15. November 2008

Marktkommentar Kollaps der Realwirtschaft

Transport und Stahl als Indikatoren

Im letzten Marktkommentar schrieb ich vom Fallen diverser Staaten, besonders in Osteuropa. Das geht weiter. Die „Kavallerie“ des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat nach Jahren des Nichtstuns jetzt Hochbetrieb. Ein Staat nach dem anderen muss gerettet werden. Derzeit vorwiegend in Osteuropa. Überall das Gleiche: Aufbau einer gewaltigen Kreditbubble durch törichte westliche Banken. Konsum auf Kredit erzeugt gewaltige Außenhandelsdefizite. Dann das Platzen der Blase mit Kapitalflucht, Abwertung der Währung, drohendem Staatsbankrott.

Zum Glück reist die IWF-Kavallerie heute nicht mehr auf dem Pferd, sondern im Flugzeug. Sonst würde sie es zu den vielen hilfesuchenden Staaten nicht mehr rechtzeitig schaffen. Real macht der IWF nichts Neues: Er schüttet nur noch mehr Geld in diese untergehenden Staaten hinein.

Zusammenbruch der Transportwirtschaft

Die platzende Ost-Bubble führt zu drastischen Einbrüchen bei den Importen dieser Länder. So soll etwa der PKW-Absatz in Russland um 60 Prozent gesunken sein (die Käufe liefen fast alle auf Kredit). Noch schlimmer erwischt es die LKW-Branche. So ist etwa der Auftragseingang bei MAN um 50 Prozent gefallen. Ärger erwischt es Volvo Trucks: Dort sind die Bestellungen im dritten Quartal 2008 gegenüber dem Vorjahresquartal von ca. 44.000 auf 155 (!!!) eingebrochen.

Im Gelben Forum wird ein Spediteur indirekt zitiert: „Aufträge würden förmlich wegbrechen, seine Auftraggeber hätten Kurzarbeit und stünden kurz vor der Werksschließung, seine große LKW-Flotte sei zwar leasingfinanziert, aber er könne aufgrund guter Rücklagen den Stand halten und hoffe darauf, dass sich der Markt nach der Bereinigung wieder fangen würde. Der größte Teil seiner Mitbewerber sei nicht so gut mit Kapital ausgestattet, dort platzen die Leasing-Verträge reihenweise. Auf dem Werksgelände von Daimler würden sich die zurückgegebenen LKWs förmlich stapeln.“

Der gesamte Industrie-Transport bricht auf breiter Front ein. Weil weniger produziert wird, ist weniger zu transportieren. Auch soll die „Truck-Wall“, die LKW-Wand auf deutschen Autobahnen, größtenteils verschwunden sein. Dass die Frachtraten für Schiffe seit Sommer 2008 ins Bodenlose gesunken sind, dürfte bekannt sein.

Im letzten „Privateer“ von Bill Buckler lesen wir, dass die USA derzeit 17 von 29 Hochöfen stillegen, das sind 58 Prozent der Kapazität. In Brasilien oder China soll es nicht besser aussehen.

Transport und Stahlverbrauch: Das sind zwei zuverlässige Indikatoren, wie es der Weltwirtschaft geht. Beide zeigen einen beispiellosen weltweiten Zusammenbruch der Realwirtschaft an. Die große Beschleunigung dieses Zusammenbruchs setzte im September 2008 ein.

Entlassungswellen

Derzeit hoffen die Unternehmer und Manager noch, dass sich die Situation bald wieder bessert. Man stellt daher Leiharbeiter frei, behält aber die Stammbelegschaft. Noch. Das wird sich bald ändern, wenn den Verantwortlichen dämmert, dass wir in eine tiefe Depression eingetreten sind. Die großen Entlassungswellen dürften Anfang 2009 kommen. Für Ende 2009 rechne ich mit 40 bis 50 Prozent Arbeitslosigkeit in den meisten Ländern. Der endgültige Staatsbankrott dürfte dann auch bei uns vor der Tür stehen.

Schon die Rettungsboote (Gold & Silber) besorgt? Diese werden bald gebraucht…

Information

Die aktuellen Marktkommentare von Walter K. Eichelburg erscheinen zweiwöchentlich im Rohstoff-Spiegel und auf ef-online. Eichelburg ist Consultant und Investor in Wien. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er kann unter walter@eichelburg.com erreicht werden. Er betreibt die Gold-Website Hartgeld. Dieser Artikel ist als völlig unverbindliche Information anzusehen und keinerlei Anlageempfehlung. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.


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