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Nach dem Bankrott: Das Endspiel in Babylonvon Thomas Fink Reise in das bleiche Herz der Finsternis Angesichts der Lage der Staatshaushalte in Europa und Amerika kommen mir die folgenden Sätze von Thomas Carlyle in den Sinn, die ich seinem, immer noch aktuellen, Werk von 1837 „Die Französische Revolution“ entnehme, in denen er die Lage des Königreichs vor der Revolution zusammenfasst: „Umgibt uns die schwarze Nacht der Blindheit oder der Finsternis? Brechen wir denn unter den finsteren Schrecken des Nationalbankrotts zusammen? Ich möchte keineswegs andeuten, das uns nach dem Bankrott der westlichen Wohlfahrtsstaaten des 21. Jahrhunderts so etwas wie eine neue Revolution erwartet. Das braucht es nicht. Ist doch dieser unser Bankrott im wesentlichen das Ergebnis von Geisteshaltungen, welche im Verlauf der französischen Revolution zum ersten Mal die Machtfrage stellten und die sich im Westen in den verschiedensten Formen institutionalisiert haben und nun den öffentlichen Raum fast vollständig bestimmen und beherrschen. Das Grundcharakteristikum dieser Geisteshaltungen hat Eric Voegelin als „pneumapathologisch“ definiert, als eine Verirrung des Geistes, hier Realitätsleugnung und Wirklichkeitsverweigerung zu Gunsten einer Utopie, welche nicht funktionieren kann, weil sie die Schaffung eines „neuen Menschen“ zur Vorraussetzung hat, den aber weder der Gulag noch Gender Mainstreaming produzieren können. Alles was dabei herauskommt, sind deformierte Menschen. Wir befinden uns mitten in einer permanenten Revolution des progressiven Gutmenschentums, der das Geld ausgeht. Nun müssen sich bald der in die Sozialsysteme ausgewanderte Migrant und sein liebster Freund, der Antifant, um die Staatsknete balgen. Und nicht nur die. Mögen sie alle auch schreien, der Kapitalismus wäre schuld. Selbst Sarah Wagenknecht weiß tief in ihrem Herzen, dass sie ihre Hummer nur weiter essen kann, wenn der kapitalistische Hilfsmotor läuft, der diesen ganzen Irrsinn finanziert. Da der Wohlstandspuffer wegbricht, verwandelt sich die multikulturelle Idylle um so schneller in jene Hölle, die wir Babylon oder auch Ninive nennen können. In einen Moloch, eine Monstrosität von endloser Stadt, in der die Polizei eine Bande unter vielen ist, in der eine Unendlichkeit von Identitäten, deren Gemeinsamkeit die Kaputtheit ist, nicht miteinander sondern nebeneinander und gegeneinander existieren. In diesem Pandämonium, dieser unendlichen, chaotischen Metropole zerplatzt der gnostische Traum der Immanentisierung des Eschatons, der Verwirklichung des Reich Gottes auf Erden. Diese Entwicklung beinhaltet Möglichkeiten. Neben den Megastädten des Alptraumes gibt es viel Platz. Der kapitalistische Hilfsmotor stellt uns darüber hinaus Technologien zur Verfügung, um widerstandsfähige Gemeinschaften aufzubauen, welche Energie-Unabhängigkeit und Ernährungssicherheit in einer blühenden lokalen Wirtschaft garantieren und die sich effektiv verteidigen können. Dahin ist es noch ein langer Weg, und neben der Technologie ist ein ordnungspolitischer Ansatz notwendig, den ich als Schlusspunkt mit einem Zitat von Leo Strauss skizzieren möchte: „Der Mensch kann seine Vollkommenheit nur in einer Gesellschaft, genauer gesagt, in einer Zivilgesellschaft, erreichen. Eine Zivilgesellschaft, oder Stadt, wie die Klassiker sie gedacht hatten, ist eine geschlossene Gesellschaft, was heute als eine `kleine Gesellschaft (small society)´ bezeichnet werden würde. ... Eine solche Gesellschaft muss durch gegenseitiges Vertrauen zusammengehalten werden, und Vertrauen setzt Bekanntschaft voraus. Ohne ein solches Vertrauen, dachten die Klassiker, kann es keine Freiheit geben; die Alternative zu dieser Stadt, oder einer Vereinigung von Städten, war das despotisch regierte Reich ... oder ein Zustand, der sich der Anarchie nähert.“ Babylon ist übrigens keine schlechte Metapher für Südafrika. Und auf die Spiele dort ab nächster Woche und vor allem auf das was darum herum geschieht, können wir sehr gespannt sein. 07. Juni 2010 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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