Julia Bug

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Hoffnungsschimmer aus der Wahl-Analyse: Die etwas anderen FDP-Wähler

von Julia Bug

Oder: Wer wählt was…

Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten. So wird sich auch die Regierung Merkel-Westerwelle kaum von einer Regierung Kohl unterscheiden. Und was damals herausgekommen ist war am Ende so dürftig, dass 1998 die SPD das Schlimmste beseitigen musste. Wofür sie dann 2005 wieder abgewählt wurde. Der Pöbel geht zur Wahl, um seinen Besitzstand zu wahren. Alle? Ein kleiner Hoffnungsschimmer taucht auf.

Früher – so direkt nach dem Krieg – war das Wahlverhalten recht bestimmbar. Stahlarbeiter haben SPD gewählt, Lehrer CDU, Unternehmer FDP. Aus dem Rennen ausgestiegen ist als erstes die SPD. Mit dem Untergang der Stahlindustrie, mit dem Rückgang des Anteils klassischer Arbeiter, hat diese ihre Klientel verloren. Diejenigen Arbeiter, die auf der Strecke geblieben sind, sind heute bei der SED/Linken, die Büroarbeiter bei der CDU. Oder so ähnlich.

Relativ konstant war die FDP. Als Klientelpartei für Gut-Verdiener und Unternehmer hatte sie ihre bescheidene Stammwählerschaft. Und konnte bei der Wahl 2009 zulegen. Kurzfristig erwarte ich von der FDP nichts. Mittelfristig könnte die FDP, wenn sie die Wahlanalysen ernst nimmt, etwas machen. Hoffnungsträger sind jene 10 Prozent der FDP-Wähler, die arbeitslos sind. Von den gut sechs Millionen Stimmen für die FDP sind nach einhelliger Marktforschung gut 600.000 Stimmen von Menschen gekommen, die nach „klassischer“ Analyse eher bei der SED/Linken zu suchen wären, schließlich sind sie ja Verlierer in solch bösen Spielen wie Kapitalismus und Globalisierung.

Wenn 600.000 arbeitslose Menschen, Menschen die sich großenteils massive Sorgen um ihre nähere Zukunft machen, verstanden haben, dass es jetzt nicht hohe Stütze sondern neue Jobs braucht, dann ist der Verstand in Deutschland noch nicht ganz auf Null. Und dann werden auch andere „Lohnbedürftige“ begreifen, worauf es ankommt. Und wenn die FDP irgendwann begreift, was diese Arbeitslosen begriffen haben, und wenn die FDP neben Opportunismus auch noch die Intelligenz hat, dieses Potenzial zu heben, dann könnte aus diesem zarten Pflänzchen in vier Jahren etwas kräftiges werden.

11. Oktober 2009

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