21. August 2008

Scheckbetrug Politiker im Rhetorik-Seminar

Die geplatzten Scheine der Papiergeld-Connection

In den letzten Jahren werden in Europa immer mehr Firmen und Einzelpersonen Opfer von Scheckbetrügern. Die Masche ist immer die gleiche: Ein angeblicher Kunde bietet einen guten Preis für eine bestimmte Leistung (Hotelübernachtung, Seminar oder auch ein gebrauchtes Auto) und bittet den Anbieter, einen Scheck über eine weitaus höhere Summe anzunehmen und die Differenz auf ein anderes Konto zu überweisen.

So meldete sich zum Beispiel ein „Rev. Fr. Claudio Totti“ bei einem deutschen Seminaranbieter, um für „fünf Nachwuchspolitiker“ aus Afrika einen einwöchigen Rhetorik-Kurs zu buchen. Der englische Sponsor dieses Kursaufenthalts könne aber aus organisatorischen Gründen nur einen einzigen Scheck für sämtliche Kosten des Aufenthalts der Jungpolitiker ausstellen. Um Unterkunft, Verpflegung und Freizeit würde sich ein noch zu bestimmender Veranstalter kümmern. Daher bittet man den Seminarveranstalter, einen Scheck über 8000 Dollar entgegenzunehmen und den Anteil des Veranstalters über 6000 Dollar dann auf dessen Konto zu überweisen. Der Seminarveranstalter löst den Scheck also ein, bekommt die Summe erst einmal auf seinem Konto gutgeschrieben und überweist dann den Differenzbetrag auf das Fremdkonto. Doch ein paar Tage später werden die 8000 Dollar wieder von seinem Konto abgezogen, denn für den Scheck bestand keine Deckung. Der Seminardienstleister ist Opfer eines dreisten Betrügers geworden.

Nun sind diese, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der „Nigeria Connection“ stehenden Betrüger nur kleine Fische im Vergleich zu Organisationen, die allen Bürgern eines Landes ungedeckte Wertpapierscheine unterjubeln, und zwar ganz legal. Simbabwes Diktator Robert Mugabe zum Beispiel hat eine Währung geschaffen, die angesichts von mehreren Millionen Prozent Inflation genau auf das gleiche hinausläuft wie ungedeckte Schecks: Die Opfer wähnen sich ein paar Tage lang wohlhabend, doch plötzlich ist das Papierbündel, mit dem man eben noch einen Kleinwagen kaufen konnte, nichts mehr wert.

Noch geschickter agieren allerdings jene Scheckbetrüger, die virtuelle oder auch papierne Fetzen unters Volk bringen, ohne dass die Kunden ahnen, worauf sie sich da einlassen. Das funktioniert ganz gut, weil die durch kontinuierliche Geldmengenerhöhungen erfolgte Entwertung in der Regel nur schleichend erfolgt und sich erst nach mehreren Jahrzehnten in einem großen Knall entlädt. Dann gibt es eine Währungsreform, und das Schneeballsystem geht von neuem los. Es funktioniert vor allem aber auch deswegen, weil die Emittenten dieser Schecks ihre Kunden zwingen können, keine anderen Mittel für ihre geschäftlichen und privaten Transaktionen untereinander zu verwenden.

Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Regierung legalisiert die ungedeckten Schecks der Nigeria-Connection und lässt diese als alleiniges Zahlungsmittel zu. Alle Bürger würden in hektischen Aktionismus verfallen: Man will möglichst viele Waren ergattern und seine Schecks loswerden, bevor diese platzen. Und man wird Waren haben wollen, die sich schnell verkonsumieren lassen, also Nahrung und Freizeitdienstleistungen, denn werterhaltende Dinge wie Immobilien, Gold oder Silber könnten ja sonst konfisziert oder gepfändet werden, wenn alle Schecks geplatzt sind und der Staat pleite ist. Bei der modernen Geldmengenerhöhung der Zentralbanken wird zwar das Tempo aus so einem Prozess herausgenommen, aber das Grundprinzip ist das gleiche.

Internet:

Polizeiinspektion Hildesheim: Scheckbetrug durch Online-Hotelreservierungen

Literatur:

Roland Baader: Geld, Gott und Gottspieler


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Björn Tscheridse

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