Ansgar Lange

Ansgar Lange, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Publizist.

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Rezension: „Die Deutschen und ihre Geschichte“: Es lief nicht auf Hitler zu

von Ansgar Lange

Wer Joachim Fest, Golo Mann oder Sebastian Haffner schätzt, wird sich auch von Alexander Gauland gut unterhalten wissen

Die deutsche Geschichte lief nicht automatisch auf Adolf Hitler zu. Mit diesen Worten lässt sich Alexander Gaulands schmaler Band „Die Deutschen und ihre Geschichte“ zusammenfassen. Der Autor ist ein bekennender Konservativer. Seine Artikel erscheinen heute vor allem im „Tagesspiegel“ und in der „Welt“. Für Caspar von Schrenck-Notzings „Criticón“ hat er in den 70er und 80er Jahren einige noch immer lesenswerte Autorenporträts vornehmlich englischer Schriftsteller geliefert. Zuletzt war der 1941 geborene Gauland, der einst auch als Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei diente, als Herausgeber und Geschäftsführer der „Märkischen Allgemeinen“ in Potsdam tätig.

Wer in der Geschichtswissenschaft nicht dem Kult des Bruchstücks huldigt und sich bei Autoren wie Joachim Fest, Golo Mann oder Sebastian Haffner zuhause fühlt, wird sich auch von Gaulands jüngstem Werk angesprochen fühlen. Das Buch ist angenehm kurz, die Prosa elegant und sehr gut lesbar.

Durchaus kritisch äußert sich der Autor zum „Lebensgesetz Preußens“, insbesondere aber auch zur „Radikalität“ im Handeln von Friedrich dem Großen: „So haben schließlich der preußische Klassizismus und Fontane mehr für die Stabilität dieses Staatswesens getan als die Eroberung Schlesiens. Doch trotz dieser kulturellen Leistungen bleibt der Satz des Historikers Erdmann gültig, dass es keine preußische Idee gab, mit der dieser Staat – anders als Frankreich, England oder auch Spanien – in die Welt hätte hinauswirken wollen.“

Für mehr Gerechtigkeit plädiert Gauland auch im Hinblick auf die Beurteilung der Jahre nach dem Wiener Kongress. Sie seien nicht Sinnbild für Reaktion, Stillstand oder Verzopftheit, sondern glückliche und friedliche Jahre, „in denen der Metternichsche Pessimismus für eine ungestörte Privatheit sorgte, deren ästhetischer Ausdruck das Biedermeier war“. Während das Werk Bismarcks durchaus Anerkennung erfährt, fällt das Urteil über die wilhelminische Zeit scharf aus. Die bürgerliche Gesellschaft damals sei eine „Gesellschaft ohne Selbstbewusstsein“ gewesen. Insbesondere auf kulturellem Gebiet habe das Deutsche Reich eine Sonderentwicklung durchgemacht: „In diesem Geist empfängt das deutsche Bürgertum die Musik Richard Wagners und die Philosophie Friedrich Nietzsches. Statt des großen sozialen Romans, wie ihn England, Frankreich und Russland mit Dickens und Thackeray, Balzac, Flaubert und Zola, Gogol und Tolstoi hervorbringen, entstehen in Deutschland die Musikdramen Richard Wagners als ein Hymnus auf das Völkisch-Mythische.“

Dass schließlich eine solche mediokre Gestalt wie der böhmische Gefreite sich die Macht in Deutschland ergaunerte, hatte viel mit den Belastungen des Versailler Vertrages sowie den Drangsalen der Weimarer Republik an ihrem Beginn durch Niederlage und Inflation zu tun. Bismarck, Friedrich der Große oder auch Luther waren jedenfalls keine direkten Vorfahren Hitlers.

Mit der Wiedervereinigungspolitik Helmut Kohls kam die deutsche Geschichte dann doch an ein (vorläufiges) glückliches Ende: „Seit Bismarcks Bündnissystem von den Nachfolgern aufgegeben worden war, war es das erste Mal, dass ein deutscher Regierungschef wieder Weltpolitik machte, ohne das Land ins Chaos zu führen“.

Internet

Alexander Gauland: Die Deutschen und ihre Geschichte. wjs Verlag: Berlin 2009. 167 Seiten. 19,95 Euro.  ISBN: 9783937989563.

10. März 2010

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