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Neujahrsausblick: Der Westen kommt glimpflich davon

von Sean Gabb

Wenn ein Abgleiten in den Totalitarismus verhindert werden kann

11. Januar 2009

Es besteht wenig Zweifel daran, dass überall dort, wo Politiker Einfluss haben, 2009 ein schlechtes Jahr sein wird. In England wird möglicherweise vor dem Sommer eine Wahl stattfinden. Wenn dies geschieht, und wenn die Stimmen ordnungsgemäß gezählt werden oder wenn die Polizei beschließt, nicht alle Oppositionsführer festzunehmen, werden Gordon Brown und seine Labour Partei aus dem Amt geschmissen. Im vergangenen Jahrzehnt hat er dazu beigetragen, dieses Land von einem von den Konservativen errichteten Polizeistaat im Anfangsstadium in einen wahrhaften Polizeistaat zu verwandeln, der nur aufgrund des Spotts gemäßigt wird, den wir auf seine Pläneschmiede noch häufen dürfen. Es wäre schön, diese Leute ihrer Ämter verlustig zu sehen – insbesondere, weil sie unmöglich wiedergewählt werden würden, und ein Amt das einzige ist, was sie im Leben jemals wollten. Aber es gibt keinen Grund für die Annahme, dass die Konservativen viel tun werden, um unser endgültiges Abgleiten in den Totalitarismus zu verhindern. Sie haben zu viele eigene niederträchtige Neigungen, um den riesigen Kontrollapparat zu zerschlagen, der von Labour nahezu perfektioniert worden ist. Selbst wenn dem nicht so wäre, sind sie entweder zu dumm oder zu faul um zu wissen, wie man ihn zerschlägt.

Ich würde die politischen Entwicklungen anderswo auf der Welt ignorieren – nur würde mich das der Möglichkeit berauben, mein Mitleid für die Amerikaner zum Ausdruck zu bringen. Vor einigen Tagen sah ich in einer Zeitung ein Bild ihres designierten Präsidenten. Ohne Hemd posierend, sah er für alle Welt so aus wie einer der ausgebrannteren schwarzen Jungen, die man am Leicester Square ihre Körper anbieten sieht. Dies sagt wohl mehr über den Ton seiner kommenden Amtsführung aus als seine Wahl Hillary Clintons und der üblichen neokonservativen Verdächtigen, die für seine Außenpolitik zuständig sein sollen, oder seine Akzeptanz des vollständigen Unsinns über den Klimawandel. Ohne Zweifel wird der Bericht der „BBC“ über seine Amtseinführung so sein, als handele es sich dabei um die Wiederkunft des Herrn. In weiten Teilen Englands wird die Sendung trotzdem mit Gelächter und Verachtung gesehen werden. Präsident Obama wird eher wie Tony Blair sein, aber ohne den Geschmack oder die Zurückhaltung, die im Vergleich dazu Prinzessin Tony nachweisbar besessen haben wird.

Da die Politiker auch die Wirtschaft beeinflussen, wird 2009 in vielerlei Hinsicht auch für sie ein schlechtes Jahr sein. Ich bin nicht sicher, wann der gegenwärtige Konjunkturzyklus begann, aber seit vielen Jahren sind Zinssätze von den Politikern unterhalb des Niveaus manipuliert worden, der für einen Ausgleich zwischen Ersparnissen und Krediten nötig ist. Die resultierende zusätzliche Nachfrage wurde durch das Erzeugen von Geld aus dem Nichts befriedigt. Dies ermöglichte die Entstehung einer gigantischen Spekulationsblase, und die ist jetzt geplatzt. Die Struktur der relativen Preise wurde verzerrt. Investitionen wurden getätigt, die sich jetzt als unklug herausstellen. Es muss Veränderungen geben. Angefangen damit, dass Zinssätze steigen und unsolide Unternehmen bankrott gehen dürfen. Je schneller dies ermöglicht wird, desto früher können wir wieder auf den Pfad des Wohlstandes zurückkehren.

Leider ist die Antwort der Politik gewesen, nach irgendeiner Maßnahme Ausschau zu halten, mit der die Spekulationsblase ersetzt werden kann. In England und Amerika wurden die Zinsen gesenkt. Das Geld der Steuerzahler ist für die Stützung der unsolideren Banken verschwendet worden. Regierungen drohen mit grenzenloser Inflationierung. Der angegebene Zweck hierfür ist die Vermeidung einer Rezession. Das Ergebnis wird sein, dass die Rezession länger und tiefer sein wird als notwendig. Die Politiker erzählen uns, dass Keynes am Ende doch recht hatte. Vielleicht glauben sie das auch. Wahrscheinlicher ist, dass sie auf Warnungen der Bankiers vor dem totalen Zusammenbruch des Finanzsystems hereingefallen sind, und sich jetzt wie die Opfer jener Internet-Betrügereien aus Nigeria aufführen. Ich sehe, dass die Autohersteller in das Blöken um Subventionen eingestimmt haben. Ich nehme an, dass sich bald genug die Cafés und andere überdehnte Unternehmen anschließen werden.

2009 wird daher, wirtschaftlich gesehen, ein schlechtes Jahr sein. Wenn nicht, wird das Eintreffen des Schmerzes lediglich bis 2010 verzögert werden, wo er dann mit Zuschlag zu spüren sein wird.

Hier jedoch endet mein Trübsinn. Viele schlechte Nachrichten jetzt, und die Lage wird in den nächsten paar Jahren schlimmer werden. So lange wir aber einen Zusammenbruch in den Totalitarismus verhindern können, sieht die Zukunft nicht annähernd so trostlos aus, wie uns gegenwärtig versichert wird. Wissenschaftlicher und technischer Fortschritt schreitet weiterhin wunderbar voran. Früher oder später wird es ein erneutes Gedrängel geben, die Resultate auf dem Markt zu verkaufen, und unser Leben wird sich qualitätsmäßig weiter verbessern – und diesmal, so hoffe ich, erheblich verlängern.

Es braucht auch keinen relativen Niedergang des Westens zu geben. Seit Jahren ist uns gesagt worden – normalerweise von selbstgerechten Linken, die sich diebisch über einen Rückgang freuen, von dem sie und ihre Familien persönlich, so ihre Annahme, nicht betroffen sein werden – dass die kommenden Wirtschaftsriesen dieses Jahrhunderts China und vielleicht Indien sein werden. Dies ist genauso illusorisch wie frühere Behauptungen über Japan. Wenn Sie den Begriff „population pyramids“ in Google eingeben, wird das oberste Ergebnis eine Website der amerikanischen Regierung sein, die zeigt, wie die altersbezogene Bevölkerungsverteilung eines jeden Landes der Welt aussieht und in Zukunft aussehen wird. Bis wir lernen, nicht nur das Lebensalter, sondern auch die Zeit der Jugend zu verlängern, werden die dynamischsten Menschen eines jeden Landes zwischen zwanzig und fünfundvierzig Jahre alt sein. In England und Amerika wird diese Altersgruppe im gesamten gegenwärtigen Jahrhundert dominierend sein. Im Orient folgt jedes Entwicklungsland dem japanischen Muster schneller Alterung, gefolgt von einem tatsächlichen Rückgang der Bevölkerung. Die Japaner hatten wenigstens einen westlichen Lebensstandard erreicht, bevor sie das Kinderkriegen einstellten. Die Chinesen werden vielleicht eher alt als reich werden. Gewissermaßen ist China seit etwa dreißig Jahren kontinuierlich reicher geworden. Wir werden sehen, wie lange dieser Prozess fortgeführt werden kann, sobald einmal die Mehrheit der Bevölkerung über fünfzig Jahr alt ist und sie weder Ersparnisse noch Kinder hat, die sie im Alter unterstützen.

Und China ist nur gewissermaßen reicher geworden. Vor etwa dreißig Jahren entschieden seine kommunistischen Herrscher, das Land in einen einzigen, großen Ausbeutungsbetrieb zu verwandeln, der den Westen unter rasierklingendünnen Profitmargen beliefert. Sie schafften dies durch uneingeschränkte Gewalt. Normale Arbeiter in China sind rücksichtslos ausgebeutet worden. Mit dem Verbot echter Gewerkschaften und mit allgemein repressiven Arbeitsverträgen ist Arbeit dort nur dem Namen nach frei. Ansonsten sind die Kosten begünstigter Unternehmen sozialisiert worden; und die Wettbewerbsfähigkeit durch einen unterbewerteten Wechselkurs aufrecht erhalten worden. Wenn man hinter die von der herrschenden Klasse und ihren ausländischen Partnern gebauten glitzernden Türmen schaut, findet man endloses und zunehmendes Elend.

Dies mag nun, selbst ohne den Beginn einer demographischen Krise, zu Ende gehen. Uns wird vom riesigen Ausmaß ausländischer Währungsreserven erzählt, die von der chinesischen Regierung und ihren Banken gehalten werden – als ob Geld das selbe wie Reichtum wäre. Die Merkantilisten im alten Europa empfahlen ihren Regierungen wenigstens das Anhäufen von Gold und Silber. Dieses konnte letzten Endes in Importe verwandelt werden. Die chinesischen Kommunisten dagegen haben uns einen kontinuierlichen Strom an Fabrikwaren geschickt und dafür im Tausch einen Berg von Dollar angenommen – die nur etwas wert sind, wenn sie nicht ausgegeben werden. In dem Augenblick, wo diese Reserven für den Kauf von Importen verwendet oder in stabilere Währungen umgewandelt werden, wird ihr Wert zusammenbrechen.

Die Amerikaner sind der Hauptnutznießer dieses Betrugs gewesen. Aber so lange die Orientalen einen unstillbaren Hunger für Dollar hatten und der Rest von uns keine Probleme hatte, an Dollar heranzukommen, haben alle westlichen Völker profitiert.

Damit komme ich zur angeblichen Krise unserer Staatsschulden. Die englischen und amerikanischen Regierungen haben im vergangenen Jahrzehnt in einem Maß Schulden übernommen, das früher als grob fahrlässig erachtet worden wäre. Gordon Brown hat uns jetzt bereits ein Verhältnis von Schulden zu Output beschert, das wir zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg hatten. Die Amerikaner stehen einer ähnlichen Explosion der öffentlichen Schulden gegenüber. Manche Ökonomen erzählen uns, dass wir mindestens eine Generation lang höhere Steuern werden zahlen müssen, um diese Schulden zu bezahlen.

Aber das stimmt nicht. Unsere Regierungen werden wenig von uns leihen – die meisten von uns haben keine Ersparnisse, die wir verleihen könnten. Sie werden ihre Schuldverschreibungen statt dessen an die Araber und Orientalen verkaufen, und an einige Russen, wenn sich der Ölpreis rechtzeitig erholt. Ihr wahrer Wert wird dann weginflationiert werden.

Nichts davon erfüllt mich mit Freude. Inflation schädigt uns alle, wenn auch auf Wegen die oft schwer nachzuvollziehen sind. Aber wenn das Chaos nach dem letzten Aufschwung aus dem Weg geräumt worden ist, wird es deutlich werden, dass die Hauptopfer der Aufschwungs genau die Länder waren, die seine Hauptprofiteure waren. Wir werden unsere billigen Notebooks und Flachbildschirm-Fernseher bekommen haben. Wir werden unseren Wohlstand in der Gegenwart erhöht und unsere Fähigkeiten, in Zukunft wohlhabender zu werden, erweitert haben. Jene, die ihre Völker bis zum Rand des Elends ausgebeutet haben, werden merken, dass sie zunehmend wertloses Papier in den Händen halten. Das chinesische Wachstum wird zum Stillstand kommen. Indien wird auseinanderbrechen. Später dann werden die Araber und Russen lernen, dass wir einige Energiequellen entdeckt haben, die billiger sind als ihre Kohlenstoffe. Alles was wir tun müssen ist, irgendwie unsere Politiker unter Kontrolle zu bringen, und wir werden ein sehr angenehmes einundzwanzigstes Jahrhundert genießen.


Information:

Dr. Sean Gabb ist Direktor der britischen „Libertarian Alliance“. Der vorliegende Beitrag wurde erstmals am 25.12.2008 als Weihnachstbotschaft auf der Website des Autors veröffentlicht und dank seiner freundlichen Genehmigung für ef-online, unwesentlich gekürzt, von Robert Grözinger übersetzt.

Internet:

Bevölkerungspyramiden des US Census Bureaus

Robert Grözinger: Polizeistaat Großbritannien: Antiterroreinheiten gegen Oppositionspolitiker

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