29. April 2009

Philosophische Praxis (Vol. 12) Ökonomenbeschimpfung

Über die wohl verhurteste Zunft an unseren Universitäten

Zunehmend spricht es sich herum – und man hört es schon an allen Ecken – dass Schulden-Machen, gefolgt von hastigem Konsumieren, wohl niemandem zu nachhaltigem Wohlstand verhilft. Bald werden dies auch die Dümmsten begriffen haben, denn durch Schaden wird man klug.

Gottlob lernen die Menschen. Mittlerweile muss man sie fast zwingen, weiterhin Schulden aufzunehmen. Selbst öffentliche Institutionen und Banken wollen nicht mehr uneingeschränkt Gehorsam leisten. Dies hat zur Folge, dass unser Konsumsozialismus, den man fälschlicherweise für einen Kapitalismus hält, zunehmend ins Wanken gerät. Und das ist gut so.

Die Klügeren munkeln, dass die maßlose Überschuldung des öffentlichen wie des privaten Sektors ein politisches Programm war, das von staatlich finanzierten Ökonomen wissenschaftlich legitimiert wurde. Wenn die Klügeren das den Dümmsten – also jenen, die jetzt durch Schaden klug werden – plausibel erklären können, dann ist Feuer unterm Dach.

Die besagten Ökonomen sind weitgehend ratlos, jedoch ohne Scham. Dies braucht nicht weiter zu verwundern, weil sie ja immer noch glauben, dass Schulden-Machen, gefolgt von hastigem Konsumieren, etwas Gutes ist. Einstweilen ducken sie sich und warten ab. Immerhin: Es könnte ja sein, dass bald der Endsieg des Sozialismus kommt. Dann sind sie wieder da, mit Sicherheit!

Gehören sie jetzt zu den Dümmsten oder den Klügsten? Weder noch. Aber man kann sagen: Im akademischen Milieu gehören sie wahrscheinlich zum Korruptesten und moralisch Bedenklichsten, was dieses Milieu zu bieten hat.

Vielleicht kann man auch sagen: Die Wissenschaft der Ökonomie ist die verhurteste akademische Disziplin, die es derzeit gibt. Hier bleibt selbst die Philosophie auf der Strecke. Denn das Meiste von dem, was etablierte Ökonomen in den letzten 80 Jahren lieferten, war nichts anderes als ein Handlangerdienst zu Gunsten einer beliebig austauschbaren Macht. Diese hat es immer schon verstanden, Menschen mit Hilfe von Gewalt für ihre Zwecke auszubeuten, regelmäßig um ihre Ersparnisse zu bringen und notfalls in Kriege zu hetzen.

Als abhängige Beamte, die vom Steuergeld leben, ist den etablierten Ökonomen das Wesen des Unternehmertums auch emotional völlig fremd. Deshalb haben sie auch stets die Interessen der Steuereintreiber, niemals ernsthaft die Interessen der Wirtschaftstreibenden vertreten. Warum sollten sie auch? Im Unterschied zu den Millionen Geschädigten, die sie auf dem Gewissen haben, bleibt ihnen so stets ein sicherer Arbeitsplatz.

Doch selbst ihren Herren und Meistern gegenüber bewiesen sie Illoyalität. Weitgehend ungebremst haben sie ihre jeweiligen Regierungen an die Wand fahren lassen. Freilich könnte es auch sein, dass besagte Ökonomen schlichtweg nicht verstanden haben, was sie tun. In jedem Fall müsste dies aber ihre fristlose Entlassung nach sich ziehen. Denn falls es eine Revolution geben sollte, könnte dies den Regierenden den Kopf kosten.

Die Wissenschaft samt ihrer Lehre ist frei – freilich nur insofern, als sie sich nicht bloß an den Interessen ihrer Finanziers orientiert. Wirklich frei sind derzeit bloß ein paar junge Wiener Ökonomen, die noch von sich hören machen werden, sowie ein alter Professor, der aber leider immer schon zu vornehm war, um es sich mit der gesamten Zunft zu verscherzen.

Information

Die Kolumne „Philosophische Praxis“ von Eugen Maria Schulak (Institut für Wertewirtschaft) erscheint in der „Wiener Zeitung“, der ältesten Zeitung der Welt, sowie anschließend in loser Folge auf ef-online.


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