines ist, demgegenüber nur 2.59 Dollar pro Meile kostete.

Schlussfolgerung: Wenn man etwas gegen den Klimawandel tun will, kauft man sich besser einen Hummer H3 als einen Hybriden.

Internet

Dust-to-Dust

20. August 2008

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