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Eintrag ins Geschichtsbuch per Zeitungsinserat: Das Finanzsystem ist nicht zu rettenvon Kristof Berking Die Wahrheit findet ihre Wege Seit dem Westfälischen Frieden 1648, als die Schweizerische Eidgenossenschaft aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ausschied und sich immerwährende Neutralität schwor, ist es gewiss nicht all zu oft vorgekommen, dass ein Schweizer Bürger einem deutschen Reichstags- beziehungsweise Bundestagsabgeordneten unter Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel Gehör verschafft. Vielleicht ist es auch ein wenig der innerschweizerischen Diskussion um einen EU-Beitritt geschuldet, wenn der Leser der „Neuen Zürcher Zeitung“ am 5. Juni 2010 im ersten Bund auf Seite 17 eine halbseitige Anzeige vorfand unter der plakativen Überschrift: „Das Finanzsystem muss nicht gerettet werden“, Komma. Nanu, denkt der neugierig gewordene Leser, und erfährt in der nächsten Zeile: „das Finanzsystem ist das Problem!“ Der Versuch, die herrschende Papiergeldordnung um jeden Preis zu retten, sei fatal und nicht alternativlos. Es folgt der volle Wortlaut der persönlichen Erklärung, mit der der Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler am 21. Mai seine Ablehnung des 750-Milliarden-Rettungspaketes für überschuldete Euro-Staaten im Bundestag begründete. Auftraggeber der Anzeige ist ein Schweizer Kaufmann aus Bern, Johannes Müller. Die Erklärung des MdB Schäffler, die bei ef-online und auf zahlreichen Blogs bereits dokumentiert wurde, enthält eine glasklare Analyse der tieferen Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Kenner der Geld- und Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Ökonomie (Mises, Hayek & Co.) finden in diesem, dem Deutschen Bundestag zu Protokoll gegebenen Text alle wichtigen Kritikpunkte genannt, vom Teilreserveprivileg der Geschäftsbanken bis hin zur Störung des Preissystems durch die Zinspolitik der Zentralbanken. Die Wurzel der Krise ist, wie es Johannes Müller in seinem Begleittext zu Schäfflers Erklärung auf den Punkt bringt, „unser planwirtschaftliches Geldsystem“. Wir haben es also, will die Anzeige sagen, mit einer Geldsystemkrise zu tun, und nicht etwa mit einem Versagen des Finanzmarktes, dessen man durch eine stärkere Reglementierung Herr werden könnte. Letztere Deutung beherrscht indes immer noch die öffentliche Diskussion. Als unlängst in einer Talk-Runde bei Anne Will im Ersten Deutschen Fernsehen Claus Vogt, Autor des Buches „Die Inflationsfalle“ und Kolumnist von eigentümlich frei, erläutern wollte, wie die Geldpolitik, das heißt die künstlich niedrigen Zinsen der Zentralbank, zu Fehlinvestitionen führen, die nach einem solchermaßen entfachten Scheinboom zwangsläufig liquidiert werden müssen und so stets unvermeidlich in eine Rezession münden, beendete die Star-Moderatorin seine Ausführungen mit dem Satz, das sei ihr „zu kompliziert“. Einem einzigen Bundestagsabgeordneten – immerhin einem – ist dieser einfache Zusammenhang nicht zu schwierig, und er hat den Mut, seinem eigenen Gewissen zu folgen und sich gegen den kurzsichtigen Bail-Out der Banken und des Papiergeldsystems zu stellen, um den es sich letztlich bei dem Hilfspaket für die PIIGS-Staaten handelt. Diesem Mut möchte Johannes Müller mit seiner Anzeige Respekt zollen, denn es ist immer bequemer, mit der Masse zu irren, als alleine Recht zu haben. Müller möchte die Erklärung Schäfflers auch fürs „Geschichtsbuch“ festgehalten wissen, was wohl so viel heißen soll wie: Es entschuldige sich in ein paar Jahren keiner damit, dass doch alle geglaubt hätten, die Rettung des Papiergeldsystems sei „alternativlos“ gewesen. Dass der Versuch der Rettung mit noch mehr aus dem Nichts geschöpften Kreditgeld scheitern muss, ja, dass er die Fallhöhe sogar noch erhöht, kann man jetzt schon, 2010, wissen. Aber was ist denn eigentlich die Alternative zur Rettung des herrschenden Finanzsystems? Das deutet der kurze Text Schäfflers nur an, doch weiß der Abgeordnete wohl darauf zu antworten, wenn man ihn nur einmal danach fragen würde. Falls die Anzeige dazu führt, dass man Schäffler einmal mehr ein Mikrofon hinhält oder gar zu den Talkrunden über die Finanzkrise einlädt, hat sie ihren Zweck erfüllt. Dann versteht vielleicht auch Anne Will, warum die monetäre Planwirtschaft, in der wir spätestens seit Aufgabe der letzten rudimentären Golddeckung des Dollars 1971 leben, ein äußerst fragwürdiges Experiment ist, über das man eine Diskussion zulassen sollte. Die Geldsystemfrage wird in den nächsten Jahren so oder so auf die Tagesordnung kommen, denn die kolossale Überschuldung, die das System der Kreditgeldschöpfung ermöglicht hat, macht am Ende einen Schnitt unausweichlich. Dann werden sich die Verantwortlichen von heute Frank Schäfflers weitsichtige Erklärung vom 21. Mai oder ihre Publizierung in der „NZZ“ vom 5. Juni 2010 beschämt vorhalten lassen müssen. Auch das Platzen der Immobilienblase 2007/2008 hatten Vertreter der Österreichischen Schule der Ökonomie lange vorausgesagt. So hatte der amerikanische Kongressabgeordnete Dr. Ron Paul am 10. September 2003 vor dem Finanzausschuss des Kongresses – mit demselben Wortlaut sogar bereits ein Jahr zuvor vor dem Repräsentantenhaus – mit präziser und, wie heute alle wissen, richtiger Begründung auseinandergesetzt, warum die Niedrigzinspolitik der FED und die Häuser-für-jedermann-Politik der Regierung zu einem Desaster führen müsse. Nach seinen atemberaubenden Erfolgen im Präsidentschaftswahlkampf 2007/2008 wurde Ron Paul, wie er gerne erzählt, auf den Gängen und Fluren des Kapitols immer wieder von anderen Abgeordneten, die ihn vorher ignorierten, in kollegialem Ton vertraulich angesprochen, ob er eine neue PR-Strategie anwende und welche Agentur er beschäftige. Tatsächlich beschäftigte Ron Paul gar keine Agenturen oder Spindoktoren, und den über seinen Erfolg rätselnden Berufspolitikern antwortete er immer, was auch Frank Schäffler in Deutschland seinen Kollegen sagen kann, wenn sie wissen wollen, wie er es denn bloß schaffe, dass wildfremde Leute seine Erklärungen in Weblogs und sogar bezahlten Zeitungsanzeigen verbreiten: „Es reicht, die Wahrheit zu sagen.“ Internet Anzeige in der Neuen Zürcher Zeitung vom 5. Juni 2010 Frank Schäfflers persönliche Erklärung Johannes Müller: Gold als Schlüssel zur Freiheit Internetführer zur „Ron Paul Revolution“ Frank Schäfflers Beiträge bei ef 05. Juni 2010 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann oder Michael Klonovsky schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareKurt_G Danke! Zitat: „Es reicht, die Wahrheit zu sagen.“ Dazu: achten Sie mal unten im Video auf Olaf Henkel, Baring und auf die Reaktion Blüms & Friedmans. Aufschlußreich, sehr aufschlußreich. Ausnahmsweise gut. Maischberger überaschte ... Zwar viel Palaver - aber alle Achtung. Erstmals werden Dinge beschrieben die bis dahin im ARD und ZDF Tabu waren. Friedmans Attacke gegen Westerwelle und seine nicht mehr ernst zu nehmende Darstellung der Problematik und VT Behauptungen. Einfach die Friedmankeulen übersehen .. Lisa Fiz direkt und deutlich und wird wie immer VerschwörungstheoretickerIN genannt. Ziehts euch rein. Lohnt. Vor allem Olaf Henkel Voila: proudly present - Maischberger. vonclausewitz, am 05. Juni 2010 um 17:51 ( Link ) Ist der Cem Özdemir wirklich ein Mitglied des CFR bzw. DGAP? War mir neu, würde aber gut passen. Unter Umständen hat diese Melone (Aussen grün, innen rot, mit braunem Kern...) noch eine grosse Zukunft vor sich. Olaf Janowski, am 05. Juni 2010 um 18:57 ( Link ) Ist der Cem Özdemir wirklich ein Mitglied des CFR bzw. DGAP? @ von Clausewitz / all: Es ist kein Problem persönliches Mitglied der DGAP zu werden. Kostet nur 250 Märchenthaler per annum. Sunny_Bastard, am 05. Juni 2010 um 22:53 ( Link ) @Kurt_G: vielen Dank für Ihren Tip, wirklich sehr interessante Sendung, wenn man davon absieht, dass man währenddessesn Blüms absolut hirnloses, weltfremdes Gesabbel ertragen musste. Da kann ich ja nur froh sein, dass ich zu seiner aktiven Zeit als Politiker noch zu jung war, um mich dafür zu interessieren. Tanja_Klaeft, am 07. Juni 2010 um 0:19 ( Link ) @KurtG Danke für den Link. Wobei ich mich frage was ne Blitzbirne wie Blüm da zu suchen hat und was eine Kabarettistin für die Runde qualifiziert. Der Friedmann ist zudem völlig unerträglich. Tobias, am 07. Juni 2010 um 11:31 ( Link ) Herr Henkel fordert in der obigen Sendung, über die Wiedereinführung der D-Mark zu diskutieren: Wäre die Einführung einer parallelen Währung zum Euro umsetzbar? Wie könnte ein solches Szenario ablaufen? Könnte Deutschland aus dem Euro austreten? Was bringt eine neue/alte staatliche Zwangswährung, wenn die unhaltbaren Versprechen (Renten/Pensionen) weitergeführt werden? JMW, am 09. Juni 2010 um 9:28 ( Link ) Bei der Wiedereinführung der Deutschen Mark bin ich dabei! Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Olaf Janowski, am 05. Juni 2010 um 15:47 ( Link )
Und in Deutschland braucht man dann noch ein verdammt schnelles Pferd.
Besser man reitet gleich ausser Landes.