Edgar L. Gärtner

Jahrgang 1949, Hydrobiologe, Wissenschaftsautor.

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Deutsche Energiepolitik: Französischer Atomstrom oder häufige Blackouts

von Edgar L. Gärtner

„Klimapolitik“ führt zu Chaos auf dem Strommarkt

„Es gibt gegenwärtig keine zweite Branche in Deutschland, die so zerrissen und richtungslos ist wie die Stromindustrie. Grund ist die Dominanz von Umweltaspekten in der Energie- und vor allem der Strompolitik.“ So beginnt eine am 25. März im Wirtschaftsteil der FAZ erschienene Analyse bedenklicher Entwicklungen auf dem deutschen Strommarkt. Dabei geht es, wohlgemerkt, nicht um experimentell nachweisbare Umwelt- und Gesundheitsprobleme wie die Verschandelung von Landschaften durch Hochspannungstrassen oder den von ihnen erzeugten Elektrosmog, sondern um eine „Klimaschutzpolitik“, die nicht definieren kann, welches Klima sie denn schützen will, das heißt um reine, nihilistisch motivierte politische Willkür. Der FAZ-Artikel macht verständlich, dass es das von der Wirtschaft eingeforderte und von der Bundeskanzlerin noch für dieses Jahr versprochene „Energiekonzept aus einem Guss“ so lange nicht geben wird, wie die Energiepolitik aus ideologischen Gründen und im Interesse der parasitären Wind- und Solar-Lobby auf kohlenstoffdioxidfreie Lösungen festgelegt wird.

Wind- und Solarstrom zeichnen sich, abgesehen von ihren hohen Kosten, durch ihre Unstetigkeit und Unzuverlässigkeit aus. Häufige abrupte Lastwechsel machen es immer schwieriger, die Hochspannungsfrequenz im vorgegebenen Toleranzbereich zu halten und Notabschaltungen von Generatoren zu vermeiden. Vor allem Windstrom fällt beim Heranziehen von Sturmtiefs oft in großen Mengen ausgerechnet dann an, wenn der Bedarf am geringsten ist. So musste die Leipziger Strombörse am zweiten Weihnachtstag 2009 Abnehmern je Megawattstunde bis zu 230 Euro zuzahlen, um den bei heftigem Wind erzeugten Stromüberschuss überhaupt noch loszuwerden. Anfang Oktober 2009 mussten die Stromanbieter gar fast 1.500 Euro je Megawattstunde drauflegen, um den überschüssigen Windstrom irgendwo unterzubringen. Der SPIEGEL 10/2010 berichtete, zwischen Anfang September 2009 und Anfang März 2010 hätten die Strompreise nicht weniger als an 29 Tagen wegen des Windstromüberschusses ins Negative gedreht. Profitieren können davon zum Beispiel die Betreiber österreichischer Pumpspeicher-Kraftwerke, die diesen Strom zu negativen Preisen einkaufen, um mit seiner Hilfe Wasser in Hochspeicher zu pumpen. Bei Spitzenbedarf können sie dann das gespeicherte Wasser über Fallrohre auf Turbinen leiten und den damit erzeugten Strom an der Börse zu Höchstpreisen absetzen.

Wegen des begonnenen Baus großer Windparks in der Nordsee muss der Strom in Zukunft über immer weitere Strecken zu den Zentren des Verbrauchs transportiert werden. Deshalb wird der sich hinziehende Bau Milliarden teurer neuer Stromtrassen in Nord-Süd-Richtung in Deutschland zum Nadelöhr der Stromversorgung. Da sich die großen Stromerzeuger wie RWE, E.ON und Vattenfall auf Wunsch der EU-Kommission von ihren Verteilungsnetzen trennen sollen, sind diese zum Objekt eines internationalen Pokers geworden. Konkret: Ausländische Investoren können versuchen, durch eine Übernahme von Teilen des deutschen Hochspannungsleitungsnetzes den deutschen Strommarkt zu ihren Gunsten zu beeinflussen und/oder billigen Atomstrom zu den hohen deutschen Marktpreisen abzusetzen. So erklärt es sich, dass die niederländische Netzgesellschaft Tennet und die belgische Elia für die Netze von E.ON und Vattenfall mehr als doppelt so viel geboten haben als deutsche Konsortien.

Die FAZ schließt sich der Vermutung an, der belgische Stromerzeuger Electrabel, eine Tochter des französischen Versorgungskonzerns Suez-GDF, werde seine Beteiligung an Elia letzten Endes an den französischen Netzbetreiber RTE verkaufen. Dieser könnte dann ungehindert französischen Atomstrom in deutsche Netze schicken. FAZ-Redakteur Werner Sturbeck schließt daraus: "Es sieht ganz so aus, als wenn in den letzten Monaten der Einfluss deutscher Akteure aus Politik und Wirtschaft auf die Gestaltung des Höchstspannungsnetzes der Zukunft geringer geworden ist.“

Internet

Stromhandel: Windiges Minus

Strommarkt: Eine chaotische Baustelle

26. März 2010

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