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![]() Jg. 1969, Journalist und Buchautor, www.alexander-kissler.de ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: |
Katholische Kirche und Kritik: Missbrauch, Skandal und verschwiegene FragenReformeifer und der Hang zur Selbstsäkularisierung schützen nicht vor Abgründen Aus vielen Zutaten ist die aktuelle Debatte über Missbrauchsfälle an jesuitischen Schulen in den siebziger Jahren zusammengesetzt: Eine dröhnende und späte Selbstanklage trifft auf gratismutige Empörung, katholisches Lavieren und Kirchenhass befeuern sich wechselseitig. Diese trübe Suppe kann keinem schmecken. Dennoch serviert man sie uns täglich. Die, die es schon immer wussten, prosten denen, die es schon immer besser wussten, zu: Mit der Kirche im Allgemeinen und dieser römisch-katholischen im Besonderen sei einfach kein Staat zu machen. Besser wäre es, sie verschwände ganz. Der Eifer, mit dem der Hexentrunk befeuert wird, täuscht über die Tiefendimension des Falles hinweg. Die Etiketten sind schnell zur Stelle, weil sie argumentative Sollbruchstellen bemänteln. Das vermeintlich Fraglose soll dem Fragen eine strikte Grenze ziehen. Nur sehr selten wird etwa die Frage erörtert, ob es denn gerecht zugehe, wenn mit anklagendem Getöse eine besondere Disposition katholischer Würdenträger zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger unterstellt wird. Vor elf Jahren etwa, erinnerte jetzt der Berliner Politik-Blog „Spreeblick“, war die säkulare und recht elitäre „Odenwaldschule“ Zentrum derselben quälenden, peinigenden Aufklärung. Im November 1999 wurde der langjährige Leiter der eher linksliberal-multikulturellen Reformschule der Pädophilie überführt. In den 1980er Jahren hatte er laut einem Betroffenen männliche Schüler „in inflationärem Umfang sexuell missbraucht“. Verständlich ist das gesteigerte Maß an Entrüstung, wenn die Täter zuvor versprachen, ihr ganzes Leben Christus zu weihen. Derber kann man das Versprechen nicht verhöhnen als durch Gewalt gegenüber jenen, die der Nazarener in die Mitte stellte: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich gelangen.“ Symptomatisch ist derlei Verbrechen aber nicht. Käme irgendjemand auf die Idee, Männer keine Jungen mehr unterrichten zu lassen, um diese vor jenen zu schützen? Ein solcher Generalverdacht wäre abwegig und ehrabschneidend. Und ebenso abwegig sollte er auch dann sein, wenn er geistliches Personal betrifft. Die römisch-katholische Kirche sieht sich auf der Anklagebank, weil man mit dem Zölibat das „missing link“ zwischen Pädophilie und Profession meint gefunden zu haben. Davon abgesehen, dass auch andere christliche Bekenntnisse unter derselben Geißel leiden: Der Zölibat ist im 21. Jahrhundert das am deutlichsten sichtbare Zeichen, dem die Welt widerspricht; schließlich bezweifelt er deren gesamte Logik. Da in der Spätmoderne alles Welt werden soll, da alles aufgehen soll im Ewiggleichen, im Durchschnitt und im Diesseitigen, gilt dem Zölibat ausdauernde Ablehnung. Dass er im Kern ein Hoffnungszeichen ist für die Welt, indem er das Unbedingte zur Bedingung macht einer ganz anderen Existenzform, darf die Welt sich nicht eingestehen. Der Zölibat hält inmitten all des Vorläufigen und Relativen dem Absoluten die Tür offen. Die Welt aber will mehr vom Gleichen, nichts vom Besonderen; will mehr von der Gegenwart, kaum etwas von der Zukunft und schon gar nichts aus den Tiefen der Vergangenheit. Dort reicht ihr Regiment nicht hin. Der zölibatär lebende Priester kränkt, allein weil er ist, die Gegenwart fundamental. Sie vergilt es ihm mit Generalverdacht, Sippenhaft, Schuldsvermutung. Ebenso kränkend mag man einen weiteren, darum verschwiegenen Gedanken empfinden: Die Zeit, in der sich die nun in Rede stehenden Übergriffe ereignet haben, war der Höhepunkt einer inneren Krise der Kirche. In dieser nachkonziliaren Krise wiederum bildeten die Jesuiten die Speerspitze des Neuen. Unter ihrem von 1965 bis 1981 amtierenden Generaloberen Pedro Arrupe, einem Basken, wandelten sie sich von den Prätorianern des Papstes, ihm unüberbietbar ergeben, zu „des heiligen Vaters ungehorsamen Söhnen“ – so ein Buchtitel von 1991. Es waren Jesuiten, die den lockenden Seim des Marxismus und der Befreiungstheologie in sich aufsogen und den „Arbeiterpriester“ salonfähig machten; Jesuiten stemmten sich gegen die „Pillen-Enzyklika“ Pauls VI. und gegen den Pflichtzölibat, und Jesuiten wurden auch von Johannes Paul II. mehrfach zur (Kirchen-) Ordnung gerufen. Für jede liturgische oder theologische Extravaganz findet sich noch heute zuverlässig ein Jesuit, der sie gutheißt. Schon Paul VI. fragte 1966 die Generalkongregation der Societas Jesu, ob er „noch“ auf deren besondere Treue bauen könne. Erstaunen und Schmerz erfüllten ihn angesichts der „Übernahme weltlicher Lebensart“ durch einige Jesuiten. Johannes Paul I. sah 1978 die Gefahr, dass jesuitische „Lehren und Publikationen unter den Gläubigen Verwirrung und Desorientierung anrichten“. Johannes Paul II. dekretierte 1982 vor den Provinzoberen der Jesuiten, die Aufgabe eines Priesters sei nicht „die eines Arztes, eines Sozialarbeiters, Politikers oder Gewerkschafters“. Die Glaubenslehre dürfe nicht von „persönlichen Kriterien oder sozio-psychologischen Theorien“ bestimmt werden. Eine Ahnung dieser Spannung war noch greifbar, als Benedikt XVI. im Januar 2008 an den scheidenden Generaloberen schrieb. Die Gesellschaft möge „das wahre Charisma des Gründers wieder klar und deutlich bejahen“. Wir lernen: Reformeifer und der Hang zur Selbstsäkularisierung schützen nicht vor Abgründen. Die moralische Lauterkeit in der Kirche wächst keineswegs automatisch, wenn die Kirche sich weltlicher gibt. Das Rüstzeug wider die Versuchung wird nicht mit der Romkritik frei Haus geliefert. Man kann sich moralistisch über Tradition und Konvention erheben und dennoch nicht die bessere Moral gepachtet haben. Der Umkehrschluss gilt natürlich auch – damit aber wäre der weiche Boden des allgemein Fraglosen wieder erreicht. Literatur Deutschlandtheater: Politik und Zeitvergehen 2008/09 - Alexander Kisslers Kolumnen jetzt als Buch 09. Februar 2010 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann oder Michael Klonovsky schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareDaniel Hartmann, am 09. Februar 2010 um 11:16 ( Link ) Danke für dieses schöne Wort: gratismutig. loyalbushie, am 09. Februar 2010 um 13:36 ( Link ) die knabenschändungen sind nur die spitze des eisberges. das bluthilde-blog ist da an zwei sachen dran, die schon lange von der katholischen kirche vertuscht werden und mit der unterdrückten sexualität im reich des christlichen aberglaubens im zusammenhang stehen. zwei rauhaardackel aus dem katholischen tierheim im oberpfälzischen groschlattengrün zeigten auffälligkeiten, als sie ihre ausbildung zum grubenhund für saarländische zechen antreten sollten. es werden zoophile exzesse vermutet. und auch in der aufbahrungshalle des kirchlichen bestattungsinstituts in hundeluft (lkr. wittenberg) soll sich ein nekrophilieskandal zugetragen haben. leider schweigt das mutmaßliche opfer beharrlich. die genossin dr. hilde benjamin hätte in einem solchen fall unbeirrbar gehandelt und nach dem rechtsgeschichtlichen vorbild der leichensynode von 897 das opfer zur zeugenaussage bewegt! mehr zum thema hier: http://bluthilde.wordpress.com/2010/02/08/knabenmissbrauch-bei-den-jesuiten-eine-polit-deutung/ Lalle, am 09. Februar 2010 um 13:50 ( Link ) Martin Lohmann hat sich hier auf freiewelt.net auch schon zu dem Thema geäußert. Charlotte Stumm, am 09. Februar 2010 um 14:35 ( Link ) Danke dür den Artikel,er bläst nicht einseitig auf das Zölibat. freiheitistunteilbar, am 09. Februar 2010 um 18:46 ( Link ) Danke dür den Artikel,er bläst nicht einseitig auf das Zölibat. Ach Charlotte, gibt es überhaupt "ojektive" Werte, so eine Art richtig oder falsch? Über den Anteil wirklich zölibatär lebende Priester kann man nur spekulieren. Schließt der Zölibat tätige Eigenliebe aus und wer sollte dies kontrollieren? ;-) Ist der Zölibat eine Form von Neoprüderie oder eine tranzendente Verplichtung? Eher Letzteres. Martin Möller, am 09. Februar 2010 um 20:59 ( Link ) Die Jesuiten sind gar nicht katholisch, sondern gehören einer Sekte an. Mit der katholischen Kirche hat der ganze Skandal überhaupt nichts zu tun. Leider darf sich in Deutschland jeder katholisch nennen, das ist gerichtsnotorisch. Ebenso gerichtsnotorisch ist, daß Schulen wie das Kanisiskolleg hier in Berlin außerstande sind, ihre Katholizität nachzuweisen. Wer seine Kinder katholisch erziehen will, der mache einen Riesenbogen um "katholische" Schulen dieser Art - und das nicht wegen der notorischen [und gesetzlich geschützten] Homoplage. Jörg Haerter, am 09. Februar 2010 um 22:43 ( Link ) Daß der Zölibat der menschlichen Natur und der Bibel in Ihren Kernaussagen widerspricht, sollte eigentlich religös gebildeten Lesern bekannt sein(1Kor. 7:2). Aus der mögliche Ausnahme eine Regel machen zu wollen, muss scheitern. Den Juden war sogar (sicher auch aus anderen Gründen) die Ehe, vorsichtig ausgedrückt, angeraten. Und im Übrigen ist diese Praxis (von lat. caelebs „allein, unvermählt lebend) durchaus in Mode, was Umgang mit dem anderen Geschlecht natürlich nicht ausschließt, nur die Übernahme von Verantwortung, spätestens, wenn Kinder kommen. Es lebt sich zölibatär wesentlich bequemer, zumal man es sich heute leisten kann, früher war man eher auf einen Lebenspartner angewiesen, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Hans Ph. Neidhardt, am 09. Februar 2010 um 23:00 ( Link ) Sexuelle Kontakte zwischen Erziehern, besonders den Junggesellen unter ihnen, und pubertierenden Internatsschülern dürften noch vor einigen Jahrzehnten vielleicht nicht gerade alltäglich, aber doch sehr häufig gewesen sein. Ich erinnere mich, dass ich als Internatsinsasse bedauerte, nicht in die offenkundigen Spiele einbezogen zu sein. Irgendwelche homoerotische Dispositionen oder Schäden habe ich durch diese pubertären Phantasien wohl kaum davongetragen. Auch bezweifle ich, dass gewaltfreie (!) und zärtliche (!) erotische Zuwendungen in diesem Alter erwähnenswerte psychische Defekte jedenfalls bei Buben ursächlich hervorrufen können. Wenn Schäden entstehen, dürfte das eine Folge des diesbezüglichen kulturellen Tabus (im Gegensatz etwa zum antiken Griechenland) sein, welche bei allen Akteuren zwangsläufig Schuldgefühle und Selbstverachtung hervorrufen. Dafür sind sie ja da. Aus diesem Grunde tauchen, je mehr diese Vorgänge kulturell tabuiert und medial skandalisiert werden, um so mehr nun tatsächlich Geschädigte und oft zur eigenen Entlastung projizierende Eiferer besonders aus den Reihen sexualtabuierender Gemeinschaften auf. Viscount, am 10. Februar 2010 um 1:02 ( Link ) @Martin Möller Die Jesuiten sind gar nicht katholisch, sondern gehören einer Sekte an. Mir ist nicht bekannt, daß die römisch-katholische Kirche neuerdings unter 'Sekte' firmiert. Oder soll hier in Wirklichkeit wieder einmal eine neue Enteignungs- und Aufhebungsrunde vorbereitet werden, wie sie vor Zeiten in Spanien, Portugal und Frankreich stattfanden? Auch die pflegten stets mit "die sind nicht katholisch!" eingeleitet zu werden ... TrebMelsa @ Alexander Kissler Vorab, vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel. In weiten Teilen stimme ich Ihrer Sicht der Dinge zu. Auch Ihren Ausführungen zur >Sippenhaft< der zum Pflichtzölibat vergatterten katholischen Geistlichen kann ich mich anschließen - mit der Einschränkung, dass ich Ihrer Grundeinstellung zum Zwangszölibat nicht folgen kann. Eine letzte Anmerkung. Nicht nur Jesuiten stemmten sich gegen die "Pillen-Enzyklika" Pauls VI., auch die große Zahl der Bischöfe war gegen diese Enzyklika - übrigens auch Johannes Paul I., der zu jener Zeit noch ein kleiner Bischof in Venetien war. Martin Möller, am 10. Februar 2010 um 10:00 ( Link ) Die Römisch-Katholische Kirche ist seit 1965 eine Sekte, genannt Konzils-Sekte. Sie haben gar kein Recht sich katholisch zu nennen, da der Katholische Glaube und das katholische Kirchtum durch Dogma und Tradition klar und messerscharf definiert sind. Den Vertretern dieser Konzilssekte ist übrigens schon mehrfach vor Gerichten der BRD nicht gelungen nachzuweisen, daß sie katholisch sind. Peter Janowitz, am 10. Februar 2010 um 10:50 ( Link ) @TrebMelsa: LePenseur, am 10. Februar 2010 um 11:01 ( Link ) Dear Viscount, Herr Möller entstammt einer Geistesregion, welche von einem FSSP-Geistlichen mir gegenüber einmal mit der trefflichen Bezeichnung "Tradiland"*) umschrieben wurde. Da ich mich selbst einmal in dieser Region durchaus zu Hause gefühlt habe (seit Jahren allerdings nicht mehr), kenne ich die Stimmungslage derartiger Tradiland-Bewohner. Man kann sie etwa mit "vor dem Vaticanum II, bessergesagt: vor Johannes XXIII war die Katholische Kirche katholisch und gut, seitdem ist sie ein kryptoprotestantischer Ketzerverein und grottenschlecht" zusammenfassen. Naja ... ---- *) mit der darin gelegenen autonomen Region "Sedi-Land", in der die Sedisvakantisten hausen, die seit unterschiedlichen Zeiten den Heiligen Stuhl als verwaist ansehen, meist seit dem Tode Pius' XII TrebMelsa @ Peter Janowitz Die Kurie beruft sich, zumindest nach meiner Wahrnehmung, doch stets auf die Tradition, insbesondere auf die Traditionen, welche in der großen thomistisch-aristotelischen Überlieferung stehen. Insbesondere berufen sich – so sehe ich dies zumindest – viele Vertreter der katholische Moralvorschriften auf Thomas von Aquin. Und dies ist meiner Meinung nach so nicht korrekt. Peter Janowitz, am 10. Februar 2010 um 12:59 ( Link ) TrebMelsa: TrebMelsa @ Peter Janowitz Aus meinem Umfeld kenne ich Priester, welche bescheiden und verständnisvoll sind; ebenfalls kenne ich Geistliche, die alles sind – nur nicht bescheiden und demütig, zum Beispiel einen Onkel von mir. Mitreden kann ich, da ich alleine bin, eigentlich nicht! Aber aus meinem katholischen Bekanntenkreis kenne ich Fälle von Familienproblemen, welche nicht zum katholischen Pastor gingen, sondern lieber zum evangelischen Pfarrer gegangen sind, eben weil dieser sich eher in Familienprobleme einfühlen konnte. Martin Möller, am 12. Februar 2010 um 12:49 ( Link ) Völlig richtig, ich wohne im Hause des katholischen Glaubens, wie er von Jesus Christus offenbart und vom Lehramt der hl. Kirche über fast 2000 Jahre definiert wurde. Nach Lehre der katholischen Kirche (Tridentinum) sind Schrift und Tradition die Quellen der hl. Offenbarung. Dies richtete sich zu Recht gegen die "sola scriptura"-Phantasterei der "Reformation". Wenn Lepenseur diese Definition nicht unterstützt, dann ist er also nicht katholisch - was ich ihm gar nicht vorwerfe - dann kann er mir allerdings auch nicht vorschreiben, was katholisch ist und was nicht. Daß er sich auf einen FSSP-Geistlichen beruft ist albern, denn diese Gemeinschaft beruft sich ja wie ich ebenfalls auf die Tradition. Wir wollen jetzt nicht prüfen, ob zu Recht oder zu Unrecht, wir bleiben aber dabei, wer wie Lepenseur die hl. Tradition leugnet, der leugnet den gesamten katholischen Glauben, der gehört ohne wenn und aber einer Sekte an, - der Konzilssekte - ebenso wie die Neujesuiten. LePenseur, am 12. Februar 2010 um 18:29 ( Link ) @Martin Möller: der gehört ohne wenn und aber einer Sekte an, - der Konzilssekte - ebenso wie die Neujesuiten. Wer wie Sie bloß den Abfall von einer hl. Tradition als Sekten-Kriterium heranzieht, sollte sich allerdings schon seelisch darauf vorbereiten, daß man ihn als Mitglied einer jüdischen Sekte bezeichnet (lassen wir die schwer zu entscheidende Frage mal beiseite, wovon sich einst das Judentum sektiererisch abgespalten hat ...) Für gewöhnlich wird allerdings bei Sekten auf mehrere Kriterien abgestellt: Mitgliederzahl, Form des Beitritts (vgl. Max Webers Definition, daß Sekten "voluntaristische Gemeinschaften" sind, in die man aufgrund persönlicher Entscheidung und Prüfung durch die Gemeinschaft aufgenommen wird, Kirchen hingegen Anstalten, in die man "hineingeboren" wird — was dafür spräche, daß die "Konzilssekte", so sorry für Sie, keine ist, sondern höchstens eine "Konzilskirche"), Fundamentalismus, Abgrenzungstendenzen, usw. Tradiland jedenfalls mit seinen x-fach zersplitterten Gruppen und Grüppchen, die insgesamt vielleicht 1% der Zahl der "Konzilssekte" ausmachen werden — das klingt halt doch ein bisserl nach "tail wagging the dog" ... aber egal! Wenn Sie meinen, die RKK als Konzilssekte zu bezeichnen (was ich in früheren, wilderen Jahren auch gelegentlich getan habe, aber das gibt sich im Lauf des Alters ...), tun Sie's ruhig. Martin Möller, am 12. Februar 2010 um 19:59 ( Link ) "Konzilssekte" - das ist nun wirklich scherzhaft gemeint (Auch bei anderen Tradis)! Die Sekten-Kriterien sind mir bestens bekannt, und treffen auf viele Tradi-Gruppen ziemlich genau zu, übrigens auch auf Teile der Anhängerschaft der FSSPX. Aber das ändert nichts daran, daß z.B. die heuigen Jesuiten nicht katholisch sind. Ich halte mich von ihnen fern, obwohl ich formell zu einer Jesuitengemeinde gehöre und ich kann nur jedem raten, sie zu meiden. LePenseur, am 12. Februar 2010 um 20:06 ( Link ) @Martin Möller: Anton B. Caesar, am 26. Februar 2010 um 16:02 ( Link ) Bei alledem darf man nicht vergessen, daß es ja auch Unterwanderer gibt. Ein Freund zeigte mir vor Jahren ein bebildertes Drohflugblatt, welches ihm mit der Post (!) in den 80er Jahren zugesendet worden war, weil er sehr "katholische" (Moral)ansichten hatte (und hat). Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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LePenseur, am 09. Februar 2010 um 10:03 ( Link )
Meine Ansicht zum Pflichtzölibat ist zwar durchaus verschieden von der kirchenamtlichen Position — dennoch: Sie haben völlig recht, daß es die Zeichenhaftigkeit dieser Einrichtung ist, die die progressiv-philiströs-gutmenschliche »Leitkultur« unserer Tage stört und verstört!
Daß da jemand aufs Schn.ckseln verzichtet »um des Himmelreichs willen« ist all jenen, die ihre Sexualerziehung aus »Bravo« & Co. bezogen, derart unverständlich, daß es sie mit tiefem Unbehagen erfüllt. Und Unbehagen entläd sich schnell in Ausgrenzung und Haß.
Wer nur das "Machbare" macht und nur das "Zumutbare" sich zumutet, der reagiert eben allergisch auf ein "Mehr". Wer bei Jugendlichen das Abfeiern bei Parties schmunzelnd fördert (solange sie nicht betrunken autofahren und nicht auf den Gummi vergessen — na, eh schon wissen: AIDS-Gefahr!), der wird einen Verzicht auf dieses Vergnügen als unterschwelligen Vorhalt eigener Zügellosigkeit empfinden, und dementsprechend pikiert reagieren.
Ganz analog: wer die Haltung "lieber rot als tot" verinnerlicht hat, für den wird ein Soldat, der das Leben für sein Land einsetzte, pathologisch deformiert sein — bevor er sich eingesteht, daß ein "lieber rot als tot" zugleich auch ein "lieber geknechtet leben als frei sterben" bedeutet (was die nonchalante Weltklugheit des Satzes halt doch ein bisserl in Richtung Charakterlosigkeit nüanciert).
Daß jedenfalls die Permissivität, mit der in den letzten Jahrzehnten — nach "klassischen" Aufnahmekriterien gemessen — höchst problematische Kandidaten zum Priester geweiht wurden, heute ihr ekeliges Nachspiel hat, ist unübersehbar.
Vor ca. 25 Jahren wurde ein Bekannter, der nach Rom zum Theologiestudium ging und durch Zufall einen Platz im »Irish College« erhielt, am Eingang von einem künftigen Kommilitonen mit den Worten begrüßt: »If you wanna ride a guy, you are here in the right place«. Mein Bekannter verabschiedete sich nach dieser Begrüßung und suchte sich ein anderes Kollegium ... und es verwundert nicht, daß aus einer solchen Einstellung heraus Ereignisse wie die von Ihnen zitierten entstehen.