28. Juni 2010

Fußball Leistung statt Quote

Integration in der Nationalelf – ein Vorbild für unser Land?

Seit dem 11. Juni bemühen sich die besten Fußball-Mannschaften der Welt darum, das Runde möglichst oft in das Eckige des jeweiligen Gegners zu bugsieren. Einmal mehr fällt auf, dass viele vor allem europäische Mannschaften längst nicht mehr aus sogenannten Autochthonen bestehen. Es finden sich immer mehr Spieler mit „Migrationshintergrund“ – neusprech auch MiHiGru – in den Teams.

Besonders offensichtlich war dies bei den Franzosen, in deren Nationalelf die Leistungsträger seit Jahren afrikanische Wurzeln haben. Aber auch in der deutschen Elf ändern sich diesbezüglich die Zeiten: Nach dem ersten Spiel gegen Australien wurde neben der Leistung Thomas Müllers in den Medien vor allem die der Neuzugänge Özil, Khedira und Cacau gewürdigt. Auffällig oft wurde dabei auch der MiHiGru der Akteure herausgestrichen und betont, die Elf habe diesbezüglich auch gesellschaftlichen Vorbildcharakter. Auch DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger ließ mit solcherlei Einlassungen nicht lange auf sich warten.

Nur die Leistung zählt

In einem Interview gab er zu Protokoll, er sei stolz auf die gute Integrationsleistung, die Löw und sein Team vollbracht hätten. In der Mannschaft zähle weder das Alter noch die Herkunft – jeder Spieler werde lediglich nach leistungsbezogenen Kriterien beurteilt und entsprechend eingesetzt. Es herrsche Gerechtigkeit, und dies sei auch ein Signal an die Gesellschaft. Aufgrund seiner Geburt kurz nach dem Ende des Dritten Reiches lehne er jede Form der Diskriminierung ab.

Nun könnte man haarspalterisch einwenden, dass sich der Begriff Diskriminierung vom lateinischen discriminare (trennen, unterscheiden, eine Unterscheidung treffen) ableitet und dass daher natürlich auch eine leistungsbezogene Kategorisierung eine Form der Diskriminierung ist. Allerdings würde das zu weit führen (wir wissen ja, was er damit gemeint hat) und möglicherweise auch dazu, dass sich Antidiskriminierungsbeauftragte genötigt fühlen, die Kampfkraft unserer Mannschaft zu schwächen.

Die Nationalelf – tatsächlich ein Vorbild für unser Land

Aber man sollte die Äußerungen von Dr. Zwanziger trotzdem nicht so einfach übergehen. Wir sollten uns seine Meinung in diesem Punkt tatsächlich zu eigen machen! Denn in der Nationalelf ist etwas in unserem Land unerhörtes gelungen: Hier wurden Menschen allein aufgrund ihrer Leistungen ausgewählt und nicht deshalb, weil sie einen MiHiGru hatten.

Wir hingegen leben in einem Land, in dem eine Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsindustrie immer hysterischer dafür sorgt, gerade diese leistungsbezogenen Kriterien durch Kriterien wie Herkunft (sic!), Geschlecht oder sexuelle Neigung zu ersetzen. Wir leben in einem Land, in dem es durch die jahrzehntelange Negation des Leistungsgedankens zu einem millionenfachen internationalen Unterschichtenimport gekommen ist, der mittlerweile das Gefüge der Gesellschaft nicht nur finanziell akut bedroht. Wir leben in einem Land, das dadurch auch seine wertvollste Ressource – die Bildung – hat verwahrlosen lassen.

Unserem Land könnte also gar nichts besseres geschehen: Nehmen wir uns die Nationalelf zum Vorbild und wenden wir Jogi Löws Kriterien auf die Einwanderungs-, Bildungs- und Beschäftigungspolitik an! Und vergessen wir dabei vor allem auch nicht die Auswahl unseres politischen Personals! Vielleicht gelänge unserem Land in so einem Fall tatsächlich der Klassenerhalt, und der drohende Abstieg in die Regionalliga ließe sich verhindern. Und selbst Özil und Khedira würden dann schließlich unsere Nationalhymne mitsingen. Wäre das nicht schön?


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