15. März 2009

Philosophische Praxis (Vol. 3) Von der Sorge ums Dasein

Mit einer guten Nachricht zum Schluss

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten, sich um seinen Lebensunterhalt zu kümmern: das ökonomische und das politische Mittel. Sich des ökonomischen Mittels zu bedienen bedeutet, Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, die andere Menschen freiwillig kaufen. Sich des politischen Mittels zu bedienen bedeutet, sich mit Hilfe von Gesetzen und unter Androhung von Gewalt einen Teil dessen anzueignen, was mit Hilfe des ökonomischen Mittels erarbeitet wurde. Beide Strategien dienen der Sorge ums Dasein. Erstere beruht auf Freiwilligkeit, zweitere auf Zwang.

Unternehmer und deren Mitarbeiter sowie Gewerbetreibende, Freiberufler und Selbständige bedienen sich vorwiegend des ökonomischen Mittels. Niemand muss ihre Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Beamte, Bürokraten und Politiker hingegen bedienen sich ausschließlich des politischen Mittels. Sie sorgen dafür, dass von ihnen abhängige Büttel und Schergen mit dem Fleiß der Bienen Tag für Tag gewaltige Summen in ihren Einflussbereich schaufeln und unter ihresgleichen verteilen. Widerstand ist zwecklos.

Mit Hilfe dieser gewaltigen Summen werden dann Leistungen erbracht, denen man sich – im Unterschied zu den Leistungen jener, die sich des ökonomischen Mittels bedienen – kaum oder gar nicht entziehen kann. Im Gegenteil: Man ist ihnen ausgeliefert. Und schlimmer noch: Nicht nur, dass man diese Leistung nicht freiwillig gekauft hat, man muss sie auch noch unfreiwillig bezahlen. Kaum eine andere Tatsache kann uns das, was Herrschaft im Grunde ist, besser begreiflich machen. Zweifellos basiert politische Herrschaft materiell betrachtet auf dem Raub.

Sich des politischen Mittels zu bedienen hat demnach etwas Unredliches und Schäbiges. Streng genommen lässt sich diese Stategie sogar mit dem organisierten Verbrechen vergleichen. Das Argument, dass das organisierte Verbrechen auf der falschen und jene, die sich des politischen Mittels bedienen, auf der richtigen Seite stehen, hält eine näheren Betrachtung nicht stand. Auch der Mafioso sagt, dass er für Sicherheit sorgt, die Müllabfuhr gewährleistet und Regeln für das tägliche Miteinander vorgibt. Und es waren stets jene, die sich des politischen Mittels bedient haben, die Kriege und Massenmord vom Zaun gebrochen haben. Es ist unmöglich, hier eine klare Unterscheidung zu treffen.

Die Demokratie der Gegenwart ist diejenige Staatsform, die es am effizientesten möglich macht, auf Kosten anderer Menschen, die man nicht kennt, gut zu leben. Mit Hilfe von Förderungen und Subventionen etwa lassen sich problemlos eigene Ziele verwirklichen. Dass es sich dabei um Geldmittel handelt, die anderen Menschen unter Zwang weggenommen wurden, kostet den Profiteuren ein Achselzucken. Da Künstler und Intellektuelle sich vorwiegend des politischen Mittels bedienen, wird in der Öffentlichkeit über diesen Sachverhalt auch größtenteils geschwiegen. Wer in den Sumpf der Bürokratie miteinbezogen wird, ist mundtot. Gleichzeitig bekommt die Bürokratie so eine Bühne, auf der sie jederzeit auftreten und sich selbst loben kann.

Das, was die einen verdienen, geben die anderen aus und machen damit was sie wollen. Der Grund dafür ist ein massives Herrschaftsverhältnis. Die gute Nachricht: Macht entsteht nur, wenn sie zugestanden wird. Die Macht ist nie als solche da, sie verlangt immer das Zugeständnis.

Information

Die Kolumne „Philosophische Praxis“ von Eugen Maria Schulak (Institut für Wertewirtschaft) erscheint in der „Wiener Zeitung“, der ältesten Zeitung der Welt, sowie anschließend in loser Folge auf ef-online.


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