24. Oktober 2009

Regierungsbildung Proporz statt Kompetenz

Von Zugreifern, Schiebern und Bauchrednern

"Pflicht des Amtes" - dieser Begriff ist etwas aus der Mode geraten, wurde ersetzt durch "Vorteil durch Amt". Das heißt im Klartext, man muss zugreifen.

Wer kennt nicht den Witz von der 10-köpfigen Tischgesellschaft, die ihre Gier auf das schönste Stück des Bratens zügelte - bis das Licht ausging. Ein Schrei ertönte und als das Licht wieder anging, zeigte sich eine Hand auf dem Bratenstück, in der 9 Gabeln steckten.

Die "Hannoversche Allgemeine" beschrieb die Verteilung der Ministerposten folgendermaßen: Nachdem sich Guido Westerwelle das Außenamt "griff", war die CSU "dran". Guttenberg, der lieber Außenminister geworden wäre, "nahm" das Verteidigungsministerium, Jung musste weichen, aber die Hessen waren "dran" und "nahmen" das Arbeitsministerium und so weiter und so fort. Für die Frauen blieb genug, sie haben ja von Heide Simonis gelernt, die schon früh erkannte, was Frauen lernen müssen: Nämlich seltener pinkeln zu gehen als die anderen, denn wer gerade draußen sei, könne nicht mitkungeln.

Und  "zugreifen" geht vom fernen Örtchen auch nicht so gut.

Aber es gibt auch andere Politiker, solche, die nicht zugreifen, sondern ins Amt geschoben werden - und sich diesem Schieben nicht verschließen. Der designierte Gesundheitsminister Philipp Rösler ist so einer. Erst vor 8 Monaten schob Walter Hirche den 36-jährigen wirtschaftlich unerfahrenen Rösler ins Amt des Niedersächsischen Wirtschaftsministers, nun schob ihn Westerwelle ins Amt des Bundesgesundheitsministers.

Bauchreden ist Röslers Hobby, vielleicht ist es das, was zum Minister einer Lobbykratie qualifizert.

Internet:

Hannoversche Allgemeine: Philipp Rösler wollte eigentlich nicht nach Berlin

Hannoversche Allgemeine: Teppichhändler


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Hanna Thiele

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