13. April 2010

Kampf gegen Rom Die Enttabuisierer der Pädophilie tauchen ab

„Die neue Ordnung“ spricht Klartext

In der April-Ausgabe der Zeitschrift „Die Neue Ordnung“ beschreibt der Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels den neuen „Kampf um Rom“. Ockenfels, der an der Universität Trier lehrt und als Publizist eine scharfe Klinge führt, macht in seinem Editorial auf die Einseitigkeit der derzeitigen Debatte aufmerksam. „Aus Gründen der Gerechtigkeit möchte ich endlich wissen, wie viele Journalisten und Politiker, Regisseure und Literaten, Familienväter, Singles, Zölibatäre und Homosexuelle, beamtete und reformpädagogische Lehrer, protestantische und muslimische Erzieher, Musik- und Sporttrainer an diesen ‚verabscheuungswürdigen Verbrechen’, von denen die Bundeskanzlerin im Parlament sprach, beteiligt sind. Das wird sich doch hoffentlich bald am ‚Runden Tisch’ erweisen lassen. Jedes Verbrechen ist übrigens verabscheuungswürdig, besonders das der Tötung von ungeborenen Kindern, die zur gentechnischen Vernutzung missbraucht werden. Aber davon darf jetzt keine Rede mehr sein“, schreibt Ockenfels.

Die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs zielten besonders auf die katholische Kirche, träfen aber nicht weniger die anderen konfessionellen, gesellschaftlichen und staatlichen Erziehungseinrichtungen. Die vorliegende Kriminalstatistik belehre uns, wie wenig die Gesellschaft Jesu – und wie stark die Gesellschaft insgesamt – in diese Schande verstrickt sei, so der Autor. Dass nun gerade katholische Erzieher moralisch diskreditiert, in Sippenhaft genommen und weichgeklopft werden sollen, hänge mit einer Aufklärung zusammen, die nichts mehr mit Transparenz oder Gerechtigkeit zu tun habe: „Zur Diskreditierung der Kirche hat man sie schon in früheren Zeiten an ihren offenen und weichen Flanken angegriffen. Sex und Geld haben sich seit jeher als geeignete Stichwörter erwiesen, mit denen man die Kirche aufspießen kann. Das wusste vor allem das kirchenfeindliche NS-Regime zu nutzen, als es nach 1936 eine Serie von Sittlichkeits- und Devisenprozessen gegen Priester inszenierte.“

Ockenfels, beileibe kein christlicher Sündenbock und Duckmäuser und ein Freund der deutlichen Aussprache, greift das missglückte Bild Westerwelles von der „spätrömischen Dekadenz“ auf. Mit Blick auf die dekadente Spätphase der griechischen und römischen Antike wäre es „freilich zutreffender gewesen, auf die damals grassierende, literarisch verklärte Pädophilie hinzuweisen“, so der Schriftleiter der „Neuen Ordnung“. „Und daran zu erinnern, dass es vor allem die Kirche war, die mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern aufräumte. Das rechtliche Missbrauchsverbot bedarf nach wie vor der moralischen Absicherung seitens der Kirchen. Besonders von ihnen erwarten wir Widerstand gegen die massenmediale Verführung von Minderjährigen, gegen kinderpornographische Angebote und Lolita-Verklärungen. Wie hießen doch noch die grün-liberalen Verteidiger dieser Unsitten in den 68er Jahren? Cohn-Bendit ist jetzt peinlich berührt, die damaligen Enttabuisierer sind abgetaucht – und suchen fleißig nach Sündenböcken.“


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