Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

Anzeige

Energieversorgung: Angela Merkel muss sich entscheiden

von Edgar L. Gärtner

Strom je nach Feindbild

04. September 2008

„Die Energieversorgung ist eine zentrale Frage des Industriestandortes Deutschland. Wir brauchen eine Initiative der Vernunft. Die Ablehnung neuer Kohlekraftwerke ist umwelt- und klimapolitisch kontraproduktiv. Wir dürfen nicht abhängig werden von ausländischen Stromlieferungen“, erklärte Angela Merkel vergangene Woche bei der Grundsteinlegung für ein neues Kohlekraftwerk des Stromriesen RWE in Hamm in Westfalen. In diesen Sätzen (zitiert aus der „Welt“ vom 30. August 2008) verbirgt sich das ganze Dilemma der deutschen Energiepolitik. Was ist dringlicher: Die Sicherung einer bezahlbaren Energieversorgung oder Energie- bzw. Kohlenstoffdioxid-Einsparung um beinahe jeden Preis? Zumindest der britische Wirtschaftsminister John Hutton hat inzwischen unmissverständlich erklärt, ihm sei die Sicherheit der Energieversorgung wichtiger als das Klima: „Energiesicherheit ist eine grundlegende Bedingung unserer Existenz als unabhängiger, demokratischer und freier Staat“, zitiert ihn der „Daily Telegraph“. Hutton verhehlte dabei nicht seine Befürchtung, schon im kommenden Winter würden viele seiner weniger wohlhabenden Landsleute ihre Heizkostenrechnung nicht mehr bezahlen können.

Auch Angela Merkel wird sich entscheiden müssen: Will sie das Ersatzfeindbild „CO2-verursachter Klimawandel“ aufrecht erhalten oder will sie wirklich versuchen, der Herausforderung Wladimir Putins und Alexander Medwedews zusammen mit den EU- und NATO-Partnern eine realistische Strategie für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung des Westens entgegenstellen? Daran gemessen erscheint Frau Merkels jüngstens Bekenntnis zur Kohle eher halbherzig. Denn es geht ihr und RWE-Chef Jürgen Großmann nicht um bewährte Formen der Nutzung des auch in politisch sicheren Teilen des Globus reichlich und preiswert verfügbaren und obendrein gut transportier- und lagerfähigen Energierohstoffs, sondern um die bislang noch kaum erprobte aufwändige Technik der Abscheidung von CO2 aus den Kraftwerksabgasen und dessen Ferntransport in unterirdische Speicher. RWE möchte das CO2 aus einem neuen in Hürth bei Köln projektierten Braunkohlekraftwerk über eine Pipeline nach Schleswig-Holstein pumpen. Dadurch würden Kohlekraftwerke, sollte die Abscheidungstechnik in großem Maßstab überhaupt funktionieren, die meisten ihrer Wettbewerbsvorteile wieder einbüßen.

Dazu muss man wissen, dass die schon vor 100 Jahren vom amerikanischen Physiker Robert William Wood experimentell widerlegte Fiktion einer Treibhauswirkung von CO2 in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder in Umlauf gebracht werden musste (und zwar von der Sozialistischen Internationale), als die Erdgasförderung in der Nordsee infolge des Sinkens des Rohölpreises unter die Zehn-Dollar-Marke und der Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis unrentabel geworden war und es deshalb in Europa nahe lag, in der Wärme- und Stromproduktion massiv zur reichlich vorhandenen billigen Kohle zurückzukehren. Im Klartext: Um den Kohle- und Öleinsatz künstlich zu verteuern und die Erdgasförderung in der Nordsee wie später in Russland wieder rentabel zu machen, schlugen Sozialisten um den schwedischen Regierungschef Olof Palme und die norwegische Regierungschefin Gro Harlem Brundtland, die spätere Vorsitzende der nach ihr benannten UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung, unter Hinweis auf die längst widerlegte Treibhaus-Hypothese des schwedischen Chemikers Svante Arrhenius von 1896 CO2-Steuern und andere Maßnahmen zur Verteuerung kohlenstoffhaltiger Energieträger vor.

Angela Merkel könnte unter Beweis stellen, dass sie strategisch denken kann, wenn sie jetzt, wo es ins Auge springt, wie gefährlich unsere wachsende Abhängigkeit vom russischen Erdgas ist, die bereits beschlossenen, größtenteils aber noch nicht in Angriff genommenen Windparkprojekte in der deutschen Nordsee aus politischen Gründen stoppte. Denn die geplanten 5.000 Windräder mit einer Gesamtkapazität von 24.000 Megawatt würden wegen der Notwendigkeit der Abpufferung der stark schwankenden Windleistung durch Gasturbinen den deutschen Gasbedarf unweigerlich in die Höhe treiben.

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare


Der Kommentarbereich für diesen Artikel wurde geschlossen.

Anzeige