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Zum 100. Geburtstag von Barry Goldwater: Ein libertärer Südstaatler auf der Suche nach der „Schweigenden Mehrheit“von Gérard Bökenkamp Seine Strategie ging nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 1964 für die US-Republikaner auf Heute vor hundert Jahren, am 1. Januar 1909, wurde in Phönix im Staate Arizona Barry Morris Goldwater geboren. Er war über fünf Legislaturperioden Senator seines Heimatstaates. 1964 trat er als Präsidentschaftskandidat der Republikaner gegen den demokratischen Amtsinhaber Lyndon B. Johnson an und verlor haushoch. Die meisten gescheiterten Präsidentschaftskandidaten werden vergessen. Es lohnt sich aber, sich mit Barry Goldwater zu befassen. Nicht nur, weil er unter den Präsidentschaftskandidaten des 20. Jahrhunderts eine der schillerndsten und interessantesten Figuren war, sondern auch, weil er eine politische Strategie entwickelte, die zwar erst später aufgehen sollte, aber die USA für die nächsten Jahrzehnte prägte. Senator Goldwater wollte in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die US-Republikaner auf einen grundsätzlichen Oppositionskurs zur herrschenden Linie der Demokraten bringen. Vor allem wollte er die starke Rolle des Staates seit dem New Deal zurückdrängen und für diese Politik eine konservative Mehrheit gewinnen. Sein bekanntestes Zitat bringt seinen Standpunkt deutlich zum Ausdruck: „Extremismus in der Verteidigung der Freiheit ist kein Laster.“ Goldwater entwickelte dafür eine Strategie, die „schweigende Mehrheit“ der Amerikaner anzusprechen. Er identifizierte ein Wählerpotential in den von der Bürgerrechtsgesetzgebung verunsicherten Wählern der Südstaaten-Demokraten. Diese Strategie ging langfristig auf und veränderte das regionale Wahlverhalten deutlich: Heute hat die Republikanische Partei ihren politischen Schwerpunkt in den Südstaaten, wie auch das Ergebnis der letzten Präsidentschaftswahlen wieder bestätigt hat. Das ist eigentlich ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Die Republikanische Partei war schließlich als Partei gegen die Ausbreitung der Sklaverei gegründet worden und ihr erster Präsident Abraham Lincoln hatte dem Süden im amerikanischen Bürgerkrieg eine vernichtende Niederlage beigebracht. Mit Richard Nixon teilte Goldwater die Auffassung, dass eine „schweigende Mehrheit“ der US-Amerikaner nicht mit den linken gesellschaftlichen Tendenzen der sechziger Jahre einverstanden war und dauerhaft der demokratischen Partei entfremdet werden konnten. Aber Mitte der sechziger Jahre war die Zeit dafür noch nicht gekommen. Als Goldwater im Wahlkampf dennoch an seinem radikalen Kurs festhielt, verhalf er Johnson zum bis dahin größten Wahlerfolg in der Wahlgechichte der USA. Erst der Vietnamprotest und das Scheitern von Johnsons Gesellschaftspolitik, der „Great Society“, bereitetet den Boden und brachte 1968 Richard Nixon in das Amt des Präsidenten. Die Strategie eine strukturelle Mehrheit für die republikanische Partei durch den Aufbau einer breiten konservativen Wählerkoalition zu schaffen, wurde mit der „Reagan-Revolution“ vollendet. Es war die Politisierung der bis in die siebziger Jahre weitgehend unpolitischen evangelikalen Basis, durch die der Durchbruch erreicht wurde. Die christliche Rechte stellte eine große Zahl von Parteiaktivisten und schuf einen verlässlichen Wählerblock. Allerdings war Goldwater selbst mit den Folgen dieses politischen Erfolges zusehends unzufrieden. Die Zugeständnisse, die die Partei ihren evangelikalen Bündnispartnern machte, gingen ihm gegen den Strich. Er kritisierte den Einfluss der religiösen Rechten auf den Kurs der Republikaner und sah in ihren politischen Ambitionen eine Bedrohung für das Privatleben und den Individualismus. Er sprach sich für die Aufrechterhaltung der bestehenden Abtreibungsgesetzgebung aus und gegen den Ausschluss von Homosexuellen aus dem Militärdienst. Dies wurde als Abweichung des McCarthy-Freundes und überzeugten Antikommunisten Goldwater von der konservativen Linie angesehen. Viel wahrscheinlicher ist, dass Goldwater unter Konservatismus schon immer primär einen „Extremismus der Freiheit“ verstand, der mit jeder Art von inhaltlichem Kompromiss nur schwer vereinbar war. Barry Goldwater gehörte zu den Personen der Zeitgeschichte, die durch ihr (unvermeidliches) Scheitern die Welt stärker beeinflussten als andere durch ihren politischen Erfolg. 01. Januar 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann oder Michael Klonovsky schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareTim Harders, am 01. Januar 2009 um 17:35 ( Link ) Ein sehr lesenswerter Artikel. Vielen Dank dafür! LePenseur, am 01. Januar 2009 um 18:07 ( Link ) @Fatal: Fataler Irrtum! Freiheit und Progressismus sind unvereinbar. Weil Freiheit und Ideologie unvereinbar sind. Der Konservative ist aber kein Ideologe — jeder Versuch einer "konservativen Ideologie" ist ein lächerlicher, zum Scheitern verurteilter Selbstwiderspruch! Der Konservativismus ist per se skeptisch: gegen die Versprechungen, man könne durch die Regelung von X oder das Verbot von Y die Welt besser machen — m.a.W. gegen die Verheißung: "Laßt uns nur machen, dann wird es besser!" Der Konservative weiß, daß es in den meisten Fällen genau im Gegenteil nicht besser wird! Denn das, was ist, hat sich bereits bewährt (sonst wäre es vermutlich längst nicht mehr!), und das, was (möglicherweise) besser ist, setzt sich unbeeinflußt ebenfalls durch — vielleicht langsamer, als durch Regulierungen "auf Schiene gebracht", aber dafür sicherer ... Wenn Sie vermeinen, daß irgendwelche evangelikalen Fundis "konservativ" sind, dann irren Sie schlichtweg. Die sind genauso (wenn auch in eine andere Richtung) ideologisch verbohrt wie die Demokraten. Sie sind nicht konservativ, sondern fanatisch religiös, so wie die Demokraten eben fanatisch gesellschaftsverändernd sind. Die einen wollen die theokratische Herrschaft eines patriarchalisch-absolutistischen Gottes bzw. seines mythischen Sohnes (d.h. im Endeffekt: die absolute Herrschaft durch dessen Repräsentanten hernieden!), die anderen die mediale und finanzielle Herrschaft eines "progressiven", "antidiskriminatorischen" und "partizipativen" Weltanschauungsgremiums (am besten zu gleichen Teilen aus Marxisten, Schwulen, Negern und Feministinnen zusammengesetzt) ... Feinde der Freiheit sind sie beide! Die einen bedrohen sie mit dem Scheiterhaufen und moralischer Ächtung, die anderen mit Gesinnungsterror und fiskalischer Enteignung. Nur der Konservative ist in Wahrheit ein Freund der Freiheit — denn sie allein gibt ihm die benötigte Atemluft, seine eigenen, skeptischen, leisen, manchmal hochmütig-ressentimentgeladenen, manchmal resignativen Ansichten über Gott und die Welt zu äußern. Denn letztlich ist genau diese "Atemluft" das, was das Wesen von "Freiheit" ausmacht ... Martin Möller, am 01. Januar 2009 um 18:11 ( Link ) LePenseur ist uneingeschränkt zuzustimmen. Fatal dürfte zu selten zur Schule gegangen sein. freiheitistunteilbar, am 01. Januar 2009 um 19:16 ( Link ) @LePenseur: Wenn Sie so den Begriff Konservativ charachterisieren, haben Sie natürlich Recht. Fataler Irrtum! Freiheit und Progressismus sind unvereinbar. Weil Freiheit und Ideologie unvereinbar sind. Der Konservative ist aber kein Ideologe — jeder Versuch einer "konservativen Ideologie" ist ein lächerlicher, zum Scheitern verurteilter Selbstwiderspruch! Das Problem dieser Darstellung liegt im Begriff "Ideologie." Die Definition von Ideologie ist nicht einheitlich, so kann eine Ideologie lediglich eine Weltbild sein, was widerum auf Progressismus ebenso zuträfe. Eine andere Möglichkeit den Begriff "Ideologie" zu definieren, wäre ihm einen gewissen repressiven Charachter zu geben, die Unterwerfung unter ein bestimmtes Weltbild einzufordern. Eine Koexistenz beider Weltbilder wäre nur unter der Herrschaft des Rechts möglich. LePenseur, am 01. Januar 2009 um 19:59 ( Link ) @freiheitistunteilbar: Das Problem dieser Darstellung liegt im Begriff "Ideologie." Die Definition von Ideologie ist nicht einheitlich, so kann eine Ideologie lediglich eine Weltbild sein, was widerum auf Progressismus ebenso zuträfe. Trotzdem bleibt ein erheblicher Unterschied: "Fortschritt" setzt Ziele voraus — wohin wollen Sie sonst "fortschreiten". Dem Konservativen wird ja oft — um manchmal mit gewisser Berechtigung — vorgeworfen, "ziellos" pragmatisch zu sein. Der Konservative sagt eben nicht: "Ich will wieder alles so herstellen, wie es im Jahr 19.. (oder: 18.../17..) einmal war" (das wäre nicht konservativ, sondern reaktionär — nämlich als Reaktion gegen die seit dem Jahr 19../18../17.. eingetretenen Entwicklungen), sondern: "lassen wir die Dinge möglichst unverändert und möglichst ungeregelt — gezielte Veränderung und Regulierung bringt erfahrungsgemäß mehr Nachteile als Fortschritte". Das ist eben pragmatisch — als Gegensatz zu "ideologisch" genommen! Einen echten "pragmatischen Progressismus" kann es begrifflich eigentlich nicht geben. Wer stehenbleibt, kann dies einfach tun, ohne großartig Überlegungen anzustellen: er tut es einfach. Wer fortschreiten will, muß sich wenigstens über die Richtung klar werden. Und schon hier liegt oft der Hase im Pfeffer! Der Konservative gleicht dem Angler, der wartet, daß die Fische anbeißen. Der Progessive geht auf die Jagd — und stellt oft genug fest, daß er das falsche Revier durchstreift hat ... Genug! Jedenfalls ist der Verdacht, der Konservative fordere repressiv die Unterwerfung unter ein bestimmtes Weltbild, wohl eine ungerechtfertigte Unterstellung. Er fordert bloß, nicht seinerseits unter ein (in nuce mindestens ebenso repressives) progressistisches Weltbild unterworfen und damit "zwangsbeglückt" zu werden. Und darin kann wohl nur der eine Bedrohung der Freiheit sehen, der Freiheit als die Durchsetzung seiner eigenen (und nur seiner eigenen) Ansichten versteht. Ich würde das aber vielmehr als deren Bedrohung κατ εξοχήν bezeichnen! Heiko Kretzschmar, am 01. Januar 2009 um 23:23 ( Link ) Es ist nicht nur so, daß Konservativismus lediglich mit Freiheit vereinbar ist. Vielmehr müssen echte Libertäre „moralische und kulturelle Konservative der kompromißlosesten Sorte“ (Hoppe) sein. Es ist offensichtlich, und auch von verschiedenen Theoretikern (Weber, Schumpeter, Röpke) festgestellt worden, daß sich der Kapitalismus aus Quellen speist, die er selbst nicht hervorbringt. Günther Zehm hat es einmal auf den Punkt gebracht: Es gibt keine „unsichtbare Hand“, die dafür sorgt, daß sich Menschen anständig verhalten. Ich habe hier schon die Auffassung gelesen, der Markt würde schon irgendwie alle Menschen zu Performern erziehen? Dafür gibt es keinen Beweis. Im Gegenteil, einen Teil der Gesellschaft erzieht er zu Kriminellen, so z. B. ca. 20 % der männlichen Schwarzen in den USA. Ihr Leistungsvermögen kann dem gesellschaftlichen Leistungsdruck nicht standhalten, und in ihrer Subkultur (kann man sich auf MTV ansehen) wird Luxus verherrlicht, der nicht auf Arbeit basiert. Die treibende Kraft hinter menschlichem Verhalten ist Kultur, Religion (oder, allgemeiner, philosophische Systeme) und Tradition. Das scheint der Vorstellung von individueller Nutzenmaximierung zu widersprechen. Es ist aber für viele auch ein individueller Nutzen, ein anständiger Mensch zu sein (nach den Maßstäben der Gruppe), bestimmten Prinzipien treu zu bleiben, nach dem Tode in den Himmel zu kommen oder den anderen in ehrenvollem Andenken zu bleiben usw. Nach Hoppe gäbe es in einer natürlichen Ordnung eine Gemeindeübereinkunft, und Personen die permanent dagegen verstoßen, würden „physisch entfernt“. Es ist nicht von vornherein ausgeschlossen, daß Eigentümergemeinschaften auch individuellen Hedonismus, sexuelle Freizügigkeit, Homosexualität, Multikulturalismus, Demokratie, Egalitarismus, Progressismus, Öko-Religion, schlechtes Benehmen, Gammler- und Künstlertum tolerieren oder sogar fördern; es besteht aber kein Zweifel, daß diese, nachdem die Normalen weggezogen sind, wirtschaftlich zusammenbrechen und im Chaos versinken würden. Die Eigentumsrechte und der Markt würde also eine Auslese zugunsten konservativer Wertvorstellungen bewirken. Schließlich weiß der Konservative instinktiv, wo gesellschaftliche Gefahren lauern, im Gegensatz zum selbstzentrierten linkslibertären Ichling, auf dessen Wunschliste ganz oben die Freigabe von Drogen oder freie Einwanderung stehen. Klonovsky hat es treffend ausgedrückt: „Mit einer gewissen Vorfreude erwartet man den Tag, an welchem unsere Schwulen, Lesben und Feministinnen zum Endkampf gegen die muslimischen Machos antreten.“ Sphairon, am 02. Januar 2009 um 0:40 ( Link ) Im Gegenteil, einen Teil der Gesellschaft erzieht er zu Kriminellen, so z. B. ca. 20 % der männlichen Schwarzen in den USA. Und Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen der überproportional hohen Wohlfahrtsabhängigkeit der schwarzen Bevölkerungsanteile und einer korellierenden höheren Kriminalitätsrate? dickbrettbohrer, am 02. Januar 2009 um 4:39 ( Link ) Der Progessive geht auf die Jagd — und stellt oft genug fest, daß er das falsche Revier durchstreift hat ... Eben nicht! Dem Progressiven ist das Ungewisse viel zu unheimlich, dieser Gefahr setzt er sich nicht selbst aus: der befiehlt den anderen, auf die Jagd zu gehen - hier liegt der Hase im Pfeffer. Die progressive Ideologie übt Zwang auf andere aus, diese sollen die Kastanien aus dem Feuer holen, welche der Progressive dann verzehrt. Am Fingerverbrennen beteiligt er sich nicht. nl, am 02. Januar 2009 um 10:07 ( Link ) Schämt sich hier keiner, den Mann, der Atombomben im Vietnamkrieg eingesetzt sehen wollte, mit großem Pomp als "libertär" zu verkaufen?! Wie niedrig seit ihr eigentlich gesunken? Wie bescheuert muss man eigentlich sein? Martin Möller, am 02. Januar 2009 um 10:41 ( Link ) Der Vietnamkrieg wurde für die Freiheit geführt und Amerika hätte ihn auf jeden Fall zu einem siegreichen Ende führen müsssen! Gérard Bökenkamp, am 02. Januar 2009 um 11:09 ( Link ) "Schämt sich hier keiner, den Mann, der Atombomben im Vietnamkrieg eingesetzt sehen wollte, mit großem Pomp als "libertär" zu verkaufen?!" Goldwater nannte Nuklearwaffen in der Tat "Merely another weapon." Das war keine kluge Äußerung. Ebenso wenig wie Adenauers Äußerung taktische Atomwaffen seien nur eine Fortentwicklung der Artillerie. Diese Sprachregelung war ein Teil der Abschreckungsstrategie der damaligen Zeit. Dabei wurde von den Demokraten verschwiegen, dass der Einsatz taktischer Atomwaffen als "flexible response" in einem sonst konventionell geführten Krieg eine Strategie war, die von der Kennedy-Administration offiziell eingeführt wurde. Um das klar zu stellen: Ich würde mir Goldwater weder als Präsidenten, noch als Verteidigungsminister wünschen, aber als Türöffner für antietatistische Strömungen in der Republikanischen Partei hat er sich Verdienste erworben. nl, am 02. Januar 2009 um 11:14 ( Link ) Was an der "Abschreckungsstrategie" und Massenvernichtungswaffen und dem Töten Unschuldiger libertär sein soll, wird wohl für immer euer Geheimnis bleiben. Jürgen Hodler, am 02. Januar 2009 um 11:30 ( Link ) "Was an der "Abschreckungsstrategie" und Massenvernichtungswaffen und dem Töten Unschuldiger libertär sein soll, wird wohl für immer euer Geheimnis bleiben." Zur Not bemüht man dann wohl einen "kompromißlosen Konservatismus". Jürgen Hodler, am 02. Januar 2009 um 11:39 ( Link ) @Martin Möller Für welche Freiheit denn? Etwa jener liberalistisch-humanistische Wahn, der stets mit dem obligatorischen Menschenrechtsgetöse daherkommt und für den Südostasiaten eh nur ein geschichtlicher Anachronismus darstellt? Ich darf doch bitten. Es ist doch bezeichnend, wie mit dem „katholischen Diktator“ Ngo-Dinh-Diem schlußendlich auch verfahren wurde. Jürgen Hodler, am 02. Januar 2009 um 11:45 ( Link ) „Wie niedrig seit ihr eigentlich gesunken? Wie bescheuert muss man eigentlich sein?“ Es geht ja noch weiter, denn bei Autor Bökenkamp findet sich ja noch ein ganz entlarvender Satz: "Er sprach sich für die Aufrechterhaltung der bestehenden Abtreibungsgesetzgebung aus." Das ist natürlich ein gewichtiger Aspekt uns so wird diese Kultur des Todes dann gar noch als "kompromißloser Konservatismus" verkauft. Wird der Massenmord an den Ungeborenen jetzt gar zur „konservativen“ Domäne? Für einen fruchtbringenden Disput ist die Leerformel „Konservatismus“ in der Tat nicht brauchbar. Dr_Ohnemoos, am 02. Januar 2009 um 13:43 ( Link ) Gönnen wir uns doch einmal den Spaß und führen die Wörter auf ihren lateinischen Wortsinn zurück, wobei wir alle neueren politischen Definitionen oder Umdefinitionen beiseite lassen: reagere = wieder treiben, Gegenreaktion, einen alten Zustand wieder herstellen/erneuern Im o.g. Sinne sind Libertäre auf die heutige Zeit bezogen teilweise reaktionär und teilweise progressiv, niemals aber konservativ, da die meisten Libertären unsere Gesellschaftssystem mitsamt Staat doch deutlich verändern wollen und teilweise Zustände früherer Zeiten dafür als Vorbild heranziehen (in wirtschaftlicher Hinsicht z.B. das 19. Jahrhundert und den Goldstandard). Was die Malerei betrifft, ist z.B. das artrenewal Center reaktionär im eigentlichen Wortsinn. Konservativ sind hingegen heute diejenigen, die einmal progressiv waren oder schienen : die Linke im weiteren Sinne. Sie wollen den Wohlfahrtsstaat so erhalten wie er ist. (u. u. sogar erweitern, dann wären sie progressiv, aber in einer anderen Richtung als die Libertären), und wehren sich gegen jede noch so kleine Änderung. Deshalb sind die z. B. die heutigen Parteien im Wesentlichen sowohl als konservativ als auch als sozialdemokratisch einzustufen. Die Worte konservativ, progressiv und reaktionär machen am besten in Vergleichen und auf bestimmte Themenfelder bezogen Sinn. Goldwater war nach meiner Definition progressiv im Vergleich zu den fundamentalistischen Christen (weil er von deren Vorstellungen fortschreiten wollte), aber verhielt sich konservativ zu der „bestehenden Abtreibungsgesetzgebung“ (wobei ich gerne wissen würde, wie diese Regelung in den 60ern eigentlich war), indem er sie beibehalten wollte. @ LePenseur Schön, dass Sie Altgriechisch pflegen. @ Jürgen Hodler Wenn Sie den "Massenmord" nicht wollen, wären Sie dann bereit, für die Kinder, von denen Sie meinen, dass die Frauen sie gefälligst auszutragen haben, finanzieren ? Oder meinene Sie : lass den Staat diese Kinder mal finanzieren ? Viele Grüße Dr. O. FritzLiberal, am 02. Januar 2009 um 14:24 ( Link ) @Dr. Ohnemoos: zu Ihrer letzten Frage: diese müsste man konsequenterweise dann auch für (finanziell abhängige) Kinder oder pflegebedürftige Angehörige stellen. Oder eben - auch konsequenterweise - deren Ermordung straffrei stellen. Carl, am 02. Januar 2009 um 15:21 ( Link ) Erstaunlich. Ich dachte es wäre Maxime von Leuten, die sich selbst als Libertäre bezeichnen, jeden seine eigene Suppe, auch in Punkto Abtreibung, kochen zu lassen. Es würde wenig dagegensprechen eben jenen, die Abtreibung als einen kosmetischen Akt empfinden, diesen zu gestatten und den Gegnern von "staatlichem Massenmord" die Möglichkeit zu geben ihre Leibesfrucht nicht zwingend abtreiben zu müssen. Ich denke das wäre sehr liberal, oder? Auch hier kommt mir immer mehr die Vermutung, daß der liberale Gedanke sich eigentlich auf die finanzielle Solidarität beschränkt, man ansonsten aber sehr gerne seine Anschauungen Andersmeinenden aufdrücken wollte... Frank Martin, am 02. Januar 2009 um 15:54 ( Link ) @Carl: Mit welchem Recht kann man die Ermordung eines anderen Menschen gestatten? LePenseur, am 02. Januar 2009 um 16:30 ( Link ) @Dr._Ohnemoos: Natürlich kann man Konservativismus auch so definieren, wie Sie es tun. Nur kommt dann heraus, daß jeder teils konservativ, teils reaktionär, teils progressiv ist, und außerdem müßte dann immer angegeben werden "konservativ/reaktionär/ptrogressiv in Bezug auf ..." — was eine sinnvolle Umscheibung einer weltanschaulichen Position faktisch unmöglich machen würde. Ich halte es für sinnvoller, als "konservativ" jene Position zu bezeichnen, die sich 1.) unter weitgehendem Verzicht auf ideologische Positionierung einer natürlichen (d.h. durch die autonomen Einzelentscheidungen aller Teilnehmer entstehenden), nicht planmäßig (oder gar staatlich-zentral) gelenkten Entwicklung der Gesellschaft verbunden weiß, und 2.) neben der Gerechtigkeit in jenen (möglichst wenigen!) Dingen, die nicht konsensual regelbar sind, in allem anderen v.a. die Freiheit der Entscheidung für jeden Einzelnen als wichtigstes Kriterium beachtet. Das wäre eine sinnvolle Abgrenzung gegenüber bewußten Utopien-Baumeistern wie Hoppe (so faszinierend manche seiner Gedanken auch sein mögen), und natürlich erst recht gegeüber allen Planwirtschaftlern, seien sie nun Konstrukteure einer "sozialen Marktwirtschaft" oder Apparatschiks einer sozialistischen Gesellscahftsordnung. @Carl: Es würde wenig dagegensprechen eben jenen, die Abtreibung als einen kosmetischen Akt empfinden, diesen zu gestatten und den Gegnern von "staatlichem Massenmord" die Möglichkeit zu geben ihre Leibesfrucht nicht zwingend abtreiben zu müssen. Doch! Es würde dagegensprechen, daß die von der Abtreibung unmittelbar Betroffenen keinerlei Mitsprache an ihrer Eliminierung bzw. Nicht-Eliminierung haben. Ich denke das wäre sehr liberal, oder? Das ist etwa so "liberal", wie die Wiedereinführung der Sklaverei oder wie der Börsegang einer »Auschwitzer KZ-Betriebs-AG« (es dürfte auch eine »Archipel-Gulag-AG« sein). Also nach meinem Dafürhalten: nicht wirklich sehr liberal ... freischwimmer, am 02. Januar 2009 um 17:07 ( Link ) Im o.g. Sinne sind Libertäre auf die heutige Zeit bezogen teilweise reaktionär und teilweise progressiv, niemals aber konservativ, da die meisten Libertären unsere Gesellschaftssystem mitsamt Staat doch deutlich verändern wollen Und vor allem sind die meisten Libertäre die größten Ideologen, die man sich vorstellen kann. Arbeitet man sich durch einzelne Kommentarstränge dieser Internetplattform bekommt man einen Eindruck, welche Maßnahmen so alle nötig sind, um den geeigneten Menschen für ein libertäres Gesellschaftsmodell zu schaffen. Da bin ich schon froh, dass es zu solch einem Experiment vorerst wohl nicht kommen wird... Jürgen Hodler, am 02. Januar 2009 um 17:15 ( Link ) @LePenseur „..." — was eine sinnvolle Umscheibung einer weltanschaulichen Position faktisch unmöglich machen würde.“ Mit Blick auf den neuzeitlichen „Konservatismus“, für den ein Edmund Burke wohl nur ein Speiben übrig gehabt hätte, ist eine befriedigende weltanschauliche Positionierung auch ein Ding der Unmöglichkeit und Ihre nachfolgend aufgeführten Allgemeinplätze sprechen in dieser Hinsicht ja auch für sich. Da läßt sich nun wirklich alles oder auch nichts hineininterpretieren. Nun, in diesem Punkte unterscheidet sich die Ehrlichkeit und Prinzipientreue der Reaktion von jener Wankelmütigkeit und Heuchelei, welche heutzutage auf seiten der selbsternannten „Konservativen“ eine wohl weitaus bequemere Heimstatt findet als bei der Linken. Hat der neuzeitliche Konservative doch jene Unwerte und Scheußlichkeiten in einem nicht unerheblichen Umfange verinnerlicht, welche ganz gewiß nicht aus einem – um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben - "lassen wir die Dinge möglichst unverändert und möglichst ungeregelt“ resultieren. Da will man schon fragen, wie man auf Ihrem weltanschaulichen Schwamm auch nur ansatzweise gegen Demokratismus und Sozialstaatlichkeit agieren will. Hier wäre nämlich ein weltanschaulicher Fels vonnöten. Allerdings verbietet sich dieser feste Untergrund im Hinblick auf Ihre mit geschwellter Brust vorgetragene Skepsis ja von selbst. Fatal, am 02. Januar 2009 um 17:26 ( Link ) Arbeitet man sich durch einzelne Kommentarstränge dieser Internetplattform bekommt man einen Eindruck, welche Maßnahmen so alle nötig sind, um den geeigneten Menschen für ein libertäres Gesellschaftsmodell zu schaffen. Ach ja? Welche sollen das denn sein? Keine Ahnung welche Stränge Sie sich durchgelesen haben, aber es gibt keinerlei "libertäres Gesellschaftsmodell", bzw. ist das einzige Prinzip, worauf dieses Modell beruht, das der Nichtaggression. Unabhängig davon gibt es keine gesellschaftlichen Utopien, weshalb auch keine "Umerziehungs"-Maßnahmen, ideologische Säuberungen, oder sonstige Gewaltmaßnahmen nötig wären, zumal sie gegen das Prinzip der Nichtaggression verstoßen würden. Jürgen Hodler, am 02. Januar 2009 um 17:43 ( Link ) „Mit welchem Recht kann man die Ermordung eines anderen Menschen gestatten?“ Hallo Frank, zumindest mit dem Menschenrechtsaberglauben läßt sich ja bekanntlich alles rechtfertigen. Auf das aus der Loslösung vom Dekalog resultierende weltanschaulich Anti dieses Antriebs der Revolution, den man ohne Übertreibung als die abscheulichste Frucht des liberalistischen Wirkens bezeichnen darf, habe ich in einem anderen Kontext ja bereits hingewiesen. Ein Recht auf den eigenen Bauch, ein Recht auf Euthanasie oder gar ein Recht auf freie Humangenetik? Mit diesem in gewisser Weise gar neuheidnischem Aberglauben lassen sich – Stichwort „1789 und kein Ende“ – die vorhergehend aufgeführten Punkte recht problemlos bewerkstelligen. Der Blutdurst der Linken will gestillt sein und so erinnere man sich stets an die mahnenden Worte Franz Grillparzers: „Der von einer göttlichen Ordnung absehende Begriff des liberalen Humanismus führt zuerst in den Nationalstaat und dann zur Bestialität.“ freischwimmer, am 02. Januar 2009 um 17:58 ( Link ) @fatal es gibt keinerlei "libertäres Gesellschaftsmodell", bzw. ist das einzige Prinzip, worauf dieses Modell beruht, das der Nichtaggression. Unabhängig davon gibt es keine gesellschaftlichen Utopien, weshalb auch keine "Umerziehungs"-Maßnahmen, ideologische Säuberungen, oder sonstige Gewaltmaßnahmen nötig wären, zumal sie gegen das Prinzip der Nichtaggression verstoßen würden. Libertäre müssen sich von anderen dadurch unterscheiden, daß sie die extremste Form der Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Egalitaristen, Demokraten, Sozialisten, Kommunisten, Multikulturalisten, Umweltschützern, schlechtem Benehmen, Fehlverhalten, Inkompetenz, Grobheit, Vulgarität und Obszönität ausüben (und befürworten). (Hoppe, „Demokratie – Der Gott der keiner ist“) PS: Leute, die in diesem Forum Hoppe zitieren, fordern oft auch die "physische Entfernung" von Homosexuellen, Parasiten etc. Fatal, am 02. Januar 2009 um 18:10 ( Link ) Libertäre müssen sich von anderen dadurch unterscheiden, daß sie die extremste Form der Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Egalitaristen, Demokraten, Sozialisten, Kommunisten, Multikulturalisten, Umweltschützern, schlechtem Benehmen, Fehlverhalten, Inkompetenz, Grobheit, Vulgarität und Obszönität ausüben (und befürworten). Woher nehmen Sie denn diese Weisheit? Solange ein Demokrat, ein Umweltschützer oder ein Multikulturalist seine Weltanschauung auf seinen Privatbesitz beschränkt und andere nicht damit belästigt, kann er seine Vorlieben gerne ungestört ausleben. PS: Leute, die in diesem Forum Hoppe zitieren, fordern oft auch die "physische Entfernung" von Homosexuellen, Parasiten etc."Physische Entfernung" klingt nach einem typisch Stalin'schen Euphemismus. Ohne zwangsweise Sozialversicherungssysteme gibt es keine "Parasiten" und wieso man Homosexuelle schlecht behandeln soll, lässt sich wohl auch nur durch eine enorm ideologische Verblendung erklären, widerspricht aber vollkommen jeder zivilisierten und freiheitlichen Gesellschaftsordnung. freischwimmer, am 02. Januar 2009 um 18:41 ( Link ) @ Fatal Woher nehmen Sie denn diese Weisheit? Zitat Hans-Hermann Hoppe, Herausgeber des Journal of Libertarian Studies. Ebenfalls sagt er: "Zur Aufrechterhaltung einer libertären Ordnung sei es erforderlich, „die Befürworter alternativer, nichtfamilien- und nichtverwandtschaftszentrierter Lebensstile, wie z.B. individueller Hedonismus, Parasitentum, Natur- und Umweltanbetung, Homosexualität und Kommunismus“ von der Gesellschaft „physisch“ zu trennen" und wieso man Homosexuelle schlecht behandeln soll, lässt sich wohl auch nur durch eine enorm ideologische Verblendung erklären, widerspricht aber vollkommen jeder zivilisierten und freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Wie kommen Sie auf die Idee, dass am Ende der Transformation (hin zu einer libertären Gesellschaft) es zwangsläufig "zivilisiert" und "freiheitlich" zugehen wird? LePenseur, am 02. Januar 2009 um 18:49 ( Link ) @freischwimmer: Na, bin ich froh, daß Prof. Hoppe öffentlich-wohlbestallt auf seinem Lehrstuhl in Las Vegas sitzt, und sich krause Gedanken machen kann, wann, wie und worüber er will — vor allem aber: daß sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie verwirklicht werden dürften ... Wenn Ihnen ein Zustand der Gesellschaft, in der es nicht zivilisiert und freiheitlich zugeht, wünschenswert erscheint — mir erscheint er es keineswegs! Unzivilisierte linke und/oder "kulturbereichernde" Rüpel habe ich jetzt auch schon, und sie bloß durch unzivilisierte libertäre Rüpel zu ersetzen — cui bono?! Molot, am 02. Januar 2009 um 19:03 ( Link ) @freischwimmer, am 02. Januar 2009 um 17:07 ( Link ) Und vor allem sind die meisten Libertäre die größten Ideologen, die man sich vorstellen kann. Arbeitet man sich durch einzelne Kommentarstränge dieser Internetplattform bekommt man einen Eindruck, welche Maßnahmen so alle nötig sind, um den geeigneten Menschen für ein libertäres Gesellschaftsmodell zu schaffen. Sie machen den Fehler, Personen, welche hier kommentieren (und nur deshalb, weil diese hier schreiben) als "Libertäre" bzw. "Liberale" einzuordnen. Wie falsch das ist können Sie ja am besten an Ihrem eigenen Beispiel erkennen. Oder würden Sie sich als "Libertär" bezeichnen? In Wahrheit tummeln sich hier Ideologen aller Couleur und versuchen die Idee der Freiheit zu diskreditieren oder vor ihren (ihres jeweiligen Dogma`s) Karren zu spannen. Wenn Sie wirklich etwas über liberale/libertäre Ideen wissen wollen, dann LESEN Sie, angefangen bei Adam Smith über Hayek bis zu (M & D) Friedman. Unter den Kommentatoren auf dieser Plattform werden Sie Libertäre jedenfalls (bis auf wenige Ausnahmen) nicht antreffen. LePenseur, am 02. Januar 2009 um 19:06 ( Link ) @Jürgen Hodler: Hallo Frank, zumindest mit dem Menschenrechtsaberglauben läßt sich ja bekanntlich alles rechtfertigen. Nicht nur damit! Auch religiöse Strickmuster eignen sich hervorragend, die Menschen solange zu umgarnen und zu fesseln, bis sie blind auf dem Scheiterhaufen landen. "Nur zur Rettung ihrer Seelen", versteht sich ... --- Was Ihre Anmerkungen bezüglich einer von mir "mit geschwellter Brust" vorgetragenen Skepsis betrifft: nein, nicht mit geschwellter Brust, sondern in der Erkenntnis, daß auch ich in jüngeren Jahren Ansichten vertreten (und teilweise mit Folgen für andere auch durchgesetzt) habe, bei denen mir in nunmehriger Erkenntnislage nicht gerade wohl in meiner Haut wird. Und das hat bei mir dazu geführt, daß ich heute lieber eine Prise Skepsis mehr dazurühre, als eine Prise "Es wird schon so sein — und wo gehobelt wird, da fallen eben Späne". Man schläft einfach besser — zwanzig Jahre danach ... Ich bin z.B. nicht deshalb ein starker Befürworter des Montesquieu'schen "gemischten Systems", weil ich es für das staatsrechtliche non plus ultra ansähe, sondern weil es nach meinem Dafürhalten die besten Garantien bietet, daß niemand (also auch nicht ich selbst!) ein entscheidendes Übergewicht gegenüber den anderen Kräften erlangen kann. Natürlich, auch das "gemischte System" kann entarten (wie alle von Menschenhirnen ausgedachten Systeme), aber die Wahrscheinlichkeit ist einfach geringer, und etwaige Tendenzen dazu sind vermutlich leichter erkennbar. Ihr Lob des reaktionären "Zurück-vor-1789" überzeugt mich nicht: allzu sehr klingt es mir nach der Errichtung eines nostalgischen Wolkenkuckucksheimes "Ancien Régime", in das sich zu träumen fraglos anziehend ist, in dem real zu leben jedoch höchstens für einige wenige Hochprivilegierte erstrebenswert wäre — zu denen aber weder sie noch ich gehören würden, darüber möchte ich jede Wette abschließen! Molot, am 02. Januar 2009 um 19:31 ( Link ) @Heiko Kretzschmar, am 01. Januar 2009 um 23:23 ( Link ) Ich habe hier schon die Auffassung gelesen, der Markt würde schon irgendwie alle Menschen zu Performern erziehen? Dafür gibt es keinen Beweis. Im Gegenteil, einen Teil der Gesellschaft erzieht er zu Kriminellen, so z. B. ca. 20 % der männlichen Schwarzen in den USA. Sind Sie sicher, daß der "Markt", oder nicht vielmehr dessen ABWESENHEIT für die von Ihnen genannten Fehlentwicklungen verantwortlich ist? Auch Verbrecher können rechnen! Jürgen Hodler, am 02. Januar 2009 um 19:49 ( Link ) @LePenseur Sie bevorzugen Montesquieu? Das will ich aber wirklich nicht so recht glauben. Nun gut, zuerst sei hier angemerkt, daß Montesquieu nun wirklich alles andere als ein „System“ entworfen hat. Diese aus einem kindlichen Spieltrieb resultierende Unsitte war zu Montesquieus Zeiten wohl noch nicht ganz so verbreitet wie in unserer heutigen Zeit, wo sich bekanntlich jeder der Langeweile Anheimgefallene mit Internetanschluß nur allzu gern in dieser Disziplin übt. Montesquieu, verehrter LePenseur, wagte lediglich den Versuch, die Fundamente der klassischen Regierungsform des Abendlandes, nämlich des regimen mixtum, aus einer durchaus berechtigten Sorge heraus zu erneuern. Er befürchtete eben das Abgleiten des „aufgeklärten“ Absolutismus in den Despotismus und er ahnte, daß diese Entartung insbesondere im Orbis Catholicus in einem furchtbaren Erwachen enden könnte. Dann ist es natürlich von Interesse, daß für Montesquieu der Monarch nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt – um auch hier bei Ihrer Wortwahl zu bleiben – in seinem „System“ war.! Nach Montesquieu, der die demokratische Pöbelherrschaft und eine daraus resultierende schwatzbudlerische Suprematie stets fürchtete wie der Teufel das Weihwasser, kann ein Monarch nicht im Namen der Monarchie abdanken, die Erbmonarchie bleibt stets bestehen, denn sie ist der einzige Garant der Erblichkeit, der Freiheit und des Eigentums und folglich haben alle nachfolgenden Institutionen ihren Ausgangspunkt von der Krone in ihrer Eigenschaft als Magnet der Loyalität zu nehmen. Der gute Montesquieu wußte nur allzu gut, warum die Krone das Zentrum seiner Überlegungen war. Gelegentlich wird von altliberalen Zungen auch behauptet, daß Montesquieu in den Spuren Lockes wandelte, aber hier sollte sich verdeutlichen, warum zwischen Montesquieu und Locke wahre Abgründe klafften. So ist beispielsweise in den Second Treatise ganz entsprechend den Auflösungstheorien von George Lawson zu lesen, daß, sofern es aus Lockes Sicht berechtigte Verdachtsmomente gegen den Träger der Krone gibt (so beispielsweise die Sympathie für unseren katholischen Glauben), ganz automatisch der Zustand des „Urvertrages“ (eine bloße Fiktion) in Kraft träte und der Monarch, der Locke entsprechend keine „Real Majesty“, sondern nur eine „Personal Majesty“ ist und somit eine bloße Treuhänderschaft auf gleicher Augenhöhe mit dem Parlament ausübt, von der „community“ ganz nach Lust und Laune seines Amtes enthoben werden könnte (eine Mär, welche von Edmund Burke und Joseph de Maistre gar meisterhaft zerrissen wurde und tragischerweise dennoch Eingang in die amerikanische Verfassung fand). Rousseau, der Vater der totalitären Demokratie in Frankreich, bezeichnete sich selbst nicht ganz zu unrecht als Vollstrecker Lockes. Allerdings konnte er sich schwerlich auf Montesquieu berufen. Nun, verehrter LePenseur, wie läßt sich mit den Thesen Montesquieus nun ein demokratisches Regierungssystem rechtfertigen? Eingehend studiert hat man die Schriften Montesquieus eh nicht. Abschließend noch ein Wort zur Mär Gewaltenteilung: Natürlich zählt die Gewaltenteilung zu jenen demokratischen Illusionen, welche die aus dem schwatzbudlerischen Primat resultierende Herrschsucht mehr oder weniger verwischen sollen. Man gibt sich schlußendlich der schieren Illusion hin, daß sich die Gewalt aufteilen und gar bis zur Gefahrlosigkeit mindern ließe. Nun, diese Wette der Demokraten konnte bekanntermaßen bereits mit der Inthronisation der ersten liberaldemokratischen Verfassungen nicht aufgehen. Hier läßt der Demokrat nämlich nur allzu gern die Tatsache außer Acht, daß die politische Macht ebenso wie die wirtschaftliche Potenz recht problemlos organisierbar ist. Zumal die Machtanteile zwischen den drei Gewalten bedingt durch das Parteienunwesen gar mehr als fragwürdig geworden sind. Fazit: In Anbetracht des Zustandes der heutigen Liberaldemokratien und Ihrer Träumereien darf schon die Frage gestattet sein, wer hier im Wolkenkuckucksheim und somit in der bevorzugten Heimstatt des Minimalstaatlers residiert. Eine von vornherein zur Entartung neigende Ideologie wie der Individualismus läßt sich nun mal nicht auf einem Niveau konservieren, welches Ihnen und Ihresgleichen genehm ist. Derartige Fieberanfälle waren für die Bourgeoise stets eine gar lebensgefährliche Täuschung. Fatal, am 02. Januar 2009 um 20:44 ( Link ) Zitat Hans-Hermann Hoppe, Herausgeber des Journal of Libertarian Studies.Hoppes Meinung weicht stark von der libertärer Vordenker wie Rothbard u.a. ab und ist wohl der Albtraum der meisten Libertären. Wie kommen Sie auf die Idee, dass am Ende der Transformation (hin zu einer libertären Gesellschaft) es zwangsläufig "zivilisiert" und "freiheitlich" zugehen wird?Ich denke nicht, dass es eine Utopie à la "libertäre Gesellschaft" gibt oder geben wird. Ein grundsätzlich libertäres Ziel ist die Bekämpfung von Aggressionen, die größtenteils von der Institution Staat ausgeht. Doch dies ist kein Endziel, das irgendwann erreicht ist, sondern eine Aufgabe, der sich jede Generation erneut stellen muss. Doch jetzt zu Ihrer Frage: Kernmerkmal jeder zivilisierter Gesellschaft ist, dass unter ihren Mitgliedern sehr wenig Gewalt und Aggression auftreten und diese Mitglieder ein Mindestmaß an Freiheit genießen. @ Le Penseur: Ihr Lob des reaktionären "Zurück-vor-1789" überzeugt mich nicht: allzu sehr klingt es mir nach der Errichtung eines nostalgischen Wolkenkuckucksheimes "Ancien Régime", in das sich zu träumen fraglos anziehend ist, in dem real zu leben jedoch höchstens für einige wenige Hochprivilegierte erstrebenswert wäre — zu denen aber weder sie noch ich gehören würden, darüber möchte ich jede Wette abschließen! Vor allem in den freien Reichsstädten des Hl. Röm. Reiches sollen Bürger und Kommerz ja ein sehr hohes Maß an Freiheit genossen haben. Das eigentliche Problem, das ich bei der Monarchie sehe, ist die Tatsache, dass wir nicht mehr in einer Feudalgesellschaft leben und es deshalb einige Individuen gibt, die sehr viel reicher sind als es jemals ein Monarch war, weshalb ein Monarch wohl ständig um seinen Thron fürchten müsste. Kokospalme, am 02. Januar 2009 um 22:54 ( Link ) @LePenseur: Wenn Sie vermeinen, daß irgendwelche evangelikalen Fundis "konservativ" sind, dann irren Sie schlichtweg. Die sind genauso (wenn auch in eine andere Richtung) ideologisch verbohrt wie die Demokraten. Sie sind nicht konservativ, sondern fanatisch religiös, so wie die Demokraten eben fanatisch gesellschaftsverändernd sind. Wo haben Sie denn Ihr Wissen über Evangelikale her? Von ARTE und dem Spiegel? Klar gibt es auch Evangelikale, die ihre Anschauungen z.T. auf politischem Wege anderen aufdrücken wollen. Wenn Sie aber deren Gebahren praktisch allen Evangelikalen unterstellen und es als deren heraus ragendes Merkmal ansehen, haben Sie ein sehr verzerrtes Bild von evangelikalen Christen. Speziell in Deutschland sind die Evangelikalen eher unpolitisch, trotzdem sind sich diverse Medien nicht zu schade, ständig von aus den USA herüber schwappenden Wellen zu reden und mit Halbwahrheiten und Verdrehungen gegen Evangelikale zu hetzen. Leider scheinen sie damit Erfolg zu haben. Knackpunkt evangelikaler Anschauungen ist die Ausrichtung an der Bibel. Diese kann man sehr wohl praktizieren, ohne den Staat für seine Interessen einzuspannen. Und so bin ich auch gleichzeitig evangelikal und liberal. Gerade als Angehöriger einer Minderheit weiß ich die Vorzüge eines Minimalstaates zu schätzen. Es wäre z.B. super, kein staatlich monopolisiertes Zwangsschulsystem zu haben. Doch! Es würde dagegensprechen, daß die von der Abtreibung unmittelbar Betroffenen keinerlei Mitsprache an ihrer Eliminierung bzw. Nicht-Eliminierung haben. Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. freiheitistunteilbar, am 03. Januar 2009 um 0:15 ( Link ) Fazit: In Anbetracht des Zustandes der heutigen Liberaldemokratien und Ihrer Träumereien darf schon die Frage gestattet sein, wer hier im Wolkenkuckucksheim und somit in der bevorzugten Heimstatt des Minimalstaatlers residiert. Eine von vornherein zur Entartung neigende Ideologie wie der Individualismus läßt sich nun mal nicht auf einem Niveau konservieren, welches Ihnen und Ihresgleichen genehm ist. Derartige Fieberanfälle waren für die Bourgeoise stets eine gar lebensgefährliche Täuschung. Liberaldemokratie? Wenn eine sozialistische Demokratie liberal sein soll und nicht der menschenverachtende Kollektivismus, sondern der Individualismus die Bedrohung darstellt, dann sage ich nur: Viele liebe Grüße ins Paralleluniversum. Jürgen Hodler, am 03. Januar 2009 um 1:22 ( Link ) @freiheitistunteilbar „Menschenwürdig“, „menschenverachtend“, „kaffeemaschinenwürdig“, „waschmaschinenverachtend“ etc., mit diesem die schiere Bosheit übertünchenden Freimaurerkauderwelsch werden Sie bei mir ganz gewiß nicht punkten.:) Nun gut, quasireligiöse Gefühle sind freilich von hartnäckiger Natur und so werde ich mich auch hier nochmals wiederholen: Der doktrinäre Individualismus ist nicht Antithese, sondern Bedingung des Kollektivismus und somit ist der demokratische Massenmensch des 20. Jahrhunderts sehr wohl das Resultat des doktrinären Individualismus des 19. Jahrhunderts. In dieser Beziehung hat der Liberalismus in der Tat auf der ganzen Linie gesiegt! Und warum? Weil in dem verhängnisvollen Zusammenspiel zwischen den sich stets als Hort des Individualismus präsentierenden Liberalen und den auf die materielle und rechtliche Gleichheit eingeschworenen Demokraten der bürgerlich-liberale Topos vom Individualismus soweit vorangetrieben wurde, daß das verherrlichte Sandkorn „Individuum“ schlußendlich mehr oder weniger umfassend von allen substantiellen Bindungen getrennt wurde. Die dem doktrinären Individualismus zugrundeliegende Individualethik in Form einer rein individuellen und somit nicht ursprünglichen Sittlichkeit war nun einmal im wahrsten Sinne des Wortes jener Booster, welcher für das Selbstverwirklichungsideal der hedonistischen Massendemokratie unabdingbar war. Nun, bei Gelegenheit werde ich mehr zu diesem Thema schreiben, denn an dem linken Schwachsinn Individualismus habe ich wirklich einen Narren gefressen. Im doktrinären Individualismus findet aber auch wirklich jede Plage ihre Wurzeln. Und jetzt? Jetzt darf im doktrinären Wolkenkuckucksheim des Minimaxlers freilich auch weiterhin jener Hypersomnie gefrönt werden, welche bekanntermaßen der revolutionären Dialektik geschuldet ist.:) Fatal, am 03. Januar 2009 um 12:50 ( Link ) Hallo Herr Hodler, hätten Sie denn zumindest einmal die Güte, genau zu erklären, was Sie denn unter Individualismus verstehen, bzw. warum er eine Einbahnstraße in den Kollektivismus darstellen soll? freiheitistunteilbar, am 03. Januar 2009 um 17:43 ( Link ) @Jürgen Hodler: „Menschenwürdig“, „menschenverachtend“, „kaffeemaschinenwürdig“, „waschmaschinenverachtend“ etc., mit diesem die schiere Bosheit übertünchenden Freimaurerkauderwelsch werden Sie bei mir ganz gewiß nicht punkten.:) Nun gut, quasireligiöse Gefühle sind freilich von hartnäckiger Natur und so werde ich mich auch hier nochmals wiederholen: Ist sein Gegenüber als einen dogmatischen Spinner darzustellen nicht typisch marxistisch? Sie wähnen mich doch nicht etwa als verfechter linken Neusprechs, jenem Dünschiss, der nicht einmal zwischen genus und sexus unterscheiden kann, oder? Marx ist Murks und Menschen als eine formbare Masse, ein Kollektiv zu betrachten menschenverachtend. Sie betrachten schließlich auch nicht Ihre Kinder - sollten Sie welche haben - als materielles Eigentum des Staates, oder? Der Begriff verachtend wird leider heutzutage als linke Dialektik missbraucht, aber mich deshalb in die linke Etatistenecke zu stecken ist mit reichlich Wohlwollen unangebracht. Die Anmaßung alle individuellen Bedürfen der Menschen zu kennen liegt dem Kollektivismus zu Grunde. Doktrinärer Individualismus und Liberalismus sind Antipoden, verwechseln Sie bitte nicht den linken Beliebigkeits(Links)liberalismus mit dem Libertarismus oder dem klassischen Liberalismus. Zusammenfassend: Sie sehen ein Zusammenhang zwischen Indivualismus und Liberalismus, der durchaus gegeben ist. Sehen darin den Ursprung des Hedonismus, welcher Ihren reaktionären idealen widerspricht und verknüpfen diesen widerum mit dem linken Nihilismus unserer Tage. Doktrinärer Individualismus auf Kosten Anderer ist nicht die Grundlage liberalen Denkens. Hedonismus steht nicht im Widerspruch zum Liberalismus, stellt allerdings auch keine Voraussetzung für Liberalismus dar. Alles was einem nicht in den Kram passt mit Liberalismus in Verbindung zu bringen und diesen ihn in der Nähe einer Doktrin zu wähnen, ist ziemlich unangebracht. Quovadis, am 03. Januar 2009 um 19:39 ( Link ) Jürgen Hodler führte aus: "... daß das verherrlichte Sandkorn „Individuum“ schlußendlich mehr oder weniger umfassend von allen substantiellen Bindungen getrennt wurde. Die dem doktrinären Individualismus zugrundeliegende Individualethik in Form einer rein individuellen und somit nicht ursprünglichen Sittlichkeit war nun einmal im wahrsten Sinne des Wortes jener Booster, welcher für das Selbstverwirklichungsideal der hedonistischen Massendemokratie unabdingbar war." An diese Passage mußte ich denken, als ich heute auf "Welt online" den folgenden Artikel aus New York, der Hauptstadt des Individualismus las: "Nach dem dritten Date muss man im Bett landen". Ein Artikel über Individualismus, Bindungssehnsucht und die geschaffene "schöne neue Welt". Irgendwie ist die Sache "neue Welt" und "neue Menschen" schief gelaufen, oder? Und, weil auch der Markt angesprochen wurde, der "Heiratsmarkt" von New York City scheint auch nicht zu funktionieren ... Marktanalytiker bitte melden. Martin Möller, am 03. Januar 2009 um 22:35 ( Link ) Schade, daß hier so viele I...... posten dürfen. Martin Möller, am 03. Januar 2009 um 22:58 ( Link ) Es ist überhaupt nicht zu wünschen, daß Demokraten, oder irgend ein gewähltes Personal auch nur einen Funken Macht erhält. Dieses dümmliche Gewimmere, welcher von irgendwelchen korrupt-kiminellen "Kandidaten" das geringere Übel sei, zeugt von einem intellektuellen Tiefstand kosmischen Ausmaßes. Demokratie ist also vor allem Gehirnerweichung. ... Fatal, am 03. Januar 2009 um 23:53 ( Link ) @ Martin: Und wieso soll Macht bitte vererbt werden? freischwimmer, am 04. Januar 2009 um 0:18 ( Link ) @ Martin Möller Sie meinen, es ist unverantwortlich, wenn so Leute wie Sie an demokratischen Prozessen beteiligt werden und mitentscheiden, wer regieren soll? Da gebe ich Ihnen recht, das ist wirklich dumm! Bitte gehen Sie nicht zur Wahl! Danke... freiheitistunteilbar, am 04. Januar 2009 um 0:31 ( Link ) @Martin Möller: Wen meinen Sie mit Idiot? Denjenigen, der doktrinären Individualismus dem Liberalismus zuschreibt etwa?Harte Worte. Doktrin bedeutet Zwang und ist schon deshalb unvereinbar mit dem Liberalismus. Nicht so schüchtern, nur raus mit der Kritik ;-) freiheitistunteilbar, am 04. Januar 2009 um 1:37 ( Link ) @Jürgen Hodler: Die materielle und rechtliche Gleichheit zur individuellen Entfaltung steht im krassen Widerspruch zum Liberalismus. Ihre Darstellung erinnert mich hier an schlechte Analogvergleiche. Es ist zumindest nicht die Form von Individualismus( ohne Ismus versteht sich), die dem unverwässerten Liberalismus zu Grunde liegt. Die dem doktrinären Individualismus zugrundeliegende Individualethik Was an Kollektivethik so toll sein soll, wissen Sie wahrscheinlich selbst nicht so genau. Aufhören zu fantasieren, sonst wird mir Ihr "doktrinärer Individualismus" noch sympathisch, und das obwohl ich gegen willkürlichen Zwang bin. Jürgen Hodler, am 04. Januar 2009 um 2:29 ( Link ) @Freiheitistunteilbar „Doktrinärer Individualismus und Liberalismus sind Antipoden“; mit Verlaub, solch ein Schwachsinn, der gar noch einem fünfzehnjährigen Schülerbuben Schande bereiten würde, habe ich seit geraumer Zeit nicht mehr zu lesen bekommen. Ja in welchem Lager war der doktrinäre Individualismus im 19. Jahrhundert dann zu verorten? Wahrscheinlich gar noch bei der Tradition, denn ein weltanschaulicher Alleinvertretungsanspruch war selbstredend nie ein Bestandteil der altliberalen Doktrin. Dann ist – und diese Frage habe ich schon einmal Sie gerichtet - aber immer noch nicht geklärt, warum die Inthronisation einer liberalen Verfassungsanmaßung stets ein Akt der Willkür darstellte, der darüber hinausgehend im Orbis Catholicus teilweise gar noch von wahrhaft sadistischen Gewaltexzessen begleitet war? Ebenso wäre zu klären, warum die Etablierung des straff organisierten Zentralstaates und somit auch des Polizeistaates stets mit der Machtergreifung der Altliberalen einherging? Es ist nämlich wirklich ein merkwürdiger Aspekt, daß sich der Altliberale in seiner Eigenschaft als Speerspitze der sog. „Aufklärung“ ohne Unterlaß die Befreiung des geschätzten „Individuums“ auf seine Fahnen schreibt, aber gleichzeitig mußte eben dieses befreite „Individuum“ von der Polizei auf das Schärfste bewacht werden. So ganz trauten die Altliberalen ihren horizontalistischen und somit widernatürlichen Verfassungsmachwerken eben nie. Sei’s wie es will, von der verderblichen Vergangenheit der in den modrigen Katakomben der Häresie ausgebrüteten altliberalen /“klassisch-liberalen“ Zunft haben Sie – von den entsprechenden weltanschaulichen Prämissen ganz zu schweigen - nicht den leisesten Hauch einer Ahnung. Nun gut, man darf von (geistes)geschichtlichen Analphabeten nicht sonderlich viel erwarten und so ist durchaus ein gewisses Verständnis angebracht. Man blättert halt ein wenig in den Schriften eines Rothbard oder v. Mises herum und schustert sich dann in Kindergartenmanier ein genehmes Weltbild zusammen. Dabei versteht es sich von selbst, daß das bisher Erlernte – Ihr Vokabular spricht doch für sich - dennoch in großzügigem Umfange erhalten bleibt. Morgen werde ich mir noch einige Punkte ganz genüßlich vorknöpfen. Fatal, am 04. Januar 2009 um 3:13 ( Link ) @ Jürgen Hodler: Ich hoffe wir werden dann auch endlich erfahren, warum der Individualismus denn zum Kollektivismus führen muss. freiheitistunteilbar, am 04. Januar 2009 um 4:15 ( Link ) @Fatal: Da freue ich mich auch schon drauf? @Jürgen Hodler: DEN LIBERALISMUS gibt es nicht, schon mal daran gedacht oder ist Denken jenseits von Rechthaberei am Ende doch nicht Ihre Stärke? Doktrinärer Individualismus und Liberalismus sind Antipoden“; mit Verlaub, solch ein Schwachsinn, der gar noch einem fünfzehnjährigen Schülerbuben Schande bereiten würde, habe ich seit geraumer Zeit nicht mehr zu lesen bekommen. Erklärt habe ich mich schon, SCHWACHSINN kann jeder Idiot grunzen. Worin soll eine Doktrin des Liberalismus bestehen? Etwa darin, das sie jemanden zwingen wollen zu nichts gezwungen werden zu können? Fühlen Sie sich bei Zwang und Gewalt etwa heimisch? Dann ist – und diese Frage habe ich schon einmal Sie gerichtet - aber immer noch nicht geklärt, warum die Inthronisation einer liberalen Verfassungsanmaßung stets ein Akt der Willkür darstellte, der darüber hinausgehend im Orbis Catholicus teilweise gar noch von wahrhaft sadistischen Gewaltexzessen begleitet war? Soll am Ende der Libertarismus noch für den Neoliberalismus einstehen? Im Grunde stellt eine Verfassung als solche willkürlichen Zwang dar und sei es nur, um Bürger dazu zu zwingen, zu nichts gezwungen werden zu können -einzig in dieser Form denkbar. Nun gut, man darf von (geistes)geschichtlichen Analphabeten nicht sonderlich viel erwarten und so ist durchaus ein gewisses Verständnis angebracht. Man blättert halt ein wenig in den Schriften eines Rothbard oder v. Mises herum und schustert sich dann in Kindergartenmanier ein genehmes Weltbild zusammen. Dabei versteht es sich von selbst, daß das bisher Erlernte – Ihr Vokabular spricht doch für sich - dennoch in großzügigem Umfange erhalten bleibt. Ich hoffe doch in Ihrer gewohnt sachlichen Art und Weise ;-) Außerdem habe ich Rothbard und Mises nie gelesen, sie wären allenfalls eine Anregung für mich gewesen eigene Ansichten zu überdenken. Schustern Sie ruhig weiter an Ihrem Weltbild und gehen dabei hoffentlich nicht zu kindsköpfig vor, wie Sie es mir unterstellen. dickbrettbohrer, am 04. Januar 2009 um 8:29 ( Link ) Streit um Worte und Begriffe führt zu nichts. Besonders dann, wenn jeder sie mit unterschiedlichen Inhalten füllt, wie es hier der Fall scheint. Brunftgeschrei, laut, röhrend, abstoßend. Vanitas, vanitatis et omnia vanitas. Schade um die vertane Möglichkeit, auf diesen Seiten konstruktive Gedanken auszutauschen. Fatal, am 04. Januar 2009 um 11:49 ( Link ) @ freiheitistunteilbar: Soll am Ende der Libertarismus noch für den Neoliberalismus einstehen?Nein, er meint die sog. "Altliberalen", die in der franz.rev. seiner Meinung nach das Blutbad verursacht haben, da ja angeblich jede Regierung, die nicht von Gottes Gnaden ist, Blutbäder verursacht oder so. Waldmeister, am 04. Januar 2009 um 15:59 ( Link ) @dickbrettbohrer: :-( Jürgen Hodler, am 04. Januar 2009 um 19:52 ( Link ) „Streit um Worte und Begriffe führt zu nichts. Besonders dann, wenn jeder sie mit unterschiedlichen Inhalten füllt, wie es hier der Fall scheint. Brunftgeschrei, laut, röhrend, abstoßend. Vanitas, vanitatis et omnia vanitas. Schade um die vertane Möglichkeit, auf diesen Seiten konstruktive Gedanken auszutauschen.“ Doch doch, werter Dickbrettbohrer, ein Streitgespräch um die ureigenste Bedeutung diverser Begrifflichkeiten, sei es nun der Liberalismus, der Neolibertarimsus oder auch der sog. „Konservatismus“, ist in Zeiten des „horizontalen“ Turmbaues zu Babel, wo ein erbaulicher Disput bedingt durch eine Sprachverwirrung von geradezu gigantischen Ausmaßen in der Tat kaum noch möglich ist, nötiger denn je. Zumal sich eben diese Sprachverwirrung und die damit zwangläufig einhergehenden Illusionen stets als die größten Feinde der Freiheit entpuppten. „Wenn Worte die Bedeutung verlieren, dann verlieren Menschen und Völker die Freiheit“; an Aktualität hat diese konfuzianische Weisheit nun wirklich keinen Deut eingebüßt. Nun, Quovadis stellte vorhergehend eine augenscheinlich wenig beachtete und somit gar mehr als berechtigte Frage: „Irgendwie ist die Sache "neue Welt" und "neue Menschen" schief gelaufen, oder?“ In der Tat, im Zuge des liberalen Wirkens im 19. Jahrhundert lief wirklich etwas mächtig aus dem Ruder und es ist von immenser Wichtigkeit, diese Mechanismen des Scheiterns auch tatsächlich ergründen zu wollen. Ansonsten ist eine erbauliche Bewertung der Gegenwart nämlich nie und nimmer möglich und man verliert sich lediglich in einem Phänomen, welches man wohl als „zeitgemäße Privatreligion“ umschreiben könnte. Also ein aus diversen „Resten“ zusammengebrauter „unverwässerter Privatliberalismusbräu“, der bedingt durch seine aus einer wenig originellen Rezeptur resultierenden Fadheit gewiß keine Gaumenfreuden hervorruft und somit – gottlob! - auch nie über ein Ladenhüterdasein hinauskommen wird. Nun gut, diesen Privatbräu bemüht bekanntlich jeder Ideologe und schlußendlich verlieren sich alle in dem Lamento, daß sich der „unverwässerte“ Liberalismus, Libertarismus, Demokratismus, Kommunismus, Sozialismus etc. leider noch nie bewerkstelligen ließ. Na so was! Da wäre ja dann wohl erst recht die Frage gestattet, warum dem eigentlich so ist. Offensichtlich blieb der „neue Mensch“ – wenig überraschend - doch stets der „alte Mensch“.:) Übrigens, was hat man sich unter einem „konstruktiven Gedankenaustausch“ eigentlich vorzustellen? Konstruktiv in Bezug auf was? Normalerweise übt man sich in Talkshows in dieser Disziplin. Eine Spur Nörgelei ist zwar gestattet, aber die Fundamentalkritik ist freilich strikt verpönt. Dergleichen vertrug der Fortschrittler noch nie.:) Fatal, am 04. Januar 2009 um 20:37 ( Link ) Da Herr Hodler die von mir mehrmals gestellte Frage partout nicht beantworten möchte, habe ich ein wenig auf der von Herrn Möller verlinkten Seite umgesehen und einen sehr interessanten Artikel von Kuehnelt-Leddihn ausgegraben, der mir persönlich aus der Seele spricht, vor allem folgender Absatz: Während also die Demokratie die Frage beantwortet, wer zu regieren habe, beschäftigt sich der Liberalismus mit dem Problem, wie regiert werden solle: der echte Liberalismus steht auf dem Standpunkt, daß unabhängig davon, wer regiert - ein Monarch, eine Oligarchie oder eine Mehrheit politisch gleichberechtigter Staatsbürger - die Rechte der individuellen (sic) Person gewahrt werden müssen. Die zentrale Forderung des Liberalismus ist und bleibt die persönliche Freiheit. Es ist somit klar, daß Demokratie und Liberalismus zwei gänzlich verschiedenen Kategorien angehören, wie z. B. „rund“ und „weiß“. Eine Billardkugel kann rund und weiß sein, genau wie eine Republik demokratisch und liberal sein kann. Aber die Demokratie kann auch ebensogut einen totalitären und diktatorischen Charakter haben, wahrend anderseits ein absoluter Monarch oder sogar ein Diktator liberal sein könnte. Bliebe noch hinzuzufügen, dass der gute Sonnenkönig sich einen Palast hat bauen lassen, dessen Errichtung das hundertsiebzigtausendfache und dessen Betrieb an nur einem einzigen Tag das hundertfünfzigfache des damaligen durchschnittlichen Jahresgehalt eines Franzosen verschlangen. Erstaunlich fand ich auch seinen Schlusssatz: Als typische Kinderkrankheit vor allem des US-Konservatismus würde ich noch den Puritanismus hinzufügen, der mit Freiheit absolut nicht vereinbar ist. Martin Möller, am 04. Januar 2009 um 21:55 ( Link ) Wieso ist der Puritanismus Konservativismus? Er gehört ja wohl zu den falschen Fundamenten, auf denen der US-Staat erbaut ist. dickbrettbohrer, am 05. Januar 2009 um 6:22 ( Link ) "Puritanismus ist die quälende Furcht, daß irgendwer irgendwo glücklich sein könnte." sagte Martin Möller, am 05. Januar 2009 um 14:00 ( Link ) Mencken liegt wie immer richtig. Leider hat der Puritanismus via Hohenzollern - Preussen auch das deutsche Antlitz tief verunstaltet. Der preußisch-kleindeutsche "Konservativismus" dürfte in etwa dem angelsächsichen Puritanismus entsprechen. Dr_Ohnemoos, am 06. Januar 2009 um 12:48 ( Link ) @ LePenseur 1.) unter weitgehendem Verzicht auf ideologische Positionierung einer natürlichen (d.h. durch die autonomen Einzelentscheidungen aller Teilnehmer entstehenden), nicht planmäßig (oder gar staatlich-zentral) gelenkten Entwicklung der Gesellschaft verbunden weiß, und 2.) neben der Gerechtigkeit in jenen (möglichst wenigen!) Dingen, die nicht konsensual regelbar sind, in allem anderen v.a. die Freiheit der Entscheidung für jeden Einzelnen als wichtigstes Kriterium beachtet. Das ist ziemlich genau die Definition von Minimalstaat und klassischer Liberalismus. Mann kann das ganze natürlich in Konservativismus umbenennen, doch ist damit nicht viel gewonnen. Zur Abtreibung: es ist schade, dass auch Sie jenes Mittel benutzen, dass die Gegner der politischen Korrektheit den Linken vorwerfen zu benutzen: Die Auschwitz-Keule. Einer sachlichen Auseinandersetzung ist damit jedoch nicht gedient. Gewiß wird ein Ungeborenes nicht gefragt werden, ob es abgetrieben werden will. Aber ein erwachsener Mensch kann gefragt werden, ob er getötet werden will. Deshalb hinkt auch ihr ganzer Vergleich. Doch genug dazu, das Thema Abtreibung und die damit verbundenen Fragen könnten Seiten füllen. Noch einmal zu Goldwater: für mich war sehr nah am klassischen Liberalismus. Konservativ ist in der Tat nicht der richtige Begriff für ihn, weil Konservativismus und klassischer Liberalismus nicht das gleiche sind. Aber man kann mit diesen Schubladen hantieren wie mann will, eine interssante Persönlichkeit war Goldwater allemal. Viele Grüße Dr. O. Martin Möller, am 06. Januar 2009 um 21:02 ( Link ) @Fatal: Weil dies Teil der gottgegebenen Ordnung ist. Die Kinder treten in das Erbe ihrer Väter ein. Wer das leugnet ist ein Rebell und ein Rechtsbrecher, ein Demokrat eben ... Kokospalme, am 06. Januar 2009 um 23:48 ( Link ) @Dr_Ohnemoos: Zur Abtreibung: es ist schade, dass auch Sie jenes Mittel benutzen, dass die Gegner der politischen Korrektheit den Linken vorwerfen zu benutzen: Die Auschwitz-Keule. Wo hat denn LePenseur die Auschwitzkeule verwendet? Gewiß wird ein Ungeborenes nicht gefragt werden, ob es abgetrieben werden will. Aber ein erwachsener Mensch kann gefragt werden, ob er getötet werden will. Deshalb hinkt auch ihr ganzer Vergleich. Der Vergleich mag hinken. Aber die Tatsache, dass man das Ungeborene nicht nach seiner Meinung fragen kann, verbietet es gerade, es zu töten. Einen Taubstummen kann ich auch nicht fragen, ob ich ihn töten darf. Das gibt mir nicht das Recht, ihn umzubringen, weil er mir vielleicht gerade im Wege steht. Akzeptiert man erst einmal, dass ein Ungeborenes bereits ein Mensch ist, dann ist Abtreibung aus liberaler Sicht tabu, weil sie gegen das No-Harm-Prinzip verstößt. Martin Möller, am 08. Januar 2009 um 19:58 ( Link ) Aus liberaler Sicht ist Abtreibung tabu, weil sie gegen Gottes Gebote verstößt. Gottes Gebote gewährleisten nicht nur die Freiheit, sie SIND die Freiheit. Martin Möller, am 08. Januar 2009 um 19:58 ( Link ) Aus liberaler Sicht ist Abtreibung tabu, weil sie gegen Gottes Gebote verstößt. Gottes Gebote gewährleisten nicht nur die Freiheit, sie SIND die Freiheit. LePenseur, am 09. Januar 2009 um 12:41 ( Link ) Na bumm! Da ist man ein paar Tage krank, und es geht zu in diesem Thread ... na, versuchen wir's von hinten aufzurollen: @Martin Möller: Aus liberaler Sicht ist Abtreibung tabu, weil sie gegen Gottes Gebote verstößt. Gottes Gebote gewährleisten nicht nur die Freiheit, sie SIND die Freiheit. Aus religiöser Sicht mag das so sein — nur wird sich ein Liberaler (und sollte sich auch ein wahrhaft Konservativer) nicht anmaßen, seinen Mitmenschen zwangsweise ein religiöses Weltbild "umzuhängen". Etwas weiter oben verstiegen sie sich gar zu folgender Behauptung: Es ist überhaupt nicht zu wünschen, daß Demokraten, oder irgend ein gewähltes Personal auch nur einen Funken Macht erhält. Und wie wollen Sie dann öffentliche Funktionen überhaupt besetzen? Nur durch Ernennung durch einen absoluten Monarchen — m.a.W.: rechtlos auf Gedeih und Verderb der Willkür eines möglicherweise unfähigen Tyrannen ausgesetzt. Das soll erstrebenswert sein? Oder wollen Sie lauter ererbte Berufsstände, wie in der Spätzeit Ägyptens oder in den Hindu-Reichen Indiens? Ihre antidemokratischen Sentiments in Ehren, aber derlei Statements halte ich einfach für ideologische Beißreflexe! @Dr.Ohnemoos: Das ist ziemlich genau die Definition von Minimalstaat und klassischer Liberalismus. Mann kann das ganze natürlich in Konservativismus umbenennen, doch ist damit nicht viel gewonnen. 1.) Nicht nur "mann" sondern auch "frau" kann das ;-) 2.) Der entscheidende Unterschied besteht in der Ideo- bzw. Teleologie des Ansatzes: liberale Minimalstaatler vertreten das als erklärtes Ziel ("An des Minimalstaats Wesen soll die Welt genesen", sozusagen), wogegen der Konservative es unideologisch-faktisch deshalb bevorzugt, weil dadurch am wenigsten kaputt gemacht werden kann. Wo (möglichst) wenig geschieht, geschieht auch wenig falsches ... Ein Konservativer wird auch den Übergang zu diesem "Minimalstaat" nicht als gezielte Gesellschaftsveränderung des derzeitigen Zustandes "betreiben", sondern eher durch eine allmählige Änderung in den Anschauungen einfach "eintreten lassen" wollen (was ihm in den Augen von Hard-Core-Libertären den Vorwurf der Komplizenschaft mit den derzeit herrschenden dunklen Mächten einträgt — damit muß er aber leben). Zur Abtreibung: es ist schade, dass auch Sie jenes Mittel benutzen, dass die Gegner der politischen Korrektheit den Linken vorwerfen zu benutzen: Die Auschwitz-Keule. Einer sachlichen Auseinandersetzung ist damit jedoch nicht gedient. Nein, benutze ich nicht. Ich erkläre ja nicht: "Wer Abtreibung für zulässig hält, ist ein Nazi" — das wäre Unsinn und Auschwitz-Keule. Ich exemplifiziere vielmehr an einem drastischen Vergleich die Unhaltbarkeit Ihrer Argumentationsgrundlage. Und dies können Sie auch durch ein angebliches, aber eben nur in einem irrelevanten Aspekt (wie Koll. Kokospalme ausführte) vorliegendes "Hinken des Vergleichs" (jeder Vergleich hinkt irgendwie!) wegeskamotieren. @Kokospalme: Wo haben Sie denn Ihr Wissen über Evangelikale her? Von ARTE und dem Spiegel? Klar gibt es auch Evangelikale, die ihre Anschauungen z.T. auf politischem Wege anderen aufdrücken wollen. Wenn Sie aber deren Gebahren praktisch allen Evangelikalen unterstellen und es als deren heraus ragendes Merkmal ansehen, haben Sie ein sehr verzerrtes Bild von evangelikalen Christen. 1. Weder von ARTE noch vom Spiegel. Theologie und insbes. vergleichende Religionswissenschaft sind seit Jahrzehnten meine Hobbies, und ich habe darüber genug Fachliteratur zu Hause, um mich umfassend zu informieren. 2. aus dem Zusammenhang sollte eigentlich klar sein, daß ich mich nicht auf deutsche Evangelikale bezogen habe, sondern auf die der USA (falls nicht, möchte ich das hiermit klarstellen). Und die durchaus politische Agenda vieler US-Evangelikaler ist ja, denke ich, unübersehbar! @Fatal: Vor allem in den freien Reichsstädten des Hl. Röm. Reiches sollen Bürger und Kommerz ja ein sehr hohes Maß an Freiheit genossen haben. Naja — aber die Schicht der "Bürger" war eine sehr eingeschränkte, ein paar Prozent der Stadtbevölkerung. Der große Rest der kleinen Handwerker, Arbeiter und Dienstboten war in keiner wesentlich besseren Situation, als die Leute am platten Lande ... Das eigentliche Problem, das ich bei der Monarchie sehe, ist die Tatsache, dass wir nicht mehr in einer Feudalgesellschaft leben und es deshalb einige Individuen gibt, die sehr viel reicher sind als es jemals ein Monarch war, weshalb ein Monarch wohl ständig um seinen Thron fürchten müsste. Das sicher auch. Aber v.a. ist die Monarchie ohne eine vollständige geistige Umorientierung der Menschen wohl endgültig ein Modell der Vergangenheit (ich rede hier nicht über reine "Repräsentationsmonarchien", wie wir sie heute haben — das sind in Wahrheit Parteien"demokratien" mit einem Begrüßungsaugust als Zuckerguß). Und es erscheint mir auch höchst fraglich, wie und v.a. warum es zu einer solchen Umorientierung kommen sollte. Die naive Weltsicht eines Gottesgnadentums ist uns im Lauf der Weltgeschichte wohl endgültig abhanden gekommen, doch genau diese wäre nötig, um eine "echte" Monarchie zu begründen. Das mag man bedauern (wie vermutlich Koll. Möller und Hodler), oder begrüßen (wie, allerdings nur teilweise, durchaus auch ich) — es ist aber ein Faktum, über das die Monarchie-Nostalgiker kaum herumkommen werden. @Jürgen Hodler: Sie bevorzugen Montesquieu? Das will ich aber wirklich nicht so recht glauben. Nun gut, zuerst sei hier angemerkt, daß Montesquieu nun wirklich alles andere als ein „System“ entworfen hat. 1. Ihr Glaube oder Unglaube bleibe Ihnen völlig unbenommen. 2. Daß Montesquieu (s)ein System "entworfen" hätte, habe ich nicht behauptet, sondern bloß die von ihm geschilderte Regierungsform mit einem Namen bezeichnet, der in der Staatswissenschaft dafür eingebürgert ist: "gemischtes System". Nun, verehrter LePenseur, wie läßt sich mit den Thesen Montesquieus nun ein demokratisches Regierungssystem rechtfertigen? Sie erwarten Antworten auf Fragen, die ich nicht einmal stellte. Ich brauche nämlich keine "Thesen Montesquieus", um etwas zu rechtfertigen (er war schließlich kein Religionsgründer oder Kirchenvater!), denn jede Gesellschaftsform "rechtfertigt" sich durch den faktischen Erfolg, den sie aus meiner Sicht hat. Denn die Staatsordnung ist für den Menschen da, nicht umgekehrt. Alles andere ist — möglicherweise wohlmeinender — Dogmatismus, der aber nur selten alle Herzen beglücken wird und daher (wenigstens tendenziell für eine Minderheitsmeinung) freiheitsberaubend wirkt. Also nichts, was ich allzusehr schätzen würde ... Eine von vornherein zur Entartung neigende Ideologie wie der Individualismus läßt sich nun mal nicht auf einem Niveau konservieren, welches Ihnen und Ihresgleichen genehm ist. Nichts läßt sich "konservieren", auch der Individualismus, der mir in der Tat sehr am Herzen liegt! Doch aus der ständigen Gefährdetheit jedes Zustandes den Schluß zu ziehen, am besten gleich seine Überzeugungen priegeben zu sollen, das erschiene mir doch ein wenig voreilig. Nein, wir müssen wohl (ob es nun mühsam ist oder nicht, ob es uns gefällt oder nicht) einerseits für unsere Überzeugungen (soweit wir sie haben) einzustehen versuchen, andererseits aber der Versuchung widerstehen, die Dinge nur in unserem Sinne zu "regeln" — denn das ist der beste Weg, in künftige Kalmitäten zu geraten. FritzLiberal, am 10. Januar 2009 um 17:42 ( Link ) @LePenseur: "Ein Konservativer wird auch den Übergang zu diesem "Minimalstaat" nicht als gezielte Gesellschaftsveränderung des derzeitigen Zustandes "betreiben", sondern eher durch eine allmählige Änderung in den Anschauungen einfach "eintreten lassen" wollen (was ihm in den Augen von Hard-Core-Libertären den Vorwurf der Komplizenschaft mit den derzeit herrschenden dunklen Mächten einträgt — damit muß er aber leben)." Was Sie hier außer acht lassen ist die Möglichkeit der Sezession. Die heutigen Staaten und andere administrativen Einheiten sind keineswegs in Stein gemeißelt. Ein Libertärer wird wohl auch niemanden dazu zwangsverpflichten, in einem Minimalstaat oder gar in einer anarchistischen Kommune zu leben. Aber was spricht dagegeben, wenn Gleichgesinnte sich zusammenfinden und sich vom Gewaltmonopolisten Staat lossagen? Molot, am 10. Januar 2009 um 19:06 ( Link ) Aber was spricht dagegeben, wenn Gleichgesinnte sich zusammenfinden und sich vom Gewaltmonopolisten Staat lossagen? Bingo! Martin Möller, am 10. Januar 2009 um 22:55 ( Link ) @LePenseur Sie sind nicht ein paar Tage krank, sie sind dauerhaft krank … Ich befürchte, daß Ihnen bald irgend jemand ohne religiöse Zwangsjacke über den Weg laufen wird und daß dieses encounter sehr traurig ausgehen wird. Was soll der Schwachsinn mit „öffentliche Positionen besetzen“? Falls es irgend etwas zu tun gibt, stellt man jemanden auf der Basis eines freiwillig abgeschlossenen Vertrages an, und schon ist das Problem erledigt. Sie wollen „liberal“ sein? Vielleicht sind sie so frei, mal ein bischen die Schulbank zu drücken, bevor sie wild herumposten obwohl sie bestenfalls als Rekonvaleszent zu bezeichnen sind … Junge, Junge … LePenseur, am 12. Januar 2009 um 10:27 ( Link ) @Martin Möller: Sie sind nicht ein paar Tage krank, sie sind dauerhaft krank … Und Sie erst! Und Sie wissen's nicht einmal ... Ich befürchte, daß Ihnen bald irgend jemand ohne religiöse Zwangsjacke über den Weg laufen wird Und das werden nicht Sie sein, da bei Ihnen wohl die Zwangsjacke — ich lasse einmal dahingestellt, ob nur die religiöse — unübersehbar ist. Was soll der Schwachsinn mit „öffentliche Positionen besetzen“? Falls es irgend etwas zu tun gibt, stellt man jemanden auf der Basis eines freiwillig abgeschlossenen Vertrages an, und schon ist das Problem erledigt. M.M. immer für eine Überraschung gut! Wenn man Sie so anarcholibertär dahinschwadronieren sieht, erkennt man Ihre Homepage monarchieliga.de nicht mehr wieder (oder muß an einen bedauernswerten Fall von Persönlichkeitsspaltung denken) ... Junge, Junge … Ganz recht: man kriegt Junge dabei, was Sie so zusammenschreiben, wenn der Tag lang ist ... Kokospalme, am 12. Januar 2009 um 14:32 ( Link ) Martin Möller schrieb an LePenseur: Sie sind nicht ein paar Tage krank, sie sind dauerhaft krank…und ähnliche Komplimente. Das illustriert wieder einmal, warum sich mir beim Anblick Möllerscher Artikel regelmäßig die Nackenhaare kräuseln. Herr Möller, ich teile schon mal viele Ihrer Ansichten nicht. Aber die Plumpheit mancher ihrer Äußerungen ist wirklich himmelschreiend. Fällt irgendwo das Wort „Demokratie“, müssen sie reflexartig draufhauen, ob’s passt oder nicht. LePenseur, am 12. Januar 2009 um 17:10 ( Link ) @FritzLiberal: Aber was spricht dagegeben, wenn Gleichgesinnte sich zusammenfinden und sich vom Gewaltmonopolisten Staat lossagen? Nichts weiter, als daß der Gewaltmonopolist sich das vermutlich nicht gefallen lassen wird. Und selbst wenn ein Gewaltmonopolist durch die Umstände (z.B. wegen Wirtschaftskrise kein Geld) nicht in der Lage sein sollte, sein Monopol aufrecht zu erhalten, so findet sich sicherlich bald ein anderer, um dieses Vakuum blitzartig aufzufüllen. Man kann natürlich träumen, daß eine Welt ohne staatliche Gewaltmonopole auf einmal wie von selbst aufzublühen beginnt. Das Gegenteil ist keineswegs in Stein gemeißelt — das wohl nicht! Aber in die Bücher der gesamten bisherigen Weltgeschichte geschrieben. Und das stimmt mich nicht optimistisch, daß es ab 2009 auf einmal anders zugehen wird ... freiheitistunteilbar, am 12. Januar 2009 um 19:57 ( Link ) Nichts weiter, als daß der Gewaltmonopolist sich das vermutlich nicht gefallen lassen wird. Und selbst wenn ein Gewaltmonopolist durch die Umstände (z.B. wegen Wirtschaftskrise kein Geld) nicht in der Lage sein sollte, sein Monopol aufrecht zu erhalten, so findet sich sicherlich bald ein anderer, um dieses Vakuum blitzartig aufzufüllen. Man kann natürlich lamentieren und mit Todschlagargumenten um sich werfen, bis der rote Adolf mit Hochkantschnäuzer vor einem steht - Sozialismus ist eine harte Droge und menschliche Dummheit unendlich - oder versuchen die Köpfe der Massen zu erreichen, was immer noch besser wäre, als das seltene Pflänzchen Freiheit vollständig zu verlieren. FritzLiberal, am 12. Januar 2009 um 20:12 ( Link ) @LePenseur: wenn man ein bisschen sucht, findet man schon ein paar Beispiele, wo Gemeinschaften sich zumindestens teilweise aus dem Würgegriff des Staates befreit haben. Von den Amish People in den USA bis nach Liechtenstein. Und wie Sie richtig geschrieben haben: wer weiß, was alles möglich wird, wenn dem Gewaltmonopolisten die Luft ausgeht ... 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Fatal, am 01. Januar 2009 um 15:48 ( Link )
Goldwater musste eben eine Lektion lernen, die vielen "Paläo"-Libertären noch bevorsteht: Freiheit und Konservatismus sind unvereinbar.