15. Mai 2009

Weltraum-Ökonomie Außerirdische werden friedliche Kapitalisten sein

Geld ist eine wichtigere Erfindung als das Rad oder die Schrift

Ich erinnere mich vor mehreren Jahren eine historische Analyse über Filme mit Außerirdischen und über andere populäre Medien gelesen zu haben, deren interessante Schlussfolgerung in etwa so lautete: In Zeiten des Krieges, der geopolitischen Auseinandersetzungen oder der allgemeinen Unterdrückung und des Elends wird der Außerirdische in den populären Medien, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, als gütiger Besucher dargestellt; in Zeiten des Friedens oder des allgemeinen Wohlstands jedoch wird der Außerirdische statt dessen als gnadenloser Eindringling porträtiert. In der Studie wurden mehrere Zyklen nachgezeichnet, in denen die Außerirdischen den Wechsel zwischen gut und böse, zwischen Erlöser und Sklaventreiber vollziehen. Orwell, nehme ich an, wie jeder andere politische Skeptiker, hätte ein paar Dinge darüber zu sagen gehabt: Die Massen müssen einen Feind haben (selbst wenn er imaginär ist und auf fernen Sternen lebt), um sie „für die gemeinsame Sache zu vereinen“ und ihre Aufmerksamkeit von den Taschenspielertricks abzulenken.

Tatsächlich gibt es ziemlich glaubwürdige Hinweise dafür, dass die gesamte Domäne der Science-fiction (zumindest was Filme betrifft) nichts weiter ist als eine sanfte, verlockende Einführung in die abscheulichen Lehren von Karl Marx und seines erbärmlichen Kommunismus. Nehmen wir zum Beispiel Star Trek (da jetzt ein neuer Film herauskommt – hier biete ich den Star Trek Fans vorab meine Entschuldigung an. Meine Absicht ist es nicht, Ihren Genuss dieser Produktionen zu verderben oder zu schmälern, sondern statt dessen bestimmte Tatsachen zu vermitteln, um eine meiner Ansicht nach interessante Schlussfolgerung zu ziehen).

Den meisten Meinungen zufolge sind es sehr unterhaltsame Filme, doch der Unterton ist folgender: Die Menschheit hat das Arbeiterparadies gefunden, das mythische Utopia. Es gibt keine Kriege, zumindest nicht gegeneinander, sondern nur gegen verbrecherische Unterspezien, die dünn verschleierte Metaphern für jene hässlichen Kreaturen sind, welche die marxistische und neomarxistische Ideologien der Politbüro-artigen („Vorhut der Menschheit“) Föderation ablehnen würden. Es gibt auch kein Eigentum, weil das Proletariat, ob es nun arbeitet oder nicht, in seinen zauberhaften Gärten des Überflusses herumtanzt. Der Grund hierfür sind technologische Entwicklungen freier Energie und Energie-Materie-Umwandlungen. Im Grunde sind die Ressourcen unerschöpflich, so dass es keinen Mangel, keine Notlage und keinen Konflikt gibt.

Wir haben alle über den Spruch gelacht: „Wenn die Regierung die Wüste verwalten würde, gäbe es innerhalb eines Jahrzehnts einen Mangel an Sand.“ Interessanterweise muss man, um einen kommunistischen Staat (oder jede andere etatistische Regierungsform) zu führen, unerschöpfliche Ressourcen haben, die man verschwenden kann, weil für die dann erfolgende Verschwendung und Korruption keine erschöpfliche Menge groß genug sein kann. Darum nehme ich an, dass futuristische, niveauvolle Science-fiction mit unerschöpflichen Ressourcen tatsächlich die angemessene Plattform für den kultischen Marx'schen Müll ist.

Ach ja, bei Star Trek gibt es auch kein Geld, was mich zum Hauptpunkt dieses Artikels bringt. Jawohl, hiermit knüpfe ich alles zusammen, Gold, Star Trek, Außerirdische, Produktivität und finstere Zeitalter, alles in einem Text und mit einem roten Faden und einigem Anschein von Kohärenz versehen. Und es ist auch ziemlich interessant, weil ich dabei bin, Ihnen etwas zu sagen, was Sie noch nie gehört haben. Ich werde sehr kompetent das Rätsel lösen, das seit vielen Jahren von Biologen, Astrophysikern, Kosmologen, Otto Normalverbraucher und Science-fiction-Autoren aller Couleur erfolglos bearbeitet wird. Ich werde Ihnen a priori sagen, wie der Außerirdische wirklich, tatsächlich ist und hundertprozentig eindeutig sagen, ob der Außerirdische ein Freund oder Feind sein wird, und das ist kein Witz. Ich kann das mit induktiven, aus den ewigen Wahrheiten des Universums konstruierten Gedankengängen tun, wohingegen die Experten versuchen, deduktiv zu argumentieren (oder mit Launen), was mit absoluter Sicherheit zu falsche Lösungen führt. Sie suchen darüber hinaus für ihre Deduktionen an den falschen Stellen, weil die Lösung dieses Rätsels mit dem scheinbar harmlosen, die launenhaften Wutanfälle Lenins widerspiegelnden Konzept bei Star Trek beginnt, wo es kein Geld mehr gibt.

Zunächst kann ich Ihnen eindeutig sagen, dass Außerirdische, anders als die Kapitäne der Enterprise, Geld haben, und dass sie es jeden Tag bei fast jeder Transaktion verwenden; und sie vollziehen sehr viele Transaktionen. Ferner wird das Geld fast sicher ein seltenes, metallenes Element wie Gold oder Silber sein, oder eine unzerstörbare, gewissenhaft hergestellte Legierung.

Ich weiß das, weil die volle Bandbreite der Untersuchung in dieser Angelegenheit nicht am Hubble-Teleskop endet, auch nicht an der offensichtlich absurden Drake-Gleichung oder beim Witzbold Carl Sagan. Statt dessen sind es rationale Figuren von Aristoteles bis Adam Smith, die garantiert haben, dass dieser Aspekt offensichtlich sein wird.

Zum Beispiel [ich umschreibe einen Artikel über Ökonomie von John Lee] hat Aristoteles das Problem der Vergleichbarkeit (wie man sich gegenseitig entschädigt und somit eine gerechte Transaktion durchführt) entdeckt, formuliert und analysiert. Er überlegte, wie das Zahlenverhältnis für einen gerechten Tausch heterogener Gegenstände festgesetzt werden könnte. Er suchte nach einem Prinzip, das eine Gleichsetzung anscheinend ungleicher und nicht vergleichbarer Dinge möglich macht. Zum Beispiel: Wie vergleicht man Äpfel mit Apfelsinen? Oder wie entscheidet man, ob man zur Schule oder Arbeiten geht? Nun, das ist ohne Geld so gut wie unmöglich (oder ich sollte sagen, sehr ineffizient und unsicher).

Aristoteles behauptete, dass Geld, ein gemeinsames Maß für alles, die Dinge messbar macht und es ermöglicht, sie gleichzusetzen (oder die im Verhältnis zueinander zu bewerten). Er sagt, dass es in der Form von Geld ist, einer Substanz, die einen telos (Zweck) hat, dass Individuen eine Einheit entwickelt haben, die einen Maßstab bereithält, auf dessen Grundlage ein gerechter Tausch stattfinden kann. Aristoteles behauptete somit, dass alles im universellen Gegenwert des Geldes zum Ausdruck gebracht werden kann. Er erklärte, dass Geld eingeführt wurde, um dem Bedarf zu entsprechen, dass alle getauschten Gegenstände auf irgendeine Weise vergleichbar sein müssen.

Die meisten Menschen setzen Geld als gegeben voraus, wie Luft, und sehr wenige Menschen denken über die Bedeutung von Geld für die Gesellschaft nach. Es ist wichtiger als die Erfindung des Rades, wichtiger sogar als eine Schrift. Zum Beispiel wäre der Handel in der uns heute bekannten Form, aber auch jede vorstellbare Transaktion zwischen Individuen (ob menschlich oder außerirdisch), ob es um den Kauf von Gegenständen geht, dem Anbieten von Arbeit oder dem Heiraten und der Kindererziehung, fast unerschwinglich teuer. Adam Smith (für Kommunisten ein großer Bösewicht) freilich revolutionierte die Welt mit einem ökonomischen Bezugssystem, das wahre Produktivität und den Aufstieg aus der Armut mit der von ihm so bezeichneten Arbeitsteilung erklärte, heute komparativer Vorteil genannt. Kurz gesagt, wenn Sie gut darin sind, Getreide anzubauen, während Ihr Nachbar ein guter Geräterreparateur ist, können Sie durch Handel die optimalen Fähigkeiten Beider nutzen. Dieser komparative Vorteil führt zu einer revolutionären Verstärkung der Produktivität im großen Stil und somit zum Wohlstand. Indem wir uns einfach jeder auf einen Bereich konzentrieren und die Fähigkeiten, Arbeitskräfte und Talente anderer im Handel erwerben, können wir alle jeden Arbeitsbereich meistern.

Der komparative Vorteil hat natürlich ohne eine solide, ehrliche Währung – mit einem Wort: Geld – keinen langen Bestand. Entsprechend hätte die Menschheit ohne Geld niemals, egal, welchen Zeitrahmen man nimmt, auch nur den Zustand der Jäger- und Sammlergesellschaften erreicht, geschweige denn die Landwirtschaft. Das selbe gilt für die Außerirdischen und es ist selbstverständlich, dass eine hochentwickelte, produktive und wohlhabende Gesellschaft nötig ist, um zwecks Besuchs unseres blauen Planeten einen Flug über eine Strecke von mehreren Lichtjahren leeren Raums zu ersinnen und zu unternehmen. Ohne Geld jedoch gibt es so etwas wie eine hochentwickelte, produktive und wohlhabende Gesellschaft gar nicht, und wahrscheinlich nicht einmal überhaupt eine „Gesellschaft“.

Daher scheint der Besitz von Geld eine unabänderliche Voraussetzung für Außerirdische zu sein. Ferner muss das Geld ein „ehrliches“ sein, wie Gold oder Silber, statt nicht einlösbarer Zwangsgeld-Zahlungsversprechungen oder irgendeiner Form von Geld auf Schuldenbasis. Unsere eigene Geschichte seit dem Jahr 600 n. Chr. ist voll von Beispielen versagender Papiergeldsysteme. Sie sind alle zusammengebrochen, und mit ihnen die zugrundeliegende Gesellschaft oder Zivilisation. Zivilisationen, die Papiergeld etablieren, halten einfach nicht lange genug: Im Durchschnitt nur 39 Jahre, was für eine Zivilisation nicht lang genug ist, um die technischen und produktiven Voraussetzungen für die Erkundung des Weltalls zu entwickeln. Und nach jedem Zusammenbruch müssen sie einen Neuaufbau beginnen, manchmal ganz von vorne, wie in unserem eigenen finsteren Zeitalter von etwa 500 bis 1500. n. Chr. Eintausend Jahre waren nötig, um lediglich den Lebensstandard zu erreichen, der existierte, bevor Rom seine Währung entwertete und danach implodierte, während Konstantinopel mit dem felsenfesten, ehrlichen, goldenen Bezant bestehen blieb.

Somit kann ich praktisch garantieren, dass, wenn ein außerirdisches Wesen mit einem UFO landet, er/sie/es Silbermünzen in der Tasche haben wird, versehen mit einem hübschen Bildnis einer insektoiden Schönheit, und dass er/sie/es ferner, als kultivierter Diplomat, es sehr taktvoll vermeiden wird, angesichts unserer nachweislich ignoranten Vorstellungen von Papiergeld in schallendes Gelächter auszubrechen. Ich kann Ihnen außerdem sagen, dass der Außerirdische ganz sicher nicht sagen wird: „Bringt mich zu eurem Führer.“

Diese Redewendung, verstehen Sie, ist die Vision des Tyrannen, nicht das Zeichen einer freien Gesellschaft, wo Individuen ihren eigenen Weg bestimmen und nicht das Eigentum des Staates, der Regierung oder des „Führers“ sind. Ferner benötigt man eine freie Gesellschaft, um Frieden, Wohlstand und Freiheit zu erlangen – die Ideale hinter der Unabhängikeitserklärung und der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Nur eine freie Gesellschaft, mit den Vorstellungen von individueller Freiheit, freien Märkten und eingeschränkter Regierung wird überhaupt jemals die Stufe der Weltraumerkundung und darüber hinaus erreichen. Abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen produzieren Regierungen nie etwas Werthaltiges, geschweige denn große technologische, innovative Fortschritte. Das alles wird am freien Markt bewerkstelligt, von privaten Individuen und Unternehmern, die von staatlicher Regulierung unbehelligt sind. Regierungen jedoch zerstören diese Dinge, meistens sehr effektiv mittels Steuern, strenger Regulierung und mit Schmiergeldern für diejenigen mit guten Beziehungen zur Politik; oder, wie es Mises glänzend formulierte: „Regierung ist im Wesentlichen die Negation der Freiheit“, was die Negation des Wohlstandes, des Friedens und der großen Zivilisationen und Errungenschaften bedeutet.

Nein, unser außerirdischer Freund wird nicht von einer „Föderation“ oder irgendeiner staatlich subventionierten Organisation kommen, sondern ein Händler oder Forscher voller Neugier sein, auch voller Güte und Wohlwollen, da er in einer freien, wohlhabenden und friedlichen Gesellschaft aufgewachsen sein wird, die Eingriffe und Zwang verachtet. Wenn in der außerirdischen Zivilisation eines von diesen Elementen – Freiheit, (die Voraussetzung ist für) Wohlstand und Frieden – nicht vorhanden ist, wird der Außerirdische nie im Leben abheben und uns in der Weite des Weltalls finden. Wir haben mit Sicherheit nichts von kriegerischen, totalitären Arten da draußen (zum Beispiel die Borg) zu befürchten. Sie werden ihren eigenen Planeten niemals verlassen, jedenfalls nicht lebend, selbst wenn sie sich in etwas höheres entwickeln sollten als eine Ameisenkolonie.

Internet:

John Lee: Aristotele's Choice Of Money Revisited

Information:

Dieser Artikel erschien zuerst am 12.05.2009 in englischer Sprache auf der Website lewrockwell.com. Übersetzung von Robert Grözinger.


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Autor

John Bowman

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