01. Mai 2010

Auf der linken Überholspur Die CDU dreht durch

Frau Aygül Özkan als nützliche Idiotin einer leninistischen Partei

Frau Aygül Özkan ist die erste ministeriable Quotenmuslima der Republik. Gratulation! Viele werden sagen, dass dies längst fällig war. Denn Quotenfrauen gibt es schon genug in Führungspositionen aller gesellschaftlichen Bereiche unseres Landes. Quotenjugendliche wie Herr Rösler und Frau Schröder sind im deutschen Bundeskabinett. Fehlen noch Quotenkinder. Auch das wird kommen. In Deutschland ist alles möglich.

Doch im Ernst. Es ist schon schlau, wie die CDU versucht, in punkto „political correctness“ und Multikulti die linken Parteien zu überholen. Chapeau! So hat zum Beispiel Frau Schavan es durchgesetzt, 200 Professuren nur für Frauen zu schaffen, was sich keine linke Regierung je getraut hat. Mehr „gender mainsteaming“ geht einfach nicht. Jetzt wird eine türkischstämmige Frau, vordergründig zur Demonstration der Toleranz und Weltoffenheit der CDU, in das Amt der niedersächsischen Sozialministerin gehievt. Ihre Äußerung im „Focus“ zum Verbot von Kruzifixen in Klassenzimmern staatlicher Schulen hat sie nach eigenen Aussagen „ohne ausreichende Kenntnisse des Landes Niedersachsen“ getan. Ideale Voraussetzungen, muss man sagen, um in Niedersachsen Ministerin zu werden. Aber Frau Özkan hat als Juristin und Regionalvertriebsleiterin bei dem Postdienstleister TNT Post ja ohnehin beste Voraussetzungen ausgerechnet für dieses Amt der Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration. In Deutschland ist alles möglich.

Die CDU hat sich bislang zum Beschluss des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, dass nämlich Kruzifixe an staatlichen Schulen gegen die Menschenrechtskonventon verstoßen sollen, nie klar geäußert. Sie ist als C-Partei ohnehin scheinheilig. Aber geradezu heimtückisch war es nun von ihr, diese Frau für die Unterstützung dieses Beschlusses der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Ihre Meinung war ja bekannt, und privat dürfte sie sie weiterhin behalten. So etwas nennt man einen Versuchsballon. Dafür eine in Deutschland geborene Frau türkischer Herkunft vorzuschicken, weil man selbst noch keinen Mumm hat, die eigene Meinung zu sagen, bedeutet letztlich: Die CDU hat sich in der Tradition Roland Kochs als latent ausländerfeindlich geoutet. Lenin hätte Frau Özkan als „nützlichen Idioten“ bezeichnet. Genau diese Rolle hatte Frau Özkan in dieser Sache für die CDU. Aber das sind nur die berühmten Späne, die beim Hobeln schon mal fallen können.

Die CDU unter der Ostdeutschen Merkel, die den Hobel führt, wird sich mittelfristig des Buchstabens C entledigen. Nur aus wahltaktischen Gründen, um Muslime auf ihre Seite zu ziehen, wurde jetzt Frau Özkan, die der CDU erst seit 2004 angehört, gekürt. In zwanzig Jahren, erklärte Ministerpräsident Wulff, werde eine muslimische Ministerin hierzulande kein Aufsehen mehr erregen. In der „FAZ“ erkennt Christian Geyer darin eine „demographisch gut gesicherte Prognose“. Auch Frau Özkan hat mit der Heirat eines türkischstämmigen Arztes gezeigt, dass sie an der demographischen Stringenz des Türken- und Moslemtums nicht rütteln will. Integration, für deren Forcierung sie sich besonders berufen fühlt, darf nicht zu weit gehen.

Von der CDU werden aus Mangel an eigenen konservativen Konzepten linke Positionen übernommen und überzogen, um sich zu profilieren. Die Sozialdemokratisierung der CDU, wie sie von der derzeitigen Kanzlerin intensiv betrieben wird, geht weiter, und nicht immer ganz glücklich, wie der Fall Özkan zeigt. Aber die Richtung stimmt, wie  die „Berliner Erklärung“ sie vorgibt. Der Widerstand in der CDU formiert sich unter anderem in der „Aktion Linkstrend stoppen“. Aber die Gesichtslosigkeit der großen Parteien wird immer offenkundiger und ist wohl nicht aufzuhalten. Aus der CDU wird noch eine Partei der linken Mitte. In Deutschland ist alles möglich.

Da lobe ich mir doch den großen Zampano aus Italien. Der und die italienischen Gerichte kümmern sich überhaupt nicht um Straßburger Regelungen, was das Kreuz in staatlichen Schulen angeht. Kein Wunder, dass Berlusconi den meisten Italienern sympathisch und für die politisch Korrekten in Berlin ein rotes Tuch ist. Man muss nicht in allem mit ihm einverstanden sein, aber was das Kreuz und seine Haltung zu Straßburg angeht, nenne ich sein Vorgehen eigentümlich frei. Ist das in Deutschland möglich?


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Adorján F. Kovács

Über Adorján F. Kovács

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige