21. Juni 2009

Philosophische Praxis (Vol. 22) Unternehmertum

Über die Sorge für das Morgen

Ein Unternehmer zeichnet sich dadurch aus, dass er Eigenes einsetzt, das heißt Mittel, die in seiner rechtmäßigen Verantwortung liegen. Eigentum ist so die erste und wesentlichste Voraussetzung des Unternehmertums. Eigentum bedeutet die persönliche Verantwortung für Mittel und folglich die Freiheit, über diese Mittel zu verfügen. Ohne Verfügung über uns eigene Mittel können wir nichts unternehmen, nur Befehle ausführen. Wo das persönliche Eigentum nichts gilt, wird auch der Unternehmer verachtet und verfolgt.

Unternehmerisches Handeln besteht darin, Risiko zu tragen, ein besonderes Wagnis einzugehen, etwas einzusetzen. Der Unternehmer setzt auf eine ungewisse Zukunft und sorgt dafür, dass sie durch sein Zutun Realität wird. Dabei geht es nicht darum, bloß „neue Ideen“ zu haben. „Ideen“ gibt es immer zur Genüge. Unternehmerisches Handeln bedeutet die meist irreversible Entscheidung, knappe Mittel auf eine bestimmte Weise einzusetzen.

Heute gelten Manager als Inbegriff des Unternehmers. Manager sind aber bloß Angestellte in Führungsfunktionen. Es sind die Unternehmer, die das absolute Verlustrisiko tragen.

Dann und nur dann, wenn dem unternehmerischen Wagnis der seltene Erfolg beschieden ist, ergibt sich ein Gewinn. Die Belohnung oder der Profit des Unternehmers besteht in der Spanne zwischen dem ungewissen Erfolg und der Alternative, dass gar nichts „unternommen“ wird. In der Regel ist diese Spanne um so größer, je höher das Wagnis gewesen ist. Über den Erfolg des Unternehmers entscheidet letztlich der Konsument, der mit seiner in Geld ausgedrückten Wertschätzung dem Unternehmer zu verstehen gibt, für wie wertvoll er sein Produkt tatsächlich hält.

Unternehmerisches Handeln bringt es mit sich, Fehler zu begehen. Der Bankrott hat daher eine wichtige Funktion. Eine Wirtschaft, in der man Bankrotte fürchtet und keine Kosten scheut, sie zu verhindern, bietet keinen fruchtbaren Boden für das Unternehmertum, sondern degeneriert nach und nach zu einer kommunistischen Betriebsführerwirtschaft.

Der Bankrott ist eine der wichtigsten Lektionen in der Wirtschaft. Weicht man dieser Lektion aus, wird nichts gelernt und dadurch sind die verlorenen Mittel nicht bloß verloren, sondern noch dazu vergebens verloren. Zusätzlich wird aus dem persönlichen Verlust des Unternehmers ein volkswirtschaftlicher und betrifft so die gesamte Gesellschaft.

Ohne Unternehmertum, dasheißt ohne die Bereitschaft einzelner Persönlichkeiten, mehr Risiko als andere zu tragen, ist der langfristige Bestand einer Gesellschaft nur schwer vorstellbar. Selbst damit alles beim Alten bleibt, ist ständiges Lernen, Wagen und Aufbauen nötig. Ohne unternehmerisches Handeln wird mehr Kapital aufgezehrt als aufgebaut. Daraus leitet sich die besondere gesellschaftliche Bedeutung des Unternehmertums ab.

Die Funktion des Unternehmers besteht darin, vorauszuahnen, was wir morgen brauchen könnten und dafür vorzusorgen, dass es rechtzeitig zur Verfügung steht. Wie der Arzt fragt der Unternehmer: Was fehlt Ihnen? Und wie ein guter Arzt sorgt ein guter Unternehmer dafür, dass es uns morgen nicht an Wesentlichem fehlen wird, auch wenn wir es heute noch gar nicht ahnen. Wer glaubt, dass es Politiker sind, die uns diese Sorgen abnehmen und diese Funktion ausüben könnten, der wird im Ernstfall eine bittere Enttäuschung erleben.

Information

Die Kolumne „Philosophische Praxis“ von Eugen Maria Schulak (Institut für Wertewirtschaft) erscheint in der „Wiener Zeitung“, der ältesten Zeitung der Welt, sowie anschließend in loser Folge auf ef-online.


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