Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

ef Television

Entwicklung und Ökologie: Auf die Nebenwirkungen kommt es an

von Edgar L. Gärtner

Politik wirkt kontraproduktiv

Gerade hat die Bekanntgabe der Entwicklung des Ein- und Mehrweganteils von Getränkeverpackungen wieder einmal schlaglichtartig vorgeführt was passiert, wenn die Politik versucht, mithilfe bürokratischer Quotenregelungen etwas aus vernünftigen oder ideologischen Gründen Erwünschtes anzusteuern.

Ist es denn so überraschend, dass sich der Mehrweganteil statt der erhofften Stabilisierung, wenn nicht Vergrößerung seit der Einführung des Einwegpfandes unter dem Grünen Bundesumweltminister Jürgen Trittin in Wirklichkeit halbiert hat? Nicht nur Anhänger der Lehre von Friedrich August von Hayek, sondern im Grunde alle Erwachsene mit einiger Lebenserfahrung wissen schließlich: Bürokratie und Marktwirtschaft haben gemeinsam, dass bei beiden meistens etwas heraus kommt, das so niemand gewollt hat. Dabei übertreffen allerdings die Ergebnisse des Wechselspiels von Angebot und Nachfrage oft die kühnsten Träume, während die Ergebnisse bürokratischer Planung meistens enttäuschen.

Deshalb rege ich mich immer auf, wenn selbst in Erklärungen von Unternehmerverbänden bürokratische Unworte wie „Armutsbekämpfung“ auftauchen. Zeigt doch gerade die Entwicklung in Afrika, was bei der als „Entwicklungshilfe“ verstandenen Jahrzehnte langen bürokratischen Umverteilung Hunderter von Milliarden Dollar oder Euro herauskommt. Auch das Desaster der „Entwicklungshilfe“ kam für Anhänger Hayeks keineswegs überraschend, wissen diese doch aus der Analyse der Ursachen der mit allen Formen von Sozialismus verbundenen Enttäuschungen, dass man Armut nicht per Dekret durch Enteignung und Umverteilung abschaffen kann. Vielmehr verschwindet absolute Armut beinahe im Handumdrehen, wenn sich in einem Land aus ganz anderen Gründen wirtschaftliches Wachstum einstellt. Vielleicht schaffen es nun ausgerechnet die Chinesen, den schwarzen Kontinent mit ihren wenig zimperlichen Methoden der wirtschaftlichen Zusammenarbeit aufzumischen und auf einen Weg wirtschaftlicher Dynamik zu bringen.

Das Beispiel Afrika soll hier nur zeigen, dass wünschenswerte Ziele, wenn überhaupt, nur selten auf direktem Wege erreichbar sind. Das gilt übrigens nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im persönlichen Leben. Nicht kurzsichtiges Glücksstreben macht bekanntlich glücklich (dann müssten die Junkies zu den glücklichsten Menschen zählen), sondern Freiheit und die mit selbstverantworteten Entscheidungen oft verbundene Plackerei. Erst wenn Schweiß geflossen ist, hat man überhaupt einen Grund zum Glücklichsein. Diese Einsicht gehört aber heute infolge der Nachwirkungen der von der 68er Generation geförderten Spaß-Pädagogik leider nicht mehr zu den Selbstverständlichkeiten.

Nun hat Angela Merkel als promovierte Physikerin erkannt, dass es mit dem deutschen Bildungswesen nicht mehr so weitergehen kann wie in den letzten Jahrzehnten, soll Deutschland im internationalen „Wirtschaftskrieg“ nicht hoffnungslos zurückfallen. Aber vieles an der aktuellen, durch eine medienwirksame Sommerreise der Bundeskanzlerin unterstrichenen, Bildungsoffensive trägt den Stempel bürokratischen Denkens. Mehr Bildung für mehr Wachstum ist zu kurz gedacht. Wachstum lässt sich weder organisieren noch herbeireden, sondern stellt sich, wie vieles im Leben, als Nebenwirkung ein, wenn verschiedene Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehört zweifelsohne ein gut funktionierendes Bildungswesen. Aber ein immer strenger kontrolliertes staatliches Schulsystem, dessen Lehrinhalte für ideologisch begründete politische Ziele wie „Klimaschutz“ funktionalisiert werden, wird mittel- und längerfristig die Wachstumsdynamik hemmen statt beschleunigen, weil sie den Spielraum für technische und organisatorische Innovationen unnötig verengt und alle Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen in die gleiche Richtung treibt.

26. August 2008

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen