Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

ef Television

Hintergründe und Perspektiven des Öko-Totalitarismus (Teil II): Die Christen machen Frieden mit der neuen Religion

von Edgar L. Gärtner

Konservative Rückholaktionen oder progressive Klima-Allianz

Bei Moskaus strategischer Umorientierung spielte, wie auch die bereits im ersten Teil erwähnten Sagladin und Frolow andeuten, Papst Johannes Paul II. (Karol Wojtyla) eine besondere, bis heute kaum aufgeklärte Rolle. Das gilt bekanntlich schon für die besonderen Umstände, unter denen Wojtyla ins Amt gelangte. Sein Vorgänger Johannes Paul I. (Albino Luciani) war nach einer kaum mehr als einen Monat währenden Amtszeit auf ungeklärte Weise aus dem Leben geschieden. Die Spekulationen über die Kreise, die Gründe sahen, ihn aus dem Weg zu räumen, beziehen sich hauptsächlich auf das erstmals 1984 unter dem Titel „In Gods Name“ erschienene Buch des britischen Journalisten David A. Yallop. Dieser wies zu Recht darauf hin, dass der Vatikan aufgrund des 1929 mit Mussolini geschlossenen Lateran-Vertrages und des 1933 mit Hitler eingegangenen Konkordats (das die staatliche Erhebung einer nicht unbedeutenden Kirchensteuer einschloss) zu einer international verflochtenen Finanzmacht geworden war. Der Vatikanstaat wurde bald zu einer der wichtigsten Steueroasen und Geldwaschanlagen, da Mussolini ihn von der Gewinnsteuer befreit hatte. In dem beim Skandal um den Banco Ambrosiani und die Loge P2 aufgedeckten Drogen- und Waffenhandel-Geldwäsche-Netzwerk spielten Freimaurer die Schlüsselrollen. Oberster Drahtzieher war Mafia-Pate und Freimaurer-Großmeister Licio Gelli, der Chef der geheimen Loge P2. Beim Amtsantritt Lucianis gehörten nach Angabe Yallops nicht weniger als 121 Mitglieder der römischen Kurie verschiedenen Freimaurer-Logen an. Luciani hatte sich vorgenommen, diesen Augiasstall auszumisten. Deshalb, vermutet Yallop, musste er sterben. An weiteren Spekulationen über die Hintergründe von Lucianis vorzeitigem Ableben möchte ich mich hier aus naheliegenden Gründen nicht beteiligen.

Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass es Yallop zwar gelang, eine Menge mehr oder weniger kompromittierender Fakten über die Machenschaften der Vatican Incorporated zusammenzutragen, dass er als politisch weit links orientierter investigativer Journalist aber völlig außerstande war, den theologischen Standpunkt Lucianis richtig einzuordnen. Er hielt Luciani für einen Linken, der an der Seite der Arbeiterpriester seiner venezianischen Diözese gegen das rechte Establishment im Vatikan ankämpfte. In Wirklichkeit war Luciani, wie seine Doktorarbeit ausweist, überzeugter Monarchist (selbstverständlich mit „sozialer Ader“) und Anhänger des heilig gesprochenen konservativen Papstes Pius X., der seinen Schäfchen freiwillige Armut gepredigt hatte, um sie vor dem verderblichen Einfluss des großen Geldes zu bewahren. Im Vatikan dagegen herrschten damals gottlose Freimaurer, die man schwerlich als „rechts“ hätte einordnen können. Die Fronten verliefen also ganz anders. Worum es damals wirklich ging, kommt aktuell wieder im Konflikt zwischen der deutschen Bischofskonferenz und der Pius-Bruderschaft zum Vorschein.

Für dringlicher halte ich die Aufklärung der Hintergründe und der realen Bedeutung von Wojtylas spektakulärer Polenreise im Jahre 1979, das heißt weniger als ein Jahr nach dem Antritt seines Pontifikats. Diese Reise wurde zu einer mächtigen politischen Demonstration. Sie brachte 10 Millionen Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung des unter kommunistischer Herrschaft tief katholisch gebliebenen Landes, auf die Beine. Viele Historiker sehen in dieser Manifestation von „soft power“ den Kipp-Punkt, der den Beginn des Zerfalls des kommunistischen Herrschaftssystems markiere. Beleg dafür sei der Versuch der kommunistischen Machthaber, Wojtyla zu beseitigen. Auf Geheiß des damals noch amtierenden Generalsekretärs der KPdSU, Leonid Breschnew, sei dann der rechtsradikale Türke Mehmet Ali Agča vom sowjetischen Geheimdienst GRU (mit Unterstützung der Stasi und des bulgarischen Geheimdienstes) zum Attentat gegen Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz angestiftet worden. So steht es im offiziellen Bericht eines Untersuchungsausschusses des italienischen Parlaments, der erst im Jahre 2006 vorgelegt wurde. Dieser Bericht konnte aber nicht Agčas eigene Angaben entkräften, wonach es auch im Vatikan selbst Hintermänner gegeben haben soll.

Man kann Wojtylas Wirken auch ganz anders sehen. Denn Hauptergebnis seines außerordentlich langen Pontifikats war die Versöhnung der katholischen Kirche mit der Umweltbewegung. Schon im Jahr seiner ersten Polenreise erklärte Johannes Paul II. den heiligen Franz von Assisi zum Schutzpatron der Umweltschützer. Ende Oktober 1986 nahm Johannes Paul II. zusammen mit WWF-Präsident Prinz Philip anlässlich des 25. Gründungstages des WWF am Grab des heiligen Franz von Assisi am Treffen der Weltreligionen teil. Ein weiterer Meilenstein auf dem Wege zur grünen Ökumene war Johannes Pauls Neujahrsbotschaft von 1990, in der er die Katholiken aufrief, ihrer „Verantwortung für die Schöpfung“ gerecht zu werden. Im gleichen Jahr rief Michail Gorbatschow 1.300 Würdenträger verschiedener Religionen und Vertreter von über 80 Ländern in Moskau zu einem Welttreffen über Umwelt, Entwicklung und Überleben zusammen.

Wojtylas großes Engagement für die außermenschliche Schöpfung steht in auffälligem Kontrast zu seinem Desinteresse gegenüber den Problemen, die seinen unglücklichen Amtsvorgänger umgetrieben hatten. Er unternahm nichts, um die später vor italienischen Gerichten aktenkundig gewordenen Verflechtungen des Vatikans mit freimaurerischen Geldwäsche-Netzwerken aufzudecken. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Über diese Netzwerke wurden auch die polnischen Bischöfe und die Gewerkschaft Solidarnosc finanziert. So konnten die mafiosen Freimaurer ihr Werk im Vatikan ungestört fortsetzen – bis sich schließlich die US-amerikanische und die italienische Justiz dafür zu interessieren begannen. Die ökumenische Bewegung für eine globale Hauswirtschaft bot Johannes Paul II. offenbar die Gelegenheit, von der Unordnung in seinem eigenen Hause abzulenken.  

Unabhängig von Gorbatschows Initiative wurde bei der Grünfärbung der Religionen auch einer der Rockefeller-Brüder aktiv, in diesem Fall der Buddhist und Religionswissenschaftler Steven Rockefeller. Er organisierte am Middlebury College in Vermont, wo er vergleichende Religionsgeschichte lehrte, den Kongress „Spirit and Nature“, der in Amerika ein großes Medienecho fand und sich wohl mehr an die Evangelikalen als an die Katholiken richtete. Die zahlreichen selbständigen evangelikalen Kirchen stellten für die Ausbreitung des Ökologismus in der Tat ein größeres Hindernis dar als die katholische Kirche. Dem sollte die Gründung des Evangelical Environmental Network (EEN) abhelfen, das von der Ford Foundation und vom Pew Charitabel Trust finanziell unterstützt wurde.

Die US-Evangelikalen blieben aber für die Propheten der Öko-Religion eine harte Nuss. Bis heute sind sie in Sachen Ökologie und Klimawandel tief gespalten, wenngleich nicht zu übersehen ist, dass die Anhänger der totalitären Zivilreligion Fortschritte gemacht haben. Ex-Greenpeace-Direktor Jeremy Legett weist in seiner um die Jahrtausendwende unter dem Titel „The Carbon War. Global Warming and the End of the Oil Era“ erschienen Schilderung des trickreichen Kampfes nihilistischer NGOs und CEOs um den Abschluss des Kyoto-Protokolls darauf hin, dass noch in den 90er Jahren selbst Vertreter der Wirtschaft fest davon überzeugt waren, dass hinter den Machenschaften radikaler „Earth First“-Prediger und Solar-Investoren der Antichrist steckte.

Der evangelische Weltkirchenrat hatte sich hingegen schon 1988 klar zum Klima-Katastrophismus und zur Nachhaltigkeits-Zivilreligion bekannt. So konnten die beiden großen christlichen Konfessionen in die umfangreichen Vorbereitungen der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro eingebunden werden. Dieser „Erd-Gipfel“ war bekanntlich das Werk des Generalsekretärs des UN-Umweltprogramms UNEP, des kanadischen Esoterikers und Maoisten Maurice Strong, der als persönlicher Freund David Rockefellers gleichzeitig seit 1971 Treuhänder und später Vorstandsmitglied der Rockefeller Foundation war. Der bekennende Verfechter einer Weltregierung hatte auch schon die erste UN-Umweltkonferenz 1972 in Stockholm geleitet. Als einer der ersten hatte er verstanden, dass sich das einstige Orchideenfach Ökologie hervorragend als Grundlage einer Weltstaatsreligion eignete und dass das Christentum mit seinem göttlichen Auftrag, die Erde mit Menschen zu füllen und ihnen untertan zu machen, das Haupthindernis auf diesem Wege war.

Schon in den Anfängen der Ökologismus-Bewegung war die Forderung aufgekommen, angesichts der „Grenzen des Wachstums“ von christlichen Werten Abstand zu nehmen. So forderte der amerikanische Historiker Lynn White jr. schon 1966, ausgehend von Karl Löwiths These vom christlichen Ursprung des Fortschrittsglaubens, „den christlichen Grundsatz zu verwerfen, dass die Natur keine andere Existenzberechtigung hat, als den Menschen zu dienen.“ Die Idee der Herrschaft des Menschen über die Schöpfung müsse ersetzt werden durch die Idee der Gleichheit aller Geschöpfe. Ansatzpunkte dafür biete allein die demütige Haltung des heiligen Franz von Assisi. Sehr viel deutlicher wurde der Betriebswirtschaftler Jay W. Forrester, der am MIT die den „Grenzen des Wachstums“ zugrunde liegende Computersimulationsmethode „Systems Dynamics“ entwickelt hatte. In seinem 1974 auch auf deutsch veröffentlichten Aufsatz „Die Kirchen zwischen Wachstum und globalem Gleichgewicht“ (in: Dennis L. und Donelle H. Meadows: Das globale Gleichgewicht. Modelstudien zur Wachstumskrise, DVA, Stuttgart 1974) fordert er von den Kirchen, von ihrer karitativen bzw. humanitären Mission Abstand zu nehmen: „Viele der alten Wertvorstellungen über Humanität und die besonderen Rechte des Menschen vor allen anderen Lebewesen haben zu dem exponentiellen Wachstum von Bevölkerung und Technologie beigetragen, das uns heute bis an die Kapazitätsgrenzen dieser Erde führte“, meinte Forrester und empfahl: „Die Kirchen könnten bei der Erforschung neuer Sozialsysteme eine Führungsrolle übernehmen, falls sie sich eine Denkweise in langen Zeiträumen anzueignen vermögen. Die langfristigen Wertvorstellungen sind weitgehend mitentscheidend dafür, wie die Gesellschaft in hundert, zweihundert oder gar tausend Jahren beschaffen sein wird. Und wer anders als die Religion kann schon solche Zeiträume überblicken. (…) Die Kirchen sollten versuchen, die Grenzen und die Konsequenzen humanitärer Aktionen zu analysieren und das Gedankengut der Humanität in Einklang zu bringen mit den Belastungen, die beim Übergang zum Gleichgewicht unweigerlich auftreten.“

Maurice Strong wusste also, warum er sich vor dem „Erd-Gipfel“ 1992 in Rio de Janeiro intensiv den Kirchen widmen musste. Er selbst glaubt vermutlich an gar nichts – außer an die Macht des großen Geldes. Einsetzen möchte er diese Macht, wie er selbst bekannte, um die Zivilisation zu zerstören und die Zahl der Menschen auf anderthalb Milliarden herunterzudrücken. Man kann ihn als perfekten Nihilisten bezeichnen. Denn von ihm ist folgender entlarvender Ausspruch wörtlich überliefert: “So in order to save the planet, the group decides: Isn´t the only hope for the planet that the industrial civilizations collapse? Isn´t it our responsibility to bring that about? This group of world leaders form a secret society to bring about an economic collapse.” Dennoch gelang es ihm 1994, gemeinsam mit Steven Rockefellers Parlament der Weltreligionen und Michail Gorbatschows „Grünem Kreuz“ eine ökumenische Bewegung für eine „Erd-Charta“ auf die Beine zu stellen. Diese sollte sich an der im Vatikan umstrittenen „Welt-Ethik“ des Tübinger katholischen Theologen Hans Küng orientieren.

Schon im Jahr davor hatte das Interfaith Centre for Corporate Responsibility (ICCR) begonnen, große internationale Konzerne zu drängen, sich den Corporate Social Responsibility-Grundsätzen der Coalition for the Environmentally Responsible Economics (CERES) anzuschließen. CERES, eine u. a. von der Ford Foundation und vom Pew Charitable Trust geförderte Gruppierung verschiedener linker NGOs, erlangte in den folgenden Jahren maßgeblichen Einfluss mit der Global Reporting Initiative (GRI) zur weltweiten Vereinheitlichung der Kriterien und Maßstäbe von Corporate Social Responsibility (CSR) oder Nachhaltigkeitsberichten von Firmen. Heute liegen die Empfehlungen und Indikatorensysteme der GRI rund um die Welt der Geschäftsberichterstattung zugrunde. Es gibt in der EU und in den USA sogar Bestrebungen, sie gesetzlich verbindlich zu machen.

Parallel dazu engagierte sich vor allem der World Wide Fund for Nature (WWF) bei der weltweiten Vernetzung von Naturschützern und Religionsgemeinschaften. Im Jahre 1995 baute er das seit dem Treffen von Assisi bestehende Conservation and Religion Netzwerk (NCR) unter Vorsitz von Prinz Phillip durch die Einbeziehung arabischer Prinzen zur Alliance for Religion and Conservation (ARC) aus. Diese Allianz arbeitet bis heute eng mit dem UN-Umweltprogramm (UNEP) und der der Weltbank zusammen, die einen eigenen Ausschuss für den „Welt-Glaubens-Dialog“ einsetzte. Die Aktivitäten des WWF erscheinen in einem anderen Licht, wenn man weiß, dass auch diese Organisation im Verdacht stand, bei der Beseitigung Papst Johannes Pauls I. beteiligt gewesen zu sein. Ich habe einen der Gründerväter des WWF, den Hofmann-La Roche-Erben Luc Hoffman, im Februar 1996 offen darauf angesprochen, als er mir nicht ausweichen konnte, weil er mich nach einem längeren Interview, das ich mit ihm in seinem Landhaus in der Westschweiz geführt hatte, mit einen unauffälligen Kleinwagen zum Bahnhof von Yverdon zurück fuhr. (Das Interview ist übrigens nachzulesen im WWF-Journal 3/1996.) Kurz darauf habe ich meine Zusammenarbeit mit dem WWF eingestellt.

Spätestens bei den Milleniums-Feiern im Jahre 2000 in Johannesburg schien dann der Ökumenismus zwischen Kirchen und Umwelt-NGOs perfekt. Im August fand der „Welt-Friedens-Gipfel religiöser und geistiger Führer“ statt, die von UN-Genralsekretär Kofi Annan eingeleitet wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde die Endfassung der „Erd-Charta“ vorgestellt. Im Jahre 2002, anlässlich des zweiten „Erd-Gipfels“ in Johannesburg, unterzeichnete Johannes Paul II. die „Venice Declaration of Environmental Ethics“.

Doch Wojtylas Nachfolger Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) kann als Augustinus-Kenner wohl nicht darüber hinwegsehen, dass es sich beim Ökologismus mit seiner Verteufelung des Kohlenstoffdioxids um eine Form des materialistischen Manichäismus handelt, der dem Wesen des Christentums fundamental widerspricht. Die These von der Gleichberechtigung aller Lebewesen steht in absolutem Gegensatz zur christlichen Lehre von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Das Ziel einer globalen „Kohlenstoffgerechtigkeit“ widerspricht dem Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre und der dahinter stehende Machbarkeitswahn verträgt sich nicht mit dem christlichen Primat des Empfangens vor dem Machen. Ratzinger wandte sich 1968 in seiner „Einführung in das Christentum“ gegen eine Politische Theologie, die eine selbst ernannte „Elite“ dazu verleiten könnte, im Namen des Primats des Machbaren gegenüber dem Gemachten sich zum Gott zu erheben. Die Menschen könnten ihre Lebensressourcen „Liebe“ und „Sinn“ nicht selbst kreieren, sondern nur empfangen, mahnte Ratzinger demgegenüber. Außerdem machte er deutlich: Wer immer nur rechnet, ist ein Pharisäer, aber kein Christ.

In seinem Buch „Jesus von Nazareth“ (Freiburg, 2007) wiederholte Joseph Ratzinger die Warnung, Gott zu spielen, in noch eindringlicheren Worten. Auf Seite 70 legt er zwischen den Zeilen sogar nahe, in der 1992 in Rio beschlossenen „Agenda 21“ ein Manifest des Antichrist zu sehen. Jedenfalls implizieren seine Ausführungen gegen eine durchorganisierte Welt meines Erachtens die Ablehnung einer globalen „Klimapolitik“ nach dem Muster des Kyoto-Protokolls. Denn diese Politik läuft auf den größenwahnsinnigen Versuch hinaus, mithilfe einer künstlichen Verteuerung der Energie eine im Detail chaotische und daher nicht vorhersehbare zyklische Entwicklung in den Griff zu bekommen.

Der heilige Vater kann aber wegen der Defensive, in die die katholische Kirche weltweit gegenüber dem Islam auf der einen und gegenüber dem manichäischen Materialismus verbunden mit postmodernem Werterelativismus auf der andern Seite geraten ist, offenbar nicht mehr Klartext reden. So organisierte der Vatikan Ende April 2007 eine nicht öffentliche wissenschaftliche Konferenz über Klimawandel und Entwicklung. Anders als im Weltklimarat IPCC zeigte es sich im Vatikan, dass es keinen Konsens über die Ursachen des Klimawandels gibt. Denn neben Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der das IPCC-Dogma von der menschlichen Schuld am Klimawandel verteidigte, kamen dort auch bekannte „Klima-Skeptiker“ wie Lord Monckton aus Großbritannien, der im Vatikan durchaus einflussreiche italienische Nuklearphysiker Antonio Zichini (Entdecker der Antimaterie) sowie die US-amerikanischen Naturwissenschaftler Craig Idso und Fred Singer zu Wort. Sie legten nahe, die Armut auf der Welt für das dringendste Problem zu halten und davon auszugehen, dass die Erderwärmung günstigere Bedingungen für deren Überwindung schafft als eine Abkühlung.

„Die Umwelt nicht korrekt zu nutzen ist ein Vergehen gegen uns selbst, aber auch gegen all die andern, die sie nutzen“, erklärte Kardinal Renato Martino, der Chefberater des Papstes in Fragen der Gerechtigkeit und des Weltfriedens, am Rande der Konferenz gegenüber Pressevertretern. Diese Aussage ist zumindest zweideutig. Sollte sie unterstellen, wir Menschen könnten auch ferne Folgen unserer Eingriffe in die außermenschliche Natur absehen, dann befände sie sich im Widerspruch zur kirchlichen Lehre über die Wunder wirkende Fähigkeit des menschlichen Handelns unter der Bedingung der Ungewissheit und über die Macht des Verzeihens.

Hannah Arendt hat in ihrem großartigen Buch „Vita activa“ (Originaltitel: „The Human Condition“, Chicago 1958) dargelegt, warum die Menschen gar nicht anders können, als mit ihren Handlungen unwiderrufliche und unabsehbare Folgen auszulösen: „Das Heilmittel gegen Unwiderruflichkeit – dagegen, dass man Getanes nicht rückgängig machen kann, obwohl man nicht wusste, und nicht wissen konnte, was man tat – liegt in der menschlichen Fähigkeit, zu verzeihen. Und das Heilmittel gegen Unabsehbarkeit – und damit gegen die chaotische Ungewissheit alles Zukünftigen – liegt in dem Vermögen, Versprechen zu geben und zu halten.“ Wobei Arendt betonte, dass die Einlösung der Versprechen nicht an bestimmte Bedingungen gebunden ist. Versprechen schaffen gerade dadurch Verlässlichkeit und Vertrauen, in Arendts Worten: „Inseln der Sicherheit in einem Meer der Ungewissheit“, weil sie die Verpflichtung enthalten, sie – soweit überhaupt möglich – gegen alle Widrigkeiten des Lebens einzulösen. Mit anderen Worten: Bei Sonnenschein abgeschlossene Verträge gelten auch bei Regenwetter.

Interessant ist nun, dass Arendt ausdrücklich darauf hinwies, woher sie diese Idee hat: „Was das Verzeihen innerhalb des Bereiches menschlicher Angelegenheiten vermag, hat wohl Jesus von Nazareth zuerst gesehen und entdeckt.“ Dabei warnte sie davor, in Versprechen mehr als „Wegweiser in ein noch unbekanntes und unbegangenes Gebiet“ zu sehen. „Sobald Versprechen aufhören, solchen Inseln in einem Meer der Ungewissheit zu gleichen, sobald sie dazu missbraucht werden, den Boden der Zukunft abzustecken und einen Weg zu ebnen, der nach allen Seiten gesichert ist, verlieren sie ihre bindende Kraft und heben sich selbst auf“, betonte Hannah Arendt. Diese Warnung hätte die 1975 gestorbene Philosophin heute sicher auch auf die planwirtschaftliche Quotierung von Treibhausgas-Emissionsrechten nach Kyoto-Muster und das damit angesteuerte Ziel, den Anstieg der Durchschnittstemperatur der Erde auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, bezogen. Es scheint naheliegend, dass sich auch Papst Benedikt den Argumenten seines Jesus-Buches folgend, gegen bindende Obergrenzen für den Ausstoß eines Gases (CO2) aussprechen müsste, das nur im Verdacht steht, die Erderwärmung zu begünstigen, gleichzeitig aber eindeutig eine unabdingbare Voraussetzung allen pflanzlichen Lebens darstellt und insofern wichtiger ist als Sauerstoff. Doch hat es Benedikt XVI. bislang vermieden, zu den Ursachen des Klimawandels Stellung zu beziehen.

Eines sollte aber klar sein: Die deutsche katholische Bischofskonferenz, die sich in einer Erklärung kritiklos den Thesen des IPCC angeschlossen und im Jahre 2006 mit linken NGOs zu einer „Klima-Allianz“ vereinigt hat, kann sich nicht auf Papst Benedikt XVI. berufen. Lange bevor er zum Papst gewählt wurde, hat sich Kardinal Joseph Ratzinger als Vorsitzender der päpstlichen Glaubenskongregation übrigens in einem Gespräch mit dem Journalisten Peter Seewald („Das Salz der Erde“, Heyne-Verlag, München 2004) unmissverständlich gegen das auf das Konkordat mit Hitler zurückgehende deutsche Kirchensteuersystem ausgesprochen. Er sieht darin offenbar eine der Ursachen für das rasche Vordringen der Political Correctness und des Materialismus bei den deutschen Katholiken. Schließlich zeigt die Welle des Hasses, die sich gegenüber Benedikt XVI. entladen hat, als dieser versuchte, die wertkonservativen, antimaterialistischen Piusbrüder wieder in den Schoß der katholischen Kirche aufzunehmen, wo die Front heute wirklich verläuft.

[Fortsetzung folgt]

Internet

http://www.crc-internet.org/oct84.htm

07. Juli 2009

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen