Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Gletscherpanne: Was interessiert mich die globale Durchschnittstemperatur?

von Edgar L. Gärtner

Der „Weltklimarat“ IPCC verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit

23. Januar 2010

Wird es auf der Erde zurzeit wärmer oder kälter? Nach der Veröffentlichung vertraulicher e-Mails und Dateien aus der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia (Norwich) durch einen Insider ("Climategate") kann es auf diese Frage nur eine ehrliche Antwort geben: Wir wissen es nicht. Denn die Auswertung des ins Internet gestellten ZIP-Folders „FOI.2009“ mit den kompromittierenden Dateien zeigt, dass die CRU die Auswertung der von Wetterstationen rund um den Globus gelieferten Daten systematisch verfälschte, indem es Stationen mit „zu kalten“ Messwerten einfach untern Tisch fallen ließ. Das wiegt umso schwerer, als es sich bei der CRU um eines von nur vier Instituten handelt, die dem „Weltklimarat“ IPCC die Daten für die Errechnung der globalen Durchschnittstemperatur liefern.

Die Aussagefähigkeit des globalen Mittelwertes war ohnehin schon länger angezweifelt worden, da bekannt war, dass sich viele der dabei berücksichtigten bodennahen Messstationen auf großstädtischen Wärmeinseln befinden. Seriöse Klimaforscher hatten deshalb bereits empfohlen, sich statt an die von Boden-Messstationen aufgezeichneten lieber an die seit den 70er Jahren von Wettersatelliten gelieferten Messdaten zu halten. Diese zeigen übrigens für die vergangenen drei Jahrzehnte keinen eindeutigen Erwärmungstrend. Dummerweise werden aber die Messgeräte der Satelliten an den von der CRU gelieferten Daten geeicht. Auch Satellitenmessungen könnten also indirekt verfälscht worden sein.

Aber wozu brauchen wir überhaupt die Angabe der globalen Durchschnittstemperatur? Was nützt mir dieses statistische Konstrukt, wenn ich meinen Garten beziehungsweise meinen Acker bestellen oder auf Reisen gehen möchte? Genügt dafür nicht der Blick aus dem Fenster und auf mein eigenes Thermometer? Wenn es kälter wird, ziehe ich mich warm an und lasse den Garten warten. Wenn Schnee und Eis angesagt sind, überlege ich es mir zweimal, ob sich meine Reisepläne nicht verschieben lassen. Wenn die Sonne scheint und es warm ist, kleide ich mich leichter und so weiter. Auch an mittelfristige Verschiebungen der Häufigkeit von Wetterereignissen (Klimawandel) können sich die Menschen nur auf lokaler und regionaler Ebene anpassen, indem sie bei der Anlage von Straßen, Siedlungen und Fabriken den Jahresgang von Temperatur und Niederschlag berücksichtigen.

Klima gibt es überhaupt nur regional. Der aus dem Griechischen stammende Begriff bezeichnet schlicht die durchschnittliche Wetterneigung einer Region im Vergleich zu einer andern. Das in Westeuropa vorherrschende gemäßigt ozeanische Klima ist gekennzeichnet durch das zeitliche Zusammenfallen von Niederschlags- und Temperaturmaximum, während es beim im Süden angrenzenden mediterranen Klima gerade umgekehrt ist. Von einem „Weltklima“ zu reden, ist also im Grunde unsinnig. In der so genannten Klimapolitik steht „Weltklima“ denn auch lediglich für die (unbekannte) Durchschnittstemperatur der Erde. Diese soll nach der seit hundert Jahren widerlegten Treibhaus-Hypothese von Svante Arrhenius in erster Linie von Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft abhängen. Obwohl das von vornherein aussichtslos ist, haben Berufspolitiker verkündigt, den Anstieg der Durchschnittstemperatur durch eine Drosselung der Kohlenstoffdioxidemissionen auf zwei Grad Celsius begrenzen zu wollen.

Dummerweise nahmen die meisten Amerikaner und Europäer ihren politischen „Eliten“ den Schein wissenschaftlicher Begründbarkeit von Politik längere Zeit ab. Spätestens seit der Verbreitung des mit einem Oscar und mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Video-Machwerks „An Inconvenient Truth“ von Al Gore sahen viele Zeitgenossen alle Zweifel ausgeräumt. Doch seit dem Bekanntwerden der Datenmanipulationen durch „Climategate“ und dem Erfolg der Chinesen auf der Kopenhagener Klimakonferenz mehren sich die Zeichen sinkender Glaubwürdigkeit der „Klimapolitik“. Das Fass zum Überlaufen brachte die im letzten IPCC-Bericht enthaltene absurde Behauptung, die Himalaya-Gletscher würden in den kommenden 25 Jahren weitgehend abschmelzen und die Ganges-Quellen versiegen lassen. Nun fordert selbst Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Konsequenzen und der deutsche Klimaforscher Hans von Storch legt dem IPCC-Vorsitzenden Rajendra Pachauri gar den Rücktritt nahe. Die an dieser Stelle erwähnten krummen Geschäfte Pachauris mit CO2-Zertifikaten hatten offenbar nicht ausgereicht, um das Fass voll zu machen.

Internet

Climategate: Der Klima-Lügen-Ballon platzt

Climategate: In Norwich wurden keine Daten geklaut 

Kalte Wetterstationen ausgeschlossen

Weltklimarat wird schlampige Recherche vorgeworfen

Fehler im Weltklimabericht

Weltklimarat stolpert in Gletscherspalte

Gletscherpanne empört Umweltminister Röttgen

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