27. Februar 2009

Schwarzarbeit Keinen Fußbreit dem Fiskus

Illegale Beschäftigung entlastet alle Steuerzahler

Über 30% der Bundesbürger bezahlten im Jahre 2007 anderen Mitbürgern im Schnitt 1000 Euro  für Arbeit und Dienstleistungen, ohne zusätzlich noch mal etwa den gleichen Betrag an den Staat zu zahlen. Im Fiskus-Jargon nennt man es „illegale Beschäftigung“, „Schwarzarbeit“ oder „Schattenarbeit“, wenn Bürger ohne Hinzuziehung des Staats freiwillig interagieren und dabei etwas tauschen, zum Beispiel Geld gegen Parkettschleifen, Putzen gegen Geld oder auch Blasinstrument- gegen Französischunterricht. Und 20% der Bundesbürger haben schon mal selbst „schwarz“ gearbeitet. Dies sind Zahlen, die das „Institut der Deutschen Wirtschaft“ (IW) in einer Umfrage herausgefunden hat und von Karen Horn, der Leitern des Berliner IW-Büros und Trägerin des Publizistik-Preises der Hayek-Stiftung vorgestellt wurden.

Was Haushaltsstellen angeht, bestehen 40% der Schwarzarbeitgeber aus Senioren, die ohne diese helfenden Hände ihren Alltag nicht bewältigen könnten. Auch Doppelverdiener sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil überproportional vertreten, da sie durch ihre berufliche Auslastung nur wenig Zeit für den Haushalt haben. Familien mit Kindern sind unterrepräsentiert, offenbar weil das Haushaltseinkommen bei vielen kinderreichen Familien selbst für die relativ günstige Schwarzarbeit nicht ausreicht. Schwarzarbeitnehmer sind in erster Linie Frauen und Geringqualifizierte, die sich etwas hinzuverdienen wollen.

Das IW hat ferner ermittelt, dass bei einem Stundenlohn von 8 Euro 600.000 Vollzeitstellen in Haushalten entstehen könnten, und bei 10 bis 12 Euro immerhin noch 417.000 Vollzeitstellen. Leider hat das IW nicht ermittelt, wie hoch der Bedarf bei tieferen Löhnen wäre, also unter den vielfach vorgeschlagenen Mindestlohngrenzen. Wenn man die Zahlen grob hochrechnet, könnten bei einem Stundenlohn von 5 Euro vielleicht sogar mehr als eine Million Vollzeitstellen in den Haushalten entstehen, vorausgesetzt natürlich, dass Vater Staat von diesen fünf Euro nichts abzweigt.

Das IW ergeht sich nicht in Spekulationen über Dunkelziffern. Aber es ist wahrscheinlich, dass bei einer so sensiblen und strafrelevanten Umfrage die Zahl der tatsächlichen Schwarzarbeitsraten noch weitaus höher liegt, so dass vielleicht sogar jeder zweite Bundesbürger schwarz arbeiten lässt und jeder Dritte selbst schwarz arbeitet. Setzt man diese vermuteten Daten voraus, würde sich die Zahl der tatsächlichen Arbeitslosenzahlen bereits drastisch reduzieren, wenn also zum Beispiel nur die tatsächlich Nicht-Arbeitenden staatliche Unterstützungsmittel bekämen. Wenn aber „Schwarzarbeit“ zumindest im Geringverdienstsektor legalisiert und nicht von Staats wegen durch Steuern und Sozialabgaben verteuert werden würde, entstünden wahrscheinlich allein im Haushaltssektor wie aus dem Nichts über eine Million Vollzeitstellen und noch viel mehr Teilzeitstellen. Wenn man die übrigen Branchen, in den schwarz gearbeitet wird, etwa Gastronomie und Baugewerbe, hinzurechnet, gäbe es ein regelrechtes Job-Wunder.

Ein großer Teil der heutigen Arbeitslosenzahlen, die ja hauptsächlich den Geringverdienstsektor betreffen, ließe sich also vermeiden, wenn der Staat sich aus allen freien Vereinbarungen im unteren Lohnsektor, sagen wir mal unter 12 Euro Stundenlohn, gesetzlich und fiskalisch heraushalten würde.

Schwarzarbeit ist also nichts anderes als eine Notwehrreaktion der Bürger auf die künstliche staatliche Verteuerung der Arbeit im Niedriglohnsektor. Dazu passt, dass laut der IW-Umfrage nur jeder Fünfte „ein schlechtes Gewissen“ hat, wenn er schwarz arbeitet. Doch was die Studie auch verrät, ist dass fast allen Beteiligten wohler dabei wäre, wenn ihr Tun legal wäre. Natürlich würden sich die meisten Schwarzarbeiter freuen, wenn ihre Arbeitgeber ihnen auch noch die Krankenkasse und andere Zuwendungen bezahlen würden. Doch da das Gros der Schwarzarbeitgeber sich das nicht leisten können, lautet die Alternative zu Schwarzarbeit in den meisten Fällen entweder keine Arbeit oder Hartz IV. Es ist leicht auszurechnen, was den Staat und somit alle Steuerzahler teurer zu stehen käme: Eine gnadenlose Ausmerzung der Schwarzarbeit, wie von den Gewerkschaften vorgeschlagen, oder deren Legalisierung.


Internet:

Pressemitteilung des „Institut der deutschen Wirtschaft“ zur Schwarzarbeitsstudie


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Naomi Braun-Ferenczi

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