23. August 2008

Marktkommentar Hanks Sicherheitspolster

Die Rettungsbote sind günstig aber rar

Verschiedene Meldungen lassen vermuten, dass nach einigen Wochen der „Beruhigung“ die Finanzkrise jetzt wieder voll ausbricht. Da sind verschiedene Artikel über den Zustand der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac (F&F), die jetzt kurz vor der Verstaatlichung stehen. Es wird geschrieben, dass Aktionäre und nachrangige Schuldner leer ausgehen sollen, also ein Aufkauf durch den US-Staat aus der Konkursmasse.

Bezeichnend auch ein Artikel in der „Welt“: „US-Hypothekenmarkt steht kurz vor dem Kollaps“: „Dramatische Entwicklungen auf dem Markt für Immobilien in den USA. Immer mehr Investoren aus anderen Industriestaaten ziehen sich aus dem Geschäft mit den US-Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddy Mac zurück. Die Kurse schmieren ab – und schockierte Anleger schreien nach dem Staat.“

In der Tat gingen die Käufe der F&F-Anleihen (MBS, gebündelte Hypotheken) durch das Ausland bereits zurück. Das ist der absolute GAU (größter anzunehmender Unfall). Wenn diese Papiere massiv auf den Markt geworfen werden, kracht das potemkinsche Dorf zusammen.

An Fannie & Freddie hängt alles

Real vergeben in den USA nur mehr F&F Geld für Hypotheken, die privaten Banken und die Mortgage-Lenders sind bereits ausgestiegen, da sie diese Hypotheken nicht mehr bündeln und als MBS oder CDOs weiterverkaufen können. Reale Preisnachlässe etwa in Kalifornien liegen bereits bei über 50 Prozent, da es keine Kredite für so überteuerte Immobilien mehr gibt. Nur F&F kaufen noch Hypotheken, wenn auch inzwischen eingeschränkt.

Zweit- oder Dritthypotheken und die früher beliebten HELOCs (Home Equity Lines Of Credit) sind inzwischen so wertlos, dass die Banken gar keine „Foreclosure“ (Beschlagnahme des Hauses) mehr versuchen, da den beim Verkauf zu erzielenden Preis der Geber der ersten Hypothek einstreichen würde. Die Bücher von Banken wie Wachovia oder Washington Mutual (WaMu) sind voll mit solchem Mist.

Wenn Fannie & Freddie jetzt zusammenbrechen, dann kollabiert nicht nur der US-Immobilienmarkt total, sondern es kommt auch zu einem weltweiten Bankencrash.

Das „Sicherheitspolster“

Mit dem ersten Aufflammen der F&F-Krise Ende Juli hat man international koordiniert versucht, ein „Sicherheitspolster“ für den US-Dollar aufzubauen. Der Dollar-Index wurde von 71 auf über 77 angehoben. Der Goldpreis wurde um 200 Dollar pro Unze von etwa 985 Dollar auf 785 Dollar gedrückt (Gold ist der wahre Feind des Dollars, nicht Euro oder Yen). Dazu wurden alle verfügbaren Mittel eingesetzt, auch den Ölpreis und die anderen Rohstoffpreise hat man gedrückt. Warum gedrückt und nicht ein „natürlicher“ Rückgang? Nun, bei einer echten Liquiditätskrise müssten die Aktienindizes auch crashen. Das ist nicht passiert. Es war primär eine Markt-Manipulation. Man hat die „Long-Spekulanten“ wieder einmal vertrieben.

Nicht einmal während des Georgien-Kriegs sind die Öl- und Goldpreise gestiegen, was sonst immer der Fall ist, speziell wenn es eine Öl-Region betrifft. Man hat alles in die Schlacht geworfen, was man hatte.

In meinem letzten Artikel „Hank Paulsons Ardennen-Offensive“ (www.hartgeld.com) vergleiche ich diese Extrem-Manipulation mit Hitlers Ardennen-Offensive Ende 1945, wo er die letzten brauchbaren Reste der deutschen Wehrmacht hineingeworfen hat, um die Alliierten in Belgien „ins Meer“ zu treiben. Diese Offensive hat für die Alliierten am Anfang auch furcht erregend ausgeschaut, ist aber nach einigen Wochen zusammengebrochen. Nach vier Monaten war der Totalkollaps Deutschlands da. Hier wird es genauso passieren. Der Sicherheits-Polster wird bald wieder aufgebraucht sein, dann beginnt die „echte“ Bankenkrise, in der auch die Großbanken untergehen. Es wird davor bereits gewarnt.

Ich hoffe, alle haben sich mit den Rettungsbooten Gold & Silber für diesen Fall eingedeckt. Diese sind derzeit billig, obwohl es kaum mehr Gold & Silber zu kaufen gibt.

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und jetzt auch auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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