10. Januar 2010

Nacktscanner Spannerkasten

Die Darmspiegelung ist nur noch eine Frage der Zeit

Jobbrett in der Agentur für Arbeit: „Der Flughafen sucht ab sofort und dringend Mitarbeiter für den Sicherheitsservice am Flughafen. Vorkenntnisse sind ebenso wie ein Schulabschluss zwar erwünscht aber nicht notwendig. Einzig sollten Sie Interesse an nackten Tatsachen haben.“

So oder ähnlich könnte bald die Suche nach den dringend notwendig werdenden Hilfssheriffs für die Flugsicherheit aussehen. Mit der – wer sie auch immer hatte – verrückten Idee, die Flüge mittels Nacktscanner sicherer zu machen, kommen erhebliche Veränderungen auf die Reisenden zu. Eigentlich könnte man denken, wer in den Urlaub fliegt, wird wohl etwas für die Bikinifigur getan haben. Er sollte daher kaum ein Problem haben, sich ähnlich nackt wie am Strand bereits in heimischen Gefilden zu präsentieren. Damit könnte man die Sache wenigstens schön reden. Dennoch wird man sich die Kosten für diese Spannerkästen, die selbstverständlich auf die Passagiere abgewälzt werden, nicht schmackhaft machen können. Welche Stripperin zahlt auch schon für ihren Strip? Sind wir einmal bei den Kosten, sollten wir sie uns doch gleich einmal butterzart über die Zunge laufen lassen: Ein Gerät kostet um die hunderttausend Euro. Ein mittelgroßer Flughafen, von denen wir schätzungsweise zehn in Deutschland haben, besitzt etwa 30 Sicherheitsdurchgänge. Für ganz Deutschland kostet der Spaß ratzfatz hunderte von Millionen. Da wir aber nicht nur in Deutschland, sondern eigentlich in Europa leben und dort es ja nur Sinn macht, wenn gemeinsame Sicherheitsstandards herrschen, geht die Investition in die Milliarden. Viel Geld, das höchstens für die Verbesserung ausgegeben wird, aber keinesfalls für eine Garantie, dass zukünftig nichts mehr passiert. Lücken wird es weiterhin geben. Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen sorgen für mehr Kreativität. Bald trainieren sich die Täter dann entsprechende Kampfstile an und zerlegen den Flieger wie Bruce Lee einst seine Gegner.

Und eigentlich ist die entstandene Panik doch von Grund auf irre. Da dreht ein Knallkopf durch, schafft sein Vorhaben nicht einmal umzusetzen, und schon kommen die Pläne von Nacktscannern auf den Tisch. Fast könnte man meinen, nicht Al Qaida, sondern die Industrie hat den Nigerianer beauftragt. Bei dem, was da nun an Aufträgen kommt, wird die Provision wohl fett gewesen sein. Modernes Marketing, sozusagen.

Erstaunlich, weniger als ein Bruchteil von einem Prozent aller Fluggäste gilt als Risiko. Rechtfertigt das dann diesen Aufwand? Ja, wenn ich daran denke, dass Menschen sterben könnten. Nein, wenn es andere Möglichkeiten der Prävention gibt. Muss es denn immer ein Rundumschlag sein? Kosten und Nutzen gegeneinander aufgewogen spricht doch eigentlich nichts dagegen, Personen bestimmter Nationalitäten, Religionen oder anderer Fandungsprofile gesondert zu kontrollieren. Höchstens die Aufschreie der Gutmenschen, mit denen sich, ist man mal ehrlich, beinahe alles kaschieren lässt, könnten ein Gegenaspekt sein. Vielflieger und Millionen von Menschen, die niemals etwas Böses tun würden, sollen aber nun mehr Zeit, mehr Kosten und mehr Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen?

Müssen Bundesgrenzschutz, Polizei, Militär und Co sich in solchen Zeiten denn tatsächlich um ihre ganzen Bürokratie-Dienste kümmern? Wir haben genügend Ermittler, die schnüffeln und fahnden und eigentlich jeden Bösewicht, bevor er zum Flughafen fährt, schnappen könnten.

Ich hoffe nicht, dass der nächste Attentäter auf die Idee kommt, sich den Hintern mit Sprengstoff voll zu stopfen, denn dorthin können die Nacktscanner nicht blicken. Macht das aber doch einer, werden wir wohl bald Forderungen nach Darmspiegelungen an Flughäfen hören.


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Autor

Mike Gehrmann

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