17. April 2009

Philosophische Praxis (Vol. 9) Wohlhabende und Habenichtse

Oder: Über Demokratie und Gleichheit

Unsere heutige Form der Demokratie, die man in früheren Zeiten Pöbelherrschaft nannte und vor der kein Philosoph von Rang jemals den Hut zog, ist eine Regierungsform, die es ermöglicht, sich auf Kosten anderer Menschen, die man nicht kennt, erhebliche Vorteile zu verschaffen, ja regelrecht zu bereichern. Als moralische Rechtfertigung dient die Vorstellung, dass die Ungleichheit der Menschen eine Ungerechtigkeit darstellt, die es durch Umverteilung zu beheben gilt.

Unabhängig davon ist es eine Tatsache, dass es viel mehr „Habenichtse“ als Wohlhabende gibt. Da dies immer schon so war und selbst unter demokratischen Verhältnissen nicht verändert werden konnte, ist anzunehmen, dass es sich hier gleichermaßen um ein Natur- wie ein Kulturgesetz handelt, welches sich prinzipiell nicht verändern lässt. Das Prinzip ist, dass in jeder Generation die Karten neu gemischt werden und es niemals vorhersagbar ist, wer die Zukunft für seine Zwecke richtig einschätzen wird und in der Folge seine Handlungen dahingehend setzt, dass die von ihm gewünschte Zukunft auch die gewünschten Früchte trägt.

Es müsste einer Herrschaft also gelingen, alle Untertanen inklusive sich selbst in vollem Umfang zu versklaven und in ihrer Intelligenz zu reduzieren. Da dies prinzipiell unmöglich ist, wird es wohl immer Ungleichheit geben, als die im Grunde einzig berechtigte Hoffnung auf eine bessere Welt. Das bedeutet, dass die Ungleichheit der Menschen nicht nur nicht verändert werden kann, sondern auch nicht verändert werden darf und soll.

Aufgrund dieses Sachverhalts sind die Bemühungen der Demokratie, die in der Umverteilung kulminieren, nichts anderes als eine sinnlose Sisyphusarbeit, die noch dazu moralisch verwerflich ist. Die Demokratie läuft gewissermaßen unentwegt an eine Wand, die sie rein prinzipiell niemals durchbrechen kann und verursacht sowohl bei jenen, die sie bestiehlt, als auch bei jenen, denen sie Vorteile zukommen lässt, moralische Defekte.

Eine absurde Folge dieser Defekte ist, dass mittlerweile fast jeder danach trachtet, sich auf Kosten jedes anderen zu bereichern, ganz unabhängig davon, ob er selbst zu den Wohlhabenden oder den Habenichtsen gehört: Wohlhabende Bankrotteure beuten via Staatshilfe die Habenichtse genauso aus wie die Habenichtse via Sozialhilfe und Förderungen die wohlhabenden Bankrotteure. Jeder versucht bei jedem möglichst effizient zu parasitieren. Alles verpöbelt sich.

Nun stellt sich jedoch heraus, dass es gar nichts mehr abzustauben gibt. Die Kassen sind leer. Dies wird der Politik den Kopf kosten, weil sich so gut wie jeder betrogen fühlen wird.

Das Ideal der heutigen Demokratie, dass möglichst alle Menschen von irgendeiner Form von Sozialhilfe oder Subvention leben sollen und das mit dem arbeitslosen Grundeinkommen nun verwirklicht wird, zielt auf die totale Verhaustierlichung des Menschen ab. Der Gipfelpunkt der demokratischen Anthropologie wäre dann ein Mensch, der abhängig, bedürftig, zahnlos, wehleidig, bemitleidenswert, schwach, also durch und durch jämmerlich sein Leben fristet. Dann ist die Demokratie an ihrem Ziel – und wir am Ende. Dann wird es finster.

Die gute Nachricht: Niemals wird dies in vollem Ausmaß gelingen. Denn jene, die zu den Ungleichen unter den vielen Gleichen gehören – gottlob – sie werden es zu verhindern wissen.

Information

Die Kolumne „Philosophische Praxis“ von Eugen Maria Schulak (Institut für Wertewirtschaft) erscheint in der „Wiener Zeitung“, der ältesten Zeitung der Welt, sowie anschließend in loser Folge auf ef-online.


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