07. Juli 2009

Entfeudalisierung der Öffentlichkeit Fürsprache eines Lesers für das Online-Abonnement von ef

Eine Stellungnahme aus eigenem Antrieb

In seiner Studie „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ hat Jürgen Habermas bereits 1962 konstatiert, dass eine „Refeudalisierung der Öffentlichkeit“ stattgefunden habe. Meinungsbildung und öffentlicher Diskurs seien weitgehend vermachtet und durch Interessen von mächtigen Kapitalinvestoren bestimmt.

Heute, im Zeitalter von Web 2.0, bietet sich zum ersten Mal seitdem die Chance, den öffentlichen Diskurs zu entfeudalisieren. Heute kann man der von den großen gesellschaftlichen Machtzentren betriebenen einseitigen Top-down-Kommunikation eine gleichberechtigte und demokratische Kommunikation der freien Bürger entgegenstellen. Dies ist möglich geworden, weil die modernen Kommunikationstechniken auf der Vertriebseite mit sehr viel weniger Geld- und Kapitaleinsatz auskommen als die klassischen Medien. Jeder, der an Demokratie und freiem, gleichberechtigten Ringen um das bessere Argument interessiert ist, kann diese Entwicklung nur begrüßen.

Allerdings darf man nicht übersehen, dass auch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten Geld kosten. Dies gilt nicht nur für die reinen technischen Kosten, die beim Betreiben von Internetplattformen entstehen, sondern vor allem für die Journalisten, die in diesem Bereich arbeiten. Wenn man will, dass im Internet anspruchsvolle journalistische Arbeit geschieht, muss man sich Gedanken darüber machen, wie diese Arbeit finanziert werden kann. Auf Dauer kann es keine Lösung sein, dass die Internetarbeit von der Quersubventionierung durch die klassischen Medien lebt. Es muss nach Wegen gesucht werden, die Arbeit auf eine eigenständige wirtschaftliche Basis zu stellen.

Ein Versuch, den ef in diesem Zusammenhang unternimmt, ist das Online-Abonnement. Auf freiwilliger Basis kann jedermann für fünf Euro im Monat Abonnent werden und auf diese Weise die Arbeit dieser Plattform unterstützen. Wenn sich genügend Abonnenten finden, kann es eines Tages garantiert werden, dass die hervorragende journalistische Arbeit, die auf ef geleistet wird, auf Dauer finanziert und gesichert werden kann. Ich bin gespannt, ob das gelingt. Es wäre ein nicht unbedeutender Beitrag zur dringend notwendigen Entfeudalisierung der Öffentlichkeit.

Als einfacher Besucher von ef, der überhaupt keine wirtschaftliche Verbindung mit ef hat, möchte ich alle Nutzer auffordern, sich zu überlegen, ob sie nicht Online-Abonnent werden wollen. Man kann nicht nur über die faktische Gleichschaltung der Mainstreammedien klagen und sich darüber ärgern, dass sie praktisch alle dasselbe schreiben beziehungsweise senden, ohne aktiv etwas dagegen zu unternehmen.


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Reiner Vogels

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