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Von der rot-grünen Gefahr zur rot-rot-grünen: Wenn Deutschland rot wird

von Ansgar Lange

Blick in eine 30 Jahre alte Streitschrift

Das schwarz-gelbe Projekt hat an Strahlkraft verloren. Der Ruf nach einer geistig-politischen Wende wird lauter. Bei Einzelnen bricht sich die Einsicht Bahn, dass wir eine geistige Währungsreform benötigen. Doch bei aller Kritik an den Protagonisten auf der Regierungsbank in Berlin vergessen wir, wie wenig anheimelnd die Alternative aussähe. Gemeint ist damit das rot-grüne Projekt, ergänzt durch tiefes Dunkelrot vielleicht. Frau Kraft würde ihm in NRW bei den Landtagswahlen im Mai gern zum Durchbruch verhelfen. Es ist Zeit, kurz inne zu halten und fast 30 Jahre zurückzuschauen. Damals warnte der Publizist Matthias Walden davor, dass Deutschland rot wird. Zum Glück blieb es gelb-schwarz. Doch eine Garantie, dass es diesmal wieder so ausgeht, haben wir nicht. „Das rot-rot-grüne Lager bedroht vielleicht nicht gleich das christliche Abendland, wohl aber das christlich-liberale Bündnis“, schreibt der „Focus“. Vielleicht lassen sich ja bei der Neulektüre von Waldens schlanker Streitschrift Lehren für die Gegenwart ziehen.

Bei dem Buch „Wenn Deutschland rot wird“ handelt es sich um eine politische Standortbestimmung aus dem Jahr 1983. Matthias Walden appelliert in diesem Werk an die Deutschen, an die alten Tugenden wieder anzuknüpfen, welche die Bundesrepublik nach 1949 stark gemacht hätten, und Rot-Grün eine Absage zu erteilen.

Der Autor beginnt seine Ausführungen damit, dass er eine unterschiedliche Beurteilung von Links- und Rechtsextremismus kategorisch ablehnt: „Rot und braun sind mir in der Politik zuwider.“ Denn wo die Gleichbewertung und Gleichbehandlung „beider freiheitszerstörender Extreme versäumt oder willentlich verdrängt wird, geschieht unweigerlich eine Schwerbeschädigung der Demokratie.“ Hier hat sich nichts geändert. Die Bekämpfung der „rechten“ Gefahr rangiert noch immer weiter vor der linken oder der neuen Gefahr, die sich aus dem Islam beziehungsweise seiner gewalttätigen Interpretation speist.

Dem rot-grünen Projekt kann Walden jedenfalls nicht viel abgewinnen, denn es würde sich gemeinsam auf eine verhängnisvolle Reise begeben: „Eine durch Misserfolge und ideologische Haltungsschäden geschwächte SPD, die im deutschen Bundestag auf die Gunst der Grünen, der Alternativen, der Aussteiger, der militanten Pazifisten und der Schwarmgeister angewiesen wäre und sich ihnen opportunistisch, nur um der Rückgewinnung der Macht willen, anpasste, würde rot wie der Sonnenuntergang und grün wie die Unreife werden.“

Der Realist Walden argumentiert in diesem schmalen Büchlein gegen die Phantasten, denn er ist sich bewusst, dass die arbeitenden Menschen die Verlierer eines konturlosen „Wunschbild-Sozialismus“ sein würden. Dies werde jedoch von einem „primitiven Pro-Kommunismus“ völlig anders dargestellt. Walden bemängelt: „Antifaschistisch darf man sein, antikommunistisch nicht.“ Heute – so darf man ergänzen – darf man zwar immer noch antifaschistisch, aber nicht mehr anti-islamistisch sein.

Nachdem der Autor dargelegt hat, was seiner Meinung nach droht, „wenn Deutschland rot wird“, gelangt er zu der Schilderung der Lage der Nation. Der Satz „Ein Staat und sein Volk haben über ihre Verhältnisse gelebt“ kommt einem auch in der heutigen Zeit sehr vertraut vor. Das „Anspruchsdenken“ sei inflationär gewachsen. Walden kritisiert, dass die alternative Lebensweise und die „Aussteigerei“ von der Gesellschaft alimentiert würden: „Was da als ‚einfaches Leben’ und als trotzige Askese posierte und sich verweigerte, wurde von der verpönten ‚Gesellschaft’ bezahlt, subventioniert, sozial abgesichert und kostspielig dem Risiko weitgehend entzogen. Ein Arbeitsloser bei uns bekommt mehr auf die Hand als ein Schwerarbeiter im Sozialismus.“ Kommen uns diese Töne in Zeiten von HartzIV so unbekannt vor, in denen eine Familie mit zwei Kindern, die von staatlicher Stütze lebt, mehr in der Kasse hat als mancher Geringverdiener-Haushalt?

Der Autor gibt selbstkritisch zu, dass die ältere Generation mit daran Schuld trage, dass eine permissive Gesellschaft entstanden sei. Nun gelte es, die rot-grüne Gefahr zu erkennen und zu bekämpfen, denn dieses Farbgemisch stelle eine gefährliche Mischung dar: „Das Rot der Ideologie ist inbegriffen, blauäugige Naivität spielt mit, das Schwarz eines rabiaten Zivilisationspessimismus, das Weiß einer kapitulantenhaften Haltung gegenüber dem hochmilitarisierten Osten und das Gelb des Neides in klassenkämpferischem Sinne. Das macht die Sache reichlich bunt, zu bunt für den Geschmack der neuen Koalition, aber auch zu schillernd für die bewahrenden Kräfte in der SPD.“

Ganz konservativer Zeitkritiker, mahnt Walden zur Wiederentdeckung alter Tugenden wie Ehre, Liebe, Treue oder Vaterlandsliebe. Die Deutschen sollten die zeitlosen Werte neu achten und wieder den Elan der Nachkriegsgeneration an den Tag legen. Dazu bedürfe es einer „geistigen Währungsreform“.

Die letzten Seiten der Streitschrift sind gefüllt mit Zitaten bekannter Sozialdemokraten wie Ernst Reuter, Kurt Schumacher, Georg Leber, Fritz Erler, Herbert Wehner, Willy Brandt etc. Hierbei handelt es sich um verlorene Ansichten und Einsichten: „Diese Beispiele sozialdemokratischer Gesinnung und geistiger Sicherheit, die heute nur noch wenige aufrechte Sozialdemokraten auszeichnen, ergeben ein Kontrastbild zur Gegenwart, das den Niedergang der SPD-Politik erschreckend vor Augen führt.“ Ein Schelm, wer jetzt an Sigmar Gabriel denkt und daran, mit welcher Chuzpe er manches Positive aus der Ära Schröder-Clement auf den Müllhaufen der Geschichte werfen will.

An der Seite der Grünen und der Alternativen – da ist sich Walden sicher – könne die Rückkehr zu diesen Einsichten nicht gelingen: „Der Verfall ging schnell, die Genesung wird lange brauchen. Sie ist überhaupt nur denkbar in der regenerativen Luft der Opposition.“

Alles in allem liest sich Waldens letzte Buchveröffentlichung wie ein besorgter Appell an die deutsche Sozialdemokratie, nicht immer weiter nach links zu rücken. Die Bundesrepublik insgesamt habe sich bewährt und dürfe jetzt nicht für rot-grüne Experimente missbraucht werden: „Konservativ zu sein, gilt aus linker Sicht seit langem als ‚out’, obwohl doch die Bewahrung des Bewährten einst auch in der deutschen Sozialdemokratie eine prägende, vorteilhafte Rolle spielte.“

Es ist nur bedauerlich, dass heute selbst in der Union niemand mehr konservativ sein will. Also haben sich die Zeiten doch geändert. Das Land insgesamt ist nach links gerückt. Wen schreckt es überhaupt noch, dass Deutschland rot werden könnte?

02. Februar 2010

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Kommentare

Waldemar , am 02. Februar 2010 um 11:04 ( Link )

"Ganz konservativer Zeitkritiker, mahnt Walden zur Wiederentdeckung alter Tugenden wie Ehre, Liebe, Treue oder Vaterlandsliebe."

Oh Gott!

...Konservativ zu sein, gilt aus linker Sicht seit langem als ‚out’, obwohl doch die Bewahrung des Bewährten....

...dass heute selbst in der Union niemand mehr konservativ sein will....

blablabla.

Konservativ, progressiv, rechts, links - man kann diesen Blabla nicht mehr hören. Ich frage mich, wovon die Leute, die diesen Schmarrn verbreiten, eigentlich leben - oder eigentlich nicht: das können nur öffentliche Gelder in Form von Steuern und Gebühren sein, die diesen Leuten in den Allerwertesten geblasen werden. Auf dem freien Markt zählen Leistung und klare Aussagen. Mit Wischiwaschi kann man sich dort nur in wenigen Nischen behaupten und das nur für kurze Zeit.

Viscount, am 02. Februar 2010 um 11:20 ( Link )

Ein Problem der Liberal-Konservativen ist zweifelsohne, daß sie zwischenzeitlich zu Rittern ohne Land geworden sind: Das regelrecht Konservative und Liberale an der politischen Anschauung ist diesem Staat über Dekaden hinweg fremd geworden.

Nehmen Sie als Beispiel die SED/Linkspartei: Das ist eine echte strukturkonservative Partei. HartzIV soll eben nicht abgeschafft werden oder genauer: es soll nur dem Namen nach beseitigt werden, unter Beibehaltung der Strukturen.

Das öffentlich-schlechtliche Alimentationsregime steht von links aus nicht zur Disposition.

Es sollen lediglich die Sätze für Sozialhilfe erhöht werden, ansonsten will man aber Bewährtes (für wen wohl hat sich derlei bewährt?) beibehalten. Mehr ist da nicht mehr.

Die Union unterscheidet sich hinsichtlich ihres politischen Programms insofern nicht mehr sonderlich vom linken Spektrum, denn auch sie will das System nicht grundsätzlich umstellen, so wie etwa Röpke und andere das noch vorhatten ("Alles in einen Topf, alles aus einem Topf?", ein System, das sowohl Liberalen als auch Konservativen grundlegend widerstreben mußte), sondern sie will eben die Sätze und damit die staatlich organisierte Kostgängerei nicht so umfänglich erhöhen wie die Linken.

Sowohl Union als auch Liberale sind in ihrer gegenwärtigen Verfassung höchst fadenscheinige Angelegenheiten.

Neutrino, am 02. Februar 2010 um 13:31 ( Link )

Wen schreckt Rot-Blutrot Grün noch?

Z.B. Die Opfer der DDR Diktatur und dessen Angehörige, jene Menschen die 89 auf die Straßen gegangen sind, aber auch alle anderen echten Konservativen und Liberalen. Sogar einige Linke sind nicht von der neuerlichen Machtergreifung der DDR Partei begeistert.
Kurzum: Das dürfte ein erheblicher Teil der Bevölkerung sein.

Eigentlich muss man fragen, wer eigentlich für die Kommunisten ist. Nur Ungebildete, welche auf die Rattenfänger Sprüche der DDR Partei hereinfallen.
Also Hartz 4 Empfänger, Journalisten und Politiker.

Nur sind es Journalisten und Politiker, welche in dieser Hinsicht den Ton angeben.

Gerhard Bauer, am 02. Februar 2010 um 13:46 ( Link )

Ist Schwarz-Gelb ungefährlicher als Rot-Rot-Grün oder Rot-Grün?

moderne21, am 02. Februar 2010 um 14:57 ( Link )

Eine rot/rot/grüne Bundesregierung würde den finanziellen Kollaps des gegenwärtigen Systems aller Voraussicht nach beschleunigen. Es stellt sich die Frage, ob dies so schlimm wäre.

Prosper, am 02. Februar 2010 um 15:55 ( Link )

Auch Wahres kann in die falsche Richtung weisen, Herr Lange. Letztlich laufen Ihre genau wie Waldens Gedanken auf das unausgesprochene Fazit hinaus, mit dem wir insgeheim schon seit mehreren Jahrzehnten erpresst werden und immer schön weiter die verantwortungslose Clique in Berlin an der Macht halten, zu unser aller Schaden: Augen zu, Ohren zu, zähneknirschend CDU. Oder vielleicht auch: Rot? Um Himmels Willen, Nee, dann doch lieber FDP.
War es das, was Sie zum Ausdruck bringen wollten? Ganz fataler Trugschluß, der der erbärmlichen Erpresserlogik der sozialistischen Machterhaltungskamarilla in Gestalt ihrer zynischen Amtswalter Merkel und Westerwelle folgt.
Alles, nur keine Blockpartei mehr !!

Lion Edler, am 02. Februar 2010 um 16:39 ( Link )

Zitat:
„Das rot-rot-grüne Lager bedroht vielleicht nicht gleich das christliche Abendland, wohl aber das christlich-liberale Bündnis“, schreibt der „Focus“."

In diesem sogenannten ,,Abendland" werden Kinder, wenn sie nicht schon vor der Geburt einfach in den Mülleimer geworfen werden, anschließend in der Kita- und dann in der Schul-Verwahranstalt weggesperrt und danach möglicherweise noch vom Jugendamt entführt und nie wieder hergegeben. In diesem ,,Abendland" gilt es als reaktionär und spießig, wenn man der Meinung ist, dass es zwei Geschlechter gibt. Und in diesem ,,Abendland" ist man ein Nazi, wenn man sein Heimatland liebt, aber ein guter Mensch, wenn man auf deutsche Fahnen pinkelt. Ich habe deshalb ein Problem damit, wenn Rot-Rot-Grün als Gefahr für das Abendland dargestellt wird. Rot-Rot-Grün ist nicht rebellisch und ungepasst, sondern zementiert nur die degenerierten und entarteten gesellschaftlichen Zustände, die nichts mit ,,Abendland" zu tun haben.

Zitat:
"Denn wo die Gleichbewertung und Gleichbehandlung „beider freiheitszerstörender Extreme versäumt oder willentlich verdrängt wird, geschieht unweigerlich eine Schwerbeschädigung der Demokratie.“ "

Sehr weise gesprochen! Das ist heute noch schlimmer als damals der Fall.

Zitat:
"Walden bemängelt: „Antifaschistisch darf man sein, antikommunistisch nicht.“ Heute – so darf man ergänzen – darf man zwar immer noch antifaschistisch, aber nicht mehr anti-islamistisch sein."

Wieso nur anti-islamistisch? Man wird in dieser Gesellschaft auch noch immer beständig verdächtigt, kriminalisiert und verleumdet, wenn man sich gegen die kommunistische Weltkrake und ihre Freunde, Helfer, Zuträger und Helfershelfer in den etablierten Parteien und Medien wendet. Man gilt dann als ,,Hetzer" oder ,,Verharmloser des Rechtsextremismus" und was nicht noch alles.

Zitat:
"Die Bundesrepublik insgesamt habe sich bewährt und dürfe jetzt nicht für rot-grüne Experimente missbraucht werden: „Konservativ zu sein, gilt aus linker Sicht seit langem als ‚out’, obwohl doch die Bewahrung des Bewährten einst auch in der deutschen Sozialdemokratie eine prägende, vorteilhafte Rolle spielte.“ "

Wobei die Frage ist, ob man diese ,,Bewahrung des Bewährten" schon als ,,konservativ" bezeichnen sollte. Überhaupt ist ja an allen Ecken und Enden eine Manipulation der Begriffe insofern festzustellen, wenn z.Bsp. Dinge bereits als ,,konservativ" bezeichnet werden, die nicht ,,konservativ" sind, sondern eine Selbstverständlichkeit, die z.Bsp. im Kaiserreich auch von allen Parteien vertreten worden, dort wäre das nicht ,,konservativ" gewesen, sondern ganz normal, sozusagen ,,Mitte". Ich z.Bsp. werde ja von Manchen auch ständig in die erzkonservative Ecke gestellt. Z.Bsp. wenn ich keine Sympathien für Verbrecher und asoziales Gesockse habe, dann gelte ich bereits als ,,konservativ", wenn nicht als rechtsradikal. Wenn ich ferner sage, dass eine Familie aus Mutter, Vater und Kind besteht, so gilt dies auch bereits als konservativ oder gar sexistisch, ewiggestrig, rückschrittlich etc. . Und wenn ich gegen Kommunisten bin und kein Verständnis für die habe, soll das auch schon ,,konservativ" sein.

Paoyue, am 02. Februar 2010 um 19:18 ( Link )

Wo ist die alte konservative Garde bloss abgeblieben?

Rot-Rot-Grün kommt knapp auf eine Mehrheit, weil es keine fähige Alternative gibt.

Ismene125, am 02. Februar 2010 um 20:03 ( Link )

Das hat Paoyoue richtig erkannt: Die konservativen ("bürgerlichen") Parteien haben ein wesentlich geringeres intellektuelles Potential als die linken Parteien. Wann haben Sie zum letzten Mal Konservative reflektiert diskutieren hören. Die meisten sind auf dem Niveau von G. Westerwelle und dem völlig überschätzten T. von und zu Guttenberg: also jenen Ministern, die durch Simplifizierungen bzw. tölpelhaften Glamour auffallen, aber inhaltlich nicht mehr zu bieten haben als ein "einfaches, gerechtes und transparentes Steuersystem" - aber das ist ja auch schon etwas.

Satanas, am 02. Februar 2010 um 20:53 ( Link )

Ich sehe da zwei prinzipielle Probleme:

1. Politische Kräfte brauchen Organisationen (wie Parteien) und gesellschaftliche Gruppen, die sie stützen. Wenn nun ein Teil des Bürgertums die Grünen unterstützt, obwohl diese ja die Existenzgrundlage des Bürgertums zerstören, muß man sich fragen, warum sich der Rest des Bürgertums nicht zur Gegenwehr in anderen Parteien sammelt. Gesellschaftliche Verbündete könnte man etwa im "Arbeitermillieu" suche, das heute eher kleinbürgerlich ist.

2. Das zweite Problem ist, wo die ideelle Gegenwehr gegen Sozialismus und Sozialdemokratie bleibt. Die konservativen und liberalen Ideen sind zwar durchaus vorhanden, aber es findet keine breite "Offensive" statt, um den linksliberalen Mainstream in den Medien zu attakieren. Dies wird aber nur durch eine bessere Organisation gelingen, auch wenn sich Libertäre damit von Hause aus schwer tun.

nepo77, am 02. Februar 2010 um 21:39 ( Link )

Ich bin 33 Jahre alt. Erst in den letzten paar Jahren habe ich Werte wie Ehre, Treue oder Vaterlandsliebe entdeckt. Davor war ich ziemlich "Mainstream" das heißt, habe diese Werte als "gefährliche Relikte der Vergangenheit" betrachtet wie es kürzlich in einem TV Beitrag durch einen Sozialpädagogen beschrieben wurde.
Meine Eltern waren "damals" klassische Hippies die später zu Yuppies wurden. Ich sehe nicht wie ich deren Erfolg (2 Autos, 2 abbezahlte Häuser mit 55, Lebensversicherungen wie Sand am mehr) eigentlich toppen kann, wenn ich trotz gutem Verdienstes nicht mehr als 100 Euro im Monat übrig habe. Wieviel haben meine Eltern 1970 an Mwst, GEZ, Sozialversicherung und Einkommensteuer bezahlt ? Hatten die trotz geringeren Lohns mehr zum Leben, mehr zum sparen ?
Ich fühle mich demoralisiert und kann eigentlich nur noch auf dem Ende dieses Systems warten. Es ist doch offensichtlich das die Dinge nicht von alleine besser werden sondern Ihren Kurs fest eingeschlagen haben.
Alle Parteien im Bundestag sind für mich unwählbar geworden. Meine letzte Wahl ging an die Piraten und das war nur ein Akt der Verzweiflung. Ich würde gerne Menschen finden die ebenfalls Ehre noch oder wieder verstehen, aber da ist das ganze Land wie eine Wüste. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht depressiv obwohl sich das so anhören könnte, aber ich glaube ich bin gefangen in einem finanzielen, moralischen, und geistigen Käfig. Ein Käfig für den Verstand der keine Eisenbarren hat. Wer hat dieses furchtbare System eigentlich erfunden ? Und wieso tuen soviele so als wären sie damit glücklich ? Ich dachte ans auswandern aber meine Freunde in USA sagen mir, "gleiche Entwicklung in Grün".Außerdem wiedespricht mein Nationalstolz diesem Gedanken -wenn alle abhauen kann sich ja nichts verändern. Und das Schicksal Deutschlands ist mir nicht Wurscht. Hier beleiben und kämpfen ist der einzigste Weg aber wie ?

Satanas, am 02. Februar 2010 um 21:48 ( Link )

@nepo77

Zu allererst Gleichgesinnte sammeln, die etwas verändern wollen. In den Basen der "unwählbaren" Parteien gibt es Unzufriedene. Dort gibt es auch Erfahrung mit dem Politischen Handwerkszeug.

Für Aktionen sollten sich dann genug Anregungnen finden. Letzlich muß eine Gegenöffentlichkeit aufgebaut werden.

familienwehr.de , am 02. Februar 2010 um 23:24 ( Link )

Wenn dieses Buch ein Vierteljahrhundert alt ist, beweist es doch nur 25 Jahre Stillstand.
In dieser Zeit ist die Gesellschaft also lediglich dem Tode ein Stück näher gekommen.
Wir befinden uns nun bei der begrenzten Lebensdauer der Parteiendemokratie im Präfinale.
Systemwechsel geht also auch ohne Handeln.
Es wäre gescheit zu beginnen, sich Gedanken über die Zeit danach zu machen.

Olaf Janowski, am 03. Februar 2010 um 1:17 ( Link )

Lieber ein Ende mit !Schrecken! als ein Schrecken ohne Ende.
Das erinnert mich doch sehr an das Schicksal von Offenbach am Main, wo in den 50er Jahren eine grosse Koalition aus SPD und KPD (bis zu ihrem Verbot durch das BVG 1956) die Stadtfinanzen nachhaltig zerrüttete.

Mit Folgen bis heute! Das war so schlimm, das sich Offenbach bis in die späten 80er Jahre einen kompletten Austausch der bisher mit Quecksilber-Drehrelais gesteuerten alten Ampelphasenschaltungen nicht leisten konnte.

Das Ergebnis war eine seeeeeehr lange Gelbphase, deswegen waren Offenbacher Autofahrer nicht nur in Frankfurt am Main noch viele Jahre danach gefürchtet.
(Fahren noch bei Rot in den Kreuzungsbereich und halten abrupt bei Grün).

Das nur mal nebenbei als witzige Anekdote zur Thematik: "Die Sozis können mit Geld umgehen, aber nur mit ihrem eigenen..."

Uwe Böttjer, am 03. Februar 2010 um 9:14 ( Link )

@nepo77
warum so missmutig? Immerhin haben Sie im Alter ein schönes Erbe zu erwarten. Gleichzeitig können Sie auf ein bisheriges Leben in besten Verhältnissen zurückblicken. Ewiges "sabbeln" und klagen hilft nicht weiter, handeln Sie! Genügend erlösungsbedürftige Menschen warten in Ihrer Nachbarschaft auf einen überzeugenden Impuls. Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen (kostenlos) gute und professionell fundierte Ratschläge.

CrisisMaven, am 03. Februar 2010 um 11:31 ( Link )

Das Problem will mir aber scheinen, dass schwarz-gelb (wie eine Ampel, bei der zwei Leuchten ausgefallen sind?) sich so vehement nicht unterscheidet: Bruederles Regulierungswahn, Merkels Geschenkeverteilen, um ueberall ein bisschen Wind zu machen ... nennt man das nicht "sich einen roten Rock verdienen"?

Lion Edler, am 03. Februar 2010 um 14:06 ( Link )

An Ismene125:
Politiker - sie nannten Westerwelle und Guttenberg - sind da als Beispiele wohl ohnehin fehl am Platz. Von denen hört man grundsätzlich nur Plattitüden und leere Phrasen, egal welche Partei. Ansonsten denke ich, nehmen sich Linke und Konservative da nicht viel. Die Propaganda in SPIEGEL, Stern & Co zeugt auch nicht gerade von differenzierter und intelligenter Argumentation. Häufig verstehen es wohl Linke einfach besser, Banalitäten und simple Gedanken hinter hochtrabender Sprache zu verstecken.

Ismene125, am 03. Februar 2010 um 18:04 ( Link )

Lieber Herr Edler,
ich gebe Ihnen dahingehend Recht, dass die Außendarstellung politischer Ideen immer mit einer Reduktion der Komplexität der Sache einhergehen muss, wenn die Idee denn diffundieren soll. Es kommt aber auf das (dimensionale) Maß der Reduktion an; es kommt darauf an, wie weit in der Darstellung Vor- und Nachteile abgewogen werden, wie weit die Sprache popularisiert wird.

So stellt z. B. die Partei DIE LINKE die richtigen Fragen, legt den Finger in die Wunden sozialer Probleme ohne jedoch dabei trivial zu werden. Das dabei mitunter komplizierte Formulierungen gefunden werden, verwundert niemanden, der mal an einer Sitzung der JUSOS teilgenommen hat, wo um jedes Satzzeichen gestritten wird.

Ich sehe abschließend in den linken Parteien große Intellektuelle (D. Bartsch, S. Wagenknecht [DIE LINKE], J. Trittin, K. Göring-Eckhardt [B´90/Die Grünen] sowie. F.-W. Steinmeier und F. Drohsel [SPD]), die sowohl dem kleinstädtischen Marktschreier als auch dem Einfaltspinsel aus Bayern in der Breite und der Tiefe relevanter Themen weit voraus sind.

nehring, am 03. Februar 2010 um 19:41 ( Link )

nepo77...

zuerst einmal aushalten! glaube nicht, dass dieses land eine wüste ist! es gibt mehr menschen wie du, viel mehr...
aber sie fühlen auch wie du, als sässen sie im käfig...wie ich!
(mir geht es seit einiger zeit so wie in den letzten ddr-jahren. ich glaubte, zu ersticken! wenn ich nur die zeitung aufschlug, fernseher oder radio anstellte und die öffentliche meinung hörte, glaubte ich zu ersticken! und alle waren (oder schienen so) angepasst, zufrieden)
aber der schein trog! die meissten hatten die nase gestrichen voll vom sozialismus! aber sie hatten angst!
heute genauso!
wenn wir die angst abwerfen, werden wir frei sein!
und es wird in deutschland auch einmal anders werden!

also halte stand!


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