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Währungsstabilität und Finanzmarktkrise: Neuer wissenschaftlicher Zauber

von Ralph Bärligea

Über einen Gastvortrag des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Tietmeyer an der Universität Passau

Zu Gast an der Universität Passau war im Februar 2009 Dr. Tietmeyer, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank, zum Thema „Währungsstabilität und Finanzmarktkrise“. Eingeladen hatte ihn Prof. Johann Graf Lambsdorff, der im Zusammenhang mit Vertertern der Quantitätstheorie gerne auch von „Bundesbankdogmatikern“ spricht. Er sieht einen direkten Einfluss der Geldmenge auf Inflation nicht und fordert zur Überwindung der gegenwärtigen Krise in der „Financial Times Deutschland“ noch drastischere Leitzinssenkungen der Notenbanken.

So gab es zwischen den beiden Intellektuellen Meinungsverschiedenheiten, die jedoch nicht offen ausgetragen wurden. Ein konservativer und restriktiver Notenbanker und Theologe stand einem jungen, keynesianisch-konsens-orientiertem Wissenschaftler gegenüber.

Besonders interessant war die Ursachenanalyse von Dr. Tietmeyer für die Finanz- und Wirtschaftskrise. So sah er die Notenbanken und Regulierungsbehörden in der Aufgabe überfordert, die Gefahr durch Finanzinnovationen, getragen auch durch den Fortschritt der Informationstechnologie, richtig einzuschätzen. Wer die Krise auf „die Gier“ reduziert, mache es sich zu leicht, so Tietmeyer. Weiterhin sprach er die Problematik von Niedrigzinspolitik und Moral Hazard als Ursachen für Investitionsblasen an.

Dennoch herrschte kein Zweifel daran, dass eine zentrale und planwirtschaftliche Institution den Zinsatz, als Preis für Ersparnisse, durch Vermessung der Volkswirtschaft richtig und im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt bestimmen könne. Der Preisindex via Warenkorb müsse die Richtschnur für Geldwertstabilität und das politische Handeln der Notenbank sein.

Bemerkenswert war die Aussage, dass der Erfolg der Geldpolitik und die Währungsstabilität nun davon abhängen, ob die Notenbanker mit dem gleichen Mut, mit dem sie jetzt in der Krise die Zinsen gesenkt haben, nach der Krise die Zinsen wieder erhöhen werden. Die ökonomische und damit auch politische Stabilität hängt also, wenn man dieser Aussage folgt, in letzter Konsequenz von dem „Mut“ einiger Notenbanker ab. Auch konnte ich erfahren, dass neuerdings nicht nur die Kirche, sondern auch die Notenbank „eine Lernende“ sei. Es wurden Fehler gemacht und ständig tauchen neue Meinungen und wissenschaftliche Erkenntnisse auf, die die Notenbanken zum Teil verwerfen, aber zum Teil auch berücksichtigen müssen, so Tietmeyer.

Meine Frage hin zu einer freien, wettbewerblichen Geldordnung bei einem Zinssatz, der sich als Marktpreis – also Gleichgewichtspreis – bildet, reduzierte Dr. Tietmeyer auf die „Affinität der Ordoliberalen zu Warengeld“. Dass eine Zentralbank als Kreditgeber letzter Instanz keine Eigentümerinteressen verfolge, sei insofern unproblematisch, wie sie zwar Kollektiveigentum der Länder, aber politisch unabhängig sei. Letzteres liegt natürlich juristisch vor, ist jedoch de facto eine Illusion. Außerdem setzt es das bessere Wissen der Zentralbank gegenüber der dezentralen und freien Planung durch das Wissen der Marktakteure voraus.

„Haben die Zentralbanken versagt?“ – Tietmeyer: „Natürlich haben sie versagt!“

10. März 2009

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