Christian Dorn

Jg. 1970, Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie in Berlin, freier Journalist.

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Mit dem Zweiten sieht man besser …: … nicht so genau hin

von Christian Dorn

Das ZDF lädt ein und wieder aus

Der Tag der Pressefreiheit am 3. Mai war auch nur ein gewöhnlicher Tag, an dem zahllose Pressemeldungen produziert wurden. So auch diesmal, als wir lesen mussten, dass das ZDF die Einladung an den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard – zu einem Interview in der Sendung „Markus Lanz“ – zurückgezogen hat. Stattdessen sahen wir, wie Lanz sich und sein Publikum über die Gefahr von Haushaltsunfällen von Kleinkindern informierte. Hierzu waren überproportionale Einrichtungsgegenstände ins Studio gestellt worden, so dass Moderator und Gäste ob ihrer Körpermaße selbst wie Kleinkinder wirkten. Ob das ZDF die Überalterung seiner Zuschauerstruktur durch derartige Infantilisierungsmaßnahmen reduzieren kann, bleibt offen. Völlig klar scheint indessen, dass die Absage an den Mohammed-Karikaturisten der – vermeintlichen? – Drohkulisse islamistischer Kreise zu verdanken ist.

Während Westergaard, auf den kürzlich ein islamistischer Attentäter aus Somalia einen Mordanschlag verübt hatte, im Verhalten des ZDF „Selbstzensur aus Angst vor Repressalien“ sieht, bemäntelt der Sender die Absage als „eine redaktionelle Entscheidung“, weil „eine Unterhaltungs-Talkshow keine geeignete Pattform für eine Auseinandersetzung mit dem Thema ist“. Das nun ist eine Antwort, die gleich zwei Fragen aufwirft: Erstens: Warum kam es dann überhaupt zu einer Einladung Westergaards für diese Sendung? Zweitens: Gibt es sonst irgendwelche Hemmschwellen, die Lanz & Co. daran hindern, auch noch die intimste oder peinlichste Frage in das Scheinwerferlicht zu zerren? Überhaupt scheint das ZDF sich als Zweiter Dhimmi Funk dieses Landes profilieren zu wollen, so durch die Wahl der Sendetermine oder die Betrachtung der Tagespolitik: War der Ausstrahlungstermin des Dokumentarfilms „KoranKinder“ in dieser Woche zur Primetime der allgemeinen REM-Phase angesetzt, nachts um halb eins, bedauerte das „auslandsjournal“ vom 21. April die Burka-Trägerinnen Belgiens ob des bevorstehenden Verschleierungsverbots.

Freilich wissen wir um den „Claim“ des ZDF: „Mit dem Zweiten sieht man besser“, und ergänzen: ... nicht so genau hin. Denn bekanntlich ist der Einäugige ja nur der König unter den Blinden. Der Karikaturist Viktor Mammes, Erfinder des islamistischen Selbstmordattentäters als Witzfigur, hatte in der „Jungen Freiheit“ (09/2006) die Frage, inwiefern es für Cartoons Grenzen geben müsse, bereits abschließend beantwortet: Karikaturen dürften „keine Konsulate anzünden, keine Randale veranstalten und keine Menschen umbringen, denn das dürfen nur die in ihren religiösen Gefühlen beleidigten Weltrandgruppen.“ Zudem habe der Karikaturist „eine besondere Verantwortung, denn ein einziger Cartoon kann Millionen Menschen verletzen, ein Selbstmordattentäter dagegen vielleicht zehn oder zwanzig.“ Bleibt eine Frage: Erhält das ZDF für sein Einfühlungsvermögen die Kopfnote „umma cum laude“?

05. Mai 2010

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