17. März 2010

Wohlfahrtsstaat Was wir von Forrest Gump lernen können

Weg von der Titte – auch ein Programmtipp, heute 20:15 Uhr

Dossierbild

Heute Abend läuft auf Kabel1 mal wieder Forrest Gump (20:15 Uhr). Lieblingsfilm von mir. Er kam 1994 in die Kinos und damit etwa zehn Jahre zu spät, denn kein Hollywood-Film verkörpert besser das zuversichtliche, optimistische Amerika der Reagan-Jahre. Damals, als sich die USA aus ihrer Sinnkrise nach dem verlorenen Vietnamkrieg befreit und die westliche Welt zum Sieg über den gottlosen Kommunismus geführt haben. Das war Amerikas Sternstunde in der Weltgeschichte.

Forrest Gump ist erfolgreich im Leben, obwohl er die denkbar schlechtesten Voraussetzungen hat: einen um mehrere Punkte zu niedrigen IQ und eine Krankheit, die ihn als Kind zu Krücken zwingt. Aber das Schicksal meint es gut mit ihm, weil er immer fleißig arbeitet, an Gott glaubt, sich an die Gesetze hält, seinem Land dient und seine Freunde nicht im Stich lässt. Für Kritiker mag das kitschig klingen, aber ich sage: Anstelle der ständig wachsenden Armutsbürokratie brauchen wir einen Forrest-Gump-Spirit auch in Deutschland.

Nehmen wir die Probleme im Zuwanderermilieu und in der deutschen Unterschicht. Die Leute werden mit Hartz IV abgespeist und haben keinen Anreiz, sich Mühe zu geben. Der Bürgermeister von Berlin-Neukölln Heinz Buschkowsky (SPD) sagt, „langfristige Sozialleistungen paralysieren die Leute.“ Das klinge wie bei einem Reagan-Republikaner, meint „The Economist“ in der aktuellen Ausgabe. Wenn die Kinder von den Eltern lernen, dass es normal ist, dass das Geld vom Amt kommt, wie sollen sie dann lernen, dass Geld erarbeitet werden muss? Das Wort von der spätrömischen Dekadenz ist nicht weit hergeholt, nur dass es in vielen Haushalten heute statt „Brot und Spiele“ nur noch Döner und Spielkonsole gibt.

Eine meiner favorisierten Szenen in dem Film ist diese: Forrest Gump kommt von einem Fernsehauftritt mit John Lennon. Am Ausgang des Senders erwartet ihn „Lieutenant Dan“, sein ehemaliger Vorgesetzter aus Vietnam. Dan hat beide Beine verloren und ist verbittert deswegen. Er wäre lieber den Heldentod im Feindesland gestorben und hadert mit dem Schicksal: „Jetzt hänge ich an der Titte der Wohlfahrt.“

Ich habe diesen Satz schon zigmal gehört und selbst zitiert. Eher gedankenlos. Inzwischen habe ich ein paar Mal beim Stillen zugeschaut und weiß aus persönlicher Inaugenscheinnahme, was das wirklich bedeutet: „an der Titte hängen“. Ein Säugling ist total abhängig von der Mutter. Er schreit, wenn er hungrig ist, spuckt es aus, wenn er zu hastig getrunken hat, legt keine Reserven an. Zeitpräferenzrate gleich null. So sind Menschen, die an der Titte des Sozialstaats hängen. Und so wollen die Linken die Menschen haben: total abhängig und total unselbständig. Die Partei kümmert sich um euch...

Bei der aktuellen Debatte um die 23. Reform von Hartz IV wurde nun neben vielem Quatsch auch der Vorschlag gemacht, die Förderung zeitlich zu begrenzen. Das ist mal ein wirklich guter Vorschlag. Ich wäre sogar für zwei Jahre wie in Amerika. Mehr Stütze gibt es nicht. Denn nur wenn die Leistungsbezieher das Auslaufen der Stütze vor Augen haben, werden sie sich aufraffen.

So wie der Rollstuhl fahrende Ex-Lieutenant Dan, der nach einiger Zeit seine Lebenskrise überwindet und Forrest besucht. Zusammen starten sie ein Unternehmen mit einem Shrimps-Kutter. Beide werden sie wohlhabend, und Dan erscheint mit seiner Frau, einer Asiatin, am Ende bei Gumps Hochzeit. Er läuft auf Prothesen. Vergessen sind die Schrecken des Krieges. Überwunden ist die Zeit „an der Titte der Wohlfahrt“.


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