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![]() Jg. 1973, Amerikanist aus Berlin, Medienredakteur bei der "Jungen Freiheit". ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Nationale Mentalität: Denk ich an Deutschland…von Ronald Gläser Warum wir die Freiheitsliebe der Italiener brauchen Ich war im Frühjahr für einige Wochen in Italien. Dabei ist mir wieder aufgefallen, was für ein freiheitsliebendes Volk unsere südlichen Nachbarn sind. Nicht nur, dass die Partei von Berlusconi sich Volk der Freiheit (Il popolo della Liberta) nennt. Es gibt in fast allen italienischen Städten einen großen Platz der Freiheit (Piazza della Liberta). Und wenn schon kein Platz, dann wenigstens eine Via della Liberta. Wenigstens die gibt es in fast allen Städten. Warum bei uns nicht? Die Deutschen hätten Grund genug. In Berlin soll ein Freiheitsdenkmal errichtet werden, das wollen die Politiker. Aber kaum haben die Bürokraten die Sache an sich gezogen, da ist sie schon fast wieder tot. Umständlich wurde eine Ausschreibung eingeleitet, eine Jury ins Leben gerufen, Künstler wurden um Vorschläge gebeten. Und? Nichts. Von 500 eingereichten Vorschlägen taugte keiner etwas, sagen die Jury-Mitglieder. Also wird jetzt neu beratschlagt, neu verhandelt. Und irgendwann 2010 oder 2011 kommt dann ein neuer Entwurf, der aufs Neue zerredet werden kann. Kann es sein, dass einflussreiche Kreise gar nicht wollen, dass solch ein Denkmal errichtet wird? Warum gibt es keine private Initiative für dieses Denkmal – jetzt, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall? Natürlich ist Italien nicht das Land, wo Milch und Honig fließen. Freiheit ist hier ein relativer Begriff. Der Staat ist sehr bürokratisch und voller undurchsichtiger Regulierungen, Steuern, Vorschriften und so weiter – selbst für Insider kaum durchschaubar, für Außenstehende oftmals ein Rätsel. Aber die Lebensweise der Italiener ist freiheitlich. Sie haben nicht dieses Der-Staat-muss-es-richten-Gen in sich und nehmen sich ihre Freiheit, wo sie nur können. Gerade weil der Staat so bürokratisch, falsch und unfair mit seinen Bürgern umgeht. Ein Beispiel: Ein Freund, der in Rom lebt, erzählte mir, er habe kein Auto. Warum nicht, fragte ich ihn. Er sagte, er könne damit ja sowieso nicht in die Stadt fahren. „ Wieso nicht?“ – „Weil ich keinen Mietvertrag habe.“ – „Warum nicht? Du lebst doch hier.“ – „Ja, aber schwarz!“ – „Wie schwarz?“ – „Ich gebe meiner Vermieterin das Geld in Cash am Monatsanfang. Sie will offiziell keine Mieter haben.“ – „Warum das nicht?“ – „Dann muss sie die Mieteinnahmen versteuern. Meine Miete wäre sehr viel teurer. Also habe ich daran auch kein Interesse.“ Für uns Mitteleuropäer undenkbar: In der italienischen Hauptstadt leben Abertausende so. Nach unseren Maßstäben quasi als halbe Obdachlose – aber in Italien gehört es dazu, weil die Menschen sich nicht vom Staat über Gebühr bestehlen lassen. Bei uns würden weder Vermieter noch Mieter so etwas mitmachen. Die Deutschen warten lieber, bis eine Regierungskommission ihnen ein neues Denkmal baut, das nach nichts aussieht. Wenn es denn überhaupt gebaut wird. 27. August 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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