11. November 2009

Perestroika „Schach“ dem freien Westen

Niedergang des Kommunismus – Wiedergeburt als Sozialismus

Je üppiger die inszenierten Staatsjubelfeste, desto schlechter das Staatswesen – eine alte Faustformel. Je mehr von Freiheit geredet wird, umso schlechter ist es tatsächlich um sie bestellt.

Bei soviel Perestroika-Jubel lohnt es sich, einen Blick auf die Kehrseite der Medaille zu werfen. Da zeigt sich ein anderes Bild. Es zeigt sich, dass der Kreml die gesamte westliche Welt seit 1956 systematisch an der Nase herumführt und auch der Mauerfall ein Teil dieser strategischen Täuschungskampagne war.

Russische Dissidenten von Wladimir Bukowski bis Anatoliy Golitsyns warnen schon seit Jahrzehnten vor dem „Perestroika-Betrug“. Der Kommunismus im Osten war so gut wie tot, das Sowjetregime schon in den 50er Jahren abgewirtschaftet. Man hat ihm ein freundliches Image verpasst, um in neuer Verkleidung im zweiten Anlauf die weltweite Ausbreitung in Form eines sanften Sozialismus zu schaffen – und damit ist man schon sehr weit gekommen.

Im strategischen Langzeitdenken haben Russen ihre besonderen Qualitäten, nicht umsonst waren sie fast ausnahmslos Schachweltmeister, lediglich der unberechenbare Amerikaner Bobby Fischer durchbrach diese Reihe. Nach Fischer kam Karpow, der alle Rekorde brach. Sein Stil wurde zum Adjektiv „karpowsch“. Es steht für das pythonartige Ersticken des Gegners durch eine methodisch gelassene Spielweise.

„Karpowsch“ ist auch die Langzeit-Strategie zu nennen, die unter Einbindung der westlichen Eliten die Transformation des Kommunismus in einen weltweiten Sozialismus unter Berufung auf die Natur bewerkstelligen soll. Dem sowjetischen Politbüro wurde früh bewusst, dass der Kapitalismus nicht zur Verarmung der Arbeiterklasse führt, die Fahne „Klassenkampf“ ihre Anziehungskraft verloren hatte. Ein zündenderer Identifikationskern musste gefunden werden.

Bereits 1956 erkannte das Politbüro die Eignung des Themas „Schutz der Umwelt“. Politbüro-Mitglied Iwan T. Frolow berichtet davon in seinem Artikel „Sozialphilosophische Erfassung des globalen Ökologieproblems“, wie dem Buch „Das Ende des blauen Planeten“ von Paul J. Crutzen und Michael Müller zu entnehmen ist.

Frolow bezeugt das Erkennen des Irrtums des maßlosen „ökologischen Experimentierens“. Frolow wörtlich: „Heute darf die negative Wirkung dieser praktischen Handlungen, die zur Degenerierung der Natur und zur Verunreinigung der Umwelt des Menschen geführt haben, nicht mehr unterschätzt werden, es muss auch jenes Stereotyp abgelegt werden, das die marxistisch-leninistische Vorstellung der tätigen Natur des Menschen mit dem Mythos verband, der Mensch sei ein 'Demiurg' oder 'Naturbezwinger'.

Derartige Vorstellungen, die unter anderem auch in philosophischen Dogmen verankert wurden, spiegelten nicht nur die verwerflichen Praktiken einer autoritär-bürokratischen Deformation des Sozialismus wider, sie entstellten auch die Konzeption des Marxismus selbst. Deshalb bestand seit dem XX. Parteitag der KPdSU (1956) eine Aufgabe auch darin, die klassischen Auffassungen wiederherzustellen, wozu auch die Ökologieproblematik gehört. ... Bedauerlicherweise sind solche Betrachtungsweisen bis auf den heutigen Tag noch nicht endgültig überwunden, und somit ist die Erfassung des Ökologieproblems unter den neuen Bedingungen sich schöpferisch entwickelnder marxistischer Positionen von großer Bedeutung.“ - Ende des Frolow-Zitats.

„Neues Denken“ für eine „neue Gesellschaft“ wurde ausgerufen. Es ließ nur einen Weg für das Überleben der Menschheit und die Verwirklichung der Ideale des sozialen Fortschritts. Frolow beschreibt dieses Ziel mit den Worten von Karl Marx, es ist die Erreichung der „vollendeten Wesenseinheit des Menschen mit der Natur, die wahre Resurrektion der Natur, der durchgeführte Naturalismus des Menschen und der durchgeführte Humanismus der Natur“.

Sinngemäß bedeutet das: Die Natur wird zur höchsten Instanz, sie bestimmt das Recht, die Rechte der Menschen werden dem untergeordnet. Menschenrechte setzen den Staat voraus. Das Zusammenspiel der natürlichen Kräfte folgt eigenen Gesetzen. Wer sich ihrer bemächtigt, der macht damit alle anderen Staatsformen überflüssig. Andrej D. Sacharow fiel die Aufgabe zu, unter dieser Prämisse eine Strategie zur erarbeiten. Heraus kam der Plan „Geohygiene“.

Sacharows Idee von „Geohygiene“ stellt die wissenschaftliche Erforschung aller Wechselbeziehungen in der Natur sowie die Folgen menschlicher Einmischung ins Zentrum. In seiner Schrift „Wie ich mir die Zukunft vorstelle“ findet sich eine stattliche Aufzählung all der Gefährdungen durch den Menschen, die heute wie von Geisterhand von diversen westlichen Umweltgruppen als Aufforderung zum politischen Handeln in die Arena geworfen werden. Indirekt stempelt Sacharow den Menschen zum Schädling ab. Da berühren sich „Rassenhygiene“ und „Geohygiene“.

Und bei Sacharow finden sich schon die Sätze: „Kohlensäuregas aus Kohlenverbrennung verändert die hitzereflektierenden Eigenschaften der Atmosphäre. Früher oder später wird das bedrohliche Ausmaße annehmen. Aber wir wissen nicht, wann.“ Sacharows Plan gipfelte in der Forderung: „Nach gründlicher wissenschaftlicher Beratung muss ein Gesetz über Geohygiene herausgegeben werden, das in der Folge mit den Bemühungen der ganzen Welt auf diesem Gebiet zusammenfließen muss.“ Zur Rettung des armen Teiles der Welt schlug Sacharow eine nationale Steuer von 20 Prozent (!) auf das nationale Einkommen der entwickelten Länder vor.

Mit der Verarmung des Westens sollten sich die Verhältnisse soweit angleichen, dass sie automatisch zu einem Ganzen verschmelzen. Obendrein sah man den Charme der Verarmung darin, dass der Westen dann ohnehin keine Mittel mehr übrig hätte für einen Krieg.

Wie es weiterging, weiß jeder Zeitgenosse. Der CO2-Virus verbreitete sich aus, Physiker der westlichen Welt entwickelten Visionen einer CO2-freien Energieversorgung mit unendlich verfügbarer Energie, sie berauschten Politik und Gesellschaft mit dem Paradies auf Erden.

Parallel dazu unterwanderten Perspektivagenten die Parteien des im Wirtschaftswunder schwelgenden Deutschlands. Am verhängnisvollsten wirkte das in der FDP, die sofort nach dem Regierungswechsel 1969 zu Brandt/Scheel in Person von Hans-Dietrich Genscher als Innenminister eine karpowsche Bürokratie ins Leben rief: Die Umweltverwaltung. Sie sorgte für den Aufbau von Umweltgruppen, steuerte diese, so dass die Sacharowschen Punkte peu à peu als Thema in der Gesellschaft landeten, um politischen Druck auf die Parlamentarier zu erzeugen, die dann – oft ohne es selber zu begreifen – „planmäßig“ nach neuen Gesetzen riefen.

Mit dieser Methode wurden die Blütenträume der Kernenergie wieder hinweggefegt und durch Visionen von erneuerbaren Energien ersetzt, die das Denken im Lande und die Realität der Stromversorgung vollends ins Absurde führten.

Nun erscheint in dieser hirnverdrehten Welt als „Ritter vom Grünen Kreuz“ der große Held Gorbatschow und fordert das Einreißen der nächsten Mauer. Es geht ihm um die „Mauer der Klimakrise, die uns von der Zukunft trennt“. Von den Parteipolitikern wird sicher wieder keiner merken, dass Gorbatschow auf die schützende Mauer zielt, die in Form von Grundrechten den Bürger als Individuum vor dem anmaßenden Staat bewahren soll.

An dieser Schutzmauer hacken Mauer-Spechte mit roten Köpfen nun schon lange recht erfolgreich. Das Recht auf freien Warenverkehr hat Löcher, das Eigentumsrecht ebenfalls, das Recht auf Informationsfreiheit ist bereits durchsichtig wie eine Häkeldecke, die Meinungsfreiheit an allen Rändern angeknabbert, das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung wurde gerade eingerissen.

Aber auch Kanzlerin Merkel und Adlatus Westerwelle sind wohl schon soweit im „neuen Denken“ angekommen, dass auch sie den Schutz schwarz-roter Spechte über den Schutz der Menschen stellen.


Literatur:

Torsten Mann: Rote Lügen in grünem Gewand - Der kommunistische Hintergrund der Ökobewegung

Internet:

Michail Gorbatschow: „Tear down this wall! And save the planet“


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Hanna Thiele

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