20. Oktober 2008

US Wahlkampf Zustimmung für John McCain wächst

Wie Joe, der Klempner, McCains Kampagne gerettet hat

Es bleiben noch gut zwei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen, in denen sich die beiden Kontrahenten, Barack Obama von den Demokraten und John McCain von den Republikanern als Nachfolger von George W. Bush empfehlen können. Am vergangenen Mittwoch lieferten sich die beiden Kandidaten das letzte von insgesamt drei Fernsehduellen, in dem der Kriegsveteran John McCain eine bessere Figur machte als in den vorangegangenen. Diesen Erfolg hatte er auch bitter nötig, lag doch Obama den letzten Umfragen zufolge mit einem Vorsprung von über fünf Prozent inzwischen klar in Führung.

Wichtigster Verbündeter beim Rededuell sollte ein gewisser Joe Wurzelbacher werden, ein Klempner aus Ohio. Bei mehreren Gelegenheiten während der Sendung blickte McCain plötzlich direkt in die Fernsehkamera, um sich direkt an Joe zu wenden und ihm die Auswirkungen von Obamas Steuerreform auf seine finanzielle Situation zu erklären.

Bekannt wurde Joe allerdings schon ein paar Tage vorher, als er bei einer Wahlkampfveranstaltung Obama die Frage stellte, ob er unter einem Präsidenten Obama mehr Steuern zu zahlen hätte, wenn er den Betrieb seines Chefs übernehmen würde und dadurch mehr Geld verdiente. Die Frage ist berechtigt: Obamas Wahlprogramm sieht eine Erhöhung der Einkommensteuer zu Lasten „Reicher“ vor, per Definition Personen mit einen Jahreseinkommen, das 250.000 Dollar überschreitet, sowie die Abschaffung steuerlicher Vorteile für Unternehmen. Joes Sorgen machen deutlich, dass Obamas Steuerpolitik nicht nur Aktienhändler und Konzernbosse belasten wird, sondern gerade auch Kleinbetriebe und mittelständische Unternehmen treffen könnte, die in den USA wie in Deutschland größter Arbeitgeber sind.

Obama entgegnete Joe, Umverteilung sei gut für die Allgemeinheit. McCain nahm diesen Fauxpas dankbar auf und erwiderte bei einer Rede am Tag nach dem Fernsehduell: „Obama will Joes Wohlstand umverteilen, aber Amerika ist nicht zur größten Nation aufgestiegen, weil es Wohlstand umverteilt, sondern Wohlstand produziert“. Und Recht hat er: Die Steuerprogression setzt den Anreiz, weniger zu arbeiten, weil Joe mit steigendem Einkommen immer weniger von seinem Stundenlohn behalten darf. Joes Leistungswillen wird bestraft und mit ihm die gesamte Gesellschaft, die nun auf seine Produktivität verzichten muss. Denn leider wird die Gesellschaft nicht einfach dadurch wohlhabender, nur weil die „Reichen“ weniger verdienen.

Nach dem für McCain geglückten Fernsehduell stiegen seine Umfragewerte in der jüngsten Studie auf erstmals über 45 Prozent, wodurch sein Rückstand auf unter 3 Prozent geschmolzen ist. Dies dürften die Republikaner vor allem „Joe the plumber“ zu verdanken haben, der dem amerikanischen Durchschnittsbürger, von dem so häufig geredet wird, ein Gesicht gegeben hat. Samuel J. Wurzelbacher, wie er mit vollem Namen heißt, ist 34 Jahre alt und lebt zusammen mit seinem 13-jährigen Sohn in einem Ort namens Holland, im US Bundesstaat Ohio. Arbeitgeber ist sein Boss und Partner Al Newell, dem die Firma Newell Plumbing & Heating mit Sitz in Toledo noch offiziell gehört.

Ob Joe die Firma übernehmen kann, hängt aber noch von anderen Dingen ab als von Obamas Steuerreform. Am Freitag veröffentlichte die linke New York Times einen Artikel, demzufolge Joe gar keine Ausbildung zum Klempner hat. Gemäß den örtlichen Vorschriften in Toledo bedarf es für die selbständige Ausübung der Klempnerei aber einer Lizenz der nationalen Klempnergewerkschaft, die eine Ausbildung als Voraussetzung hat.

Folglich dürfte Joes Traum vorerst nicht an Obamas Steuererhöhungen scheitern, sondern an der amerikanischen Version des Meisterzwangs.

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