Walter K. Eichelburg

Ist Betreiber der meistgelesenen deutschsprachigen Gold- und Krisenwebsite hartgeld.com. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er ist Autor zahlreicher Artikel im Finanz- und IT-Sektor und kann unter info@hartgeld.com erreicht werden. Alle Artikel von Walter K. Eichelburg sind als völlig unverbindliche Information anzusehen und stellen keine Anlageempfehlung dar. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.

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Marktkommentar: Die Vorkrise und die Hauptkrise

von Walter K. Eichelburg

Vor dem Crack-Up-Boom

In meinem letzten Marktkommentar habe ich berichtet, dass jetzt die westlichen Staatsanleihen unter Druck kommen. Das hat sich inzwischen weiter verstärkt, besonders bei den langlaufenden US-Treasury-Bonds (10 und 30 Jahre). Die Zinsen sind weiter signifikant gestiegen.

Noch etwas hat sich getan: Der Goldpreis ist in diesen zwei Wochen von etwa 915 Dollar pro Unze auf 960 Dollar pro Unze gestiegen, der Dollar-Index ist weiter massiv gesunken.

Das lässt auf eine „Systemumstellung“ schließen: Die seit Sommer 2008 andauernde „deflationäre“ Phase, in der Aktien, Rohstoffe und schlechte Anleihen im Kurs kräftig fielen und in der alles in die US-Treasuries flüchtete, sie geht zu Ende. Dafür beginnt jetzt vermutlich die hyperinflationäre Phase, mit einer Flucht aus allem Papier in Realgüter und primär in Gold. Die „Yield-Curve“ (der Verlauf der Zinsen auf Staatsanleihen über die Zeit) ist überall sehr steil. Und das lässt praktisch immer auf Inflation schließen.

Die Vorkrise

Das, was wir seit dem Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 an „Krise“ erlebt haben, ist noch nicht viel: Die Aktionäre haben etwas verloren, die Immobilienbesitzer auch, auch einige Millionen neuer Arbeitsloser gibt es zusammengerechnet schon. Aber die wirklich große Tragödie mit Verlust der Spareinlagen, dem Verlust der Lebensversicherungen oder dem Zusammenbrechen von großen Teilen der  Wirtschaft haben wir noch nicht gesehen. Davon haben uns bis jetzt Zentralbanken und Regierungen mit einer in der Welt einzigartigen Verschuldungsorgie bewahrt. Daher müssen wir die Krise bis jetzt als Vorkrise bezeichnen, obwohl die meisten Länder die Definition einer einfachen Depression (mindestens 10 Prozent Wirtschaftsschrumpfung) bereits erfüllen.

Die Hauptkrise“

Die wirklich schwere Depression kommt mit dem Staatsbankrott. Kostproben gibt es in Island, Lettland oder der Ukraine zu sehen. In Lettland etwa muss der Staatshaushalt um 40 Prozent gekürzt werden! Das ist dann die Hauptkrise oder die „Große Depression“ (mindestens 25 Prozent Schrumpfung). Da sind dann auch die meisten Bankeinlagen verloren, wie in der Ukraine.

Auch die westlichen „AAA-Länder“ bewegen sich jetzt schnell darauf zu. Für die gigantischen Mengen an neuen Staatsanleihen gibt es weltweit nicht mehr genügend Kapital, um diese aufzukaufen. Die Amerikaner oder Briten monetisieren daher schon Teile ihrer Neuausgaben durch pures Gelddrucken – und das führt über kurz oder lang zum Währungsabverkauf und zur Hyperinflation. Kein Wunder, dass sich Gold, der Dollar und die Treasuries so bewegen, wie oben beschrieben. Die Situation wird nun wirklich dramatisch. Wenn dieser Währungs- und Anleihenabverkauf in Panik übergeht, ergießt sich eine gigantische Flut von Geld in das System, das dann alles aufzukaufen versucht, was irgendeinen Wert haben könnte. Ludwig von Mises nannte das den „Crack-Up-Boom“, man könnte es auch den hyperinflationären Kollaps nennen. Dann müssen sehr hohe Zinsen angeboten werden, um noch etwas zu retten. Diese bringen am Ende das Finanzsystem und die Wirtschaft komplett um. Man braucht sich nur die Zinsen in Pleiteländern anzusehen…

Rettungsboote

Konnte man sich im Fall von Ungarn, Ukraine oder Island noch leicht in die Rettungsboote US-Dollar oder Euro retten (falls man früh genug dran war), so ist das im Fall der Welt-Reservewährungen US-Dollar oder Euro nicht mehr möglich. Man kann dann nur mehr das Papier-Finanzsystem verlassen und in Realgüter gehen, idealerweise in die Rettungsboote Gold und Silber.

Sollte sich der Goldpreis über 1.000 Dollar pro Unze festigen (in anderen Währungen zählt er wenig), dann dürfte es soweit sein: Das Big Money beginnt dann aus allen Währungen im großen Stil zu flüchten und dies kann auch durch die preisdrückenden Zentralbanken nicht mehr aufgehalten werden. Es geht heute schon in die Rettungsboote, aber noch zaghaft. Besser, man sitzt jetzt bereits drinnen.

30. Mai 2009

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