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![]() Studierte Rechtswissenschaften in Wien und Madrid. Mitarbeiter am Institut für Wertewirtschaft; seine Beiträge geben jedoch nicht unbedingt die Meinung des Instituts wieder. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: ef auf FacebookBesuchen Sie uns auch auf Facebook: |
Klimamanipulation: Politik der Gefühlevon Ralph Janik Warum es die These vom menschengemachter Klimawandel so leicht hat Dieser Tage taucht das Thema „menschengemachter Klimawandel“ wieder vermehrt in den Medien auf. Es scheint sich eine regelrechte mehr oder minder fixierte Abfolge von Themen abzuzeichnen, die gerade „heiß“ (im wahrsten Sinne des Wortes) sind und einem Rotationsprinzip gemäß die Schlagzeilen dominieren. Globale Armut (die in letzter Zeit erstaunlich wenig thematisiert wird), Terrorgefahr, Klimawandel, und wie die alle Jahre wiederkehrenden medialen Dauerbrenner alle heißen mögen, werden in ihrer Abfolge nur von relativ unerwarteten Zwischenfällen (Terror- Anschläge, Amokläufe, Finanzkrise) unterbrochen. In Zeiten der Finanzkrise etwa verlor das Thema Klimawandel stark an Bedeutung und es zeigte sich, dass jeder sich selbst näher ist als dem Nord- oder Südpol. Aber auf lange Sicht kann man sicher sein, dass die medialen Dauerbrenner, unter die der Klimawandel fällt, früher oder später wieder dominant (gemacht) werden. Mit gutem Grund, schließlich sind Themen wie Umwelt oder extreme Armut von hoher Bedeutung und sollen nicht ignoriert werden. Doch, wie sich dieser Tage wieder einmal zeigt, ist es zumeist das Gute, das Wichtige, in dessen Namen wenig Gutes getan wird – gemäß dem geflügelten Wort, wonach „gut gemeint das Gegenteil von gut ist“. So gibt es ausgerechnet jetzt, zeitgleich mit dem Aufkommen des „Climategate“-Skandals einen neuen Bericht, dass die Erwärmung noch stärker als erwartet ausfällt, dass die Maßnahmen so bald und so drastisch wie möglich ausfallen müssen. Zeitgleich tönen wieder die Stimmen, die verkünden, dass es keine Zweifel am Menschen als Verursacher des Klimawandels gibt. Erderwärmung gilt als globales Problem, das globale Lösungen braucht. Globale Lösungen auf höchster Ebene, also jener der Vereinten Nationen. „Extreme Situationen brauchen extreme Mittel“, lautet die Parole, und am Ende der Fahnenstange dieser Argumentation wartet – einmal mehr – der Gedanke von Zentralisierung und internationaler Regulierung. Noch erscheint eine einheitliche „Lösung“ zum Leidwesen der Anhänger eines Weltstaates oder zumindest von globaler Regulierung als unrealistisch; aber das (Ideal-) Ziel ist damit bestimmt und die Entwicklung spätestens seit Kyoto vorgegeben. Die Umwelt ist ein Paradebeispiel für das, was ich an anderer Stelle als „Vehikel“ bezeichnet habe; sie ist das bestmögliche Vehikel für Machtausweitung, Zentralisierung, Regulierung und wie die Begriffe der Globalbürokratie alle heißen mögen, derer man manchmal zurecht überdrüssig wird. Denn die Umwelt kann nicht für sich selbst sprechen. Es gibt nur Menschen, die sich anmaßen, für sie zu sprechen, die sich zu selbsternannten Anwälten der Natur, der Umwelt machen – doch, je höher die Ebene, desto geringer deren ehrlicher Einsatz für Umwelt- Anliegen und desto mehr verkommt sie zum Vehikel. Es sind nicht die kleinen Spender für Greenpeace & Co, die man als Machtmenschen bezeichnen könnte, denen jedes Mittel zur Erlangung von Macht und Einfluss genehm ist. Es sind die höchsten Ebenen, auf denen wie vom Fließband Politiker, Lobbyisten und „Wissenschaftler“ produziert werden, um gebetsmühlenartig Statistiken, Stehsätze und Zitate wiederzugeben – und damit jeden Meinungsaustausch über das Thema, egal, ob auf politischer oder wissenschaftlicher Ebene zu verunmöglichen. Denn das, was im Namen der Umwelt getan wird, ist keine objektive, offene Diskussion – es ist „Politik der Gefühle“ (eine hier zweckentfremdete Bezeichnung des Schriftstellers Josef Haslinger). Auf der Ebene der „Politik der Gefühle“ vereinnahmt eine Seite die Moral, das vermeintlich Gute, Edle, wie auch immer man es nennen will, komplett für sich. „Politik der Gefühle“ gibt es in allen Bereichen, sei es auf Ebene der Argumentation für den Wohlfahrtsstaat oder auf jener zu Entwicklungshilfe. Doch dazu später mehr. Im Falle von Klimawandel ist die „Politik der Gefühle“ besonders willkommen - aus fünf Gründen: Erstens hat die Umwelt keine eigene Stimme; wenn Menschen in Entwicklungsländern nach einem Recht auf freien Warenverkehr für alle schreien, müssen sich Mittel finden, derartige Bewegungen klein zu reden, um etwa zu argumentieren, weshalb man in Industrienationen die Landwirtschaft subventioniert und damit wirtschaftlich schwächeren Regionen die Möglichkeit nimmt, am Welthandel mit eigenen Erzeugnissen teilzunehmen. Die Umwelt dahingegen kann keine Bewegung starten, die totgeschwiegen werden muss. Gewiss, es gibt Naturkatastrophen, die als Stimme der Natur angesehen werden, wenn es bei jedem Wirbelsturm, jedem Hochwasser oder jedem Erdbeben heißt „die Natur schlage zurück“ – aber diese Phänomene lassen sich eben wiederum gut instrumentalisieren. Es ist wohl ein Urgesetz, dass jeder Naturkatastrophe der Schrei nach menschlicher Schuld daran folgt. Früher war es der Zorn der Götter, heute der Zorn der Umwelt selbst. Zweitens geht Umwelt wirklich alle an. Wenn es Menschen in anderen Gebieten schlecht geht, gibt es viele, die dies ignorieren (können). Die Umwelt hingegen betrifft alles und jeden. Man kann sich eben nicht dazu entschließen, mit dem Sonnen- oder Luftkonsum aufzuhören wie mit dem Rauchen. Dementsprechend sensibilisiert und empfänglich ist die Gesellschaft für Dinge, Entwicklungen und Neuigkeiten, die die Umwelt betreffen. Drittens ergibt sich genau aus Punkt Zwei, dass hier ein „besser Vorsicht als Nachsicht“-Prinzip gilt; es zeigt sich eine interessante Parallele zur Debatte rund um die Rechtfertigung des Irak-Krieges. Damals hieß es in der neuen Verteidigungs-Doktrin des Krieg gegen den Terrorismus, dass bereits die Möglichkeit, dass ein Staat Massenvernichtungswaffen haben könnte, als Kriegsgrund im Namen der Verteidigung ausreicht. Genauso verhält es sich mit dem Klimawandel – selbst, wenn „die Wissenschaftler“ mit ihren Prognosen nicht Recht behalten sollten, sei es besser, Vorsicht walten zu lassen, solange die Möglichkeit besteht, dass sie doch Recht haben. Also kehrt man die Unschuldsvermutung um, mehr noch, man pervertiert sie: Der Mensch ist schuld am Klimawandel, Ende der Debatte. Ein Beweis, dass er es nicht ist oder nur in geringerem Ausmaß als gemeinhin behauptet, ist unmöglich oder reicht nicht aus. Die (wissenschaftliche) Skepsis gilt den anderen – dem Klimawandel- Skeptiker, nicht dem Klimawandel-Befürworter. Im Zweifel für die Umwelt, was ja natürlich eigentlich eine positiv zu wertende Denkensart ist beziehungsweise sein sollte. Doch dieser Tage scheinen sich die Verhältnisse, was „für“ und was „gegen“ „die Umwelt“ ist, einmal mehr umgekehrt zu haben. Viertens: Die Umwelt ist zwar etwas, das jeder erlebt, doch zugleich wird sie heute zu etwas gemacht, das nur von einigen wenigen – legitimierten – Wissenschaftlern verstanden werden kann. Die Macht der Wissenschaft, die Autorität die von den Herren in weiß ausgeht, diesen „modernen Pharisäern“, wie man sie schon beim Milgram-Experiment so erschreckend klar aufgezeigt bekommen hat, erhält in der Klimawandel-Debatte ungeahnte Dimensionen. Wer nicht vom Fach ist, darf sich nicht an der Diskussion beteiligen – mehr noch, selbst wer vom Fach ist, teilt entweder die Meinung der „anerkannten Wissenschaftler“ oder wird als „unseriös“ diffamiert. Fünftens: Mit der Umwelt lassen sich gute, emotional gefärbte Bilder anfertigen; ein Eisbär, der Eismassen beim Zusammenbrechen zusieht, die Kontrastierung von Bildern von Polargebieten vor 50 Jahren mit heutigen; Al Gores Film „eine unangenehme Wahrehit“ als prominentestes Beispiel. Eis-Schmelzen auf einer Kino-Leinwand hinterlässt mehr Eindruck und erreicht darüber hinaus ein breiteres Publikum als ein kritischer wissenschaftlicher Artikel zu CO2 und dessen Auswirkungen auf die Atmosphäre. Daraus ergibt sich also die Attraktivität von Umwelt als Vehikel, als Spielfeld der „Politik der Gefühle“ – diese Art von Politik appelliert nicht an die Vernunft, sondern an die Emotion. Sie arbeitet mit Bildern und möglichen Horrorszenarien, nicht mit logischen, rationalen und gut begründeten Argumenten. Offener, gleichberechtigter Diskurs im Habermasschen Sinne (so es diesen überhaupt geben kann) findet nicht statt, nicht einmal ansatzweise – die Rollen sind von Anfang an klar in gut und böse geteilt. Wie auch beim Krieg gegen den Terrorismus färbt die Welt der Politik der Gefühle in schwarz und weiß, in Achsen des Bösen und des Guten, und wer „nicht mit uns ist, ist gegen uns“. So ist, wer nicht an den menschengemachten Klimawandel glaubt, jedenfalls nicht in der durch die „Wissenschaft“ behaupteten Weise, automatisch „gegen die Umwelt“ – und was ist das auch für ein Unmensch, der „gegen die Umwelt ist“, der Eisbären ihres natürlichen Lebensraums berauben will oder Bürgerkriege fördern möchte (man lese dazu das Buch Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird, das den Zusammenhang von Klimawandel und Krieg aufzeigen will)? Wer eine andere, „falsche“ Haltung hat, ist automatisch in einer Defensivposition, aus der es kein Entrinnen gibt, egal, wie hieb- und stichhaltig die Argumente auch sein könnten – denn um Argumente geht es wie gesagt nicht. Es geht um menschliche Gefühle, um Angst, Sorge aus Liebe zur Natur und dergleichen, die instrumentalisiert werden und auf die es keine Antwort geben kann. Wer dieses Feld betritt, hat schon verloren. So werden „Klimawandelskeptiker“ gerne als Lobbyisten, unobjektive Pseudo-Wissenschaftler und dergleichen diffamiert, während dieselben Vorwürfe bei den Verfechtern des Klimawandels nicht erhoben werden. Anhand des Kontrasts zum Krieg gegen den Terror zeigt sich, wie enorm die Durchschlagskraft dieser Art von (Welt-)Politik (also der Gefühle) auf dem Feld der Umwelt ist. Menschen, die beim „Krieg gegen den Terrorismus“ noch eine gesunde Skepsis hinsichtlich der Rhetorik und der Freund-Feind-Unterteilungen an den Tag legten, nehmen plötzlich unhinterfragt alles, was ihnen von den Herren in weiß und in weiterer Folge den Politikern und diversen NGOs serviert wird, als der Weisheit letzter Schluss. Es sind Dinge wie der „Klimagate“-Skandal, die dabei helfen können, wieder aufzurütteln. Zu zeigen, dass man sich sein kritisches Bewusstsein erhalten muss und umso wachsamer zu bleiben hat, je mehr Menschen an eine Sache glauben, um Sören Kierkegaard zu zitieren. Oder, auf die „Politik der Gefühle“ zugeschnitten – je mehr Bilder, je dramatischer die Hintergrundmusik und je nahegehender das Thema, desto wachsamer gilt es zu bleiben, auch und vor allem den eigenen Emotionen gegenüber. 25. November 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. 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