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![]() Studierte Rechtswissenschaften in Wien und Madrid. Mitarbeiter am Institut für Wertewirtschaft; seine Beiträge geben jedoch nicht unbedingt die Meinung des Instituts wieder. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Entwicklungshilfe für Afrika: Handel statt Almosenvon Ralph Janik Eine Replik Volker Seitz schreibt in seinem jüngst auf ef-online publizierten Artikel davon, dass die Entwicklungshilfe an die Transparenz gebundene Auflagen gebunden werden muss. Sollten diese nicht eingehalten werden, sei es auch Schluss mit Geben. An diesem Ansatz ist nicht viel Neues – unter eben jenen Eindrücken, die Seitz schildert, hat ein Umdenken innerhalb der Gemeinschaft der Geberländer stattgefunden, die weg vom blinden Geben der ersten großen Welle der Entwicklungshilfe der 1960er Jahre abgegangen sind und nun zumindest theoretisch Auflagen fordern – unter die auch Transparenz und Korruptionsbekämpfung fallen. Herr Seitz stellt das Prinzip Entwicklungshilfe nicht per se in Frage, sondern lediglich die Ausführung. Dabei ist genau hier anzusetzen; Entwicklungshilfe ist aus mehreren Gründen per se schlecht: Ausländisches, ohne Eigenleistung ins Land fließende Gelder haben eine verheerende Wirkung für die Volkswirtschaft eines Landes, weil sie die richtige Allokation von Kapital verhindern – ein Effekt, der umso schlimmer wird, je autokratischer oder ineffizienter, weil bürokratischer ein Land regiert wird. Ein zweites, oft unterschätztes Problem von Entwicklungshilfe ist der psychologische Effekt – allein der Begriff „Entwicklungshilfe“ beinhaltet schon das Grundproblem; es wird geholfen, um sich so zu entwickeln, wie „der Westen“, der damit zum Ideal erhoben wird. Eigenständige, lokale Entwicklungen, alternative Lebensstandard-Begriffe werden in diesem Weltbild vom Westen als Ideal schlichtweg unterlaufen. Wer nicht wie wir ist, muss es wenigstens werden, scheint die Maxime zu lauten. So strömen neben ausländischem Kapital ausländische Helfer in Scharen in Entwicklungsländer, um sie zu unterstützen, „wie wir“ zu werden. Man vergisst dabei den psychologischen Schaden, den diese Form von Hilfe anrichtet. Denn sie bedeutet, dass einem Volk die Möglichkeit genommen wird, sich selbst empor zu arbeiten. Das heißt nicht, man müsse die afrikanischen Staaten das Rad ein zweites Mal erfinden lassen – vielmehr heißt es, sie wesentliche, wichtige Schritte aus eigener Kraft durchführen zu lassen und davon Abstand zu halten, eigene Werte und Maßstäbe blind auf andere Kulturen anzuwenden. Was im Westen als arm angesehen wird, muss nicht zwangsläufig überall auf der Welt „arm“ sein. Afrikanische Staaten müssen nicht „wie wir“ werden, ebenso wenig wie „wir“ diesen Kontinent verstehen müssen oder überhaupt können. Es gibt gewiss unzählige Missstände, die beseitigt gehören, vor allem, wenn man seine Wohlstandsbrille aufhat – nur sollte die Erfahrung lehren, dass die bislang gewählten Mittel dabei wenig bis gar keinen Erfolg hatten und durchaus die Hoffnung besteht, dass ein Anstieg des Wohlstands bei den meisten Problemen der Schlüssel ist. Was in Afrika seit der Kolonialisierung und weitergeführt durch die indirekte Fremdherrschaft, ausgeübt durch „Hilfe“, stattgefunden hat und noch immer stattfindet, ist eine Diskreditierung der eigenen Werte, Tradition und schlichtweg der gesamten Kultur. Das führte auch in letzter Instanz zu ethnischen Konflikten, welche oft zwischen solchen Ethnien entstehen, die erst durch koloniale Okkupation definiert wurden – als bekanntestes Beispiel sei der Genozid in Ruanda bekämpft, der seine Wurzeln in der deutschen Kolonialherrschaft hat (und in weiterer Folge durch viele Faktoren verschärft wurde). Denn in dieser Zeit wurden die Tutsi als lokale Elite in den Herrschaftsapparat eingebunden, während die Hutu als Untermenschen angesehen wurden – eine Verschärfung des Gegensatzes zwischen zwei Bevölkerungsgruppen, die letztlich den schlimmsten Fall von Völkermord seit dem Zweiten Weltkrieg zur Folge hatte. Was bis heute Bestand hat, ist die durch den Kolonialismus hervorgerufene oftmals empfundene Verachtung und Verleugnung eigener Kultur bei zeitgleicher Verehrung westlicher Symbole und Güter. Das „Problem“ Afrika lässt sich nicht mit Entwicklungshilfe lösen – selbst wenn sie Staaten zu Gute kommt, die durchaus sinnvolle Reformen durchführen und sich auf einem guten Weg befinden – diese Reformen werden durch Hilfe oftmals eher gestört als gefördert. Es gibt wohl kein Land dieser Erde, das seinen Wohlstand Entwicklungshilfe zu verdanken hat. Im Gegenteil, diejenigen Staaten, die eine erfolgreiche Entwicklung durchgemacht haben, schafften dies aus Eigenantrieb und haben sich damit auch eine Grundlage für Identität geschaffen – Afrikaner südlich der Sahara werden in ihrem Selbstbild zu Bettlern degradiert, während Bewohner der ostasiatischen Tigerstaaten auf ihre Aufholjagd im 20. Jahrhundert zurecht stolz sein können. Fremdes, nicht irgendwie selbst erarbeitetes Kapital vergiftet eine Volkswirtschaft – das ist ein Grund dafür, weshalb etwa die USA nach dem Ersten Weltkrieg lediglich Finnland etwas der gegebenen Kredite zurückzahlen ließen (weil es eine äußerst geringe Summe war) – wissend, dass die enormen Rückzahlungssummen die eigene Wirtschaft schädigen würden. In diesem Lichte ist Bismarcks Vorschlag nach dem Sieg über Frankreich zu sehen, den Unterlegenen in Zukunft nicht mehr Zahlungen aufzubürden, sondern ihnen Geld zukommen zu lassen – etwas, das nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Marschall-Plan das erste Mal praktisch angewendet wurde. Denn auch wenn der Allgemeinplatz lautet, man müsse den USA für die Hilfe danken, ist es eher umgekehrt; die europäischen Staaten und natürlich allen voran das „Wirtschaftswunder“ Deutschland, das eigentlich keines ist, sondern nur logische Folge der intelligenten Politik Ludwig Erharts, haben trotz der ausländischen Hilfe eine positive Entwicklung genommen, nicht wegen ihr. Auch waren die europäischen Staaten nicht komplett abhängig von Hilfe (sie überstieg in keinem europäischen Staat jemals drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts) und befanden sich bereits vor Gewährung der Gelder auf einem guten Weg. Hinzu kommt, dass die notwendigen (politischen und ökonomischen) Strukturen bereits gegeben waren. Es ist durchaus möglich, dass Europa ohne die ausländische Hilfe den Anschluss schneller und besser bewältigt hätte. Let’s do business Das Hauptproblem ist nicht „falsche Hilfe“ – es ist Hilfe an sich, gepaart mit westlichem Protektionismus vor arbeitsintensiven Industrieprodukten aus den Regionen, denen man angeblich helfen möchte bei zeitgleicher Subventionierung von Waren, die man aus armen Ländern billig beziehen könnte. Wollte man hier wirklich helfen und die vielen afrikanischen Staaten aus ihrer demoralisierenden Rolle als abhängige Almosennehmer befreien, würde man die vielen exorbitanten Zölle und die sämtliche (die eigenen und die der Empfängerländer) Volkswirtschaften schädigenden Subventionierungen (bestes Beispiel ist die des Agrarbereichs in Europa und den USA) abschaffen und freien Warenaustausch für beide Seiten zulassen. Arme Staaten dürfen uns heute nur verkaufen, was wir schlichtweg nicht im Westen produzieren können; Konkurrenz aus diesen Staaten im Bereich von Produkten, die auch hier produziert werden können, wird jedoch nicht geduldet und statt dessen mit unsinnigen Zöllen verhindert. Die Zulassung Afrikas und der dort produzierten billigeren)Waren auf den Weltmarkt auch als Anbieter und nicht als bloße Bittsteller würde viel mehr bewegen als Milliarden an Entwicklungen verändert haben und noch verändern können. Der Schlüssel liegt nicht in der Hilfe, sondern im Handel. In einem wirklich freien Handel, der afrikanische Staaten als Produzenten auf dem Weltmarkt zulässt und dabei aller politischen Aufschreie zum Trotz in Kauf nimmt, dass beispielsweise der europäische Agrarsektor drastisch schrumpft und genötigt wird, sich zu spezialisieren. Im medialen Zeitalter, das geprägt ist von Hilfsorganisationen, die mit abgemagerten Kindern um Spenden bitten, ist die Aufforderung, Hilfe einzustellen, harsch. Sie wird wohl politisch nie umgesetzt werden. „Aber wir müssen doch etwas tun“, lautet der Tenor, wer dagegen ist, muss „unmenschlich und herzlos“ sein... Das Gegenteil von gut bleibt dennoch oft nur gut gemeint ist. Auch kann man den Apologeten von Entwicklungshilfe vorwerfen, dass all die Summen, die in afrikanische Staaten geflossen sind, dennoch nicht dazu geführt haben, dass es den Menschen dort besser ginge, wie sich anhand der seit Jahrzehnten nahezu stillstehenden Entwicklung hinsichtlich der Gradmesser von Wohlstand messen lässt. Paradoxerweise sind es die im Westen gescholtenen Chinesen, die die richtige Vorgehensweise gewählt haben. Sie helfen nicht, sondern treiben Geschäfte. Internet Volker Seitz: Warum viele Entwicklungsländer arm sind Literatur Dowden, R. (2009). Africa. Altered States, ordinary Miracles. London: Portobello Books. Moyo, D. (2009). Dead Aid. Why Aid is not working and how there is another Way for Africa. London: Penguin Books. 26. Oktober 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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