15. September 2009

Jahrestag der Lehman-Pleite Die Mär vom ahnungslosen Kunden

Wenn Medien gedenken

Journalisten unterwerfen sich willig dem Terror des Dezimalsystems. Allein die Tatsache, dass sich ein Ereignis jährt, genügt ihnen, sich damit zu befassen. Da glaubt man, einen „Aufhänger“ zu haben. Dabei ist der beste Aufhänger ein Inhalt, der die Leser interessiert, unabhängig von vordergründiger Aktualität.

Da sich heute die Pleite der amerikanischen Investment-Bank Lehman Brothers jährt, gibt es von „Bild“ bis „Süddeutscher Zeitung“ Gedenkartikel, die „Tageszeitung“ gönnt sich sogar eine Sonderausgabe „Ein Jahr Lehman-Pleite“. Besonders heftig jammert die „FAZ“: „Nur ein Jahr nach der Pleite verkaufen die Banken wieder Zertifikate an ahnungslose Kunden, als ob nichts gewesen wäre.“ Nun, zu einem Kauf gehören immer zwei. Wo kein Zwang ausgeübt wird – wie zum Beispiel bei der GEZ – erfolgt ein Kauf also freiwillig.

Bezeichnenderweise spricht die „FAZ“ weiter, als ob nichts gewesen wäre, von „Beratung in der Bank“ und pflegt damit den Mythos des Bankberaters. Dabei muss jedem klar sein, dass es in einer Bank keine Beratung gibt, sondern immer nur ein Verkaufsgespräch. Und da wird das verkauft, was für den Verkäufer gut ist.

Wer den möglichen Käufer zum „ahnungslosen Kunden“ macht, der der bösen Bank zum Opfer fällt, entmündigt ihn und spricht ihm jede Verantwortungsfähigkeit ab. Der nächste Schritt ist dann der Ruf nach dem Staat, der den „ahnungslosen Kunden“ schützt und ihm von der Wiege bis zum Grabe zu seinem Besten vorschreibt, was er zu tun und zu lassen hat.

Internet

FAZ

Tageszeitung

Bild


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Wolfgang Halder

Über Wolfgang Halder

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige